Es war ein netter Abend. Zusammen mit Freunden in einer Kneipe abhängen, Dummzeug babbeln und dabei das ein oder andere Bierchen zischen.
Schön ist es, wenn man neue Leute kennenlernt und das Gespräch ganz ungezwungen und durcheinander vor- und zurücktreiben läßt.
Ein Bekannter mir gegenüber und eine Frau neben mir rissen einige schlüpfrige Witze, als am Nachbartisch ein Meter Kölsch serviert wurde. Mein spontaner Gedanke: ” Sowas will ich auch” – dies habe ich laut gedacht. Mein Bekannter und die Frau fangen an zu lachen – das war Situationskomik vom Feinsten.
Die Folge? Ein Meter Kölsch mit der Frau neben mir. Ganz spontan beschlossen, das Zeug wegzuhauen und die Kosten zu teilen. Gesagt, getan, bestellt und mit dem ersten Kölsch auf die neue Freundschaft angestoßen.
Als Musiker weiß ich nur zu gut, was es heißt, ohne Geld auszukommen.
Nicht selten war ich froh, wenn ich am sozialen Leben teilhaben konnte, obwohl ich keinen Cent in der Tasche hatte. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich trotzdem meinen Spaß hatte, weil ich gute Freunde hatte, die die Zeche für mich übernommen haben.
In Zeiten, in denen es mir finanziell gesehen besser geht, nehme ich die armen Schlucker mit – fünf Euro auf den Tisch zu werfen, wenn einer meiner Leute kein Geld hat? Kein Problem. Es ist der Monatserste, das Geld ist da und was gibt es schöneres, als mit Freunden die Gegend unsicher zu machen.
Die Frau neben mir hatte wohl ähnliche Erfahrungen gemacht und so war es kein Problem, daß das ein oder andere Kölsch jemand anderes trank. Manchmal warf jemand eine Ein- oder Zwei- Euro – Münze auf den Tisch und bediente sich. Die Frau und ich unterhielten uns gut und lange und darüber wurde das Bier schal – kein Problem, wenn sich jemand bedient. Wir hatten alle unseren Spaß. Eben ein Abend unter netten Bekannten oder gar Freunden.
Es war ein schöner Abend.
Irgendwann waren nur noch zwei Kölsch übrig. Die ersten Bestellungen wurden aufgegeben: ein Pils, ein Himbeercocktail, ein Wasser usw.
Zwei Kölsch gab es noch. Die Frau und ich hatten fast zeitgleich ausgetrunken und ich freute mich bei dem letzten Schluck des vorletzten Kölschs bereits auf das letzte Anstoßen. Sowas in der Art wie “wann-trinken-wir-den-nächsten-Meter”.
Dieser Gedanke wurde jäh unterbrochen von zwei Riesen-Möpsen, die sich in mein Blickfeld schoben. Ähnlich erging es der Frau. Wir blickten nach oben und sahen in die gierigen Augen in einer hässlichen Fratze, die die letzten beiden Kölsch fixierten. Blitzschnell schoß eine Hand unter den Riesen-Möpsen hervor und die zugehörigen Gichtgriffel griffen nach einem der beiden Kölsch. Überflüssig zu erwähnen, daß das Kölsch innerhalb eines Augenblickes “auf Ex” geleert wurde.
Als Gentleman überließ ich der Frau neben mir das letzte Kölsch. Als Musiker verfügt man ja zum Glück über ein gewisses Improvisationstalent: mein Pils kam dann auch recht schnell.
Trotzdem – das war nicht das gleiche. Daran ändern auch nichts die zwei Euro, die von der vermeintlich bargeldlosen Tussnelda nachträglich lässig auf den Tisch geworfen wurden. Die zwei Euro sind mir ehrlich gesagt auch scheißegal.
Es gibt einen Menschen mehr in meinem Leben, der so richtig gründlich untendurch ist. Diese Kackbratze hätte wenigstens vorher fragen können.
Wie es mit dem nächsten Meter Kölsch verlaufen wird? Nun – das gibt es hoffentlich demnächst in diesem Theater. Wir Musiker können ja improvisieren. Die Kackbratze wird aus diesem Abendprogramm jedenfalls ausgeschlossen – soviel ist schonmal sicher






