Es gibt Berufskrankheiten, um die man nicht herumkommt. Bei Musikern sind das hauptsächlich “Tinnitus aurium” (lat.: „das Klingeln der Ohren“) und Sehnenscheidenentzündungen.
Der Tinnitus ist nicht nur auf Rockmusiker beschränkt, er macht auch vor klassischen Instrumentalisten nicht halt: die meisten Geiger werden früher oder später auf dem linken Ohr schwerhörig – auch so eine Geige hat einen recht hohen Schalldruck und das ohne elektrische Verstärkung. Stradivari und Co. haben sich schon was dabei gedacht, wie sich “ihr” Instrument im Orchester durchsetzen kann
Sehnenscheidenentzündungen betreffen eigentlich alle Musiker – erfordert doch jedes Instrument eine strapaziöse Handarbeit.
Was auf der Bühne so locker aussieht, erfordert jahrelanges Training und noch mehr Selbstdisziplin. Für nicht jede Handübung, die die Muskulatur trainiert oder die Sehnen geschmeidig hält, braucht man ein Instrument. All das kann man auch “trocken” trainieren, z.B. während man auf den Bus wartet oder im Bus von A nach B fährt, in Wartezimmern beim Arzt oder Amt sitzt oder während einer Kaffeepause.
Das Wichtigste ist jeoch immer, daß es nie wehtun darf, wenn man ein Instrument spielt. Egal, was der Musiklehrer behauptet. Und es zeichnet einen Musiklehrer aus, der mal nicht auf die Finger guckt, sondern auch überprüft, ob das Gesicht gerade schmerzverzerrt ist. Oftmals ist das wichtiger, den jeder Schüler ist manchmal etwas zu ehrgeizig – alles andere wäre ja auch traurig…
Heutzutage ist es kein Problem, eine Kamera (jede Digicam kann das schon seit geraumer Zeit) vor dem Schüler aufzubauen. Für gute Musiklehrer gehört das mittlerweile zum Standardprogramm und diese Musiklehrer schauen sich das Video auch mal in ihrer “Freizeit” an und analysieren die Bewegungsabläufe.
Das ist dann eine Vorbereitung auf die nächste Unterrichtsstunde, in der das Video zusammen mit dem Schüler durchgegangen wird und ggf. auf Haltungsfehler hingewiesen wird.
Natürlich gibt es auch unter den Musiklehrern “schwarze Schafe” die dann einem Schüler auch mal so Sprüche drücken wie:
“Das muß am Anfang weh tun, das war bei mir genauso.”
oder:
“Da mußt Du durch, das gibt sich mit der Zeit”
Solche Sprüche hört man z.B. als Gitarrist spätestens bei den Barreegriffen.
BLÖDSINN!!!
Tretet solche selbsternannten Lehrer SOFORT in die Tonne!
Diese Brüder richten mehr Schaden an als Nutzen.
Ein absoluter Sechser im Lotto ist natürlich der musikbegeisterte Orthopäde, der mit einem Musiklehrer einen Workshop veranstaltet. Da lernt man richtig viel über richtige Körperhaltung und das Instrument selber. Wer diese Möglichkeit nicht hat, sollte spätestens bei einer Überweisung zum Orthopäden die Musik ansprechen. Wenn die Zeit da ist, helfen und beraten die Ärzte auch gerne und bereitwillig (das marode Gesundheitssystem läßt an dieser Stelle aber leider grüßen….)
Trotzdem: eine Sehnenscheidenentzündung ist eine Berufskrankheit – man kann sie nur schwer verhindern und nur konsequent von Anfang an hinauszögern. Unter Musikern heißt es: “Wer sie einmal hat, bekommt sie immer wieder”…
Es ist nicht die Frage, OB man sie bekommt, sondern WANN.
Dies hier ist weder eine medizinische Beratung noch eine Anleitung, wie man am besten ein Instrument erlernt. Es sind einfach nur einige Erfahrungen, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe. Manche haben geholfen, manche nicht. Dennoch: mit Mitte 30 bin ich mit meiner ersten Sehnenscheidenentzündung vergleichsweise spät dran – so verkehrt kann das alles also nicht sein. Der Bequemlichkeit halber begründe ich das nun mal mit “Man wird halt nicht jünger”.
Trotzdem gibt es aber auch einige Musiker, die wesentlich älter sind als ich und diese Probleme nicht haben.
Nach mehr als 11 Jahren fast täglichen intensiven Krachmachens auf mehrerern Instrumenten hat es nun mich Autodidakten, der sich diese Erkenntnisse und Infos mühsam zusammengesucht hat, erwischt.
Da geht noch was für diejenigen, die gerade anfangen Musik zu machen. Schont Eure Gichtgriffel – es ist äußerst nervig, wenn man Musik machen will und dies nicht tun sollte…







