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Lebenszeichen aus dem Proberaum

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Kategorie ‘Gerade gehört…’



Ausgewählte Hörtips.

Meistens abseits des Mainstream oder besonders ausgefallen.





// Setzen, 6!

Dienstag, November 8th, 2011

Die Volksverblödungskiste lehne ich ja bekanntermaßen komplett ab. Manchmal bekomme ich aber doch etwas mit, was sich so allabendlich im Unterschichtenfernsehen abspielt. Und jedesmal kriege ich auf gut deutsch gesagt das große Kotzen.

Da gibt es also sogenannte Castingshows, die sich fernab jeder Musiker-Realität bewegen und mich jedesmal erfolgreich auf die Palme bringen, wenn ich sehe, nach welchen Kriterien ein Musiker “weiterkommt”.
Castings im Allgemeinen sind ja grundsätzlich nichts Schlechtes und finden mit schöner Regelmäßigkeit auch bei mir statt – nämlich immer dann, wenn ich mit einem Instrument nicht weiterkomme und die Hilfe eines Gastmusikers brauche.

Aber so, wie ich das bei Dangerblood lesen durfte, läuft das hier nicht ab.

In dem erwähnten Blogeintrag geht es um diesen Teilnehmer:

Herr Bohlen schwadroniert erst mal minutenlang über das Übergewicht und die Eßgewohnheiten des Teilnehmers.
Nun, im realen Proberaumalltag sind derartige Fragen nicht ungewöhnlich, beziehen sich aber meist auf Flüssignahrung. Schließlich ist nichts ärgerlicher, wenn während der Bandprobe plötzlich das Bier alle ist. Ein ausreichender Vorrat sollte bei solchen Treffen schon da sein und das fällt unter die Rubrik Supply Chain Management.

Mir stellen sich bei diesem Gefasel der Juroren zwei Fragen: sucht Herr Bohlen ein Model für angehende Schneiderkünste und will er Stoff sparen oder sucht er einen Sänger? Und: hat der noch nie etwas von großartigen Sängern wie Meat Loaf gehört?

Nach dem Song geht die inkompetente Kritik weiter. Wieder ist das Übergewicht ein Thema, aber es wird auch von allen drei selbsternannten Juroren kritisiert, daß der Song zu persönlich sei.

Gehts noch?! Ein Song sollte immer persönlich sein. Mir fehlt das Persönliche in dem Charteinheitsbrei. Letzlich werden die ganzen Songs nur von einer handvoll Leuten geschrieben und im Nachhinein wird das passende Gesicht (und nicht die Stimme) ausgesucht.

Wenn das Publikum am Ende des Auftritts Standing Ovations gibt, dann ist dies vielleicht zurecht? Weil jeder schon mal Ausgrenzung in irgendeiner Form erlebt hat und sich durch diesen Songtext angesprochen fühlt?

Wenn Herr Bohlen die persönliche Komponente kritisiert, beweist das nur eines: totale Inkompetenz. Spätestens nach den Standing Ovations hat der Mann den Knall nicht gehört.

Anstatt daß die selbsternannten Juroren wieder auf das Übergewicht eingehen, wäre ein Kommentar zur Gesellschaftskritik des Songtextes angebrachter gewesen. Stattdessen gutgemeinte Ratschläge und vermeintlich wohlwollende Ratschläge, die zwischen den Zeilen nur eines zum Ziel haben: den Kandidaten zur Sau zu machen.

An Lächerlichkeit kaum zu überbieten ist der Kritikpunkt, daß der Song zu “einfach gestrickt” sei. Gedanklich drängen sich mir ja so Titel wie “You’re My Heart You’re My Soul” oder “Cheri Cheri Lady” auf, die – milde ausgedrückt – sowohl harmonisch als auch rhythmisch ebenfalls extrem einfach gestrickt sind (und selbst da schafft es Herr Bohlen nicht, die Finger auf der Klampfe passend zum Playback zu bewegen – Modern Talking ist in dieser Hinsicht noch legendärer als Britney Spears, der während einer Show ein Bühnenscheinwerfer auf den Kopf fiel und der Gesang trotz Bewußtlosigkeit weiterging).
Wenn so eine Melodie aber aus der Feder des Herrn Bohlen kommt, dann heißt das “eingängig”. Bei einem Übergewichtigen wird da Kinderkram eines “Achtjährigen” draus. So kann man sich natürlich auch die Fakten zurechtdrehen.

Im Übrigen finde ich es ja schon rotzfrech (im positiven Sinne!), daß sich dieser Kandidat mit diesem Songtext in einer Castingshow vorstellt – besser kann man dieses abartige und menschenverachtende Fernsehformat vor laufender Kamera gar nicht kritisieren.

DAS ist Kunst und das Ziel ist erreicht: Herr Bohlen als einer der Motoren dieses Systems ist laut eigener Aussage “schlecht drauf”, wenn er diese “Betroffenheitsnummer” hört. Bohlens Daumen nach unten ist ein klarer Punktesieg für Torben :mrgreen:

Die Optik spielt hier im Proberaum übrigens keine Rolle: wichtig sind für mich neben dem Können auch “Softskills” wie Zuverlässigkeit, technisches Verständnis (Stichwort Kabelsalat), ein gutes Miteinander und Spaß an der Musik.
Die Erfahrung hat im Laufe der Jahre auch gezeigt, daß Sänger von kräftiger Statur meist auch eine kräftige Stimme haben. Was für mich das Abmischen nach erfolgreicher Aufnahme ungemein erleichtert.
Dieser Schlankheitswahn im Fernsehen ist völlig irrationaler und kontraproduktiver Wahnsinn, der der Musik langfristig mehr schadet als nutzt.

In allererster Linie zählt die Stimme. Sonst nichts.



// Schlechtes Lippenlesen: She’ll take the mushroom out

Samstag, Oktober 8th, 2011

Eine Aufgabe, die immer wieder etwas Sturm im Gehirn (Brainstorming) erfordert, ist das Schreiben von Songtexten. Während man auf seinen Instrumenten einfach so herumklimpern kann, bedarf es beim Texten etwas mehr Inspiration: schließlich soll da im Optimalfall ein wenigstens ansatzweise sinnvoller Text bei rauskommen und das sollte dann auch noch in die Songstruktur paßen. Meist ist das nicht “mal eben so” aus dem Ärmel geschüttelt.

Viele Patentrezepte gibt es unter uns Musikern: zu einer Melodie erstmal irgendeinen Nonsense-Text singen, diesen nach und nach verfeinern und sich hinterher über das Thema wundern. Umgekehrt geht natürlich auch: erst ein Thema aussuchen und dazu einen Text schreiben in der Hoffnung, daß dieser dann in die Melodie und die Songstruktur reinpaßt.

Und dann gibt es noch das Zufallsprinzip. Eines hatte ich hier schon auf “Network Oracle On” verwendet: Dieser Songtext setzt sich nur aus den Betreffzeilen zahlreicher Spam-Mails zusammen. Diese Texte ergeben irgendwie Sinn und irgendwie wieder doch nicht.

Auch von professionellen Musikern hört man ähnliche Geschichten: “Atom Heart Mother” von Pink Floyd zum Beispiel bekam den Titel einer Zeitungsüberschrift und auch David Bowie soll einige Texte zusammenorakelt haben. Diese Art der Inspiration ist also durchaus gang und gebe.

Das hier ist mir aber neu: Schlechtes Lippenlesen. Was mir daran besonders gefällt: gleichzeitig wird ein Politiker durch den Kakao gezogen. Wobei es mich nicht wundern würde, wenn das die Originalrede wäre. Von den Volkszertretern egal welcher Herkunft kommt ja selten was Gescheites.

Hier das Video, das ich auf Lummaland gefunden habe:

Hier gibt es übrigens noch mehr schlechtes Lippenlesen: http://badlipreading.tumblr.com



// Gerade gehört: Botany Bay – No Excuse

Samstag, Mai 21st, 2011

Von Botany Bay gibt es ein neues Album. Dieses gibt es für schlappe 9.95€ auf Bandcamp zu kaufen. Dort kann man auch in das Album reinhören.

Derzeit kann man noch neun sieben Download-Codes gewinnen, wenn man diesen Tweet retweetet. Dieser Download-Code kommt auch postwendend per DM (oder heißt das tweetwendend?).

Zwei der insgesamt sechs Songs laufen derzeit in meinem Player rauf und runter: “how am i to know?” und “how much can you take?” (was nicht heißen soll, daß die anderen vier schlecht sind. Eindeutig das Gegenteil ist der Fall!)

Zusätzlich gibt es noch fünf Bonustracks von “a better way” in verschiedenen Stilrichtungen. Da ist also für jeden was dabei ;-)

PS: Wer behauptet, diese hörenswerte Band nicht zu kennen: Das waren die mit den alten Männern und den Kugelschreibern.

PS: Wer mir nicht glaubt, oder eine zweite Meinung einholen möchte, darf hier weiterlesen ;-)



// Garmarna – Euchari

Freitag, September 17th, 2010

Ich weiß, es wird langsam zur Gewohnheit, daß hier in der Rubrik “Gerade gehört” in letzter Zeit nur noch schwedische Bands auftauchen – aber aus irgendwelchen Gründen höre seit meinem Lapplandurlaub vor über einem Jahr ich gerade fast nichts anderes.

Die Landschaft Skandinaviens im Allgemeinen und Schwedens im Besonderen macht eben süchtig ;-)

Diesmal handelt es sich um eine Folk-Band mit rockigen und elektronischen Einflüssen aus Sundsvall.

Aber hört selbst:

Bevor wieder nach Text und Übersetzung gefragt wird – hier ist er:

O Eucheria in leta via

Solens värme dröp i dig som doften av balsam
Solens värme dröp i mig som doften av balsam
Allt som rör sig andas lugnt, driver över marken
Solens värme dröp i dig som doften av balsam

O Euchari in leta via

Dina händer söker mig som brinner av längtan
Mina händer söker dig som brinner av längtan
Allt som rör sig andas lugnt, driver över marken
Dina händer söker mig som brinner av länktan.

Die Übersetzung:


O Euchari in leta via

Die Wärme der Sonne rieselt in Dich
wie der Wohlgeruch von Balsam
Die Wärme der Sonne rieselt in mich
wie der Wohlgeruch von Balsam

O Euchari in leta via

deine Hände streckst Du nach mir aus
in der hitze unseres Verlangens
Meine Hände Strecke ich nach Dir aus
in der Hitze des Verlangens.
Alles was sich bewegt, atmet heftig
dehnt sich aus über dem Boden.
Deine Hände streckst Du aus nach mir
in der Hitze unseres Verlangens.

Links:

Wikipedia
Offizielle Webseite [EN]



// Livemusik mit Photoshop

Dienstag, August 10th, 2010

Eigentlich hätte man aus der Idee etwas mehr machen können, als nur verschieben und verzerren, aber die Idee finde ich dennoch recht witzig :-)

[via]

Links:

Wikipedia
Bandseite



// Ein Who Is Who aus der Werkzeugkiste

Sonntag, Juni 6th, 2010

Das läßt sich jedenfalls daraus schließen, wenn man sich den “Fuhrpark” der schwedischen Band “Big Fish” anschaut.

Bohrmaschinen, Schrott und andere Werkzeuge werden mit Krummhörnen, Maultrommeln und anderen “Exoten” sowie teilweise elektronischen Loops munter durcheinandergemischt. Mir gefällt diese Msichung und dieser Mix aus Mittelalter, (Folk-) Rock und intelligenten Texten (die dabei noch witzig sind)…

Leider gibt es nicht viel von denen auf YouTube (den Song der mir am besten gefällt ist natürlich nicht dabei) und auch deren Webseite existiert nicht mehr. Das letzte Album ist von 1996 – seitdem ist Funkstille.

Auf dem Album “Sånger ur Sten” schreiben sie als Erklärung zu dem Text:
Es ist Mittelalter. Eine unsichere Zeit, in der man immer zusammengeschlagen werden konnte “wie ein Ochse” (was ist denn dafür die deutsche Redewendung?), wenn man zur falschen zeit am falschen Ort war. Eine verrückte Zeit. Diese Situation hat sich nicht wesentlich geändert, oder?”

Link: Wikipedia



// Faszinierend

Freitag, Mai 7th, 2010

Selber beschäftige ich mich ja auch gerne mit der eher unkonventionellen Klangerzeugung auf einem Instrument.

Daß man mit einer Gitarre wesentlich mehr “Unfug” anstellen kann, als einfach nur Akkorde schrubben oder Melodielinien spielen, weiß ich auch nicht erst seit gestern.
Gleiches gilt natürlich auch für alle anderen Instrumente, denen eine natürliche Tonerzeugung zugrunde liegt.

Manchmal bin ich aber dennoch von den Socken. So auch bei diesem Beispiel, bei dem nur mithilfe eines Schlepptops und eines Flügels ein ganzer Song entsteht: