Vielleicht erinnert Ihr Euch ja noch an diesen Blogeintrag. Dieser Kollege bezog sich bei seiner Aussage eindeutig auf mein Schlagzeug.
Nachdem sich laut dieser Umfrage 73 % meiner Blogleser (Schweizer-Zählung) für die Schlagzeugsounds interessieren, komme ich heute diesem Wunsch nach.
Zuvor aber noch einige Anmerkungen:
Der Begriff “Schlagzeug” trifft nur insofern zu, weil ich hier “Zeugs” rumstehen habe, auf das ich drauf”schlage”.
Jeder Schlagzeuger wird jedoch mit meiner Schießbude klarkommen, dennoch ist es kein “klassisches” Schlagzeug. Jeder Eimer, jede Tonne oder jedes Metallteil hat die Funktion eines bestimmten Schlagzeugteils. Eine HiHat wird bei mir nie so klingen, wie man es normalerweise von einer HiHat erwarten würde. Trotzdem wird jeder diesen Klang als HiHat wahrnehmen.
Denkt Euch also im folgenden Begriffe wie Tom, Hihat, Snare usw. immer in Anführungszeichen – diese Begriffe dienen nur dem Verständnis; die Wahrnehmung ist im Klanggefüge eine ganz andere, als dies hier im Einzelbeispiel rüberkommt.
Trotzdem habe ich mich beim Bau und der Entwicklung meiner Schießbude bemüht, möglichst nahe an ein Originalschlagzeug heranzukommen.
Aufgrund des Umfangs habe ich diesen Eintrag zweigeteilt. Heute geht es ausschließlich um das “klassische” Schlaginstrumentarium. Im zweiten Teil werde ich etwas über meine Percussions schreiben – wobei die Grenzen hier durchaus fließend sind.
Sämtliche in diesem Blogeintrag veröffentlichten Klänge unterliegen den
Common Rights: BY-NC-ND
[1] Die Bassdrum oder Kickdrum
[1.1] Bassdrum mit Doppelfußmaschine
Ich verwende hierfür ein 120 – Liter – Faß mit Standarddeckel und Spannring. Die Abnahme erfolgt über einen alten Tieftöner (rechtes Bild), den ich mithilfe des Spannringes befestige. Das Gewicht des Tieftöners wird durch ein ca. 1 m langes Stück Straßenbahngleis getragen. Schon dieser erste Teil ist also eine recht massive Sache
Trocken (also ohne Verstärkung) ähnelt der Klang dieses Fasses eher einer Conga, erst durch den Tieftöner und einem Equalizer bekomme ich den Klang, der einer gewöhnlichen Bassdrum entspricht.
Dämmaterial (alte Handtücher) ist wie bei einer normalen Bassdrum ebenfalls nötig – auch wenn der Effekt beträchtlich geringer ist, als bei einer normalen Bassdrum. Aber auch hier mußte ich die klassische Vorgehensweise (Handtücher-reinschmeißen-und-fertig) abändern, da ein Knäuel Geschirrhandtücher den Klang beeinflußt hätte: Ein Tieftöner ist eben doch etwas anderes als ein normales Bassdrum-Mikrophon, nur durch die Membrangröße bedingt.
Auch wenn man meinen sollte, daß das Material des Fasses (PE-HD) nicht nachgibt, wenn ich das Fass mit der Doppelfußmaschine bearbeite, so ist doch ein kleines Loch im Faß notwendig für den Druckausgleich. Bei meinen ersten Versuchen ist mir die Membran des Tieftöners gerissen – diesen Schaden konnte ich aber mit etwas Silikonpaste beheben…
Der erste Teil der Aufnahme ist die trockene Bassdrum, der zweite Teil ist über den Tieftöner abgenommen:
bassdrum.mp3 (20 kB)
[1.2] Bassdrum, mit Sticks gespielt
Als zweite “Bassdrum” dient ein 10-Liter-Kanister – ebenfalls aus PE-HD. Ursprünglich sollte dieser eine ganz andere Funktion einnehmen, durch den tiefen Natursound blieb mir aber nichts anderes übrig, als ihn für eine Bassdrum zu verwenden. Meist spiele ich ihn mit einem ehemaligen Stuhlbein – das ergibt einen recht tiefen, wuchtigen Klang:
bassdrum2.mp3 (3 kB)
[2] Die Hihat
Die Hihat war lange Zeit mein Sorgenkind, es hat lange gedauert, bis ich einen halbwegs brauchbaren Sound gefunden habe.
Der erste Versuch, der optisch noch am ehesten einer normalen Hihat ähnelt, war ein richtiger Griff ins Klo. Scheppernd und klappernd kam sie daher und klang nach allem möglichen – nur nicht nach einer Hihat.
Verwendet hatte ich eine ausrangierte Fußmaschine und zwei Lüfterdeckel eines Kühlers von Daimler. Ob diese Deckel ihren Dienst in einem Motor zuverlässig verrichten, kann ich nicht beurteilen. Als Hihat sind die Dinger jedenfalls nicht zu gebrauchen. Für diesen Blogeintrag habe ich dieses Konstrukt nochmal nachgebaut:
hihat_alt.mp3 (9 kB)
Zum Erfolg führte letztenendes der oben erwähnte Grundgedanke (der übrigens nicht von mir ist, sondern von einem befreundeten Percussionisten):
jeder Hörer interpretiert einen bestimmten Klang entsprechend seinen Hörgewohnheiten.
Diese Erkenntnis gab mir dann die nötige Freiheit, an diese Problematik ganz anders heranzugehen. Ziel war dennoch (oder gerade deshalb) einen möglichst ähnlichen Klang zu finden.
Nach vielen Fehlversuchen (u.a. alte gerissene Becken von befreundeten Schlagzeugern, Kuchenbleche und vieles mehr) fand ich dann den geeigneten Gegenstand: Stoßdämpfer!
Ursprünglich wollte ich diese ausschließlich für die Becken verwenden – und als solche werden sie auch heute noch verwendet. Mit zunehmender Anzahl (ich habe vier Stück) bekamen die Stoßdämpfer dann diese Doppelfunktion.
Der Nachteil dieser Hihat ist, daß ich zwei Stoßdämpfer brauche, um den Hihatklang imitieren zu können: Einen mit Dämmaterial für die geschlossene Hihat und einen freischwingenden Stoßdämpfer für die offene Hihat. Dies gibt mir aber widerum etwas mehr Fußfreiheit für die Double-Bassdrum…
Die ersten 4 Klänge sind die ungedämpften Stoßdämpfer für die “offene” Hihat oder Becken, der fünfte für die “geschlossene” HiHat:
stossdaempfer.mp3 (492 kB)
[3] Die Snare
Auch für die Snare habe ich wieder etwas Auswahl – abhängig von Material und Experimentierstadium:
[3.1] Blech aus dem Baumarkt
(Im Foto oben links im Bild)
Der eigentliche Verwendungszweck ist eine Halterung für Regipsplatten – ich verwende dieses Teil für einen recht “scharfen” Snaresound. Bei einem normalen Schlagzeug wäre dies also die Snare mit einem straff gespannten Snareteppich.
snare_blech.mp3 (6 kB)
[3.2] Keksdose
(Im Foto oben rechts im Bild)
Dieser Vorrat läßt sich recht leicht beschaffen: eine ganz normale Keksdose, die (nachdem der ursprüngliche Inhalt verspeist wurde) mit Schrauben und Nägeln wieder aufgefüllt wird. Der Klang – nun, es scheppert ein wenig
snare_keksdose.mp3 (6 kB)
[4] Hängetoms
Die Beschaffung dieser Blechdosen macht am meisten Spaß – ist es doch immer mit einem feucht-fröhlichen Abend mit Freunden verbunden.
Die Wahl des Bieres hängt aber nicht nur von der Qualität des Bieres ab, sondern auch von der Qualität des Behälters. Die klanglich besten Fünf-Liter-Dosen kommen eindeutig von zwei kleinen örtlichen Brauereien und werden (soweit mir bekannt) auch nur in der zugehörigen Kneipe verkauft.
Wenn ich mal groß berühmt bin, hätte ich gerne einen Endorsement-Vertrag…
Der Klang erinnert eher an eine Rototom als an eine normale Hängetom – so ganz trifft es das aber auch nicht. Es ist eben eine Bierdose:
bierdosen.mp3 (58 kB)
[5] Die Standtoms
Kommen wir zum letzten Teil des eigentlichen Schlagzeugs: als Standtoms dienen Magnesiumsulfat-Fässer aus Valonne. Diese grünen Blechfässer sind klanglich äußerst vielseitig, weshalb ich hier auch drei Stück im Einsatz habe: eines richtig rum, eines mit dem Boden nach oben und eines mit Kronkorken gefüllt.
Da ich eine meiner beiden Bassdrums händig spiele, bekam eine dieser Tonnen eine Fußmaschine spendiert und dient dann als Snare. Den fließenden Wechsel von Bassdrum (Fuß)/ Snare (Hand) zu Bassdrum (Hand)/ Snare (Fuß) bekomme ich aber ums Verrecken nicht hin ![]()
Aber wozu gibt es Computer?
mgso4_faesser.mp3 (196 kB)
[6] Zusatzmaterial
In der Anfangsphase suchte ich noch nach einigen brauchbaren Becken, die ich dann in den Stoßdämpfern fand (siehe oben). Die ganzen unbrauchbaren Versuche sind teilweise noch in meiner Schießbude integriert – wenn auch nicht als Becken. Klanglich bringt es auch nicht viel Neues, spieltechnisch ist es ganz praktisch, einige Klänge doppelt zu haben. Auf Klangbeispiele habe ich deshalb verzichtet.
Auch von einem normalen Schlagzeug sind zwei Chinabecken aus meinem Equipment nicht mehr wegzudenken.
[7] Ende des ersten Teils
Ich werde oft gefragt, ob es nicht einfacher wäre, ein richtiges Schlagzeug zu verwenden. Ich verbringe ja auch nicht gerade wenig Zeit damit, dieses Schlagzeug zu bauen, weiterzuentwickeln oder zu verbessern. Mit Sicherheit ist dies eine meiner ewigen Modelleisenbahnen und wird wohl nie fertig. Die wesentlichsten Änderungen in den letzten Monaten bestanden hauptsächlich in der Verbesserung der Ergonomie und den Befestigungsmethoden der einzelnen Bestandteile: diese sollen einerseits stabil sein, andererseits verändert eine Schraube auch wieder den Klang, bzw. ist eine Verschraubung im Falle der Bierdosen gar nicht möglich, ohne den Boden zu entfernen (was durch die Entfernung des Resonanz”fells” zu einer beträchtlichen Klangänderung führt) – ein perfektes Optimum habe ich bisher noch nicht bei allen Bestandteilen gefunden…
Was dennoch für dieses Konstrukt spricht: es hat einen ganz eigenen Sound. Irgendwo ist es zwar ein Schlagzeug, irgendwo aber wieder nicht. Mit der Zeit wurde dieses Schlagzeug zu einem wesentlichen Bestandteil “meines” Sounds, den sonst keiner hat.
Dazu kommt noch die Klangvielfalt, die deutlich über ein normales Schlagzeug hinausgeht: Melodiespiel ist zum Beispiel möglich – was auch schon zu einer Zweckentfremdung führte: die Bierdosen lassen sich mit entsprechender Nachbearbeitung (insbesondere Halleffekte) auch als Tubullar Bells verwenden.
Ein Austausch gegen ein normales Schlagzeug kommt für mich derzeit überhaupt nicht in Frage – und ein zusätzliches Schlagzeug fällt aus Platzgründen weg.
Ich werde mich also auch in Zukunft weiter durch die Musik scheppern
Der zweite Teil folgt bei Interesse die nächsten Tage oder Wochen, ich habe derzeit noch nicht einmal damit angefangen. Es würde in diesem Teil um die beweglichen Teile gehen, die ich seltener verwende. Da ist teilweise auch recht schweres Gerät dabei (Gußeisen usw.) sowie diverse Metallröhren, mit denen man auch recht vielseitig arbeiten kann.
Auch wenn dieser Artikel deutliche Überlänge hat (er dürfte mit 1467 Worten der bisher längste Blogeintrag sein), hoffe ich, daß dieser Einblick hinter die Kulissen für Euch interessant war
An dieser Stelle sei noch Cassy Bouffier für ihre Hilfe beim Korrekturlesen gedankt
Den zweiten Teil gibt es hier.













