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Frequently Asked Questions | Broken Spirits

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// Aus Scheiße Musik machen – Teil1

Thursday, January 7th, 2010

Vielleicht erinnert Ihr Euch ja noch an diesen Blogeintrag. Dieser Kollege bezog sich bei seiner Aussage eindeutig auf mein Schlagzeug.
Nachdem sich laut dieser Umfrage 73 % meiner Blogleser (Schweizer-Zählung) für die Schlagzeugsounds interessieren, komme ich heute diesem Wunsch nach.

Zuvor aber noch einige Anmerkungen:

Der Begriff “Schlagzeug” trifft nur insofern zu, weil ich hier “Zeugs” rumstehen habe, auf das ich drauf”schlage”.
Jeder Schlagzeuger wird jedoch mit meiner Schießbude klarkommen, dennoch ist es kein “klassisches” Schlagzeug. Jeder Eimer, jede Tonne oder jedes Metallteil hat die Funktion eines bestimmten Schlagzeugteils. Eine HiHat wird bei mir nie so klingen, wie man es normalerweise von einer HiHat erwarten würde. Trotzdem wird jeder diesen Klang als HiHat wahrnehmen.

Denkt Euch also im folgenden Begriffe wie Tom, Hihat, Snare usw. immer in Anführungszeichen – diese Begriffe dienen nur dem Verständnis; die Wahrnehmung ist im Klanggefüge eine ganz andere, als dies hier im Einzelbeispiel rüberkommt.

Trotzdem habe ich mich beim Bau und der Entwicklung meiner Schießbude bemüht, möglichst nahe an ein Originalschlagzeug heranzukommen.

Aufgrund des Umfangs habe ich diesen Eintrag zweigeteilt. Heute geht es ausschließlich um das “klassische” Schlaginstrumentarium. Im zweiten Teil werde ich etwas über meine Percussions schreiben – wobei die Grenzen hier durchaus fließend sind.

Sämtliche in diesem Blogeintrag veröffentlichten Klänge unterliegen den
Common Rights: BY-NC-ND

[1] Die Bassdrum oder Kickdrum

[1.1] Bassdrum mit Doppelfußmaschine

Ich verwende hierfür ein 120 – Liter – Faß mit Standarddeckel und Spannring. Die Abnahme erfolgt über einen alten Tieftöner (rechtes Bild), den ich mithilfe des Spannringes befestige. Das Gewicht des Tieftöners wird durch ein ca. 1 m langes Stück Straßenbahngleis getragen. Schon dieser erste Teil ist also eine recht massive Sache ;-)

Trocken (also ohne Verstärkung) ähnelt der Klang dieses Fasses eher einer Conga, erst durch den Tieftöner und einem Equalizer bekomme ich den Klang, der einer gewöhnlichen Bassdrum entspricht.
Dämmaterial (alte Handtücher) ist wie bei einer normalen Bassdrum ebenfalls nötig – auch wenn der Effekt beträchtlich geringer ist, als bei einer normalen Bassdrum. Aber auch hier mußte ich die klassische Vorgehensweise (Handtücher-reinschmeißen-und-fertig) abändern, da ein Knäuel Geschirrhandtücher den Klang beeinflußt hätte: Ein Tieftöner ist eben doch etwas anderes als ein normales Bassdrum-Mikrophon, nur durch die Membrangröße bedingt.

Auch wenn man meinen sollte, daß das Material des Fasses (PE-HD) nicht nachgibt, wenn ich das Fass mit der Doppelfußmaschine bearbeite, so ist doch ein kleines Loch im Faß notwendig für den Druckausgleich. Bei meinen ersten Versuchen ist mir die Membran des Tieftöners gerissen – diesen Schaden konnte ich aber mit etwas Silikonpaste beheben…

Der erste Teil der Aufnahme ist die trockene Bassdrum, der zweite Teil ist über den Tieftöner abgenommen:

bassdrum.mp3 (20 kB)

[1.2] Bassdrum, mit Sticks gespielt

Als zweite “Bassdrum” dient ein 10-Liter-Kanister – ebenfalls aus PE-HD. Ursprünglich sollte dieser eine ganz andere Funktion einnehmen, durch den tiefen Natursound blieb mir aber nichts anderes übrig, als ihn für eine Bassdrum zu verwenden. Meist spiele ich ihn mit einem ehemaligen Stuhlbein – das ergibt einen recht tiefen, wuchtigen Klang:

bassdrum2.mp3 (3 kB)

[2] Die Hihat

Die Hihat war lange Zeit mein Sorgenkind, es hat lange gedauert, bis ich einen halbwegs brauchbaren Sound gefunden habe.

Der erste Versuch, der optisch noch am ehesten einer normalen Hihat ähnelt, war ein richtiger Griff ins Klo. Scheppernd und klappernd kam sie daher und klang nach allem möglichen – nur nicht nach einer Hihat.
Verwendet hatte ich eine ausrangierte Fußmaschine und zwei Lüfterdeckel eines Kühlers von Daimler. Ob diese Deckel ihren Dienst in einem Motor zuverlässig verrichten, kann ich nicht beurteilen. Als Hihat sind die Dinger jedenfalls nicht zu gebrauchen. Für diesen Blogeintrag habe ich dieses Konstrukt nochmal nachgebaut:

hihat_alt.mp3 (9 kB)

Zum Erfolg führte letztenendes der oben erwähnte Grundgedanke (der übrigens nicht von mir ist, sondern von einem befreundeten Percussionisten):

jeder Hörer interpretiert einen bestimmten Klang entsprechend seinen Hörgewohnheiten.

Diese Erkenntnis gab mir dann die nötige Freiheit, an diese Problematik ganz anders heranzugehen. Ziel war dennoch (oder gerade deshalb) einen möglichst ähnlichen Klang zu finden.

Nach vielen Fehlversuchen (u.a. alte gerissene Becken von befreundeten Schlagzeugern, Kuchenbleche und vieles mehr) fand ich dann den geeigneten Gegenstand: Stoßdämpfer!

Ursprünglich wollte ich diese ausschließlich für die Becken verwenden – und als solche werden sie auch heute noch verwendet. Mit zunehmender Anzahl (ich habe vier Stück) bekamen die Stoßdämpfer dann diese Doppelfunktion.
Der Nachteil dieser Hihat ist, daß ich zwei Stoßdämpfer brauche, um den Hihatklang imitieren zu können: Einen mit Dämmaterial für die geschlossene Hihat und einen freischwingenden Stoßdämpfer für die offene Hihat. Dies gibt mir aber widerum etwas mehr Fußfreiheit für die Double-Bassdrum…

Die ersten 4 Klänge sind die ungedämpften Stoßdämpfer für die “offene” Hihat oder Becken, der fünfte für die “geschlossene” HiHat:

stossdaempfer.mp3 (492 kB)

[3] Die Snare

Auch für die Snare habe ich wieder etwas Auswahl – abhängig von Material und Experimentierstadium:

[3.1] Blech aus dem Baumarkt

(Im Foto oben links im Bild)

Der eigentliche Verwendungszweck ist eine Halterung für Regipsplatten – ich verwende dieses Teil für einen recht “scharfen” Snaresound. Bei einem normalen Schlagzeug wäre dies also die Snare mit einem straff gespannten Snareteppich.

snare_blech.mp3 (6 kB)

[3.2] Keksdose

(Im Foto oben rechts im Bild)

Dieser Vorrat läßt sich recht leicht beschaffen: eine ganz normale Keksdose, die (nachdem der ursprüngliche Inhalt verspeist wurde) mit Schrauben und Nägeln wieder aufgefüllt wird. Der Klang – nun, es scheppert ein wenig ;-)

snare_keksdose.mp3 (6 kB)

[4] Hängetoms

Die Beschaffung dieser Blechdosen macht am meisten Spaß – ist es doch immer mit einem feucht-fröhlichen Abend mit Freunden verbunden.
Die Wahl des Bieres hängt aber nicht nur von der Qualität des Bieres ab, sondern auch von der Qualität des Behälters. Die klanglich besten Fünf-Liter-Dosen kommen eindeutig von zwei kleinen örtlichen Brauereien und werden (soweit mir bekannt) auch nur in der zugehörigen Kneipe verkauft.
Wenn ich mal groß berühmt bin, hätte ich gerne einen Endorsement-Vertrag;-)

Der Klang erinnert eher an eine Rototom als an eine normale Hängetom – so ganz trifft es das aber auch nicht. Es ist eben eine Bierdose:

bierdosen.mp3 (58 kB)

[5] Die Standtoms

Kommen wir zum letzten Teil des eigentlichen Schlagzeugs: als Standtoms dienen Magnesiumsulfat-Fässer aus Valonne. Diese grünen Blechfässer sind klanglich äußerst vielseitig, weshalb ich hier auch drei Stück im Einsatz habe: eines richtig rum, eines mit dem Boden nach oben und eines mit Kronkorken gefüllt.
Da ich eine meiner beiden Bassdrums händig spiele, bekam eine dieser Tonnen eine Fußmaschine spendiert und dient dann als Snare. Den fließenden Wechsel von Bassdrum (Fuß)/ Snare (Hand) zu Bassdrum (Hand)/ Snare (Fuß) bekomme ich aber ums Verrecken nicht hin ;-)
Aber wozu gibt es Computer?

mgso4_faesser.mp3 (196 kB)

[6] Zusatzmaterial

In der Anfangsphase suchte ich noch nach einigen brauchbaren Becken, die ich dann in den Stoßdämpfern fand (siehe oben). Die ganzen unbrauchbaren Versuche sind teilweise noch in meiner Schießbude integriert – wenn auch nicht als Becken. Klanglich bringt es auch nicht viel Neues, spieltechnisch ist es ganz praktisch, einige Klänge doppelt zu haben. Auf Klangbeispiele habe ich deshalb verzichtet.
Auch von einem normalen Schlagzeug sind zwei Chinabecken aus meinem Equipment nicht mehr wegzudenken.

[7] Ende des ersten Teils

Ich werde oft gefragt, ob es nicht einfacher wäre, ein richtiges Schlagzeug zu verwenden. Ich verbringe ja auch nicht gerade wenig Zeit damit, dieses Schlagzeug zu bauen, weiterzuentwickeln oder zu verbessern. Mit Sicherheit ist dies eine meiner ewigen Modelleisenbahnen und wird wohl nie fertig. Die wesentlichsten Änderungen in den letzten Monaten bestanden hauptsächlich in der Verbesserung der Ergonomie und den Befestigungsmethoden der einzelnen Bestandteile: diese sollen einerseits stabil sein, andererseits verändert eine Schraube auch wieder den Klang, bzw. ist eine Verschraubung im Falle der Bierdosen gar nicht möglich, ohne den Boden zu entfernen (was durch die Entfernung des Resonanz”fells” zu einer beträchtlichen Klangänderung führt) – ein perfektes Optimum habe ich bisher noch nicht bei allen Bestandteilen gefunden…

Was dennoch für dieses Konstrukt spricht: es hat einen ganz eigenen Sound. Irgendwo ist es zwar ein Schlagzeug, irgendwo aber wieder nicht. Mit der Zeit wurde dieses Schlagzeug zu einem wesentlichen Bestandteil “meines” Sounds, den sonst keiner hat.
Dazu kommt noch die Klangvielfalt, die deutlich über ein normales Schlagzeug hinausgeht: Melodiespiel ist zum Beispiel möglich – was auch schon zu einer Zweckentfremdung führte: die Bierdosen lassen sich mit entsprechender Nachbearbeitung (insbesondere Halleffekte) auch als Tubullar Bells verwenden.

Ein Austausch gegen ein normales Schlagzeug kommt für mich derzeit überhaupt nicht in Frage – und ein zusätzliches Schlagzeug fällt aus Platzgründen weg.
Ich werde mich also auch in Zukunft weiter durch die Musik scheppern ;-)

Der zweite Teil folgt bei Interesse die nächsten Tage oder Wochen, ich habe derzeit noch nicht einmal damit angefangen. Es würde in diesem Teil um die beweglichen Teile gehen, die ich seltener verwende. Da ist teilweise auch recht schweres Gerät dabei (Gußeisen usw.) sowie diverse Metallröhren, mit denen man auch recht vielseitig arbeiten kann.

Auch wenn dieser Artikel deutliche Überlänge hat (er dürfte mit 1467 Worten der bisher längste Blogeintrag sein), hoffe ich, daß dieser Einblick hinter die Kulissen für Euch interessant war ;-)

An dieser Stelle sei noch Cassy Bouffier für ihre Hilfe beim Korrekturlesen gedankt :-)

Den zweiten Teil gibt es hier.

Verwandte Artikel

// Gastmusikercasting

Tuesday, December 1st, 2009

Heike fragte:

Aber zum Thema Sängerinnen mit Recall-Erfahrung, aber ohne Talent: Was lässt du die denn so vorsingen? Gibt es da ein Standard-Stück, dass eine Sängerin deiner Meinung nach draufhaben sollte, wenn sie sich bei dir vorstellt? Und wenn ja, warum ausgerechnet dieses? Worauf achtest du? Was ist dir wichtig, was unwichtig, was ist ein Kriterium, der zum sofortigen „Stopp!“ führt? Mal abgesehen von der Tontrefferquote …

Nun, diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten und auch wenn ich hauptsächlich Sänger(innen) suche, so gilt diese Frage auch für alle anderen Gastmusiker.

Ich denke, das “Standardstück” schlechthin gibt es nicht. Eine Jazzsängerin zu finden, die einen Hardrocksong singen kann und dabei gleichzeitig klingt wie Janis Joplin wird wohl eher schwer bis unmöglich sein.

Im Endeffekt ist aber genau das das Problem (auch wenn selbst für mich dieses Beispiel an den Haaren herbeigezogen ist).

Wenn ich einen Song schreibe, für den ich einen Gesangspart brauche, habe ich im Allgemeinen wenigstens eine grobe Vorstellung, wie sich der fertige Song anhören soll.
Und genau das sollte die Sängerin (bzw. der jeweilige Gastmusiker) auch umsetzen können. Mehr nicht.

Bis zu dem Zeitpunkt des “Castings” (ich hasse das Wort und es beschreibt das Auswahlverfahren nur sehr schlecht) hat niemand außer mir und vielleicht meine Nachbarn den Song gehört – das meiste existiert bestenfalls in meinem Kopf.
Um jetzt eine Sängerin zu finden, möchte ich meist zwei Songs hören:
1) einen bekannten Song, der möglichst nahe an meine Vorstellungen für “meine” Gesangslinie herankommt

und

2) einen Song, der der Sängerin gefällt (also einen, den sie gut kann).

Dadurch erhalte ich zwei für mich wichtige Informationen:
1) kann sie meine Ideen umsetzen? (eigene Interpretationen mag ich auch, es muß also kein 1:1-Cover sein)

und

2) was gibt ihre Stimme her? Passt der Stimmumfang zu meinem Song? Betonungen? etc.
Die meisten Sängerinnen werden hier wohl die für sie “interessanten” Stücke singen, mit denen sie ihr ganzes Können zeigen. In diesem Fall stelle ich meinen eigenen Musikgeschmack auch völig hintenan. Mir geht es bei diesem Song ausschließlich um den Gesang – also die Technik.

Diese Vorgehensweise wende ich an, wenn ich über Printmedien (Sperrmüll, Stadtmagazzine, etc.) eine Sängerin suche.

Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten (Internet, Lauschangriff auf Nachbarproberäume, Lauschangriff an meiner Proberaumtür usw.) und dabei fällt dann ein Punkt situationsabhängig weg – welcher das in der jeweiligen Situation ist, ist wohl klar ;-)

Hiermit sind – denke ich – die meisten Fragen von Heike bereits beantwortet. Bleiben noch die ungefragten Fragen.

Musikmachen ist ein kreativer Prozeß, und so müssen auch die Charaktere wenigstens für den Augenblick zusammenpassen. Hierzu habe ich einige Beispiele:

Dazu gehört m.E. auch das Vokabular. Es ist sehr schwierig, eine Gesangslinie zu “beschreiben” (ich bin – was den Gesang betrifft – zum Beispiel völlig unbedarft). Dies kann zu vielen Fehlversuchen führen, wenn ich eine “verzerrte” Stimme an einer bestimmten Stelle haben möchte. Dies ist eine Worterfindung von mir, mit dem die Sängerin damals nichts anfangen konnte. Sie kannte diese Technik als “anreißen”. Da erst mal auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, ist zeitintensiv. Dieser Punkt ist zwar kein Totschlagargument, aber wenn dieses intuitive Verständnis gegeben ist, macht es doch vieles einfacher.

Ein anderer wichtiger Punkt ist das Zusammenspiel der Kreativität: ich hatte mal einen Bassisten, der – was die Technik betrifft – die schwierigsten Sachen innerhalb kurzer Zeit spielen konnte. Wenn es aber darum ging, eine eigene Linie zu entwickeln war das (milde ausgedrückt) ein äußerst zäher Prozeß. In einem solchen Fall spielen meine eigenen konkreten Vorstellungen eine wichtige Rolle: wenn ich die Baßlinie schon am Keyboard eingespielt habe, und somit die Noten ausdrucken konnte, war der Mann perfekt.
Wenn es darum ging, eine vage Vorstellung umzusetzen (“Spiel doch mal langgezogene Töne, die das ganze etwas melancholischer machen”), dann endete das meistens mit Frust auf beiden Seiten. Das soll nicht heißen, daß dieser Bassist schlecht ist – im Gegenteil! In diesem Momnet haben wir nur unterschiedliche Vorstellungen von “langezogen” und /oder “Melancholie” – oder anders ausgedrück: wir sprechen nicht dieselbe Sprache.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Zuverlässigkeit: diejenigen, die dieses Blog hier regelmäßig lesen, haben vielleicht mitbekommen, daß die Wände zwischen den Proberäumen quasi aus Pappe bestehen. Wenn die Nachbarband probt, kann ich hier nicht aufnehmen.
Somit muß ich meine Aufnahmetermine mit den Kollegen nebenan absprechen. Das kann MAL schiefgehen, das ist kein Beinbruch. Wenn es aber zum Dauerzustand wird, daß meine Nachbarn einen Probetermin wegen mir umsonst verschieben, wird das eine ziemlich blöde Situation für mich.
Der andere Punkt ist, daß viele Spuren aufeinander aufbauen. Ich plane also erst den Percussionisten ein und anschließend die Sängerin. Da wir alle berufstätig sind und/ oder andere Bandprojekte haben, ergibt sich da schonmal ein sehr enger Zeitplan. Allle Termine unter einen Hut zu bringen ist nicht immer einfach. Wichtig ist für mich deshalb eine möglichst exakte Absprache. Die Termine der Gastmusiker greifen ineinander wie Zahnräder (je nach Aufnahmeort ggf. auch unter Berücksichtigung der Nachbarbands).
Auch wenn mehrere Leute zusammenspielen sollen, sind Verspätungen äußerst unpraktisch: trauriger Rekord waren bisher sieben Stunden, in denen fünf Leute auf einen warten durften.
Ich sage nichts bei einer halben Stunde Verspätung – im Stau stehen kann man immer. Aber auch Staus kann man an manchen Tagen quasi einplanen.

Dies alles sind Faktoren, die zusätzlich zu den Qualitäten als Musiker eine Rolle spielen.

Kommen wir zu dem absoluten “Stop-Kriterium”:

Broken Spirits” ist MEIN Projekt. Dies war zu Beginn als Band geplant – mittlerweile ist es nicht nur mein Soloprojekt sondern mit der Zeit auch meine virtuelle Identität geworden (und das nicht nur durch dieses Blog). Mit dieser Entwicklung bin ich selber nicht hundertprozentig glücklich, aber es hat sich nun mal so ergeben.
Dies wirkt sich natürlich auch auf die Gastmusiker aus. Jeder Gastmusiker kennt dieses Blog und weiß auch, daß dieses Blog nur die Spitze des Eisberges ist. Dahinter steckt eine Menge mehr Arbeit, als hier nur einen Blogartikel zu schreiben oder die Playtaste zu drücken, wenn der jeweilige Musiker im Proberaum spielbereit ist. Aber letztendes wird mittlerweile mit jedem Song meine Meinung oder meine Sicht der Dinge wiedergegeben. Dies ist natürlich auch nicht immer kompatibel.

Diese Erfahrung ist nicht ganz einfach – ich durfte sie selber schon einigemale erleben: als Gastmusiker in anderen Bands. Es gibt ganz klare Anforderungen, diese können die eigenen Fähigkeiten übersteigen (guter Lerneffekt) und das Endergebnis – nun, man mag es oder nicht.

Meist ist (hoffentlich) ersteres der Fall.

Trotzdem: ich hatte meistens viel Spaß dabei, mich mit anderen Musikern auszutauschen. Wir haben viel gelacht, uns gefreut, wenn etwas so geklappt hat, wie es sollte und uns noch mehr gefreut, wenn etwas unerwartetes entstand. Und ich denke, daß ist das wichtigste: Spaß haben. Anders ergibt das keinen Sinn…

Verwandte Artikel

// Songwriting

Saturday, November 14th, 2009

Blogleserin Axy fragte in einem ihrer letzten Kommentare zum Thema Songwriting:

Sag mal… wie sieht so ein Entwurf von dir eigentlich aus? Also notierst du da die Noten und schreibst Text drunter oder wie läuft das?

Nun, viele Wege führen nach Rom und so kann das sehr unterschiedlich aussehen. Häufig schreibe ich im Proberaum und entwickle eine Melodie an einem Instrument meiner Wahl – meist ist das Gitarre oder Keyboard, aber auch das “Schlagzeug” wird manchmal hierfür eingesetzt: die ganzen Fässer, Bierdosen und Metallrohre sind ja Idiophone und somit ist auch auf diesem selbstgebastelten Schlagzeug ein (einfaches) Melodiespiel möglich.

Meist habe ich dann recht bald eine grobe Vorstellung von dem neuen Song, oft geht es aber auch nach dem “Trial-and-Error-Prinzip” weiter.
Diese Ideen werden aufgenommen und am Computer zusammengebastelt. Manche Stellen sind gelungen, an anderen Stellen ist ein Verspieler drin oder einfach unpassend; diese Stellen werden neu eingespielt und ersetzen dann die fehlerhafte Stelle in der ersten Spur.

Die zweite – ebenfalls gerne verwendete Variante – ist die “kopfigere”: große Teile des neuen Songs entstehen auf dem Papier. Das hat den Vorteil, daß ich den Proberaum quasi “mitnehemen” kann: mehr als ein Stift und ein Papier brauche ich nicht, und so kann es sein, daß man mich im Bus, im Wald oder in einer Kneipe Songs schreiben sieht. In Kneipen ziehe ich mich dafür auch mal gerne mal aufs Klo zurück, da werde ich nicht angequatscht gestört.

Ich bin allerdings noch nicht so fit, daß auf diese Art spielfertige Songs entstehen: eigentlich immer ist noch einiges an Nachbesserungen während der Aufnahme nötig. Aber um ein grobes Grundkonzept zu entwickeln, taugt diese Variante allemal.

So sieht das dann aus:

Dieses Fragment war für “Arabien Piece” auf dem Album “The Silence between Us” (2001); ganz normal in einem Notenblock geschrieben, wahrscheinlich zuhause oder im Proberaum:

notenblatt

Die Kneipenvariante: Den Text a.D. 2002 am Tresen begonnen, von ein paar angetrunkenen Frauen gestört worden, die Melodie dann auf dem Klo geschrieben ;-)
Daraus wurde 6 Jahre später “One Reason” aus dem Album “Art : The Facts” (2008).

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