Anna suchte in ihrem letzten Blogeintrag nach sachdienliche Hinweisen, wie man dunkle Wolken und düstere Gedanken auch ohne Glühwein fortspülen kann.
Hier kommen nun meine heißen Tips zur Frustbewältigung – für einen Kommentar wäre das zu lang, deshalb schreibe ich das eben hier. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Anna einmal durchblicken ließ, daß sie sich bei langen Kommentaren von mir immer “total verarscht” fühlt. Ich hoffe, ich kann mit einem eigenen Blogposting die Ernsthaftigkeit meiner Tips zur Frustbewältigung unterstreichen ![]()
Und wie sollte es bei einem Musiker anders sein: diese Tips beziehen sich auf Musikinstrumente. Die eignen sich nämlich hervorragend, um in jeder Lebenslage seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen:
Das Schlagzeug:
Das beste Instrument, um seinen Frust rauszulassen. Nach einer Stunde intensiven Schlagzeugspielens ist man so verausgabt, daß man selbst für weitere Aggressionen keine Energie mehr hat. Besser als jedes Fitness-Studio und man war auch noch kreativ dabei anstatt stumpfsinnig auf der Stelle zu laufen ohne dabei auch nur einen Meter vorwärts zu kommen.
Vor allen Dingen kommt dabei niemand zu Schaden: es soll schließlich auch Dumpfbacken geben, die ihren Frust an fremden Eigentum auslassen oder Ausländer verprügeln. Der kulturell gebildete Bürger setzt sich hingegen hinter das Schlagzeug und nutzt seine negativen Energien für kreatives Arbeiten.
Die Gitarre:
Das Instrument für alle Lebenslagen, sozusagen die “beste Freundin” oder der “Saufkumpane”, der bzw. dem man alles erzählen kann. Powerchords schrubben, bis die Finger blutig sind um Dampf abzulassen oder lieber irgendwelche filigranen melancholischen Melodien? Alles kein Problem – die Gitarre eignet sich für alles.
Wer sich hingegen an Jazzakkorden versucht, macht sich spätestens nach dem dritten Krampf in den Fingern darüber Gedanken, was man in diesem Leben alles tun muß, um im nächsten Leben als Tintenfisch auf die Welt zu kommen, damit man spätestens dann endlich diese verflixten Akkorde vernünftig greifen kann. Die Probleme dieser Welt sind bei diesen hochphilosophischen bhuddistischen Überlegungen im Nu wie weggeblasen!
Der Baß:
So etwas wie der “väterliche Freund” und ganz klar der Ruhepol unter den Instrumenten ist der Baß. Mit gerade mal nur vier Saiten fällt das Tintenfischproblem der Gitarre weg und ermöglicht es dadurch, ganz entspannt und tieffrequent die Probleme und Sorgen dieser Welt ins Nirwana zu brummeln.
Eine besonders beruhigende Wirkung hat es auch, die Grundtöne der Akkorde während dem Spielen mitzumurmeln: nach einer Stunde des mantraartigen Wiederholens der Buchstaben F-F-F-F- B-B-B-B- F-F-F-F- C-C-F-F- B-B-B-B- H-H-H-H- F-F-F-F- A-A-D-D- G-G-G-G- C-C-C-C- F-F-D-D- G-G-C-C sieht die Welt wieder ganz anders aus.
Das Keyboard:
Durch die Klangvielfalt ebenfalls ein Instrument für alle Lebenslagen: von harten Techno-Sounds bis hin zu filigranen Klavier-Melodien ist alles möglich.
Auch geeignet für absolute Neulinge und Faule: Das Keyboard auf einen Synthiesound einstellen, Zahnstocher unter die Tasten klemmen und anschließend im Schneidersitz auf ein Schaffell setzen und ein Räucherstäbchen anzünden. Tief Luft holen und passend zu dem Klangteppich “OommmmmmmMMMM” sagen. Klangschalen erhöhen den Grad der Enstspannung.
(Kleine Anmerkung: ich kannte einen Musiker, der sich genau SO auf die Bandproben vorbereitet hat
Dieser Kollege war auch das Vorbild für den “Ethno” in diesem Blogeintrag über die einzelnen Musikertypen.)
Das Saxophon:
Warum nicht mal die Probleme verlagern? Wer sich zum Beispiel mal um seine Gesichtsfarbe ernsthafte Sorgen machen möchte, ist mit der Anschaffung eines Saxophons gut beraten. Von puterrot bis dunkelblau ist bei diesem Instrument alles an Farbschattierungen möglich. Einen Krampf in der Kiefermuskulatur gibt es häufig gratis dazu.
Nach nur einer Stunde hat man außerdem das Gefühl, daß sich die Welt endlich mal nur um einen selbst dreht.
Von einem gleichzeitigen Bierkonsum oder anderen kohlensäurehaltigen Getränken ist übrigens abzuraten: die Rülpser durch das Saxophon klingen… nicht so toll. Diplomatisch ausgedrückt.
Die Geige:
Hier fehlt mir als blutige Anfänger noch ein ausführlicher Erfahrungsbericht – soviel kann ich aber schon sagen: Wenn man anfängt, Geige zu üben, bekommt man eine Ahnung davon, wie der Begriff “Nervensäge” entstand. Dieses Instrument eignet sich in der Anfangsphase hervorragend, um zerrütteten Nachbarschaftsverhältnissen den finalen Todesstoß zu versetzen. Einer zieht garantiert aus. Beschleunigen läßt sich das übrigens mit einer elektrisch verstärkten Geige…


