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Kategorie ‘Off Topic’



Alles was in keine andere Kategorie paßt.





// Kreatives Chaos im Proberaum

Sonntag, November 13th, 2011

Kreatives Chaos im proberaum

Alle Versuche, den Proberaum gemütlich zu gestalten, sind wohl von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Das ist jedenfalls nach über einem Jahrzehnt aktiver Proberaum-Nutzung mein Fazit.

Andererseits: ich mag dieses kreative Chaos. All diese Kabel, Ersatzteile, Computerteile, ausgetauschte Gitarrensaiten, der Geruch von Gitarrenpolitur und abgestandenen Bier, die zerknüllten Zettel der mißlungenen Songtexte auf dem Boden, der überquellende Mülleimer, die notdürftig geweißten Wände, von denen stelenweise der Mörtel runterrieselt, wenn die Bässe zu laut sind. Die Kaffeemaschine, die völlig sinnlos in der Gegend rumsteht, bis sie irgendwann frühmorgens dringend gebraucht wird, um die letzten Energiereserven des Körpers zu mobilisieren.

Dazwischen die Instrumente. Mal hastig in die Ecke geworfen, weil ein anderes Instrument gerade für den Song wichtiger ist, ein anderes fast liebevoll in eine Ecke gestellt, um mit der jeweiligen Spur später weiterzumachen.

Manchmal eine Grünpflanze auf dem Fensterbrett. Diese ist von vorneherein zum Tode verurteilt und wird spätestens in ein paar Wochen für mehrere Monate fröhlich vor sich hin vertrocknen. Bisher habe ich es immer geschafft, mich mehr um die Instrumentenpflege zu kümmern, als um eine Topfpflanze. Die Entsorgung des Komposts wurde bisher auch immer wegen irgendwelcher Kleinigkeiten aufgeschoben.

Also kreatives Chaos vom Feinsten – ich kenne es nicht anders.

Und wie stellt Ihr Euch einen typischen Proberaum vor?



// Zappenduster

Sonntag, Oktober 9th, 2011

Ohne Taschenlampe geht hier jahreszeitenbedingt gar nix mehr. Es wird immer früher dunkel, und seit in der Halle von dem ein oder anderem regelmäßig vergessen wurde, das Licht auszuschalten, gibt es keines mehr.

Der Weg in den Proberaum und vom Proberaum zum Klo ist jetzt nur noch zu erahnen oder zu erfühlen (wobei lezteres meist zu spät ist und mit einer Beule oder angeschlagenen Zeh verbunden ist.)

Feuerzeuge sind auch eine schlechte Idee, da in der Halle alles mögliche gelagert ist, das Funken eher nicht mag… oder sich mit den Funken in ein Feuerwerk verwandelt. Durchaus spannend, wenn mein Equipment dadurch nicht in Mitleidenschaft gezogen werden würde. Wobei mich das ja als Verursacher im Falle eines Falles nicht mehr interessieren dürfte.

Jetzt also mal das wichtigste Utensil für die nächsten Monate im Proberaum gelagert: eine Taschenlampe. Mit aufladbaren Akku. Das mit den Batterien ist ja hier auch immer so eine Sache.

Ohne Taschenlampe geht hier nix mehr

Jetzt muß ich nur noch daran denken, das Teil 1) regelmäßig aufzuladen und 2) nicht zu verbummeln.

Ich kenne aber mindestens einen, der heute schon weiß, daß ich demnächst wieder über eine Beule oder blauen Zeh blogge.

Wetten? ;-)

Notiz an mich selbst: Verbandsmaterial kaufen



// Begegnung der dritten Art

Freitag, September 16th, 2011

Manchmal…

Ich wollte heute meine Internetrechnung bezahlen. Dazu bin ich einen Handy-Laden gegangen (der Weg zur Bank war zeitlich nicht möglich). Freundlich wurde ich begrüßt und meine Frage, ob ich eben kurz eine Rechnung begleichen kann wurde bejaht. Dazu mußte ich meine Kundendaten angeben:

Handy-Laden-Fuzzi (HLF): Name, Vorname?
Ich (I): Spirits, Broken.
HLF (tipp-tipp-tipp) Ich kann Sie nicht finden? Vielleicht habe ich das falsch geschrieben? Buchstabieren Sie mal bitte.
I: Sigfried-Paula-Ida-Richard-Ida-Theodor-Sigfried.
HLF (tippt ewig lange): Das paßt hier nicht rein.
I: Hä? Das sind doch nur sechs Buchstaben???
HLF (dreht den Monitor zu mir): Schauen Sie selber.
I: WTF???? (Halb belustig, halb in Tränen ausbrechend, mit einer guten Mischung Verärgerung und ein Lachen unterdrückend lese ich in dem Feld für den Nachnamen: “Sigfried-Paula-Ida-Richard-Ida-Theodor-Sigfried”.

HLF: Ich probiers mal über die Handynummer. Sie haben doch ein Handy bei uns?
I: Nein, ich…
HLF: Ich hätte da ein supertolles Angebot, preisgünstig und blablablablubb.
I: (nun doch überwiegend sauer) Hat keinen Sinn. Mein Name wird auch in dieses Eingabefeld nicht reinpassen. Wiedersehen!

Nun gehts heute abend also doch zur Bank. Treffe eigentlich nur ich auf solche Leute, die zum Scheißen zu blöd sind?



// Ich habe gerade nix zu Lachen – oder doch?

Mittwoch, August 10th, 2011

Vor lauter Arbeit kommt die Musik immer noch viel zu kurz. Ich hoffe, daß sich das bald ändert und ich ausschließlich mit meinem erlernten Beruf wieder den Proberaum finanzieren kann.

Ganz ehrlich – ich habe nix gegen Grünzeugs (solange man das Grünzeugs essen kann) und es gibt sicher schlechtere Jobs als dieser Aushilfsjob im Blumenladen. Wenn da nicht die Kunden wären – die können nämlich das Leben ganz schön stressig machen.

Miki berichtet in ihrem Blog über Omas und Rollatoren: Eine Leidensgeschichte, die ich bedenkenlos unterschreiben kann.

Allerdings braucht es keine Omas und keine Rollatoren, um mich an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Denn manche Kunden… wenn ich so dürfte, wie ich wollte, dann könnte ich…

Echt jezz…!

Da steigt also eine Kundin aus einem Taxi aus, das direkt vor der Ladentür hält. Das Wort “aussteigen” ist allerdings etwas irreführend: sie läßt sich aussteigen, denn diesen Job durfte der Taxifahrer übernehmen. Blöd, daß da die Handtasche im Weg war. Staunend beobachtete ich, wie die gehbehinderte Frau erst die Handtasche zum offen Autofenster rausstreckte, sich mit der gleichen Hand am Taxifahrer festhieltkrallte, die Tür zumachte um anschließend festzustellen, daß das alles so nicht geht. Der Taxifahrer kratzte sich verwirrt am Hinterkopf.

Im zweiten Anlauf hielt sich die gehbehinderte Tussnelda an einem Kartenständer auf Rollen fest, der unter ihrem Gewicht erst fortrollte, bevor er resigniert zu Boden ging.

Die übergewichtige Kundin (im folgenden mit weniger schmeichelhaften Wörtern bedacht) konnte sich an einer Säule im Eingangsbereich festhalten, bevor sie auf den Taxifahrer fiel.

Zeit für mich, in das Geschehen einzugreifen und die herausgefallenen Karten einzusammeln, bevor sich diese aufgrund des Wetters buchstäblich in alle Winde verstreuten. Der Taxifahrer kämpfte derweil um sein Gleichgewicht, mit dem Gewicht der Kundin und einer unvorhersehbar herumwirbelnden Handtasche.

Nach circa fünf Minuten hatte der Taxifahrer die fette Kuh in den Laden bugsiert. Diese verlangte sofort nach einer Sitzgelegenheit – ein Unfall mache es ihr unmöglich, während des Einkaufs zu stehen.
Ich hätte spätestens jetzt mißtrauisch werden sollen. Wurde ich aber nicht – in meinem geliebten Labor habe ich es ausschließlich mit wohlerzogenen Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Personal zu tun – also so Freaks, wie ich es einer bin.

Komplett irrationales Verhalten ist in meiner Arbeitswelt nicht vorgesehen (mit Managern, Controllern und ähnlich arroganten Seseelfurzern habe ich schlimmestenfalls in der Kantine zu tun, wenn dieses Gesocks mir mein Essen streitig macht sich vordrängelt und ich anfange, hitzige Wortgefechte zu führen, die über kurz oder lang zu einer Kündigung führen. Wenn es um mein Essen geht, verstehe ich keinen Spaß und irgendwelche Hierarchien sind mir bei diesem Thema ehrlich gesagt scheißegal).

Diese fette Kuh auf ihren morschen Kackstelzen räumte erst einmal umständlich ihre Handtasche auf, die kurz zuvor am Hinterkopf des Taxifahres in einem reichlich dearrangierten Zustand geriet. Dabei verlangte sie lautstark nach einer Kollegin, die sich knapp zehn Minuten zuvor in ihren wohlverdienten Feierabend verabschiedet hatte.

Dies erklärte ich der Kackbratze auch und als ich sagte, daß die Spinatwachtel nun leider, leider zwangsläufig mit mir Vorlieb nehmen müsse, konnte sich der Taxifahrer ein schadenfrohes Grinsen nur mühsam verkneifen.

Meine Kompetenz wurde angezweifelt. Ich kannte diese Kundin noch nicht aber instinktiv war ich gleicher Meinung. Balkonpflanzen kann man üblicherweise nicht essen und somit fällt die herbstliche Balkonbepflanzung nicht in meinen Kompetenzbereich.

Abrupter Themenwechsel: die triste Wohngegend wurde mir ausführlich beschrieben. Ob ich auch der Meinung sei, daß dies eine Scheißgegend sei. Ja, dieser Meinung bin ich auch, ich fotografiere ja vorzugsweise den gesellschaftlichen Verfall und so war ich auch schon oft in diesem Stadtteil. Ja, ich kenne die Gegend. Nein, ich wohne in diesem Assozialenviertel zum Glück nicht.

Eine wartende Kundin in der Schlange begann ungeduldig mit dem Fuß zu wippen. Ich merkte mir die Wegbeschreibung zu dem Hinterhof für eine Fotosession und lenkte das Gespräch ungeschickt wieder auf die Balkonbepflanzung.

Das hätte ich besser nicht tun sollen: mir wurden Pflanzennamen um die Ohren geknallt, die ich trotz mehrjähriger Tätigkeit im Blumenladen nie gehört mir nie gemerkt habe.

Mein Gott. Ganz ehrlich? Mir ist es sowas von wurscht, ob eine Rose nun “Romantic Hot Red Flame Deluxe” oder sonstwie heißt. Das Scheißding hat Dornen, an denen sich zarte Frauenhände verletzen können. Wer sowas seiner Freundin überreicht, muß sadistisch veranlagt sein oder seine Freundin aus leidvoller Erfahrung abgrundtief hassen. Punkt, fertig, aus.

Tomaten, Basilikum, Petersilie, Schnittlauch – DAS sind z.B. Pflanzennamen, die man(n) sich merken können muß. Denn nur damit läßt sich ein blutiges Steak geschmacklich aufwerten.

Ich schleppte also völlig planlos irgendwelche Topfpflanzen an, die ansatzweise nach herbstlicher Balkonbepflanzung aussahen und die gewünschte Farbe hatten. Der Taxifahrer begann breiter zu grinsen. Einige Kunden taten so, als ob sie gähnten oder gingen vor der Ladentür eine rauchen. Natürlich an strategisch günstigen Plätzen, um das Schauspiel zu beobachten. Ich wurde etwas nervös. Es ist schon ganz schön doof, wenn sich Hinz und Kunz mit Balkonpflanzen besser auskennen, als die aus Kundensicht erwartete Fachkraft.

Ein Anruf bei meiner Kollegin war langsam überfällig. Der Taxifahrer begann sich, auf den Rückweg mit dieser Kundin vorzubereiten. Ein meditatives Rauchritual begann.

Meine Kollegin klagte mir am Telefon ihr Leid mit derselben Kundin. Ich solle die Kundin rausschmeißen, wenn sie nervt. Das tat die fette Kuh mittlerweile ohne Zeifel. Leider ist sie einiges schwerer als ich und der Taxifahrer rauchte eine nach der anderen. Die übrigen Kunden lästerten. Aus dieser Richtung war also keine Hilfe zu erwarten. Ich begann, diesen Tag abgrundtief zu hassen.

Ich bekam einen telefonischen Crashkurs in Sachen herbstlicher Balkonbepflanzung. Der wurde von der gehbehinderten Spinatwachtel unterbrochen, die lautstark nach einer Sitzgelegenheit verlangte. Andernfalls gehe die Kundin. Der Taxifahrer brach in hysterisches Gelächter aus während ich mir überlegte, wie ich das Telefongespräch mit meiner Kollegin künstlich verlängern könnte.

Ich würgte das Telefonat trotzdem ab. Schließlich warteten auch noch andere Kunden und mein Feierabend sollte auch nicht in allzu weite Ferne rücken.

Aufgrund meines telefonisch erworbenen Spickzettels kamen immer mehr Balkonpflanzen in die engere Wahl. Jede war natürlich überteuert. Die Kundin wähnte sich offensichtlich auf einem türkischem Basar. Diesen Zahn konnte ich aber unerwarteterweise erstaunlich schnell ziehen.

Der Taxifahrer notierte sich sicherheitshalber meine Argumentationskette auf einem Zettel.

Die Spinatwachtel hatte sich nach 20 Minuten für einige Balkonpflanzen entschieden, die augenscheinlich dafür geeignet sind, die bemängelte Hinterhoftristesse zu lindern.

Wenn ich in diesem Nebenjob eines gelernt habe: man kann wirklich einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen. Man muß einfach nur souverän genug auftreten. Es ist völlig unwichtig, ob man weiß, wovon man redet.

Es war kein Problem, zusätzlich einige Zimmerpflanzen, die ursprünglich irgendwo in den Tropen beheimatet sind, als winterhart zu verkaufen.

Meine Kompetenz wude zwar zurecht erneut angezweifelt. Ich sagte, daß dies so auf dem Preisschild stehe. Da ich mittlerweile ziemlich sicher war, daß der Taxifahrer die Schabracke nicht an dem Preischild vorbeifrachten würde, war diese Aussage relativ gefahrlos möglich.

Sonst habe ich ja gerade nix zum Lachen und dieser Spaß mußte einfach sein. Die umstehenden Kunden fanden es ebenfalls lustig. Der Taxifahrer zwinkerte mir verschwörerisch zu.
Die Kundin bezahlte endlich anstandslos die verlangte Summe und mit den Tropengrünzeugs war mein Stundenlohn erfolgreich erwirtschaftet.

Nachdem der Taxifahrer die Nervensäge ins Auto verfrachtet und die Beifahrertür zugeknallt hatte, entschuldigte er sich bei mir.

O-Ton: “Wenn ich gewußt hätte, wie diese Tante drauf ist, hätte ich die auf einem einsamen Waldweg ausgesetzt. Da wär’ uns beiden ‘ne Menge Ärger erspart geblieben.”

Recht hat er. Wir verbredeten uns auf ein Bier. Für mich als Musiker ist es immer gut, freundschaftliche Beziehungen zu den örtlichen Taxifahrern zu pflegen. Schließlich trinkt unsereins mal gerne einen über den Durst und es ist gut zu wissen, daß ich im Taxi nur “Heim” lallen muß, um vor der Proberaumtür abgelegt zu werden…



// Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient

Sonntag, Juli 24th, 2011

Die Norweger haben wohl alles richtig gemacht, wie diese Rede des norwegischen Premierministers eindrucksvoll zeigt:



[via]

Die englischen Untertitel sind ganz brauchbar, soweit ich das mit meinen norwegischen Sprachfähigkeiten beurteilen kann. Auf norwegisch kommt diese Rede allerdings noch etwas eindrucksvoller und “kräftiger” rüber.

Diese Ansprache entstand zu einem Zeitpunkt, als die Hintergründe des Täters noch nicht geklärt waren.

Wie armselig sind im Vergleich dazu die deutschen Medien, die sich zeitgleich wie ein pawlowscher Hund verhielten und aufgrund der Wörter “Bombe” und “Attentat” sabbernd und geifernd den Muselmanen als Sündenbock herauspickten?

Ironie der Geschichte: der Attentäter war ein fundamentalistischer und konservativer Christ. Genau das kann man auch über die meisten Bayern sagen. Die Fremdenfeindlichkeit ist in Bayern ebenfalls sehr stark ausgeprägt und richtet sich gegen alle “Zug’roaßten”. Wo bleibt der Verfassungsschutz?

An dieser Stelle möchte ich Duckhome zitieren (es kann einfach nicht oft genug gesagt werden und es paßt leider gerade so hervorragend):

Auch wenn sicher irgendein deutsches Gericht mir diesen Vergleich wieder um die Ohren schlagen wird. Er ist einfach nötig. Das was heute weltweit gegen die Muslime geschieht, ist das was bis 1945 gegen die Juden praktiziert wurde. Heinrich von Treitschkes böser Satz “Die Juden sind unser Unglück!” findet heute bezogen auf die Muslime täglich seinen Ausdruck in Politik, Medien, Stammtischen und ist die Glaubensgrundlage für den rechten Abschaum.

Dieser Aussage habe ich nichts hinzuzufügen.

Und hier stelle ich mich einfach mal dazu.

 



// Suchmaschinen und Facetten

Dienstag, Juli 19th, 2011

Jeder weiß, daß im Internet persönliche Daten gesammelt werden. Gerade große Konzerne wie Google oder Facebook wollen alles über die jeweiligen Nutzer wissen.

Wer unter diesen Vorraussetzungen noch alles von sich preisgibt, ist selber schuld. Ich bin ein kleiner Paranoiker und teile nur einen kleinen Teil meiner Persönlichkeit der Öffentlichkeit mit: ich mache gerne und leidenschaftlich Musik, fotografiere oft und viel und wer meinen Blog länger kennt, weiß vielleicht auch, daß ich ein Fahrrad besitze und oft nutze, Catcontent in der Live-Version mag und mein bevorzugtes Urlaubsziel irgendwo in der Nähe des Polarkreises angesiedelt ist. Soviel in Kürze zu mir und mehr braucht m.E. die Netzwelt von mir auch nicht zu wissen. Datenkraken wie Google, Facebook und Co. schon zweimal nicht.

Nun kam ich heute einmal in die Verlegenheit einen ehemaligen Gastmusiker (also männlich – das wird gleich wichtig) zu suchen. Mehr als den Namen wußte ich nicht mehr. Über die Web-Ergebnisse, die mir eine nicht näher erwähnenswerte Suchmaschine vor die Füße rotzte, kam ich nicht weiter – also wechselte ich zur Bildersuche (das hilft dank Live-Auftritte schonmal). Was mich verblüffte: alle Personen, die über die Bildersuche gefunden wurden, hatten entweder

 
>>> ein Musikinstrument in der Hand (Posaune bis DJ-Equipment)
>>> oder einen Fotoapparat
>>> oder saßen auf einem Fahrrad
>>> oder es handelte sich um Urlaubsfotos nördlich des Polarkreises

 
Ok, das fand ich weder sonderlich überraschend noch neu – Suchergbnisse werden von Google ja personalisiert (in diesem konkreten Fall allerdings an meinen Interessen vorbei).

Nun bin ich ja auch nicht gerade doof und deshalb ging ich mal eben in das Internetcafe um die Ecke (hier sollten ja unter der Vorausetzung der personalisierten Suche die Suchergebnisse wesentlich vielfältiger sein – so jedenfalls meine Überlegung. Viele Leute = viele Suchanfragen über die gleiche IP).

Gleicher Suchbegriff (der Name meines Bekannten, immer noch männlich – siehe oben) – und wie erwartet andere Ergebnisse.

Auch hier kam ich über die Web-Ergebnisse nicht viel weiter, also wechselte ich auch hier zur Bildersuche. Und wieder verblüffte mich (nein, eigentlich nicht – mich wundert ja nix mehr) das Ergebnis:

Die abgelichteten Personen

 
>>> waren nackt
>>> waren eindeutig weiblich
>>> räkelten sich auf einem vorzugsweisen roten Auto (die Deluxe-Version mit XXL-Titten auf einem roten Cabrio) und die Billigheimer-Sparvariante saß auf einem roten Motorrad

 
Und nun frage ich mich nicht das erste Mal, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, das tagesaktuelle Geschehen via Internet (z.B. Google-News) zu verfolgen. Denn das dürfte ja ebenfalls “personalisiert” sein: Bei mir zuhause bekomme ich die vom Kultusministerum genehmigten Schlagzeilen auf den Schirm, im Internetcafe bekomme ich die ultimative BLÖD-Leser / Stammtisch-Parolen / unterbelichtete-Weiber-Tratsch / Schwallheimer prodomo / Titten vs. Proletenschaukeln /… – Mixtur.

Fernsehen oder Radio lehne ich aufgrund volksverblödender Tendenzen vehement ab, totes Holz als Nachrichtenquelle ist dank regierungstreuer Propaganda schon lange scheiße und das Internet redet mir mittlerweile nach dem Schnabel. Schöne neue Welt.

Dabei schaue ich international gesuchter langhaariger Bombenleger subversives Element doch gerne mal über meinen Tellerand hinaus.

Und nun? Irgendwelche Ideen?

 



// Die Tasse des Grauens

Mittwoch, Juli 13th, 2011

In Zeiten von DSDS & Co. bekommt der gemeine Fernsehzuschauer ein phantastisch glitzerndes Bild der Musikerwelt vorgestellt. Da werden knackige Mädels in einer Limousine bis zum roten Teppich gefahren, wo sie unter Blitzlichtgewitter zur Bühen schreiten dürfen, wo sie dann rhythmisch mit dem Arsch wackeln dürfen.

Die Szene, in der die gleichen Mädels in einer runtergekommenen Seitengasse um die Ecke in die Limousine einsteigen “dürfen”, wird dem Fernsehpublikum vorenthalten.

Wie sieht denn nun der Alltag eines Musikers wirklich aus?

Meist beginnt (und endet trotz kleinerer Erfolge auch genau dort) in einem Proberaum. Diese sind meist versifft (das hängt zu einem Großteil auch von der jeweiligen Band ab).

Eines gemeinsam haben diese Proberäume aber ohne Ausnahme: als Wohnraum eignen sie sich aus verschiedenen Gründen nicht.

Das beginnt zum Beispiel schon mit den sanitären Einrichtungen. Eine Toilette ist zwar in mehr oder weniger akzeptablen Zustand immer vorhanden, eine Küche, in der man sich mal einen Kaffee kochen kann hingegen nie. (es mag Ausnahmen geben, aber ich kenne keine).

Trotzdem ist Kaffee für unseren Menschenschlag eine Art Lebenselexier: wenn die nächtliche Jamsession mal länger dauert oder wenn zuviel Alkohol geflossen ist (letzteres ist übrigens ein weitverbreiteter Irrtum – Koffein macht nur kurzzeitig munter damit der Ethanol daraufhin mit umso mehr Macht zuschlagen kann. Das ist so eine Art Pyrrhussieg, den die Gehirnfunktionen nur verlieren können – frei nach dem Motto: “Noch so ein Sieg und wir sind verloren”.)

Wie dem auch sei: Eine Kaffeemaschine gehört also zur Grundausstattung eines Proberaumes. Dazu gehören natürlich auch Kaffeetassen. Ausrangierte (Porzellan) Blumenvasen erfüllen diesen Zweck notfalls aber auch. Die sind auch oftmals größer – ein bedeutender Pluspunkt!

Nun müssen sollten diese Trinkgefäße aber hin und wieder auch gespült werden. Das geht allerdings schlecht, wenn die dazu nötigen sanitären Einrichtungen eigentlich nicht da sind. Fließend Wasser gibt es – im ungünstigsten Fall – an den Wänden, aber das ist ein anderes Thema…

Als Musiker kann man sich im Zweifelsfall auf die alten Chinesen berufen:

Der Geist eines Tees wohnt in der Kanne.

In einem Proberaum findet dann auch schon mal notgedrungen der Transfer statt: schließlich ist Koffein und Tein rein chemisch betrachtet exakt das gleiche Molekül.

Von der Kanne zur Tasse ist es ja auch nicht besonders weit (auf das Material bezogen) und aus praktischen Gründen kann man die Kanne auch gleich weglassen und das Kaffeepulver direkt in die Tasse schütten . Kaffeekannen im Proberaum sind also völlig überbewertet – diese werden eh regelmäßig vergessen und deshalb ist es gut möglich, daß einem Musiker bei Betreten des Proberaumes ein grün bepelzter Kaffeefilter freudig entgegenhüpft. Ein Anblick, auf den auch diejenigen Musiker verzichten können, die eher hart im Nehmen sind.

Es liegt also dank der 5000 Jahre alten Weisheiten der Chinesen in der Natur der Sache, daß alle Tassen im Proberaumschrank mehr oder weniger “geistreich” sind. Um derartige Ausreden ist man als kreativer Musiker zum Glück nie verlegen und so wurde seit Beginn der Rockmusik das Wort “geistreich” ein Euphemismus für “schmutzig” – nicht wenige Hoteliers hassen uns Musiker seitdem dafür und suchen ihre Freunde stattdessen lieber in der Fast-Drei-Prozent-Partei.

Ein ganz grober Fehler: denn alleine die Ausgaben für Spülmittel überschreiten doch nachweislich bei weitem die Ausgaben für die gelegentliche Renovierung eines verwüsteten Hotelzimmers. Oder glaubt ihr etwa allen Ernstes, daß dieses aalglatte Weichei namens Schwesterwelle (sowie seine sauberen Parteifreunde) aus dieser Tasse des Grauens trinken würden?

Geistreiche Kaffeetasse

Never ever. Eher machen diese traurigen Figuren doch den Möllemann und beißen bei einem letzten verzweifelten Versuch, in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit zu gelangen, publikumswirksam ins Gras (frei nach Hagen Rether, Harvard-Zitierweise).

Wir Musiker sind da doch vergleichsweise pflegeleicht: Eine gut bestückte Minibar im Fünf-Sterne-Hotelzimmer reicht uns vollkommen. Und wenn die Preise für diverse Spirituosen auch noch im erträglichen Rahmen liegen, fliegt auch kein Fernseher aus dem Fenster, die Zimmermädchen werden in Ruhe gelassen und wegen einer ungespülten Kaffeetasse wird nicht der Aufstand geprobt – sofern diese Kaffeetasse einen ordentlichen Kaffee und keine schwarzbraun gefärbte Plörre enthält. Eigentlich ganz einfach, oder? Dafür braucht es nicht einmal eine Lobby.

P.S.: Inspiriert wurde dieser Blogeintrag von dem Chaosweib ihrer Tassenparade, an der ich ausdrücklich nicht teilnehme. Schließlich ist es ganz schön lästig, ständig irgendwelche Tassen vom Proberaum in die Wohnung und wieder zurück zu karren. Außerdem habe ich schon lange nicht mehr alle Tassen im Schrank, aber das brauche ich Euch nicht mehr extra zu sagen, oder? :mrgreen: