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// Artikel – Entwürfe

Das Jahr 2011 werde ich wohl kaum in guter Erinnerung behalten – zuvieles ging bei mir drunter und drüber und dementsprechend wenig Zeit hatte ich auch zum Bloggen.
 
Nachdem es nun absehbar ist, daß sich spätestens im März die Wogen wieder glätten werden, ist es nun höchste Zeit, die liegengebliebenen Artikel-Entwürfe zu einem Abschluß zu bringen.
 
Einige sind mittlerweile überholt und die meisten habe ich heute auch ins Datennirvana befördert. Nebenbei bemerkt einige befreiende Mausklicks: bei dem frustrierten Geschreibsel habt Ihr nichts verpaßt und ich bin froh, dieses Kapitel “2011″ endgültig abschließen zu können.
 
Mindestens zwei Artikel-Entwürfe werde ich aber fertigstellen: diese betreffen nämlich zwei Fragen, die mir in den Kommentaren gestellt wurden:
 
Miki stellte letztes Jahr eine Frage zu den Grauzonen im Urheberrecht – bzw. der Unsicherheit unter den Bloggern, was man nun posten darf und was nicht. Diese Problematik ist ja gewissermaßen zeitlos – und auch nicht so einfach zu beantworten. Das zeigen schon die 1388 Worte, die ich in diesem Entwurf bereits geschrieben habe. Es werden zwar einige Worte weniger, dafür kommen wohl noch einige viele dazu. Dieser Entwurf bedarf noch einer gründlichen Überarbeitung…
 
Der zweite Artikel ist nicht weniger umfangreich: 2370 Worte benötigte die Antwort auf eine Frage von Blunah zu Gitarreneffekt – Geräten…
Dieser Entwurf ist prinzipiell fertig und wurde auch schon vor geraumer Zeit von Herrn Banane, der sich in der jüngeren Vergangenheit durch “musizieren in überdimensionaler Lautstärke” als Gitarrero einen Namen gemacht hat, korrekturgelesen und ergänzt bzw. für Laien verständlicher formuliert. Allerdings fehlt noch das abschließende Gitarrensolo. Für diese Aufnahme fehlte mir einfach die Zeit.
 
Mit diesem Artikel werde ich wohl auch anfangen: für mich ist das schließlich eine gute Gelegenheit, meine eingerosteten Finger wieder flott zu kriegen.
 
Bleibt an dieser Stelle nur noch die abschließende Frage: ist hier noch irgend etwas offen? (Mal abgesehen von ein oder zwei Gastbeiträgen in einem anderen Musikerblog, mit denen ich derzeit aber noch nicht mal angefangen habe – wenn man von einigen Fotos absieht).
 
Oder ist da sonst noch eine Frage, die Euch unter den Nägeln brennt bzw. die Ihr Euch bisher nicht getraut habt zu fragen? Ich denke, die Gelegenheit ist gerade günstig – wenn ich sowieso schon mal dabei bin – und das Jahr ist schließlich noch lang…
 

// Was braucht man zum Musikmachen?

Auf Twitter hatte ich am Sonntag abend eine kurze aber doch interessante Diskussion zu dieser Frage.

Ehrlich gesagt hat mich das Anspruchsdenken an das Equipment etwas erschüttert. Oder ich behaupte einfach mal, daß es in dieser Diskussion gar nicht um das Musikmachen an sich ging, sondern vielmehr um die Anschaffung von Statussymbolen.

In den Jahren, in denen ich aktiv Musik mache, habe ich viele Leute erlebt, die durchaus überdurchschnittlich talentiert waren. Einige davon haben mir Gitarrenakkorde beigebracht, die ich aus anatomischen Gründen zunächst einmal für unmöglich hielt. Da war also durchaus einiges an Wissen und Können da und dieses Talent hätte auch verwendet werden können.

Was mich immer überrascht hat, war die Tatsache, daß diese Leute zwar gerne mal bei mir im Proberaum auf ein Bier und eine Jamsession vorbeikamen aber ansonsten ihr Talent brachliegen ließen.

Oft diskutierten wir bei einem Bierchen, warum dies so ist. Die Antwort war eigentlich bei allen Leuten unabhängig voneinander die gleiche: Das Equipment fehlt / kann ich mir nicht leisten / habe ich keinen Platz für / ich habe keinen Ort, an dem ich Musik machen kann. Sowas ist einfach nur traurig.

Meine Antwort war und ist eigentlich immer die gleiche und die hat sich über die Jahre auch nicht geändert:

Du hast Deinen Arsch, Deine Finger und Dein Equipment. Also setze Dich hin und mach was draus.

Ganz klar: hochwertiges Equipment ist eine tolle Sache und man kann jahrzehntelang daraufhin sparen. Gleichzeitig macht man in diesen Jahrzehnten auch nichts anderes als sparen. Musik jedenfalls nicht. Das hat keiner von denen reglmäßig gemacht, die bei mir auf ein Bier und eine Jamsession zu Besuch kamen oder kommen. Mehr als diese Jamsession lief nicht. Kein einziger eigener Song und keine einzige Anschaffung, die die Leute auch nur einen Millimeter näher and das Ziel “Musikmachen” gebracht hätte.
Denn meistens wurde das gesparte Geld im gleichen Jahr für das Auto, den Urlaub ausgeben oder bereits bis zum Monatsende gleich versoffen. Versteht micht nicht falsch: das ist ok. Jeder darf so leben, wie er mag. Jeder darf auch träumen – das tue ich auch.

Man muß auch erst Blut lecken.

Denn dann fällt die Sparerei und die damit verbundenen Einschränkungen auch leichter.
Bevor es soweit ist, ist in meinen Augen eigentlich das wichtigste: anfangen! Das Equipment ist zunächst mal scheißegal.

Es ist gut, wenn man ein Ziel hat, auf das man hinarbeiten kann; ein Ziel, das einen motiviert, weiterzumachen. Aber ohne diesen alles entscheidenden Anfang läuft gar nix.
Für diesen Anfang tut es auch eine E-Gitarre für 250 Euro und ein gebrauchter Transistorverstärker. Da hat man nichts hochwertiges, aber zumindest mal etwas halbwegs solides, mit dem man erstmal arbeiten kann. Diese 250-Euro-Gitarre wird mit Sicherheit keine Freundschaft für’s Leben und vielleicht ist es auch schlicht die falsche.

Die 3000-Euro-Traum-Gitarre kommt erst mit der Zeit (und erst mit der Zeit weiß man auch, welche das ist). Diese Anschaffung lohnt sich auch nur, wenn man schon ein paar Akkorde beherrscht und etwas tiefer in die Materie eingestiegen ist.

Statt einem Strat-Nachbau wäre vielleicht eine Paula-Kopie die bessere Gitarre. Wer weiß das schon, wenn man direkt am Anfang steht? Und wer beschäftigt sich mit solchen Fragen, der noch keine Ahnung von der Materie hat? Wer kennt schon den Unterschied zwischen Humbuckern und Singlecoils? Oder im Falle eines Baßes den Unterschied zwischen aktiven und passiven Tonabnehmern? Wer weiß am Anfang, ob ein Sampler oder Masterkeyboard die richtige Kaufentscheidung ist? Wer kennt die damit verbundenen Folgeanschaffungen und -Kosten?

Wichtig ist nur eines: anfangen. Egal wie. Der Rest kommt von alleine und wird sowieso meistens etwas anders als ursprünglich gedacht. Ein Hobby braucht auch Luft zum Atmen und Raum zur Veränderung.

Zu meiner Anfangszeit habe ich zum Beispiel von einer Band geträumt. Heute wäre dieses Konzept auch das völlig falsche Vehikel für meine Ideen oder Vorstellungen und die Ausstattung meines Proberaumes wäre heute auch eine ganz andere, wenn ich hier mit einer kompletten Band proben würde. Da bin ich also deutlich abgewichen von meinem ursprünglichen Plan.

Musik mache ich trotzdem fast jeden Tag – obwohl die gesamte Duchführung überhaupt nichts mehr mit der Ursprungsidee zu tun hat. Meine Prioritäten haben sich im Laufe der Zeit geändert. Genau wie die meiner Mitstreiter aus den Anfangstagen. Die machen heute alle keine Musik mehr – oder kommen bei mir auf ein Bierchen oder Jamsesseion vorbei. Allerdings haben die meisten von denen nicht “angefangen” – die sind irgendwelchen Träumen hinterhergejagt und haben diese nie erreicht oder unterwegs gefrustet aufgegeben oder haben irgendwann festgestellt, daß die Musik doch nicht das richtige Hobby ist.

Für mich sind solche teuren Anschaffungen vor dem Anfang eher Beschaffungsmaßnahmen von Statussymbolen. Damit man was hat, um anzugeben, wenn man in einer Band vorspielt oder wenn Besuch kommt. Die Finger waren aber bei so einem Casting im Proberaum schon immer wichtiger als der Inhalt des Gitarrenkoffers.

Ich glaube, daß sich das nicht nur auf die Musik bezieht. Der gleiche Gedanke läßt sich vermutlich auf jedes Hobby (sei es die Fotografie, ein Oldtimer zusammenbasteln, was auch immer) übertragen. Wie seht Ihr das?

// C3-PO, R2D2, Fuckup, Novac usw…

Was hat das schon wieder mit Musik zu tun? Nun, bei Ruediger bin ich auf ein Stöckchen von Julia aufmerksam geworden.

Das ist doch eine gute Gelegenheit, um mal wieder einen Einblick hinter die Kulissen zu gewähren und dabei meine geballte Rechenpower vorzustellen. “Geballte Rechenpower” ist durchaus ironisch zu verstehen, denn es sind auch einige Fossilien dabei und das zeigt auch, daß es nicht unbedingt die neueste Technik sein muß, um kreativ zu arbeiten ;-)

R2D2

Da hätten wir also meinen ersten Rechner, auf den Namen R2D2 getauft, den ich damals von einer Polizeiband geschenkt bekommen habe. Die hatten mir Nicht-Kiffer kein auf der Straße beschlagnahmtes Gras andrehen können, sie wollten mir aber trotzdem was Gutes tun (wahrscheinlich eine Art “Schweigegeld”) und so bekam ich meinen ersten Rechner für den Proberaum. Zuvor hatte ich mit geliehen Mini-Disc-Recording-Equipment über Mehrspurminidisc (diese Technik war von der Videofilmerei geklaut) gearbeitet und man konnte sage und schreibe 8 Minuten mehrspurig aufnehmen. Dieser Rechner, der da plötzlich im Proberaum stand, stellte also eine drastische Verbesserung da und Harddiscrecording war der letzte Schrei.
Bestückt ist er heute noch mit der Soundblaster AWE32, läuft absturzfrei (!!) seit fast 10 Jahren unter Win98SE, hat einen PentiumI mit 200 MHz, 64 MB RAM und zahlreiche Laufwerke (SCSI und IDE kombiniert, voll bestückt macht das also 11 Laufwerke + 2 Floppys. Der Speicherplatz ist aber nicht so dolle: schlappe 20 GB kommen über die 9 Festplatten zusammen. Nicht berauschend, aber es reicht. Heute hängt da mein Uralt-Sampler dran, der die Sounds aus der Wavetable der AWE32 zieht. Völlig veraltet – ich weiß. Aber ich mag diese Vintage-Sounds. Und gegen die AWE32 kann man auch heute nicht viel sagen: das Grundrauschen war damals schon extrem leise – für damals sensationelle 1500 DM konnte man sowas auch erwarten ;-)
Nach einigen Jahren habe ich R2D2 in ein solides Servergehäuse umgetopft. Das Ding wiegt nun über 30 Kilo und wird mit schöner Regelmäßigkeit mit einer Klimaanlage verwechselt. Angeblich soll das Gehäuse feuerfest sein – überprüft habe ich das noch nicht. Ich weiß aber mittlerweile, daß das Ding absolut wasserdicht ist. Die ganzen Innereien dieses Computers waren nach dem Wasserrohrbruch staubtrocken.

Der Rechner lebt also noch, wird von mir gehegt und gepflegt und ist nicht nur als Zeitgeber, der die restlichen Rechner synchronisiert, aus meinem System nicht mehr wegzudenken.

HAL

Der geringe Speicherplatz wurde mit der Zeit aber ein Problem und die Kiste ist schon eine recht lahme Gurke: eine CD brennen dauert mit einem 4fach-Brenner doch recht lange. Also kam nur zum CD Brennen und als zusätzlicher Speicherplatz HAL ins Spiel. Ebenfalls ein Windows98SE-Rechner und immerhin schon ein Pentium II mit zwei 20 GB Festplatten. Den Arbeitspeicher habe ich nach recht kurzer Zeit auf 128 MB erweitert. Auch dieser Rechner ist heute noch gelegentlich im Einsatz.
Die Herkunft des Namens HAL brauche ich wohl nicht groß erklären, aber ist Euch aufgefallen, daß da IBM rauskommt, wenn man jeden Buchstaben in HAL um eins erhöht? Das war eine leise Kritik damals gegen die “übermächtigen” Computer, die uns alle beherrschen und versklaven werden…

Marvin und NOVAC

Die technische Entwicklung machte auch vor der Musik nicht halt (naja, besser ausgedrückt: ich wollte nicht länger hinterherhinken, habe mich also freiwillig selber dem Technikwahn unterworfen) und so mußte ein neueres Betriebssystem her. Win XP gab es zwar schon, aber das konnte ich mir nicht leisten. Blieb also nur ein Win2000-tauglicher Rechner. Davon bekam ich durch Zufall fast zeitgleich zwei Stück: Marvin und NOVAC habe ich die beiden genannt und Win2000 installiert. Marvin ist der depressive Roboter aus “Per Anhalter durch die Galaxie” – das schwarze Gehäuse ließ einfach keinen anderen Namen zu ;-)
NOVAC steht für “Nuclear Operateted Variable Automatic Computer”. Dieser Name stammt ebenfalls aus einem Science Fiction, dessen Name mir aber entfallen ist (ich habe diesen Film auch nie gesehen). Beide Rechner haben einen 450 MHz Pentium II Prozessor und 256 MB RAM. Ursprünglich waren beide für den Einsatz von VST-Plug-Ins gedacht, erwiesen sich aber recht schnell als zu langsam. Heute teilen sie das Schicksal mit HAL, also Arbeiten, die mal zwischendurch erledigt werden können aber nicht meine Hauptrechner belasten sollen (z.B. eine CD brennen, oder einen Mixdown durchführen), spielten dann aber später nochmal bei meinem Musikvideo eine tragende Rolle: Viele Szenen habe ich auf den beiden Kisten vorbereitet – dazu zählten Kleinigkeiten wie Farbänderungen und Timinganpassungen – also alles, was nebenher über Nacht gerendert werden kann.

C3-PO

Das eigentliche Arbeitstier ist hier im Proberaum C3-PO – mittlerweile eigentlich auch veraltet, aber mit einem AMD Sempron 2400+ – Prozessor und 750 MB RAM durchaus brauchbar. Hier habe ich auch mal etwas mehr in eine Soundkarte investiert. Diese ganzen VST-Dinger laufen einfach nicht mit Billig-Soundkarten.
Auch dieser Rechner bekam Win2000 spendiert.

FUCKUP

Ins Internet gehe ich mit FUCKUP – benamst wurde dieser Rechner nach “Die Illuminati” und steht für “First Universal Cybernetic-Kinetic-Ultramicro-Programmer”. Dies ist ein WinXP Rechner, ausnahmsweise mit einer neueren Grafikkarte ausgestattet, die Soundkarte ist Onboard (jupp, anwesende Musiker: erschlagt mich), und die CPU ist ein Pentium4-Prozessor mit 1,5 GHz. Noch (da werde ich wohl demnächst etwas umbauen) ist er mir 1 GB RAM bestückt.

Der restliche Kruscht

Ihr seht also: ich bin – zumindest was die Rechnernamen betrifft – ein kleiner SF-Fan und was das Equipment betrifft: Vintage. Das hat sich bewährt. ;-)

Dementsprechend sind die ganzen Kisten auch eigenhändig zusammengebaut: mal war in einem Proberaum Hardware zu verschenken, mal gab es be eBay etwas günstig, mal waren zwei komplette Bürorechner übrig, aus denen ich einen musiktauglichen Rechner gebaut habe und manchmal habe ich für Einzelteile richtig viel Geld ausgegeben (meist RAM und Soundkarten).

Die Rechner selber sind mittlerweile ohne Ausnahme veraltet, alle erfüllen aber trotzdem ihren Zweck oder lassen sich notfalls aufrüsten und ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren: in die Saiten oder Tasten hauen. Und genau darauf kommt es mir an.
Über die Jahre hat sich herauskristallisiert, daß WIN98SE (Betonung liegt auf SE – WIN98 ist ne Katastrophe) das stabilste Betriebssystem von Microsoft ist: Mit diesen Rechnern habe ich über Jahre hinweg nie Probleme gehabt. Von W2K und WinXP kann ich das leider nicht gerade behaupten….
Generell setze ich aber einen Rechner auf, installiere alle Software, die ich brauche, räume auf (also defragmentieren usw.), optimiere am BIOS, und dann bleibt das so – von gelegentlichen Defragmentierungen und Löschen von TEMP-Dateien abgesehen. Pro Computer stecken da im Schnitt ca. 1-2 Wochen Feierabendarbeit drin (wobei ich da manchmal auch anderes zu tun habe).
Updates (auch Sicherheitsupdates) interessieren mich wenig: Die Rechner, die ich zum Musikmachen brauche, haben keinen Internetzugang. Daran wird sich auch nichts ändern: zuviel Arbeit steckt in jedem Song, als das ich das Risiko von Schadsoftware eingehen würde (das gilt auch für den Einsatz von Wechseldatenträgern – prinzipiell ein NoGo und Wechseldatenträger kommen nur in Ausnahmefällen, wenn es wirklich gar nicht anders geht, zum Einsatz.)

Ohne zahlreiches externes Equipment (Mischpulte, Effekte, Synthesizer), das mit den Rechnern kommuniziert, würde hier aber gar nichts laufen. Mittlerweile ist da auch noch ein 486er im Spiel, über den ich ein Gitarreneffektgerät ansteuere. Für sowas braucht es nicht viel Rechenleistung, DOS schafft das locker von der Diskette und jeder moderne Rechner wäre damit unterfordert (und sowas ist schließlich rausgeschmissenes Geld).

Im übrigen wäre es auf keinem der Rechner möglich, ein neueres Computerspiel zu spielen: in den meisten Rechnern habe ich noch PCI-Grafikkarten verbaut. Diese sind völlig ausreichend, um die Amplituden meiner Wave-Dateien oder ein paar Schieberegler darzustellen. Mehr brauche ich hier nicht. Allerdings sind fast alle Grafikkarten Dual-Head-Grafikkarten: die Musikbearbeitungssoftware beansprucht recht viel Platz, wenn man virtuelle Synthesizer, virtuelle Mischpulte und Arrangierfenster im Auge behalten möchte…

Das Stöckchen darf nun mitnehmen wer mag – ich schmeiß die Dinger grundsätzlich nicht anderen Leuten an den Kopf. Es darf ja ohne Zwang jeder bloggen, was er mag. ;-)

// Aus Scheiße Musik machen – Teil1

Vielleicht erinnert Ihr Euch ja noch an diesen Blogeintrag. Dieser Kollege bezog sich bei seiner Aussage eindeutig auf mein Schlagzeug.
Nachdem sich laut dieser Umfrage 73 % meiner Blogleser (Schweizer-Zählung) für die Schlagzeugsounds interessieren, komme ich heute diesem Wunsch nach.
 
Zuvor aber noch einige Anmerkungen:
 
Der Begriff “Schlagzeug” trifft nur insofern zu, weil ich hier “Zeugs” rumstehen habe, auf das ich drauf”schlage”.
Jeder Schlagzeuger wird jedoch mit meiner Schießbude klarkommen, dennoch ist es kein “klassisches” Schlagzeug. Jeder Eimer, jede Tonne oder jedes Metallteil hat die Funktion eines bestimmten Schlagzeugteils. Eine HiHat wird bei mir nie so klingen, wie man es normalerweise von einer HiHat erwarten würde. Trotzdem wird jeder diesen Klang als HiHat wahrnehmen.
 
Denkt Euch also im folgenden Begriffe wie Tom, Hihat, Snare usw. immer in Anführungszeichen – diese Begriffe dienen nur dem Verständnis; die Wahrnehmung ist im Klanggefüge eine ganz andere, als dies hier im Einzelbeispiel rüberkommt.
 
Trotzdem habe ich mich beim Bau und der Entwicklung meiner Schießbude bemüht, möglichst nahe an ein Originalschlagzeug heranzukommen.
 
Aufgrund des Umfangs habe ich diesen Eintrag zweigeteilt. Heute geht es ausschließlich um das “klassische” Schlaginstrumentarium. Im zweiten Teil werde ich etwas über meine Percussions schreiben – wobei die Grenzen hier durchaus fließend sind.
 

[1] Die Bassdrum oder Kickdrum

 

[1.1] Bassdrum mit Doppelfußmaschine

 

 
Ich verwende hierfür ein 120 – Liter – Faß mit Standarddeckel und Spannring. Die Abnahme erfolgt über einen alten Tieftöner (rechtes Bild), den ich mithilfe des Spannringes befestige. Das Gewicht des Tieftöners wird durch ein ca. 1 m langes Stück Straßenbahngleis getragen. Schon dieser erste Teil ist also eine recht massive Sache ;-)
 
Trocken (also ohne Verstärkung) ähnelt der Klang dieses Fasses eher einer Conga, erst durch den Tieftöner und einem Equalizer bekomme ich den Klang, der einer gewöhnlichen Bassdrum entspricht.
Dämmaterial (alte Handtücher) ist wie bei einer normalen Bassdrum ebenfalls nötig – auch wenn der Effekt beträchtlich geringer ist, als bei einer normalen Bassdrum. Aber auch hier mußte ich die klassische Vorgehensweise (Handtücher-reinschmeißen-und-fertig) abändern, da ein Knäuel Geschirrhandtücher den Klang beeinflußt hätte: Ein Tieftöner ist eben doch etwas anderes als ein normales Bassdrum-Mikrophon, nur durch die Membrangröße bedingt.
 
Auch wenn man meinen sollte, daß das Material des Fasses (PE-HD) nicht nachgibt, wenn ich das Fass mit der Doppelfußmaschine bearbeite, so ist doch ein kleines Loch im Faß notwendig für den Druckausgleich. Bei meinen ersten Versuchen ist mir die Membran des Tieftöners gerissen – diesen Schaden konnte ich aber mit etwas Silikonpaste beheben…
 
Der erste Teil der Aufnahme ist die trockene Bassdrum, der zweite Teil ist über den Tieftöner abgenommen:
 
bassdrum.mp3 (20 kB)
 

[1.2] Bassdrum, mit Sticks gespielt

 
Als zweite “Bassdrum” dient ein 10-Liter-Kanister – ebenfalls aus PE-HD. Ursprünglich sollte dieser eine ganz andere Funktion einnehmen, durch den tiefen Natursound blieb mir aber nichts anderes übrig, als ihn für eine Bassdrum zu verwenden. Meist spiele ich ihn mit einem ehemaligen Stuhlbein – das ergibt einen recht tiefen, wuchtigen Klang:
 
bassdrum2.mp3 (3 kB)

 

[2] Die Hihat

 
Die Hihat war lange Zeit mein Sorgenkind, es hat lange gedauert, bis ich einen halbwegs brauchbaren Sound gefunden habe.
 
Der erste Versuch, der optisch noch am ehesten einer normalen Hihat ähnelt, war ein richtiger Griff ins Klo. Scheppernd und klappernd kam sie daher und klang nach allem möglichen – nur nicht nach einer Hihat.
Verwendet hatte ich eine ausrangierte Fußmaschine und zwei Lüfterdeckel eines Kühlers von Daimler. Ob diese Deckel ihren Dienst in einem Motor zuverlässig verrichten, kann ich nicht beurteilen. Als Hihat sind die Dinger jedenfalls nicht zu gebrauchen. Für diesen Blogeintrag habe ich dieses Konstrukt nochmal nachgebaut:
 
hihat_alt.mp3 (9 kB)
 
Zum Erfolg führte letztenendes der oben erwähnte Grundgedanke (der übrigens nicht von mir ist, sondern von einem befreundeten Percussionisten):

jeder Hörer interpretiert einen bestimmten Klang entsprechend seinen Hörgewohnheiten.

Diese Erkenntnis gab mir dann die nötige Freiheit, an diese Problematik ganz anders heranzugehen. Ziel war dennoch (oder gerade deshalb) einen möglichst ähnlichen Klang zu finden.
 
Nach vielen Fehlversuchen (u.a. alte gerissene Becken von befreundeten Schlagzeugern, Kuchenbleche und vieles mehr) fand ich dann den geeigneten Gegenstand: Stoßdämpfer!
 

 
Ursprünglich wollte ich diese ausschließlich für die Becken verwenden – und als solche werden sie auch heute noch verwendet. Mit zunehmender Anzahl (ich habe vier Stück) bekamen die Stoßdämpfer dann diese Doppelfunktion.
Der Nachteil dieser Hihat ist, daß ich zwei Stoßdämpfer brauche, um den Hihatklang imitieren zu können: Einen mit Dämmaterial für die geschlossene Hihat und einen freischwingenden Stoßdämpfer für die offene Hihat. Dies gibt mir aber widerum etwas mehr Fußfreiheit für die Double-Bassdrum…
 
Die ersten 4 Klänge sind die ungedämpften Stoßdämpfer für die “offene” Hihat oder Becken, der fünfte für die “geschlossene” HiHat:
 
stossdaempfer.mp3 (492 kB)

 

[3] Die Snare

 

 
Auch für die Snare habe ich wieder etwas Auswahl – abhängig von Material und Experimentierstadium:
 

[3.1] Blech aus dem Baumarkt

(Im Foto oben links im Bild)
 
Der eigentliche Verwendungszweck ist eine Halterung für Regipsplatten – ich verwende dieses Teil für einen recht “scharfen” Snaresound. Bei einem normalen Schlagzeug wäre dies also die Snare mit einem straff gespannten Snareteppich.
 
snare_blech.mp3 (6 kB)

 

[3.2] Keksdose

(Im Foto oben rechts im Bild)

 
Dieser Vorrat läßt sich recht leicht beschaffen: eine ganz normale Keksdose, die (nachdem der ursprüngliche Inhalt verspeist wurde) mit Schrauben und Nägeln wieder aufgefüllt wird. Der Klang – nun, es scheppert ein wenig ;-)
 
snare_keksdose.mp3 (6 kB)

 

[4] Hängetoms

 

 
Die Beschaffung dieser Blechdosen macht am meisten Spaß – ist es doch immer mit einem feucht-fröhlichen Abend mit Freunden verbunden.
Die Wahl des Bieres hängt aber nicht nur von der Qualität des Bieres ab, sondern auch von der Qualität des Behälters. Die klanglich besten Fünf-Liter-Dosen kommen eindeutig von zwei kleinen örtlichen Brauereien und werden (soweit mir bekannt) auch nur in der zugehörigen Kneipe verkauft.
Wenn ich mal groß berühmt bin, hätte ich gerne einen Endorsement-Vertrag;-)

Der Klang erinnert eher an eine Rototom als an eine normale Hängetom – so ganz trifft es das aber auch nicht. Es ist eben eine Bierdose:
 
bierdosen.mp3 (58 kB)

 

[5] Die Standtoms

 


Kommen wir zum letzten Teil des eigentlichen Schlagzeugs: als Standtoms dienen Magnesiumsulfat-Fässer aus Valonne. Diese grünen Blechfässer sind klanglich äußerst vielseitig, weshalb ich hier auch drei Stück im Einsatz habe: eines richtig rum, eines mit dem Boden nach oben und eines mit Kronkorken gefüllt.
Da ich eine meiner beiden Bassdrums händig spiele, bekam eine dieser Tonnen eine Fußmaschine spendiert und dient dann als Snare. Den fließenden Wechsel von Bassdrum (Fuß)/ Snare (Hand) zu Bassdrum (Hand)/ Snare (Fuß) bekomme ich aber ums Verrecken nicht hin ;-)
Aber wozu gibt es Computer?

mgso4_faesser.mp3 (196 kB)

 

[6] Zusatzmaterial

 
In der Anfangsphase suchte ich noch nach einigen brauchbaren Becken, die ich dann in den Stoßdämpfern fand (siehe oben). Die ganzen unbrauchbaren Versuche sind teilweise noch in meiner Schießbude integriert – wenn auch nicht als Becken. Klanglich bringt es auch nicht viel Neues, spieltechnisch ist es ganz praktisch, einige Klänge doppelt zu haben. Auf Klangbeispiele habe ich deshalb verzichtet.
Auch von einem normalen Schlagzeug sind zwei Chinabecken aus meinem Equipment nicht mehr wegzudenken.

 

[7] Ende des ersten Teils

 
Ich werde oft gefragt, ob es nicht einfacher wäre, ein richtiges Schlagzeug zu verwenden. Ich verbringe ja auch nicht gerade wenig Zeit damit, dieses Schlagzeug zu bauen, weiterzuentwickeln oder zu verbessern. Mit Sicherheit ist dies eine meiner ewigen Modelleisenbahnen und wird wohl nie fertig. Die wesentlichsten Änderungen in den letzten Monaten bestanden hauptsächlich in der Verbesserung der Ergonomie und den Befestigungsmethoden der einzelnen Bestandteile: diese sollen einerseits stabil sein, andererseits verändert eine Schraube auch wieder den Klang, bzw. ist eine Verschraubung im Falle der Bierdosen gar nicht möglich, ohne den Boden zu entfernen (was durch die Entfernung des Resonanz”fells” zu einer beträchtlichen Klangänderung führt) – ein perfektes Optimum habe ich bisher noch nicht bei allen Bestandteilen gefunden…
 
Was dennoch für dieses Konstrukt spricht: es hat einen ganz eigenen Sound. Irgendwo ist es zwar ein Schlagzeug, irgendwo aber wieder nicht. Mit der Zeit wurde dieses Schlagzeug zu einem wesentlichen Bestandteil “meines” Sounds, den sonst keiner hat.
Dazu kommt noch die Klangvielfalt, die deutlich über ein normales Schlagzeug hinausgeht: Melodiespiel ist zum Beispiel möglich – was auch schon zu einer Zweckentfremdung führte: die Bierdosen lassen sich mit entsprechender Nachbearbeitung (insbesondere Halleffekte) auch als Tubullar Bells verwenden.
 
Ein Austausch gegen ein normales Schlagzeug kommt für mich derzeit überhaupt nicht in Frage – und ein zusätzliches Schlagzeug fällt aus Platzgründen weg.
Ich werde mich also auch in Zukunft weiter durch die Musik scheppern ;-)
 
Der zweite Teil folgt bei Interesse die nächsten Tage oder Wochen, ich habe derzeit noch nicht einmal damit angefangen. Es würde in diesem Teil um die beweglichen Teile gehen, die ich seltener verwende. Da ist teilweise auch recht schweres Gerät dabei (Gußeisen usw.) sowie diverse Metallröhren, mit denen man auch recht vielseitig arbeiten kann.
 
Auch wenn dieser Artikel deutliche Überlänge hat (er dürfte mit 1467 Worten der bisher längste Blogeintrag sein), hoffe ich, daß dieser Einblick hinter die Kulissen für Euch interessant war ;-)
 
An dieser Stelle sei noch Cassy Bouffier für ihre Hilfe beim Korrekturlesen gedankt :-)
 
Den zweiten Teil gibt es hier.
 

// Gastmusikercasting

Heike fragte:

Aber zum Thema Sängerinnen mit Recall-Erfahrung, aber ohne Talent: Was lässt du die denn so vorsingen? Gibt es da ein Standard-Stück, dass eine Sängerin deiner Meinung nach draufhaben sollte, wenn sie sich bei dir vorstellt? Und wenn ja, warum ausgerechnet dieses? Worauf achtest du? Was ist dir wichtig, was unwichtig, was ist ein Kriterium, der zum sofortigen „Stopp!“ führt? Mal abgesehen von der Tontrefferquote …

Nun, diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten und auch wenn ich hauptsächlich Sänger(innen) suche, so gilt diese Frage auch für alle anderen Gastmusiker.

Ich denke, das “Standardstück” schlechthin gibt es nicht. Eine Jazzsängerin zu finden, die einen Hardrocksong singen kann und dabei gleichzeitig klingt wie Janis Joplin wird wohl eher schwer bis unmöglich sein.

Im Endeffekt ist aber genau das das Problem (auch wenn selbst für mich dieses Beispiel an den Haaren herbeigezogen ist).

Wenn ich einen Song schreibe, für den ich einen Gesangspart brauche, habe ich im Allgemeinen wenigstens eine grobe Vorstellung, wie sich der fertige Song anhören soll.
Und genau das sollte die Sängerin (bzw. der jeweilige Gastmusiker) auch umsetzen können. Mehr nicht.

Bis zu dem Zeitpunkt des “Castings” (ich hasse das Wort und es beschreibt das Auswahlverfahren nur sehr schlecht) hat niemand außer mir und vielleicht meine Nachbarn den Song gehört – das meiste existiert bestenfalls in meinem Kopf.
Um jetzt eine Sängerin zu finden, möchte ich meist zwei Songs hören:
1) einen bekannten Song, der möglichst nahe an meine Vorstellungen für “meine” Gesangslinie herankommt

und

2) einen Song, der der Sängerin gefällt (also einen, den sie gut kann).

Dadurch erhalte ich zwei für mich wichtige Informationen:
1) kann sie meine Ideen umsetzen? (eigene Interpretationen mag ich auch, es muß also kein 1:1-Cover sein)

und

2) was gibt ihre Stimme her? Passt der Stimmumfang zu meinem Song? Betonungen? etc.
Die meisten Sängerinnen werden hier wohl die für sie “interessanten” Stücke singen, mit denen sie ihr ganzes Können zeigen. In diesem Fall stelle ich meinen eigenen Musikgeschmack auch völig hintenan. Mir geht es bei diesem Song ausschließlich um den Gesang – also die Technik.

Diese Vorgehensweise wende ich an, wenn ich über Printmedien (Sperrmüll, Stadtmagazzine, etc.) eine Sängerin suche.

Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten (Internet, Lauschangriff auf Nachbarproberäume, Lauschangriff an meiner Proberaumtür usw.) und dabei fällt dann ein Punkt situationsabhängig weg – welcher das in der jeweiligen Situation ist, ist wohl klar ;-)

Hiermit sind – denke ich – die meisten Fragen von Heike bereits beantwortet. Bleiben noch die ungefragten Fragen.

Musikmachen ist ein kreativer Prozeß, und so müssen auch die Charaktere wenigstens für den Augenblick zusammenpassen. Hierzu habe ich einige Beispiele:

Dazu gehört m.E. auch das Vokabular. Es ist sehr schwierig, eine Gesangslinie zu “beschreiben” (ich bin – was den Gesang betrifft – zum Beispiel völlig unbedarft). Dies kann zu vielen Fehlversuchen führen, wenn ich eine “verzerrte” Stimme an einer bestimmten Stelle haben möchte. Dies ist eine Worterfindung von mir, mit dem die Sängerin damals nichts anfangen konnte. Sie kannte diese Technik als “anreißen”. Da erst mal auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, ist zeitintensiv. Dieser Punkt ist zwar kein Totschlagargument, aber wenn dieses intuitive Verständnis gegeben ist, macht es doch vieles einfacher.

Ein anderer wichtiger Punkt ist das Zusammenspiel der Kreativität: ich hatte mal einen Bassisten, der – was die Technik betrifft – die schwierigsten Sachen innerhalb kurzer Zeit spielen konnte. Wenn es aber darum ging, eine eigene Linie zu entwickeln war das (milde ausgedrückt) ein äußerst zäher Prozeß. In einem solchen Fall spielen meine eigenen konkreten Vorstellungen eine wichtige Rolle: wenn ich die Baßlinie schon am Keyboard eingespielt habe, und somit die Noten ausdrucken konnte, war der Mann perfekt.
Wenn es darum ging, eine vage Vorstellung umzusetzen (“Spiel doch mal langgezogene Töne, die das ganze etwas melancholischer machen”), dann endete das meistens mit Frust auf beiden Seiten. Das soll nicht heißen, daß dieser Bassist schlecht ist – im Gegenteil! In diesem Momnet haben wir nur unterschiedliche Vorstellungen von “langezogen” und /oder “Melancholie” – oder anders ausgedrück: wir sprechen nicht dieselbe Sprache.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Zuverlässigkeit: diejenigen, die dieses Blog hier regelmäßig lesen, haben vielleicht mitbekommen, daß die Wände zwischen den Proberäumen quasi aus Pappe bestehen. Wenn die Nachbarband probt, kann ich hier nicht aufnehmen.
Somit muß ich meine Aufnahmetermine mit den Kollegen nebenan absprechen. Das kann MAL schiefgehen, das ist kein Beinbruch. Wenn es aber zum Dauerzustand wird, daß meine Nachbarn einen Probetermin wegen mir umsonst verschieben, wird das eine ziemlich blöde Situation für mich.
Der andere Punkt ist, daß viele Spuren aufeinander aufbauen. Ich plane also erst den Percussionisten ein und anschließend die Sängerin. Da wir alle berufstätig sind und/ oder andere Bandprojekte haben, ergibt sich da schonmal ein sehr enger Zeitplan. Allle Termine unter einen Hut zu bringen ist nicht immer einfach. Wichtig ist für mich deshalb eine möglichst exakte Absprache. Die Termine der Gastmusiker greifen ineinander wie Zahnräder (je nach Aufnahmeort ggf. auch unter Berücksichtigung der Nachbarbands).
Auch wenn mehrere Leute zusammenspielen sollen, sind Verspätungen äußerst unpraktisch: trauriger Rekord waren bisher sieben Stunden, in denen fünf Leute auf einen warten durften.
Ich sage nichts bei einer halben Stunde Verspätung – im Stau stehen kann man immer. Aber auch Staus kann man an manchen Tagen quasi einplanen.

Dies alles sind Faktoren, die zusätzlich zu den Qualitäten als Musiker eine Rolle spielen.

Kommen wir zu dem absoluten “Stop-Kriterium”:

“Broken Spirits” ist MEIN Projekt. Dies war zu Beginn als Band geplant – mittlerweile ist es nicht nur mein Soloprojekt sondern mit der Zeit auch meine virtuelle Identität geworden (und das nicht nur durch dieses Blog). Mit dieser Entwicklung bin ich selber nicht hundertprozentig glücklich, aber es hat sich nun mal so ergeben.
Dies wirkt sich natürlich auch auf die Gastmusiker aus. Jeder Gastmusiker kennt dieses Blog und weiß auch, daß dieses Blog nur die Spitze des Eisberges ist. Dahinter steckt eine Menge mehr Arbeit, als hier nur einen Blogartikel zu schreiben oder die Playtaste zu drücken, wenn der jeweilige Musiker im Proberaum spielbereit ist. Aber letztendes wird mittlerweile mit jedem Song meine Meinung oder meine Sicht der Dinge wiedergegeben. Dies ist natürlich auch nicht immer kompatibel.

Diese Erfahrung ist nicht ganz einfach – ich durfte sie selber schon einigemale erleben: als Gastmusiker in anderen Bands. Es gibt ganz klare Anforderungen, diese können die eigenen Fähigkeiten übersteigen (guter Lerneffekt) und das Endergebnis – nun, man mag es oder nicht.

Meist ist (hoffentlich) ersteres der Fall.

Trotzdem: ich hatte meistens viel Spaß dabei, mich mit anderen Musikern auszutauschen. Wir haben viel gelacht, uns gefreut, wenn etwas so geklappt hat, wie es sollte und uns noch mehr gefreut, wenn etwas unerwartetes entstand. Und ich denke, daß ist das wichtigste: Spaß haben. Anders ergibt das keinen Sinn…

// Gastmusikercasting

Heike fragte:

Aber zum Thema Sängerinnen mit Recall-Erfahrung, aber ohne Talent: Was lässt du die denn so vorsingen? Gibt es da ein Standard-Stück, dass eine Sängerin deiner Meinung nach draufhaben sollte, wenn sie sich bei dir vorstellt? Und wenn ja, warum ausgerechnet dieses? Worauf achtest du? Was ist dir wichtig, was unwichtig, was ist ein Kriterium, der zum sofortigen „Stopp!“ führt? Mal abgesehen von der Tontrefferquote …

Nun, diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten und auch wenn ich hauptsächlich Sänger(innen) suche, so gilt diese Frage auch für alle anderen Gastmusiker.

Ich denke, das “Standardstück” schlechthin gibt es nicht. Eine Jazzsängerin zu finden, die einen Hardrocksong singen kann und dabei gleichzeitig klingt wie Janis Joplin wird wohl eher schwer bis unmöglich sein.

Im Endeffekt ist aber genau das das Problem (auch wenn selbst für mich dieses Beispiel an den Haaren herbeigezogen ist).

Wenn ich einen Song schreibe, für den ich einen Gesangspart brauche, habe ich im Allgemeinen wenigstens eine grobe Vorstellung, wie sich der fertige Song anhören soll.
Und genau das sollte die Sängerin (bzw. der jeweilige Gastmusiker) auch umsetzen können. Mehr nicht.

Bis zu dem Zeitpunkt des “Castings” (ich hasse das Wort und es beschreibt das Auswahlverfahren nur sehr schlecht) hat niemand außer mir und vielleicht meine Nachbarn den Song gehört – das meiste existiert bestenfalls in meinem Kopf.
Um jetzt eine Sängerin zu finden, möchte ich meist zwei Songs hören:
1) einen bekannten Song, der möglichst nahe an meine Vorstellungen für “meine” Gesangslinie herankommt

und

2) einen Song, der der Sängerin gefällt (also einen, den sie gut kann).

Dadurch erhalte ich zwei für mich wichtige Informationen:
1) kann sie meine Ideen umsetzen? (eigene Interpretationen mag ich auch, es muß also kein 1:1-Cover sein)

und

2) was gibt ihre Stimme her? Passt der Stimmumfang zu meinem Song? Betonungen? etc.
Die meisten Sängerinnen werden hier wohl die für sie “interessanten” Stücke singen, mit denen sie ihr ganzes Können zeigen. In diesem Fall stelle ich meinen eigenen Musikgeschmack auch völig hintenan. Mir geht es bei diesem Song ausschließlich um den Gesang – also die Technik.

Diese Vorgehensweise wende ich an, wenn ich über Printmedien (Sperrmüll, Stadtmagazzine, etc.) eine Sängerin suche.

Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten (Internet, Lauschangriff auf Nachbarproberäume, Lauschangriff an meiner Proberaumtür usw.) und dabei fällt dann ein Punkt situationsabhängig weg – welcher das in der jeweiligen Situation ist, ist wohl klar ;-)

Hiermit sind – denke ich – die meisten Fragen von Heike bereits beantwortet. Bleiben noch die ungefragten Fragen.

Musikmachen ist ein kreativer Prozeß, und so müssen auch die Charaktere wenigstens für den Augenblick zusammenpassen. Hierzu habe ich einige Beispiele:

Dazu gehört m.E. auch das Vokabular. Es ist sehr schwierig, eine Gesangslinie zu “beschreiben” (ich bin – was den Gesang betrifft – zum Beispiel völlig unbedarft). Dies kann zu vielen Fehlversuchen führen, wenn ich eine “verzerrte” Stimme an einer bestimmten Stelle haben möchte. Dies ist eine Worterfindung von mir, mit dem die Sängerin damals nichts anfangen konnte. Sie kannte diese Technik als “anreißen”. Da erst mal auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, ist zeitintensiv. Dieser Punkt ist zwar kein Totschlagargument, aber wenn dieses intuitive Verständnis gegeben ist, macht es doch vieles einfacher.

Ein anderer wichtiger Punkt ist das Zusammenspiel der Kreativität: ich hatte mal einen Bassisten, der – was die Technik betrifft – die schwierigsten Sachen innerhalb kurzer Zeit spielen konnte. Wenn es aber darum ging, eine eigene Linie zu entwickeln war das (milde ausgedrückt) ein äußerst zäher Prozeß. In einem solchen Fall spielen meine eigenen konkreten Vorstellungen eine wichtige Rolle: wenn ich die Baßlinie schon am Keyboard eingespielt habe, und somit die Noten ausdrucken konnte, war der Mann perfekt.
Wenn es darum ging, eine vage Vorstellung umzusetzen (“Spiel doch mal langgezogene Töne, die das ganze etwas melancholischer machen”), dann endete das meistens mit Frust auf beiden Seiten. Das soll nicht heißen, daß dieser Bassist schlecht ist – im Gegenteil! In diesem Momnet haben wir nur unterschiedliche Vorstellungen von “langezogen” und /oder “Melancholie” – oder anders ausgedrück: wir sprechen nicht dieselbe Sprache.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Zuverlässigkeit: diejenigen, die dieses Blog hier regelmäßig lesen, haben vielleicht mitbekommen, daß die Wände zwischen den Proberäumen quasi aus Pappe bestehen. Wenn die Nachbarband probt, kann ich hier nicht aufnehmen.
Somit muß ich meine Aufnahmetermine mit den Kollegen nebenan absprechen. Das kann MAL schiefgehen, das ist kein Beinbruch. Wenn es aber zum Dauerzustand wird, daß meine Nachbarn einen Probetermin wegen mir umsonst verschieben, wird das eine ziemlich blöde Situation für mich.
Der andere Punkt ist, daß viele Spuren aufeinander aufbauen. Ich plane also erst den Percussionisten ein und anschließend die Sängerin. Da wir alle berufstätig sind und/ oder andere Bandprojekte haben, ergibt sich da schonmal ein sehr enger Zeitplan. Allle Termine unter einen Hut zu bringen ist nicht immer einfach. Wichtig ist für mich deshalb eine möglichst exakte Absprache. Die Termine der Gastmusiker greifen ineinander wie Zahnräder (je nach Aufnahmeort ggf. auch unter Berücksichtigung der Nachbarbands).
Auch wenn mehrere Leute zusammenspielen sollen, sind Verspätungen äußerst unpraktisch: trauriger Rekord waren bisher sieben Stunden, in denen fünf Leute auf einen warten durften.
Ich sage nichts bei einer halben Stunde Verspätung – im Stau stehen kann man immer. Aber auch Staus kann man an manchen Tagen quasi einplanen.

Dies alles sind Faktoren, die zusätzlich zu den Qualitäten als Musiker eine Rolle spielen.

Kommen wir zu dem absoluten “Stop-Kriterium”:

“Broken Spirits” ist MEIN Projekt. Dies war zu Beginn als Band geplant – mittlerweile ist es nicht nur mein Soloprojekt sondern mit der Zeit auch meine virtuelle Identität geworden (und das nicht nur durch dieses Blog). Mit dieser Entwicklung bin ich selber nicht hundertprozentig glücklich, aber es hat sich nun mal so ergeben.
Dies wirkt sich natürlich auch auf die Gastmusiker aus. Jeder Gastmusiker kennt dieses Blog und weiß auch, daß dieses Blog nur die Spitze des Eisberges ist. Dahinter steckt eine Menge mehr Arbeit, als hier nur einen Blogartikel zu schreiben oder die Playtaste zu drücken, wenn der jeweilige Musiker im Proberaum spielbereit ist. Aber letztendes wird mittlerweile mit jedem Song meine Meinung oder meine Sicht der Dinge wiedergegeben. Dies ist natürlich auch nicht immer kompatibel.

Diese Erfahrung ist nicht ganz einfach – ich durfte sie selber schon einigemale erleben: als Gastmusiker in anderen Bands. Es gibt ganz klare Anforderungen, diese können die eigenen Fähigkeiten übersteigen (guter Lerneffekt) und das Endergebnis – nun, man mag es oder nicht.

Meist ist (hoffentlich) ersteres der Fall.

Trotzdem: ich hatte meistens viel Spaß dabei, mich mit anderen Musikern auszutauschen. Wir haben viel gelacht, uns gefreut, wenn etwas so geklappt hat, wie es sollte und uns noch mehr gefreut, wenn etwas unerwartetes entstand. Und ich denke, daß ist das wichtigste: Spaß haben. Anders ergibt das keinen Sinn…

// Songwriting

Blogleserin Axy fragte in einem ihrer letzten Kommentare zum Thema Songwriting:

Sag mal… wie sieht so ein Entwurf von dir eigentlich aus? Also notierst du da die Noten und schreibst Text drunter oder wie läuft das?

Nun, viele Wege führen nach Rom und so kann das sehr unterschiedlich aussehen:

Die Trial and Error Methode

Häufig schreibe ich im Proberaum und entwickle eine Melodie an einem Instrument meiner Wahl – meist ist das Gitarre oder Keyboard, aber auch das “Schlagzeug” wird manchmal hierfür eingesetzt: die ganzen Fässer, Bierdosen und Metallrohre sind ja Idiophone und somit ist auch auf diesem selbstgebastelten Schlagzeug ein (einfaches) Melodiespiel möglich.

Meist habe ich dann recht bald eine grobe Vorstellung von dem neuen Song, oft geht es aber auch nach dem “Trial-and-Error-Prinzip” weiter.
Diese Ideen werden aufgenommen und am Computer zusammengebastelt. Manche Stellen sind gelungen, an anderen Stellen ist ein Verspieler drin oder einfach unpassend; diese Stellen werden neu eingespielt und ersetzen dann die fehlerhafte Stelle in der ersten Spur.

Kopflastig: die Entstehung eines Songs im Kopf

Die zweite – ebenfalls gerne verwendete Variante – ist die “kopfigere”: große Teile des neuen Songs entstehen auf dem Papier. Das hat den Vorteil, daß ich den Proberaum quasi “mitnehemen” kann: mehr als ein Stift und ein Papier brauche ich nicht, und so kann es sein, daß man mich im Bus, im Wald oder in einer Kneipe Songs schreiben sieht. In Kneipen ziehe ich mich dafür auch mal gerne mal aufs Klo zurück, da werde ich nicht angequatscht gestört.

Ich bin allerdings noch nicht so fit, daß auf diese Art spielfertige Songs entstehen: eigentlich immer ist noch einiges an Nachbesserungen während der Aufnahme nötig. Aber um ein grobes Grundkonzept zu entwickeln, taugt diese Variante allemal.

So sieht das dann aus:

Dieses Fragment war für “Arabien Piece” auf dem Album “The Silence between Us” (2001); ganz normal in einem Notenblock geschrieben, wahrscheinlich zuhause oder im Proberaum:

notenblatt

Die Kneipenvariante: Den Text a.D. 2002 am Tresen begonnen, von ein paar angetrunkenen Frauen gestört worden, die Melodie dann auf dem Klo geschrieben ;-)
Daraus wurde 6 Jahre später “One Reason” aus dem Album “Art : The Facts” (2008).

one reason