Daß ich die Musik im Allgemeinen und Besonderen für ein tolles Hobby halte, hat sich nicht nur in der Bloggerszene herumgesprochen. Auch im Bekanntenkreis wissen davon einige Leute und manchmal, wenn der Nachwuchs entsprechende Ambitionen hat, werde ich auch um einen “Crashkurs” gebeten.
Nachwuchsmusiker unterstütze ich natürlich gerne – selbst dann, wenn es Hüpfhopser sind. Die Musik ist ja schließlich ein toller Zeitvertreib.
Diese Hüpfhopser, die dann bei mir im Proberaum standen, waren noch jung. Sehr jung, um genau zu sein. Und ausgesprochen “uncool” und szeneuntypisch: ich wurde nämlich nicht mit “Alter” oder “Wichser” angeredet, sondern mit “Sie”. Großgeschrieben und übertrieben höflich.
Diese drei Jungs, die kurz vor dem Stimmbruch standen, habe ich aufgrund meiner Erfahrungen mit anderen Hüpfhopsern einfach mal in dem Glauben gelassen, daß ein “Sie” (großgeschrieben und übertrieben höflich) unter Musikerkollegen das Normalste auf der Welt ist. (Ich habe die drei Kids natürlich fleißig geduzt. So wie das unter Musikerkollegen absolut normal und üblich ist… also quasi in deren Augen danebenbenommen. Das steht mir nach meinen Erfahrungen mit Hüpfhopsern mittlerweile auch zu – wie ich finde
)
Zwei Welten prallen aufeinander
Nicht nur musikalisch waren diese eineinhalb Stunden ein Erlebnis. Bei dem Altersunterschied prallen auch zwei Generationen aufeinander, die sich außerhalb der Proberaumwelt eher nicht begegnen würden.
Für mich “alten Hasen” ist es selbstverständlich, daß ich meinen Kram selber einspiele oder die Hilfe von Gastmusikern in Anspruch nehme. Wenn das alles nicht klappt, wird notfalls wird eben ein Instrument dazugelernt.
Für die junge Generation ist es aber offenbar völlig normal, alles aus dem Internet runterzuladen, um es anschließend zu einem “eigenen” Song zu verwurschten. Mit “alles” meine ich komplett durcharrangierte Instrumentalparts bestehend aus Schlagzeug, Baß, Keyboard und Gitarre.
Für mich nicht völlig neu und aus der Szenegerüchteküche durchaus bekannt – aber eben noch nie so hautnah miterlebt. Und wieder einmal durfte ich feststellen, daß ich ein alter Sack bin…
Letztenendes ist diese Vorgehensweise vielleicht auch ein interessanter Aspekt, der erklärt, warum es viele Leute der nachfolgenden Generation gibt, die das “geistige Eigentum” für eine Erfindung der Plattenlabels und Verwertungsgesellschaften halten. Ich kenne die Arbeit und den technischen Aufwand dahinter. Ich mache meine Beats schließlich auch selber. Für die nachfolgende Generation ist das einfach nur ein oder höchstens zwei Mausklicks entfernt.
Der Nachteil ist allerdings offensichtlich: irgendeine Band bei Hintertupfingen verfügt ebenfalls über eine Internetanschluß und im Endergebnis hat man zwei gleiche Songs mit unterschiedlichen Texten.
Mich stimmt das etwas wehmütig – dieses Erfolgserlebnis, einen schwierigen Gitarrenpart (oder was auch immer) endlich zu beherrschen oder sich auf einem Instrument weiterentwickelt zu haben, geht dieser Generation doch völlig verloren, oder?
Andererseits besteht immerhin die vage Hoffnung, von der nächsten Generation der Hüpfhopser einigermaßen respektvoll behandelt zu werden und später – wenn ich wirklich alt und klapprig bin – über die Straße gebracht zu werden. Immerhin.
So wie vor einiger Zeit mehrfach beschrieben kann das ja mit den Hüpfhopsern nicht weitergehen…
