Ich bin nach etwas mehr als einem Jahr immer wieder überrascht, wie selten ich hier etwas von der Nachbarband mitbekomme. Man sieht sich kaum. Ab und zu höre ich im Vorbeigehen den Schlagzeuger und manchmal legen die Jungs und Mädels einen Zwischenstop auf dem Weg zum Klo bei mir ein.
Heute gab es den ersten offiziellen Schichtwechsel am Hoftor: ich bin gerade angekommen, als die Band sich in den Feierabend verabschiedete.
Wenn ich da an den alten Proberaum zurückdenke, in dem es zuging, wie in einem Taubenschlag und wo ich nie in Ruhe an irgendwelchen Songs basteln konnte, ist dies eigentlich die größte qualitative Verbesserung seit dem Umzug. Somit hatte der Wasserrohrbruch damals doch etwas Gutes.
Andererseits ist es hier manchmal doch ganz schön einsam und manchmal fehlen auch ein wenig die Blödeleien mit den Nachbarn. Trotzdem: die Vorteile überwiegen und irgendetwas ist ja immer ![]()
Kategorie ‘Nachbarn’
Zum Alltag im Proberaum gehören natürlich auch die Nachbarn. Manchmal erfreulich, manchmal ärgerlich: also wie woanders auch.
// Schichtwechsel
Sonntag, Januar 15th, 2012Tags: Alltag
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// Proberaum – Spaß: Sänger sucht Band
Donnerstag, August 4th, 2011Dies ist eine Anekdote aus dem alten Proberaum. Nach etwas mehr als einem Jahr im neuen Proberaum muß ich schon feststellen, daß ich solche Späße etwas vermisse. Ich denke gerne an diese chaotische Zeit zurück. Damals…
Im alten Proberaum waren ja (wie sich vielleicht der ein oder andere Stammleser erinnert) gut 300 Leute auf engsten Raum zusammengepfercht und jeder bekam von jedem alles mit. Hauptreffpunkt zum Austausch des neuesten “Klatsch und Tratsch” war der Getränkeautomat. Wer einen Sänger suchte, erzählte es zuerst dort. Dort wurde auch der Ruf von schlechten Musikern untermauert und der Ruf der guten Musiker angemessen euphorisch dem Rest der Szene mitgeteilt.
Nun gab es eine Band, die sich recht schwer damit tat, einen geeigneten neuen Sänger zu finden.
Jede Woche gab es mindestens ein Casting im Proberaum und jede Woche hingen vier Jungs völlig deprimiert vor dem Getränkeautomaten rum und erzählten jedem, der gerade zufällig in die Nähe dieser Bierquelle kam, von ihrem neuesten Griff ins Klo.
Gesucht wurde ein Sänger für eine Coverband, die hauptsächlich Partyrock spielte. Zum Repertoire gehörten Midnight Oil, Kiss, Bryan Adams, Queen, Uriah Heep, Europe, Marillion, usw. Kurz: sämtliche Rock-Klassiker, die auch auf einer Best-Of-Rock zu finden wären.
Die Ansprüche waren also recht hoch aufgrund der Vielfalt und gerade für einen Sänger nicht gerade leicht umzusetzen. Wer schonmal versucht hat, die Texte von Queen oder Marillion (und hierbei meine ich vor allem die hohen Töne im Gesangspart) mitzusingen, versteht, um was es ging. Trotzdem nicht ungewöhnlich.
Nach einem halben Jahr war die Band soweit, Kompromisse einzugehen. Zwei oder drei Sänger sind ebenfalls absolut in Ordnung.
Für eine Band vielleicht, aber nicht für einen charismatischen Sänger.
So fingen die Probleme erst richtig an…
Da waren also mindestens drölfzig Sänger, die das Erste Gebot der Gesangsbibel förmlich lebten: Du sollst keine anderen Sänger neben mir haben.
Mit der Zeit kamen die Falsch-Sänger. Kleine Hobby-Sänger, die zwar unter der Dusche aufgrund des Hintergrundrauschens ganz gut klingen, live aber zu nix zu gebrauchen sind. Davon gab es jeden Monat mindestens drei.
Kurz darauf häuften sich die Gerüchte, daß die Band zwar ganz gute Sänger aufgetrieben hat, diese aber stilistisch nicht passten. Höhepunkt war der Sänger, der viele Jahre in einer Kastelruther Spatzen – Coverband gesungen hat. Dieses Programm sollte natürlich mit dem Partyrock vermischt werden. Sozusagen eine Kastelruther – Amsel – Version von “Beds Are Burning”. Kann man machen, ja.
Die Sängersuche ging ins zweite Jahr.
Absolutes Highlight war Detlef (der hieß wirklich so): Eine Labertasche, wie sie im Buche steht.
Der Kerl hat es angeblich geschafft, während der Bandprobe mehr zu quasseln als zu singen. Böse Zungen behaupteten hinterher, daß dies ein multitaskingfähiger Sänger sei: er könne gleichzeitig singen und reden.
Sein Gerede war während der gesamten Aufnahme, die über eine Stunde ging, zu hören.
Nur einmal soll er während der Aufnahme Luft geholt haben und als sich die gesamte Band die Jamsession angehört hat, hat er genau in dieser Sekunde dazwischengequatscht.
Nach dieser Probe waren einige Hektoliter Frustbier fällig. Die Nerven und so.
Die Sängersuche ging ins dritte Jahr.
Auch hier gab es das ein oder andere absolute Highlight: Die Scherzbolde der Musikerszene machten sich breit.
Am Telefon wurde sich mit verstellter Stimme vorgestellt und die Omas wurden mobilisiert, sich per Telefon mit rauchiger und hocherotischer Stimme bei dieser Band als Sängerin zu bewerben.
Mit schöner Regelmäßigkeit meldeten sich also völlig ungeeignete Sänger (was allen klar war mit Ausnahme dieser Band).
Die Band war inzwischen soweit, Freddy Mercury von einer Frau singen zu lassen. Als Background-Sängerin kann man die Mädels ja auch noch gebrauchen. Im übrigen sieht auch der letzte Schrubber im richtigen Licht noch ganz gut aus.
Überhaupt: irgendetwas ist ja immer.
Hauptsache wieder eine Band mit Gesang. Ein weiteres halbes Jahr später hätten die auch einen Chow-Chow genommen, sofern der auch nur ansatzweise headbangen kann.
Es war an der Zeit, dieses Desaster zu beenden. Wir – die lieben und fürsorglichen Proberaum -Nachbarn – schrieben einen Aushang, den wir in Augenhöhe auf den Getränkeautomaten klebten. Mit viel neongelben Textmarker und großen Lettern: “Sänger sucht Band”.
Das Repertoire: auf diese eine Band zugeschneidert. Stilsicher, Partyrock, Queen gehört zur Lieblingsband aber auch offen für Uriah Heep, Haarsprayrock und um das Profil abzurunden: Blues. Das wirkt immer. Gerne auch mal ein Bier usw. usf.
Sozusagen SEO vom Feinsten für eine verzweifelte Band.
Kurz: der Traumsänger, der jeden erdenklichen Musikwunsch erfüllt.
Wir entferneten die Lüftung im Proberaum und verkabelten den Getränkeautomaten. Der obligatorische Soundcheck folgte: jedes Wort und jedes Bandmitglied wollten wir laut und deutlich über die PA im Proberaum hören.
Wie erwartet fiel der Band sofort dieser Aushang auf. Hektisches Geplapper begann.
Begeisterungsrufe.
Ein Telefon wurde gesucht.
Der Gitarrist hatte es zuhause vergessen.
Der Bassist hatte kein Guthaben auf der Pre-Paid-Karte.
Der Schlagzeuger hatte sein Handy im Auto vergessen.
Der Keyboarder murmelte etwas im Stile von “hat ja eh keinen Sinn” und holte sich ein weiteres Bier.
Die Spannung stieg und endlich klingelte bei uns im Proberaum das Telefon.
Wir machten uns nicht die Mühe, den Anruf entgegenzunehmen.
Fast dreißig schadenfroh grinsende Musiker stürmten aus dem Proberaum, wedelten mit dem klingelnden Handy und brüllten im Chor “Hättet Ihr wohl gern!”.
Danach gaben wir eine Runde Bier aus, die mit einem müden Lächeln entgegengenommen wurde.
Eine Woche später löste sich die Band auf.
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// Manche Dinge möchte ich nicht wissen
Dienstag, August 2nd, 2011Gerade entdeckt auf dem Weg zum Klo:

Nein, ich möchte es wirklich nicht wissen, was da passiert ist. Aber ich habe eine Erklärung für den ein oder anderen unerklärlichen Stromausfall in meinem Proberaum.
Wobei ich jetzt meinen Nachbarn keine böswillige Absicht unterstellen möchte: wahrscheinlich haben die nur einfach die eigene Sicherung gesucht und dabei meine erwischt.
Meine langjährige Erfahrung in einem Chaotenhaufen wie diesem läßt nur diesen Schluß zu. Wobei manche Scherze… nun wirklich soooo einen Bart haben und trotzdem gerne bis zum Erbrechen wiederholt werden.
Aber gleich viermal den gleichen Zettel auf wenigen Quadratmetern aufgehängt?! Weia…
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// Dollarzeichen in den Augen
Dienstag, Juli 5th, 2011
Einer meiner Nachbarn ist Altmetallhändler. Bei den derzeitigen hochsommerlichen Temperaturen war es ihm zu anstrengend, irgendwelche Küchengeräte und ähnlichen Sperrmüll zu zerlegen. Deshalb saß er mit einem Bierchen auf dem Hof und entfernte von Kabeln die Isolierung. Offenbar bekommt man für reines Kupfer einen wesentlich höheren Preis, als für komplette Kabel. Es scheint sich also zu lohnen, diese Arbeit zu verrichten….
Alte Kabel habe ich ja genug, mehr als genug, um genau zu sein. Das war also eine gute Gelegenheit meinen Altkabelbestand zu eliminieren. Ich bin das Zeugs endlich los, und mein Nachbar hat was zu tun ist ein paar Kilo Kupfer reicher.
Ich bat ihn also, mit in den Proberaum zu kommen, um sich den Kabelsalat abzuholen. Dabei sah dieser Altmetallhändler auch mein Saxophon und richtig leuchtende Augen bekam er, als er mein Schlagzeug sah… ![]()
P.S.:Für die neuzugekommenen Blogleser: Bilder von meinem Schlagzeug gibt es hier.
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// Tag der offenen Tür?!
Sonntag, Juli 3rd, 2011
Manchmal nerven mich meine Nachbarn.
Da sitze ich also gemütlich im Proberaum, trinke einen Kaffee und bastel an meinem Hauptrechenr rum, der letzte Nacht über die Wupper gesprungen ist. Die Grafikkarte ist verreckt und nun habe ich kein Bild mehr. So arbeitet es sich natürlich schlecht an dem Arrangement des neuen Songs.
Oft habe ich in solchen Momenten die Tür offen und irgendwie meint da Hinz und Kunz, daß man sich hier anschleichen kann und einen Blick riskieren kann. Wenn ich das bemerke und mich umdrehe, rennen die gleich wieder fort. Manchmal wird dabei irgendwas unverständliches gemurmelt.
Tür zu lassen hilft übrigens auch nicht: dann wird eben zum Fenster reingelinst. Ich habe zwar einen Rollo davor, aber der ist ca. 5 cm zu kurz. Unter den größten Verrenkungen, daß man das Knacken der morschen Knochen sogar im Proberaum hört, wird dann geguckt, was ich hier drinnen so treibe.
Komischerweise sind das immer Frauen. Blöde Klatschweiber.
Langsam nervt’s einfach nur noch :-/
(Und nein, das sind keine Groupies. Gegen die hätte ich nichts. Hier gucken überwiegend dicke alte Schachteln rein, bei denen der Gärprozeß schon vor ein paar Jahren begonnen hat.)
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// Die Prozession zum Klo
Mittwoch, Mai 11th, 2011Was mir gerade auffällt: nicht nur Frauen gehen zusammen aufs Klo, die Nachbarband auch.
DAS nenne ich mal Timing: lauter Kerle, die das Bier so trinken, daß sie alle gleichzeitig aufs Klo müssen
Diese menschlichen Bedürfnisse sind übrigens so eine Sache: was macht ein Musiker mit einer schwachen Blase?
In einer befreundeten Band gibt es so einen Fall: ein Keyboarder mit einer extrem schwachen Blase. Pro Bier kann er zweimal auf’s Klo rennen. Und wie so viele Musiker trinkt er gerne ein Bier.
Im Proberaum ist das kein Problem, da läßt sich mal eben notfalls selbst mitten im Song eine Pinkelpause einschieben. Während eines Auftrittes bereitet dieses Handicap schonmal Schwierigkeiten: das Publikum geht ab, ein Song geht nahtlos in den nächsten über, damit die Kneipe nicht aufhört zu kochen.
Ich unterstütze diese Band hin und wieder als Tontechniker bei Auftritten und aus einigen Jamsessions kannte ich dieses Problem. Dementsprechend gespannt war ich, wie die Jungs das Problem lösen.
Die Lösung war ebenso einfach wie naheliegend und genial: einen Eimer unter das Keyboard und über das Keyboard wurde ein Tuch drapiert mit dem Bandlogo. Sah gut aus, der Keyboarder konnte soviel Bier trinken, wie er wollte und die Band war fit genug, um die einhändigen Keyboard-Passagen spontan zu füllen.
Das Publikum hat nie etwas gemerkt, bis diese Band einen Auftritt in einer Kneipe am späten Nachmittag hatte und sich genau hinter dem Keyboarder ein Fenster befand. Das Publikum wird dieses “Schattentheater” wohl nie vergessen….
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// In einem LKW-Reifen übernachten
Samstag, Mai 7th, 2011Einer meiner Nachbarn ist ein Reifenhändler und oft arbeitet er bis spät in die Nacht. Der Kerl hat wirklich ein erstaunliches Durchhaltevermögen und verlässt oft die angrenzende Lagerhalle als letztes. Selbst die Autobastler, die ebenfalls in der Halle am Werkeln sind oder gemütlich bei lauter Musik zusammensitzen, gehen oft früher.
Das klappt eigentlich meistens auch ganz gut…. wenn nicht gerade jemand das Rolltor von außen mit einem Vorhängeschloß abgesperrt hätte.
Jetzt konnte der arme Kerl zwischen seinen Reifen übernachten – ein größerer Reifen war dem Hörensagen nach als Ruhekissen ganz gut geeignet
(Wenn man davon absieht, daß er heute Rücken hat)
Ich hab dem jetzt mal meine Telefonnummer gegeben – ich wäre nämlich gestern abend anwesend gewesen und hätte ihn rauslassen können. Wenn ich es denn mitbekommen hätte.
Ich weiß schon, warum ich immer das Vorhängeschloß aufs Klo in der Halle mitnehme – da gibt es nämlich das gleiche Problem.
Da sollte wirklich so eine Art Alarmplan an das Hallentor, denn eigentlich ist rund um die Uhr jemand auf dem Gelände und daß jemand eingeschlossen wird, kommt gar nicht so selten vor. Allerdings hatte es bisher noch nie zu einer Übernachtung in der Halle geführt.
Muß ich mal dem Vermieter vorschlagen.
Tags: Proberaum: Anekdoten
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