(c) by Broken Spirits

// Gekeife…

Dem Gekeife nach zu urteilen holt gerade eine Frau ihren Mann im benachbarten Puff ab.
 
Großartiges Kino. Ich muß das irgendwann mal aufnehmen und in einem Song verwurschten.

// Ich rede auch mal ein paar Takte mit

Nachdem mein Ex-Vermieter uns hier den “Krieg erklärt hat”, liegen bei uns natürlich die Nerven blank (Ironoie) und wir überlegen uns fieberhaft Strategien, wie wir diesen “Krieg” gewinnen können.
 
Mittlerweile sieht es so aus, daß die Proberäume, die mein Ex-Vermieter stundenweise vermietet, alle an unser Gebäude grenzen. Damit kann natürlich der Esoteriker während seiner Geschäftszeiten dauerhaft beschallt werden. Für seine Seminare ist das natürlich eher ungünstig und für meine Aktivitäten auch eher wenig vorteilhaft.
 
Nun ist der Esoteriker ja auch nicht doof und deshalb hat er mich in meiner Eigenschaft als Musiker mal um Rat gefragt. Ich helfe aus naheliegenden Gründen natürlich gerne und auch völlig uneigennützig.
 
Am Ende dieser Fachdiskussionen bekam ich den Auftrag, eine Komposition zu schreiben, die etwas ungewöhnlich ist.
 
Ich soll nun für diese Komposition alle Regeln über Bord werfen und genau das machen, was man üblicherweise in einem Tonstudio zu vermeiden versucht bzw. schon während der Aufnahme verhindert.
 
Witzigerweise ist das nun ein Job, der zwar nervend ist (und dementsprechend wenig Spaß macht) aber uninteressant ist es deswegen noch lange nicht:
 
Mittlerweile geht das schon richtig in die Physik, Kategorie Akkustik und selten habe ich für einen Song mehr am Computer gesessen als an den Instrumenten. Plötzlich finde ich mich auf Webseiten, die sich mit dem Schallabsorptionsgrad oder dem Transmissionsgrad beschäftigen. Ein Bestandteil dieser Auftragskomposition ist nämlich, die Leute hier im Haus so wenig wie möglich zu stören, gleichzeitig aber auch drüben beim Ex-Vermieter die Schlagzeuger möglichst effektiv zu stören.
 
Dazu gehört auch die zweite Problematik, die es zu lösen gilt: in der westlichen Musik ist der 4/4-Takt das Non-Plus-Ultra schlechthin. Nahezu jeder Song, der in den Charts läuft oder jemals lief, ist im 4/4-Takt geschrieben und zu diesem Takt wackeln überall in der westlichen Welt die Mädels mit dem Arsch. Dementsprechend häufig wird der 4/4-Takt auch verwendet.
 
Nun gibt es auch andere Taktarten – z.B. den 7/8-Takt. Da “fehlt” also sozusagen eine Achtelnote, wenn man einen 4/4-Takt spielen möchte. Ein guter Ansatz, um den Auftragsjob erledigen zu können. Damit sollte man einen Schlagzeuger also gut aus dem Takt bringen können, wenn dieser einen 4/4-Takt spielen möchte.
 
Das reicht allerdings noch nicht, denn die 7/8-Takte können auch ganz gut grooven. Eigentlich sind die sogar ziemlich geil und werden leider viel zu selten eingesetzt. Das liegt wohl daran, daß in der Disco immer ein halber Tanzschritt pro Takt fehlt und die Mädels spätestens ab einem gewissen Alkoholpegel Probleme bekommen, ästhetisch mit dem Arsch zu wackeln.
 
Für Schlagzeuger im Besonderen und Musiker im Allgemeinen ist der 7/8-Takt aber trotzdem eine sehr interessante Taktart, die aufgrund der Eichung auf den 4/4-Takte mit einigen Herausforderungen verbunden sein kann. Es ist zwar unwahrscheinlich, daß ausgerechnet ein Schlagzeuger, der sich stundenweise einen Proberaum mietet, soweit ist, daß er einen 7/8-Takt spielen möchte – der Teufel ist aber bekanntlich ein Eichhörnchen.
Deshalb ist noch ein weiterer, kleiner Kunstgriff in die Trickkiste nötig: das Timing.
 
Für mich persönlich eher ärgerlich, denn ich habe ziemlich lange gebraucht, die Fingerkoordination auf diversen Instrumenten so hinzubekommen, daß das Timing ordentlich sitzt. Zum Glück brauche ich mir nicht längst abgewöhnte schlechte Angewohnheiten wieder antrainieren: die Technik macht’s möglich.
Aber jedem Takt über den Nummernblock der Tastatur ein eigenes Tempo zu geben ist auch wieder etwas arg nervig und die eigenen Songs zu verhunzen macht auch nicht wirklich Spaß…
 
Diese Auftragskomposition dürfte wohl der erste Song sein, den ich ausschließlich als lange Zahlenkolonnen in Erinnerung behalten werde. Immerhin weiß ich jetzt, daß meine Musikbearbeitungssoftware das kann (was zu erwarten war) und wo ich diese Funktion finde (was schneller ging, als befürchtet).
 
Bleibt nur noch festzuhalten, daß durch diese Temposchwankungen der Song zu einer äußerst nervtötenden Angelegenheit wurde. Lärm eben. Schade eigentlich, denn der 7/8-Takt, den ich da kredenzt habe, ist schon ziemlich cool. Mal sehen, was ich daraus noch für “Vie Noir” mache.
 
Für den eigentlichen Auftrag gilt jetzt erstmal: Mission accomplished.
 
 
P.S: Arbeitstitel ist vorerst “Krachmurksis Donnersinfonie”. Derzeit passt der Titel ganz hervorragend und wird hoffentlich auch seinen Zweck erfüllen :mrgreen:

// Katzen mögen Sekunden

Zu meiner Katzenbespaßung gehört einmal die Woche ein kleiner Ausflug. Besonders mein Großer mag diese sonntäglichen Aktionen. Der Weg von der Wohnung zum Proberaum ist zwar immer ein Drama, der -sofern es jemand mitbekommen würde- sofort den Tierschutzbund auf den Plan rufen würde. Mittlerweile klappt aber auch das ganz gut – der Trick ist eigentlich ebenso einfach wie genial: Katzenkorb ist für den Kater wohl ein Synonym für Tierarzt und somit verhasst.
Mittlerweile habe ich den Einweg-Katzenkorb eingeführt: nach jedem Gang zum Tierarzt wird der Katzenkorb gegen einen neuen eingetauscht (anderer Katzenbesitzer haben dieses Problem “zum Glück” auch.)
 
Wenn ich den Kater aber unter mein T-Shirt stopfe, heißt das Kuscheln und das ist für das zartbesaitete Katzengemüt in Ordnung. Jedenfalls fast in Ordnung. Zu protestieren gibt es immer noch genug und jedes vorbeifahrende Auto führt dazu, daß mein Verdauungstrakt mit Krallengewalt stimuliert wird. Sonntags ist aber recht wenig Verkehr und dann gibt es noch Schleichwege. Das geht also recht gut.
 
Im Proberaum blüht das Katzenvieh regelrecht auf: Alles muß erstmal genauestens inspiziert werden, sämtliche Duftmarken wollen erneuert werden usw. Das ist natürlich anstrengend und so folgt erstmal ein ausgiebiges Nickerchen in der Base-Drum.
 
Und dann wird gnadenlos die Aufmerksamkeit gefordert: “Miau” heißt der Befehl und nicht das Haustier rennt, sondern das Herrchen (also ich).
 
Inspiriert von Nora, über die ich hier vor einiger Zeit schonmal berichtete, versuche ich nun, meinem Kater das Keyboardspielen beizubringen. Damit verbinde ich quasi das Praktische mit dem Nützlichen.
 
Mittlerweile klappt das sogar erstaunlich gut. Als besonders hilfreich erwiesen sich diverse Leckerli, die ich auf der Klaviatur verstreut habe. Die haben zwar meinen Spielfluß gestört, aber seitdem wundert sich der Kater nicht mehr über die komischen Geräusche, die beim Fressen entstehen.
Die “Akkorde” sind zwar (noch?) etwas gewöhnungsbedürftig, was in erster Linie wohl daran liegt, daß eine Katze nicht so gut die Finger spreizen kann. Mit einer Pfote werden dann eben gerne Sekunden gespielt:
 
Eine Katze spielt Klavier
 
Das ganze führt dazu, daß diese Katzenmusik sehr jazzig klingt (und damit will ich auf gar keinen Fall den Jazz als Katzenmusik herabwürdigen!)
 
Dem ganzen kann man als Menschenkind, das erst nach der Schulzeit den Quintenzirkel gezwungenermaßen zu schätzen lernte, gut entgegensteuern. Sekunden kommen in nicht wenigen Jazzakkorden vor und somit lassen sich da zu zweit auch einige recht wohlklingende Sachen fabrizieren. Grundvoraussetzung hierfür ist aber, daß ich rechtzeitig “erahne”, was der Kater vorhat.
Trotz dieser ersten Erfolge fällt noch sehr viel in den Bereich der Aleatorik. Die Kommunikation zwischen dem Kater und mir funktioniert eben noch nicht so gut, daß komplexe Songstrukturen möglich sind.
 
Immerhin: zu zweit Klavierspielen macht dem Kerlchen richtig viel Spaß und mittlerweile hält er auch schon eine halbe Stunde am Stück durch.
 
Sonate für zwei Hände und vier Pfoten
 
Irgendwann sind wir vielleicht auch soweit, daß wir das alles mal aufnehmen können…

// Zeitreise

Broken Spirits: Mixtape, Kassette

Ein Schubladenfund. Ein kleines Wunder, wie diese Kassette sowohl den Wasserrohrbruch als auch den Umzug nahezu unbeschadet überlebt hat. Von dem ganzen übrigen chronischen Chaos, das hier zeitweise im Proberaum herrscht(e), will ich mal gar nicht anfangen zu reden.

Dieses Ding ist deutlich über 10 Jahre alt – und darauf sind die ersten Songs, die ich alleine schrieb. Schon damals mit gelegentlichen Einsatz von Gastmusikern, denen man an der Spielweise anhört, daß sie nicht glaubten, daß aus dem Projekt “Broken Spirits” jemals etwas längerfristiges wird.

Dies mag durchaus auch daran liegen, daß ich damals ziemlich “kaputt” war – eigentlich hat mir niemand ein Durchhaltevermögen, wie es in den folgenden Jahren nötig war, zugetraut (ich mir selber übrigens auch nicht).
Zu dem Zeitpunkt dieser Aufnahmen standen mir die richtig harten Zeiten erst noch bevor.

Was mich heute beim Hören dieser Kassette überrascht hat, ist die Tatsache, daß vieles, was ich heute mache, schon damals zumindest ansatzweise da war.
Zwar ausgesprochen unausgereift und rudimentär, teilweise reichlich ziellos und man merkt, daß ich überhaupt keine Ahnung hatte, wie man gewisse Instrumente spielt oder wie man überhaupt mit der einfachen und wenigen “Studio”-Technik, die mir damals zur Verfügung stand, umgeht.

Der Grundstein war aber gelegt.

Nachtrag: Auf einen Hinweis von Andi_Berlin gibt es hier noch die Erklärungen zur Musikkassette auf Wikipedia für die jüngeren Leser.

// Exotische Musikinstrumente

Percusionisten haben im Allgemeinen eine recht große Auswahl an Instrumenten und viele davon kommen aus recht fernen Ländern. Oft habe ich schon von Meeresschnecken gehört, die als Instrument verwendet werden, gehört hatte ich das bis heute noch nicht.

Hier ist mal dieses Instrument – angeblich kommt es aus Tibet (was mich ehrlich geagt etwas wundert – ich muß da noch mal nachfragen):

Verwendet wurde sie ursprünglich bei ritualen oder buddhistischen Zeremonien. Abgebildet ist ein Dämon, der als er von einem Krieger besiegt wurde, um sein Leben bettelte und von diesem Zeitpunkt an dem Krieger diente… so ungefähr war die grobe Geschichte dahinter. Einerseits war ich heute nicht ganz aufnahmefähig (letzte Nacht war lang, sehr lang sogar), zum anderen kennt sich die Freundin meines Percussionisten mit den Legenden Tibets besser aus, und die war heute nicht dabei.

Hier noch das Mundstück:

Und so hört sich das Teil an:

Ob ich es verwenden kann, weiß ich nocht, mehr als einen Ton kriegt man da offenbar nicht raus. Aber vielleicht kann ich es ja als Rohklang für meine Synthesizer verwenden… ;-)

// Aus Scheiße Musik machen (Teil2)

Heute gibt es den “richtigen” Schrott auf die Ohren. Im ersten Teil waren die ganzen Instrumente zu einer Art Schlagzeug zusammengefaßt, heute geht es um meine Einzelteile, die möglichst dekorativ und großflächig im Proberaum verstaut sind (der Vermieter regt ich jedesmal drüber auf :mrgreen:).

Auch diese Percussion-Instrumente sind zum großen Teil “normalen” Instrumenten nachempfunden: die Vorbilder sind diesmal aber häufig bei indigenen Völkern zu suchen.

[1] Die Stampfröhren

Für das Stampfrohr verwende ich ein SurePEX Rohr. Etwas problematisch bei den Teilen ist die Stimmung, die sich über Material, Länge und Durchmesser definiert. Mit dem Trial & Error-Verfahren habe ich Millimeterweise kürzergefeilt, bis der Zielton so einigermaßen erreicht war. Das Fine-Tuning erfolgt derzeit mit einem Pitchshifter.

[Vielleicht liest hier ja ein Mathematiker mit, der mir die Fourieranalyse in eine Exceltabelle reinpfriemeln kann, so daß als Ergebnis die Länge für die einzelnen Frequenzen in Hertz ausgespuckt wird?]


 
stampfroehre.mp3
 

[2] Röhrenglocken

 
Für die Röhrenglocken darf so gut wie jedes Metallrohr herhalten. Staubsaugerrohre sind genauso dabei wie Gerüststangen oder Wasserleitungen. Jedes Metall klingt anders, nur Kupferrohre sind ungeeignet, da diese komischerweise nicht klingen – wobei sich das ändern soll, nachdem diese erhitzt werden. Bisher habe ich das aber noch nicht ausprobiert….
 

 
5roehrenglocken.mp3

Eine nette Spielerei sind hier die künstlichen Knotenpunkte (Flageoletton). Ich halte die Röhre dabei zwischen zwei Fingern und schlage diese dann an. Für die nachfolgende Aufnahme habe ich immer das gleiche Metallrohr verwendet und an drei verschiedenen Stellen gehalten (1/5, 1/3, 1/2 der Gesamtlänge)

Dies ist eher eine Spielerei und weniger für die Praxis geeignet: die Obertöne sind doch recht leise und vergleichsweise schwierig aufzunehmen. Diese Aufnahme ist auch etwas verrauschter als die übrigen. Um die Klänge auf einen Synthesizer zu legen taugt es aber allemal…

roehrenglocken_flageolett.mp3

 

[3] Gong

Auch hier habe ich recht viele verschiedene Ausführungen:

[3.1] Bleche

Am liebsten verwende ich ein quadratisches Blech, das ich mit einem weichen Klöppel anschlage:



blech.mp3

[3.2] Keine Ahnung, was das ursprünglich war

Etwas schlecht für den Teppichboden ist dieses Teil. Den besten Klang erziele ich, wenn ich es aus geringer Höhe auf den Boden fallen lasse und anschließend freischwingend ausklingen lasse.

eisenbahndingens.mp3
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

[3.3] Tankdeckel

Noch ein schweres Kaliber: irgendein Deckel von einem Tank (?), aus Gußeisen und recht unhandlich. Leider etwas zu schwer für den dauerhaften Einsatz von freischwingende Töne.  Ich verwende das Ding daher auch recht selten, den besten Klang bekomme ich mit einem handelsüblichen Gummihammer.



tankdeckel.mp3

[4] kleine Klangröhren

Ähnlich wie die Röhrenglocken, die Länge liegt jedoch im Zentimeterbereich. Dementsprechend hoch klingen sie auch:

kleineklangroehren.mp3

[5] Metallstäbe

Diverse massive Metallstäbe mit unterschiedlichen Querschnitten und Längen. In der Audiodatei habe ich sie in der Reihenfolge auf dem Foto von links nach rechts angeschlagen:

metallstaebe.mp3

// Bildungslücke

Als ich gestern abend mit den Schlagzeugfotos bzw. -klängen anfangen wollte, fielen mir die Innereien einer meiner größeren Tonnen ins Auge.

Damit das Teil so richtig schön scheppert, ist es zu zwei Dritteln mit Kronkorken gefüllt (ich erhielt einen großen Teil aus einer Sammlung – erstaunlich, was manche Leute alles sammeln :shock: )
Ein genauerer Blick auf die Dinger eröffnete mir die Vielfalt des Bieres… einige dieser Sorten habe ich noch nie gesehen, kenne sie nur den Namen nach oder kann mir bestenfalls denken, wo sie herkommen (man kommt ja viel rum, nech?) Getrunken habe ich die wenigsten – wenn man von den “üblichen Verdächtigen” absieht, die ich in mühevoller Kleinarbeit beigesteuert habe.

Das Faß ist übrigens recht groß, da gingen ursprünglich mal 50 kg Magnesiumsulfat rein. Wenn ich die Bierdeckel alle selberbeigeschafft hätte, wäre wohl meine Leber geplatzt….

Gesamtansicht:

Einzelne Kronkorken: