(c) by Broken Spirits

// Anti-SEO

Google ist doch mein Freund.
Ich sehe ja meine Fotos nicht gerne auf fremden Webseiten – und lange Zeit war Google der Hauptbilderlieferant für alle möglichen Süßwassermatrosen – äh, Süßwasserinternetsurfer.

Nun hat Google ein neues Tool veröffentlicht, welches hochtrabend “blockierte Ressourcen” heißt. Gibt es über die WebmasterTools [1].

Weiterhin kann mann über die Webmastertools prüfen, wie Google die eigene Webseite sieht. Da gibt es auch eine neue Funktion: “Abrufen und rendern – eingehendere Prüfung” [2]:

Im Modus Abrufen und rendern wird Ihre Seite vom Googlebot gecrawlt und so angezeigt, wie Besucher sie in ihrem Browser sehen. Der Googlebot ruft alle von Ihrer URL angegebenen Ressourcen ab, z. B. Bild-, CSS- und JavaScript-Dateien. (…)

Google will natürlich den Webmastern “helfen” und “Probleme aufzeigen” – der Google-Blog-Eintrag aus [1] erinnert sprachlich mal wieder schön an den hilfsbereiten Onkel von Scientology/ Zeugen Jehovas/ Staubsaugervertreter/ etc….

Aber das neue Google- Tool gefällt mir trotzdem – zeigt es doch sehr schön, daß meine Abwehrmechanismen, die das Internet etwas weniger bunt machen sollen [3], astrein funktionieren.

Finde ich toll, daß mich Google bestätigt. Schließlich verstehe ich als Kreativer das Internet nicht. Manchmal mag ich Google dann doch ;-)

[1] http://googlewebmastercentral-de.blogspot.de/2015/03/ressourcenblockierungen-in-webmaster-tools.html
[2] https://support.google.com/webmasters/answer/6066467
[3] http://www.broken-spirits.de/blogs/fotografie/tutorial-fotos-einbinden-verhindern/

// Hachja, Google mal wieder

“Google befiehl und wir folgen”. Oder wie war das?

Da trudelt ne Warnung der Webmastertools ein…hier der Wortlaut:

“Die Systeme von Google haben 11 Seiten Ihrer Website getestet und bei 100 % dieser Seiten kritische Fehler in Bezug auf die Nutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten erkannt. Die Fehler auf den 11 Seiten beeinträchtigen die Nutzererfahrung auf Mobilgeräten für Ihre Website deutlich. Diese Seiten werden von der Google-Suche als nicht für Mobilgeräte optimiert eingestuft, und werden entsprechend in den Suchergebnissen für Smartphone-Nutzer dargestellt.”

Tjo, Smartphones…

  • in Bezug auf die Musik: eine ganze Generation wurde daran gewöhnt, den quäkenden Sound von besch….eidenen Smartphone-“Laut”sprechern und noch dazu MP3-Format gut zu finden. Wenn ich diese grottige Qualität im ÖPNV höre, dann frage ich mich, wozu ich eigentlich noch stundenlang im Tonstudio rumbastel…?!
  • in Bezug auf Fotos: ein PC-Monitor ist schon fragwürdig zum Betrachten von Fotos. Aber nun so ein Mini-Smartphone-Display oder Tablet-Display? Soll ich lachen?
  • Ich leg dann doch eher Wert auf brauchbare Fotos/Songs als hier für Smartphones zu optimieren. Halte ich für sinnvoller, als die Nutzer auf schlechte Qualität zu konditionieren.

    Positiver Nebeneffekt: der Selbstbedienungsmentalität oder Kostenlos”Kultur” falle ich auch weniger zum Opfer.

    Google, Du kannst mir mal ganz gepflegt die Pupe schmatzen.

    (Mal abgesehen davon, daß sich Google das in spätestens einem halben Jahr eh wieder alles anders überlegt… wenn ich da ewig hinterherrenne, komme ich ja zu gar nix anderem mehr. Habe ich ausprobiert, mein Blog lief besser als heute, aber ich habe nicht das gemacht, was ich eigentlich wollte….)

    // Was Dein ist, ist auch mein was mein ist, geht Dich nix an.

    Der Fefe hat ja mal einen Orden verdient.

    Dieser Fefe, der laut Google das Wort Contenmafia doch so etliche Male geschrieben hat, regt sich nun auf, weil seine (!!!) Blogartikel gestohlen werden.

    Um es mit Fefes Worten zu sagen:
    Moneyquote:

    Wenn ich sehe, dass irgendein Arschloch meinen RSS-Feed bei Twitter hochlädt und dann “sponsored Links” einbaut. Das sind so Sachen, die mich dazu bringen könnten, mit dem Bloggen aufzuhören. Ich bin kein gewalttätiger Mensch, aber solche Leute haben aus meiner Sicht einen in die Fresse verdient.

    Japp, ich würde sogar noch weiter gehen: ein Baseballschläger in die Fresse ist noch viel zu human. Das denke ich jedes Mal, wenn mir Fotos gestohlen werden.

    Ich gratuliere an dieser Stelle Fefe zu dieser Erkenntnis. Besser, sie kommt spät als nie.

    // Gelegentlich häufiger vorkommende Vertragsstrafe

    Den Mietvertrag für den neuen Proberaum habe ich jetzt erhalten. Er ist etwas dicker und umfangreicher, als der erste Mietvertrag für den alten Proberaum. Grund hierfür sind die Vetragsstrafen, die etwas …öhm… umfangreicher geworden sind.

    Irgendwie liest sich der Mietvertrag wie das gesamte Sündenregister aller Vermieter:

    Vertragstrafen von 25,00 Euro werden z.B. fällig, wenn die Wohnanschrift nicht stimmt.
    Oder die Miete bar bezahlt wird oder die gemietete Stellfläche auf dem Parkplatz nicht gekehrt wird. Der gleiche Betrag wird fällig, wenn man irgendwo auf dem Hof kurz hält, um z.B. etwas auf- oder abzuladen.

    50,00 Euro hingegen kostet es, wenn man andere zuparkt oder Müll auf dem Gelände ablädt. Dazu gehören auch abgemeldete Autos.
    Verstöße gegen die “Sicherheitsvorschriften für Feuerarbeiten” werden ebenfalls mit 50 Euro geahndet.

    Richtig billig ist es hingegen, wenn man vergisst, die Tür abzuschließen: das kostet beim ersten Mal nur 5,00 Euro. Erhöht sich jedoch jedes weitere Mal um weitere 5,00 Euro. Ab dem sechsten Verstoß wird der Vermieter einen kostenpflichtigen Auftrag erteilen, die Türen von jemanden abschließen zu lassen.

    Ich wittere einen Nebenjob: kürzlich teilte mir der Vermieter mit, daß ich einen Schlüssel habe, der zu allen Eingangstüren paßt.

    // Sicherheit im Internet

    Diese neuen Technologien (auch #Neuland genannt) bringen ja großartige Möglichkeiten mit sich. Leider hat dies auch eine Kehrseite: für einen Diebstahl muß man sich nicht mehr vom heimischen Sofa wegbewegen.

    Das haben auch größere Konzerne gemerkt und sichern sich nun in alle Richtungen vor Angriffen ab.

    So auch der ca. 600km weit entfernte Kunde, mit dem ich heute zu tun hatte. Für eine Software-Validierung hätte ich mich in sein Firmennetzwerk einloggen müssen. Toll, wenn man quasi vom heimischen Sofa aus Geld verdienen kann. Auch toll, wenn man den benötigten Nutzeraccount telefonisch einrichten lassen kann. Dann kommt aber das dicke Ende in Form der IT-Abteilung:

    Ich: Ich brauche ein Zertifikat, um mich von $Arbeitsort aus einzuloggen.

    Admin: Das darf ich Ihnen nicht geben: Sie haben keine Frage und Antwort hinterlegt, mit der Sie sich identifizieren können.

    Ich: Und wie hinterlege ich so eine Frage und Antwort?

    Admin: Dazu müssen Sie sich einloggen.

    Ich: ……?!

    Ist wirklich so: ich muß das Firmengelände betreten, mich dort kurz (so ca. 10 Minuten incl. Schulung) ans Intranet hängen, das ganze einrichten und kann dann von wo aus auch immer loslegen. Na denn.

    // Oppa erzählt vom Krieg oder: 6 Jahre

    … gibt es heute auf den Tag genau dieses Blog. Unter dem Namen “Broken Spirits” (der Name entstand übrigens so) bin ich mittlerweile 15 Jahre im Internet unterwegs – also ein echtes lebendes Fossil in diesen schnellebigen Zeiten ;-)

    Angefangen hatte ich mit einem Free-Webspace, vor knapp zwölf Jahren kam broken-spirits.com als erste eigene Top-Level-Domain hinzu. Eine com-Domain mußte es sein – wenn schon Internet, dann darf es auch international klingen. So dachte ich damals. Von HTML, CSS hatte ich null Ahnung, geschweige denn von php und MySQL. WordPress gab es damals gerade (?) noch nicht. Die “täglich aktualisierten Webseiten” waren der letzte Schrei. Täglich aktualisiert war ein Wunschdenken, denn 1) hatte ich keine Ahnung von html und 2) keinen Internetanschluß. Die täglichen Updates wurden also per Telefon einem Bassisten diktiert, der 1) HTML konnte und 2) einen Internetanschluß hatte. Blöderweise waren wir zwei ziemliche Quasselstrippen und das kam den täglichen Updates nicht unbedingt zugute. Der Post (oder war es schon die Telekom?) fand diese Idee aber sicher gut.

    Sukzessive verlagerte ich alle Internetaktivitäten auf eigene Domains – die com-domain wurde bald zu klein für den Austausch mit anderen Musikern und broken-spirits.de kam ein Jahr später hinzu. Beide Domains waren sozusagen meine erste “Cloud”, lange bevor es “DIE” Cloud überhaupt gab. Diesen Dienst erfüllen diese zwei Domains auch heute noch und wurden – wie sollte es anders sein – wieder zu klein.

    Demnächst ziehen alle die meisten Domains, die mir gehören, auf einen eigenen Server. Mit ersten Projekten habe ich bereits meine ersten Server-Betreiber-Erfahrungen gesammelt. Mir würde es nicht im Traum einfallen, zu irgendwelchen kostenlosen Cloud-Services zu wechseln.

    Ich bevorzuge es, wenn meine Daten, mein geistiges Eigentum (Songs und Fotos) mir gehören und nicht irgendwelchen Diensten wie Google & Co, die jederzeit die AGB zu meinen Ungunsten mit ellenlangen Texten (womöglich noch konsequent in GROSSBUCHSTABEN geschrieben) ändern können. If you do not pay for a product, you are the product.

    Vieles hat sich geändert und vieles habe ich dazugelernt in diesen 6 Jahren als Blogger und und 15 Jahren als Kreativer, der im Internet aktiv ist – nicht nur auf technischer Seite. Auch das Internet hat sich verändert – und das nicht zum Positiven.

    Soziale Netzwerke kamen und gingen – zu Zeiten meiner com-Domain war MySpace der “heiße Scheiß”: ich hatte ein Profil, bevor in den Print-Medien darüber berichtet wurde. Viele Musikerkontakte hatte ich darüber geknüpft. Ich bekam das erste Mal die Auswirkungen einer Filterbubble zu spüren: MySpace wurde für mich zu einer Selbstbeweihräucherungsplattform für Musiker (und heute ist es nichts anderes). Irgendwann ging mir das auf den Senkel und ich suchte nach einer Alternative: dieses Blog wurde geboren.

    Den ersten Artikel habe ich vor exakt sechs Jahren auf myblog.de veröffentlicht – einen Blog selber zu hosten sei zu teuer. Dachte ich. Den geeigneten Webspace hatte ich jedoch bereits – ohne es zu wissen.
    Immerhin: Dies war der Zeitpunkt, zu lernen wie kostenlose Angebote funktionieren: ich schrub einen Artikel und myblog.de schaltete vermeintlich passende Werbung dazu. Ich habe es nicht einmal ein Vierteljahr ausgehalten mit dieser aus Programmierersicht passenden Werbung (dabei waren das nur die Anfänge) und wechselte genervt zu WordPress.com. Dort war es allerdings auch nicht wesentlich besser (wenn auch in anderer Hinsicht) und der eigene Webspace (der eh schon da war) wurde kurzerhand zu dem umfunktioniert, was ihr hier heute seht. ;-)

    Der Erfolg diverser sozialer Netzwerke veränderte auch die Umgangsformen im Internet maßgeblich. Was auf MySpace oder den VZs noch Selbstbeweihräucherung war, verkam mehr und mehr zur Respektlosigkeit, während gleichzeitig Twitter, Facebook und Google+ wuchsen.
    Zu schnell werden heute einfach Kommentare, Gedanken in die Weltgeschichte hinausgerotzt (anders kann man es nicht nennen). Es wird gedankenlos geteilt – ohne Rücksicht darauf, was ursprünglich gedacht wurde, wozu zum Denken angeregt werden sollte. Einzig der schnelle Like aus der sabbernden Followerschaft zählt.

    Gefördert wurde dies alles durchaus maßgeblich durch Algorithmen: die (a)sozialen Netzwerke befeuern durch EdgeRank (FB), Aktualität (Google) genau dieses Verhalten. Es braucht Zeit, echte eigene Inhalte zu erstellen – und diese Zeit wird einem Kreativen nicht zugestanden:

    Zeit, in der man in (a)sozialen Netzwerken inaktiv ist – und damit gleichzeitig an Relevanz verliert.

    Schaut Euch einmal die “Influencer” an – die haben keine echten eigene Inhalte (und wenn doch, dann im Promillebereich). Das ist alles nur wiedergekäutes Zeugs. Zusammengeklau(b)t von Kreativen (Erst-Diebstahl), die wesentlich mehr Zeit und Geld in diverse Projekte reingesteckt haben, als der “Influnecer” jemals bereit sein würde. Der Rest schreibt ab. Kennst Du heute einen Blog, dann kennst Du sie alle. Das zugehörige Blogger-Mantra stammt von 2008 – zum Stehlen erzogen und das als heiligen Gral vor sich hertragen. Toll, nech?

    Mittlerweile habe ich den Eindruck, daß in der Netzwelt eine – wie soll ich es nennen? Gehirnwäsche? stattgefunden hat.

    Rückblickend betrachtet war die täglich aktualisierte Webseite noch eine recht sportliche Angelegenheit. Schließlich mußte alles in HTML umgesetzt werden – ein CMS gab es damals noch nicht (zumindest ist mir keines bekannt, was für Privatpersonen erschwinglich gewesen wäre). WordPress steckte in den Kinderschuhen. Aber: die tägliche Aktualität würde ich heute schon als “den Anfang vom Ende” bezeichnen. Vielleicht ticke ich da auch anders – mein Ziel war nie, irgendwelche Fundstücke zu sammeln (das machen genug andere), sondern eher die eigenen Dinge in die Weltgeschichte rauszublasen. Was mir in Bezug auf die Fotografie sogar hervorragend gelungen ist – das habe ich aber erst gemerkt, als ich meine eigenen Fotos aktiv gesucht habe und geschändet auf anderen Webseiten gefunden habe.

    Selber eigene Inhalte erstellen kann eine Weile dauern, und so dauert es eben auch, bis das Material für einen Blogeintrag da ist (Deswegen macht es ja auch noch kaum jemand zu 100%. Zeig mir einen Blog mit zu 100% selbst erstellten Inhalten, laß mich zwei Minuten Googeln und ich zeige Dir einen Lügner).
    Die echten eigenen Inhlate müssen ja erst gebaut werden – und das braucht Zeit. Insofern halte ich mittlerweile den Spruch “jeder Kreative kann sich bekannt machen über das Internet” für gequirrlte Scheiße: um bekannt zu werden, muß ich heute so viel Zeit investieren in mindestens zwei Blogupdates/ Woche (es soll ja auch noch hochwertig sein und SuMa-maßstäben gerecht werden), die mir dann für die eigentliche kreative Arbeit fehlt. Im Nachhinein betrachtet ist das die “Lüge 1 des Internets”.

    Hinzu kommt noch der Linkgeiz: keiner verlinkt mehr ordentlich auf die Fundstellen (nur dann kann man es halbwegs guten Gewissens “Werbung” nennen). Irgendwann hat wer auch immer (so eine Firma mit einem großen G und vielen bunten Buchstaben) der Netzgemeinde eingeredet, daß externe Verlinkung böse sei. Stattdessen ist OnPage-Optimierung “gut” – was dazu führte, daß “wohlmeinende” Webmaster nur noch über zwei Links (nämlich eine eigene Zwischenseite) auf externe Inhalte verlinken. Dort darf man auf einem uralten Blogeintrag dann den Link der Begierde suchen. Wenn man Glück hat, geht der dann dahin, wo man hin will. Offenbar herrscht die unterschwellige Angst, daß das eigene Blog darunter leiden könnte (und damit die Werbeeinnahmen), wenn die Besucher auf die Webseite eines Kreativen abhauen.
    Joah, passiert auch so – diese Webseiten, die diesen Mist machen, fliegen bei mir gnadenlos aus dem Feedreader. Service sieht anders aus. Mehrwert auch.

    Versteht es nicht falsch: es geht mir nicht um meine Inhalte – ich finde es jedoch mittlerweile ausgesprochen nervig, wenn ich selber suchen muß, wenn mir Fotos/ Musik/ whatever gefallen. Und das nur, weil der entsprechende Blogger sich zu fein ist, ordentlich zu verlinken. Niedere Beweggründe (vulgo: Egoismus, in der Internetsprache auch “+”, “like”, “retweet”, etc. genannt) sind die weniger schmeichelhafte Alternative. Das ist also “Werbung” für den Kreativen. Ich nenne es “Internetlüge Nummero 2″. Mal ganz abgesehen davon, daß der “Mehrwert” von solchen Blogs einfach lachhaft ist. Über Begriffe wie “Zielgruppe” darf sich der geneigte Leser selber Gedanken machen…

    Diese zwei Lügen sowie einiges an widerlichen Diebesgesindel hat mir im Laufe der Zeit die Lust am Internet reichlich versaut. Technisch durchaus faszinierend und spannend (und nur deswegen knüppel ich weiter), aber der ganze Rest…?

    Der Digital Native ist heute ein virtueller Brummkreisel: dreht sich um sich selbst und sondert dabei monotone Geräusche ab.

    … wiedergekäutes …
    … … wiederholtes … …
    … … … bereits dagewesenes … … …
    … … … … Redundanzen … … … … …
    … … … … … brummmmmmmm!… … … … …
    … … … … ommmmmmmmmm!… … … … …

    Schade. Das Internet hätte ein Ort für viel neues sein können. Das Internet verstehen kostet (technisch gesehen) etwas Zeit. Auf menschlicher Ebene – nun, mir fällt da als erstes die Ellenbogengesellschaft ein. Und Faustrecht. Kurz: Anarchie. Ebenfalls nicht schwer zu verstehen. Die Grundzüge hierzu lernt man ja in abgeschwächter Form im Real Live (sofern man eines hat).

    Ich weiß nicht, wie es mit diesem Blog hier weitergeht. Ich kann nicht mal die Frage nach dem “ob” beantworten. Ich weiß jedoch, daß mir mein Fotoblog mehr Spaß macht. Dies liegt nicht zuletzt an der “Gesichtskontrolle”.

    In diesem Sinne: auf weitere 15 Jahre “Broken Spirits” – dieses Blog ist nur ein 6 (+X?) Jahre währender Augenblick im Internet. Ich habe meine Zeit gehabt, ich hatte meinen Spaß und ich habe viel gelernt, sowohl aus technischer Sicht und wie Anarchie bzw. Egomanie, Narzissmus und Egoismus, aussieht – nun, ein Blick ins Internet reicht. Also durchaus auch aus psychologischer Sicht ein interessanter Feldversuch. Wer sich für Massenhysterie interessiert, sollte sich einen Twitter-Account zulegen und nach #xy-gates suchen. Die gibt es im Wochentakt. (Hier hat das mal jemand gesammelt – Links folgen.)

    Alles in allem kann ich trotz (oder besser: wegen, da ich mittlerweile auch gelernt habe, wie strafbewehrte Unterlassungserklärungen funktionieren :mrgreen: ) einiger Ärgernisse ganz gut mit diesem Internet leben. Diesen Spaß werde ich auch weiterhin haben – dafür brauche ich keine Digital Natives, die zu den Zeiten, in denen ich die ersten HTML-Tags gelernt habe, mit vollgeschissener Windel und Rassel in der Hand um den Weihnachtsbaum gekrabbelt sind…

    (Wobei: einen gewissen Unterhaltungswert haben diese selbsternannten Digital Natives dann doch – wie alle Kleinkinder :mrgreen: )

    // Ello – ein weiterer Seelenverkäufer?

    Wenn man auf die About-Seite anklickt, kann man lesen, daß sieben “well-known artists and programmers” Ello als ein privates soziales Netzwerk gegründet haben. Und richtig: auf einem jungfräulichen Ello-Account hat man erstmal zwei “Freunde”, die aus dem künstlerischen Bereich kommen. Die Timeline wird geflutet (geht ja auch bei fehlenden anderen “Freunden” nicht anders) mit allerlei Grafiken, geteilten Fotos usw.
    Es entsteht schnell der Eindruck, daß sich hier jede Menge Kreative “herumtreiben” – was bei dieser Entstehungsgeschichte nicht verwunderlich ist.

    Mittlerweile bin ich ebenfalls auf Ello – weniger, weil ich einen weiteren Kanal brauche, sondern vielmehr, weil sich bei den (a)sozialen Netzwerken mir mittlerweile die Zehnägel hochrollen. Vor allem in puncto Datenschutz und Urheberrecht. Darüber habe ich mich hier ja schon verschiedentlich ausgelassen.

    In Bezug auf Datenschutz scheint Ello schon fast vorbildlich zu sein: Im Ello Manifesto wird zum Beispiel versprochen, daß die Daten nicht ausgeschlachtet werden.

    Was ich an dieser Stelle allerdings für ausgekochten Bullshit halte, ist der Satz

    We believe that the people who make things and the people who use them should be in partnership.

    Dieses Zitat beschreibt zwar den Sollzustand, der Istzustand ist davon jedoch meilenweit entfernt. Das hat die Erfahrung der letzten Jahre einfach mehrfach gezeigt: Sei es “Das ist doch Werbung für Dich” versus “Linkgeiz” oder die unsäglichen Nutzugsbedingungen in sozialen Netzwerken oder “Crowdfunding” versus “Ich finanziere doch nicht Dein Hobby”. Mag sein, daß ich das Internet nicht verstanden habe, die Leute darin aber sehr wohl. Ello wird dieses Problem bei allem Idealismus auch nicht lösen können.

    Das ist die nächste Frage: will oder kann Ello dieses Problem überhaupt lösen? Datensammeln als Einnahmequelle sowie Inhalte der Nutzer fallen (so wie es sich aktuell anhört) weg. Wie finanziert sich also Ello? So altruistisch werden die Macher kaum sein, daß sie die komplette Infrastruktur für ein soziales Netzwerk kostenlos zur Verfügung stellen. Ein Server (selbst Webspace) kostet Geld – das weiß jeder Blogger, der ein CMS selber hostet.

    If you do not pay for a product, you are the product.

    Möglicherweise wird es Bezahl-Funktionen geben. Aber auch hier läuft es (Hand auf’ s Herz ;-) ) eher so, daß die Mehrheit im kostenlosen “Bereich” bleibt – also Kosten verursacht, aber kein Geld einbringen wird. Bleiben also nur die Daten und Inhalte, die zur Gegenfinanzierung bzw. Gewinn taugen.

    Die derzeitige Beta-Phase muß ebenfalls finanziert werden – und hier hat Ello einen Geldgeber gefunden: die Risiko-Kapitalgesellschaft FreshTracks Capital. Das ist kein Geheimnis – das wird ganz offen von FreshTracks kommuniziert. Hierfür einfach den Link anklicken (oder diesen) oder sich mit nachfolgenden Screenshot begnügen:

    Screenshot: Risiko Kapitalgesellschaft finanziert Ello

    In dem Screenshot fiel mir das “Buy-Side” auf – danach habe ich einmal gegooglet und fand das hier:

    Die von der Buy Side erstellten Marktanalysen betrachten meist den Gesamtmarkt, sind sehr langfristig angelegt und bilden die Grundlage für die Zusammensetzung von Aktienfonds.

    [Quelle: Boersennews.de/lexikon]

    Wer mag, kann ab diesem Punkt selber recherchieren – ich habe es versucht und mir schwirrt der Kopf. Die Hochfinanz liegt mir als armer Künstler einfach nicht. Jedoch bleibt eine Erkenntnis: Der Weg von Ello dürfte mit diesen (für mich begreifbaren und zugegebenermaßen oberflächlichen) Erkenntnissen bereits klar beschrieben sein:

    Ello möchte zwar eine Alternative zu Facebook sein – aber der Börsengang von Facebook ist noch nicht allzulange her. Die damit verbundenen Veränderungen (die ausnahmslos nicht zum Besseren waren) dürften die meisten Facebook-Nutzer noch in guter Erinnerung haben. Ganz allmählich spricht sich sogar unter Bloggern rum, daß Facebook nicht hält, was es verspochen hat (auch wenn ich die Schlüsse für falsch halte: Facebook entscheidet, was für den Nutzer interessant ist – was nicht zwingend den tatsächlichen Interessen der Facebook-Nutzer entspricht).

    Ello wird wohl oder übel den gleichen Weg gehen (müssen). Es wird darauf hinauslaufen, daß das unternehmerische Risiko auf die “Arbeitnehmer” ( = User) abegwälzt wird. Wenn mir z.B. der Fotoapparat oder die Gitarre kaputtgeht, interessiert das die (a)sozialen Netzwerke genau gar nicht. Es gibt ja genug andere. Gleiches gilt auch für Blogartikel und alle anderen echten eigenen Inhalte.

    Ello – ein weiterer Seelenverkäufer? Eindeutig ja.

    Aber wahrscheinlich ist das alles nur halb so wild, denn: ich habe das Internet schließlich nicht verstanden ;-)

    PS: dieser Blogartikel basiert auf dem Artikel eines Designers, der sich von Ello losgesagt hat. Dort wird noch etwas ausführlicher auf die finanzielle Unterstützung eingegangen und der Artikel schließt mit den Worten:

    So here’s what I’m doing: I’m leaving Ello. Before it can grow. Before it can exit. And I suggest that you do the same. Or, even better, do not join it in the first place.

    //Edit: dazu paßt: Aral Balkan über die digitale Freiheitslüge.