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Lebenszeichen aus dem Proberaum

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Kategorie ‘Projekte’



Broken Spirits: Projekte.

Manchmal bin ich als Gastmusiker tätig.





// Keine Zeit, mir ‘ne aussagekräftige Überschrift auszudenken

Montag, Juli 25th, 2011

Bloggen läuft bei mir eher nebenher. Wenn es zuviel im Proberaum zu tun gibt, fällt die Bloggerei auch mal aus.

Heute war wieder so ein Tag: ich bin als Gastmusiker in einer anderen Band tätig. Die Klänge des heutigen Abends werden also nicht unter dem Namen “Broken Spirits” das Licht der Welt erblicken.

Aber was für ein Song: ich habe in die Vorab-Demos reingehört und wie nicht anders zu erwarten: Wahnsinn!

Jetzt fliegt hier natürlich wieder die Kuh. Meine Arbeiten an “Vie Noir” stagnieren ja derzeit auf hohem Niveau. Da kommt ein wenig Input von außen genau richtig.

Zwei-drei Gitarrenriffs, die ich mir für diese Band ausgedacht habe, haben nicht so gut gepaßt, wie erwartet, waren aber gleichzeitig gut genug, um sie zu konservieren für spätere eigene Songs. An Erfahrungen nimmt man als Gastmusiker immer einiges mit.

Die nächste Woche wird wieder stressig, deshalb habe ich heute versucht, soweit wie möglich einen Gitarrenpart auszuarbeiten. Natürlich nur die Rohform – zu diesem Zeitpunkt des Songwritings ändert sich meistens noch so einiges (ich habe alleine heute zwei Versionen von diesem Song erhalten).

Das Studiogemurmel am Ende einer Roh-Aufnahme ist 300 km weiter weg übrigens inhaltlich genau das gleiche wie bei mir im heimischen Proberaum. Dieses Wissen ist irgendwie beruhigend.

Heute abend habe ich ausnahmsweise mal auf einige selbstauferlegte Benimmregeln im Tonstudio verzichtet. Zum Beispiel diese hier – eigentlich ein absolutes No Go im Proberaum, wie jeder erahnen kann, der schon mal seinen Kaffee aus einer Tastatur trinken mußte:

No Go im Tonstudio: Getränkeflaschen auf dem Mischpult

Ich gespannt wie ein Flitzebogen, was aus diesem Projekt wird. Ich hatte ja schon lange nix “fremdes” mehr. Ich hoffe ja, daß meine Klampferei gut ankommt bei denen ;-)

Und nein: ich verrate nicht, wer hier mit wem und warum. Das ist erstens nicht mein Job (ich bin der Gastmusiker) und zweitens (viel wichtiger): so was soll man nicht verschreien ;-)

 



// Jahresrückblick 2010

Donnerstag, Dezember 23rd, 2010

Rückblickend betrachtet habe ich wohl nie soviel Zeit im Proberaum verbracht wie in diesem Jahr. Gleichzeitig war ich auch nie weniger an den Instrumenten tätig.
Die ersten Monate war ich noch voll mit dem Endspurt meiner nächsten CD “Vie Noir” beschäftigt, bis dann mein kleines Tonstudio im wahrsten Sinne des Wortes innerhalb von wenigen Minuten den Bach runterging. Das waren wohl bisher mit die schmerzhaftesten Minuten meines Lebens, schließlich habe ich das ganze Ding in jahrelanger Kleinarbeit mühsam aufgebaut, fast jede freie Minute und jeden übriggeblieben Euro da reingesteckt. In elf Jahren kommt da einiges zusammen, was nach dieser Unwetternacht erstmal weg war.

Glücklicherweise kam es dann doch nicht so schlimm, wie zunächst befürchtet. In den elf Jahren habe ich mir schließlich auch recht viel technisches Wissen aneignen können und so war es mir möglich, mein komplettes Equipment zu zerlegen, zu reinigen und letztendlich bis auf ganz wenige Ausnahmen zu retten. Leider ging in dieser Nacht mein Fotoapparat kaputt, so daß es keine Bilder von diesen Reparaturarbeiten gibt. Sehenswert wäre es schon gewesen, wie sich überall auf dem Fußboden, Kisten, geliehenen Tapeziertischen, überhaupt jeder freien Fläche die Platinen der Mischpulte, Effekte, Synthesizern und Verstärker stapelten. Das war eine Zeitlang kein Proberaum oder Tonstudio mehr sondern hatte mehr Ähnlichkeit mit einer Elektrowerkstatt oder einer Entsorgungsstelle für Elektroschrott.
Aber: ich habe es geschafft, daß Zeugs zu retten und das hätte ich mir selber gar nicht zugetraut. Darauf bin ich heute schon ein bischen stolz :mrgreen:

Äußerst unschön war auch der Moment, in dem mein Ex-Vermieter seinen wahren Charakter zeigte. Das kam zwar nicht völlig unerwartet, denn schon in der Vergangenheit war Polen offen, sobald der Kerl an einem Musiker kein Geld mehr verdient. Diese Erfahrung durfte ich nun also auch machen und die werde ich so schnell nicht vergessen. Dieses §$%&?# kann mir in Zukunft mal im Mondschein begegnen.
Andererseits konnte mir dieser Dummkopf nicht wirklich ans Bein pinkeln und trotz mehrfacher Versuche, mich bei meinem neuen Vermieter madig zu machen (die Versuche laufen nebenbei immer noch), besteht ein recht gutes Verhältnis zu dem neuen Vermieter – auch wenn ich mich hier manchmal beobachtet vorkomme bzw. ausgefragt werde. Aber ich habe ja nichts zu verbergen und deshalb darf das auch so sein – solange es mich nicht vom Musikmachen abhält. Mich freut es ja auch immer, wenn sich jemand für mein Hobby interessiert.
Dieses Thema kann ich also auch zu meiner Zufriedenheit beenden und ich weiß, daß sich darüber jemand etwas ärgert. Dieses Wissen ist übrigens weitaus befriedigender als es ein kleiner Rachefeldzug, zu dem ich stellenweise durchaus Lust hatte.

Nach diesem Desaster und dem damit verbundenen Umzug in den neuen Proberaum bestand also etwas mehr als die zweite Hälfte des Jahres darin, den neuen Proberaum einzurichten. Ich habe in diesem Zusammenhang festgestellt, daß eine gute Kabeldokumentation von unschätzbaren Vorteil ist. Das merkt man vor allem dann, wenn man diese nicht hat.
Das ist nun also ein Vorsatz für das nächste Jahr. Jetzt wo ich weiß, in welche Buchse welcher Stecker gehört, kommt an jedes Kabelende eine aussagekräftige Beschriftung. Bei einer Gesamtlänge von deutlich über 500 Metern Kabel lohnt sich das.
Einige Kleinigkeiten fehlen noch, ein paar Sachen sind improvisiert und diese werden in naher Zukunft bei Gelegenheit abgearbeitet. Es sind aber nur Kleinigkeiten, die eher unter die Rubrik “Nice-to-have” fallen. Eine gemütliche Sitzgelegenheit wäre zum Beispiel schön…

Leider sind durch den Wasserrohrbruch die Arbeiten an “Vie Noir” vollständig zum Erliegen gekommen und einige Songs sind wohl auch verloren, da sie sich zum Teil auf der falschen Festplatte befanden (nämlich die, die durch Wasser an den falschen Stellen etwas zu viel Strom abbekommen hatte). Zwar mache ich regelmäßig Sicherungskopien aber in diesem Fall war ich gerade am Umschreiben des Arrangements und hatte diese Sicherungskopie verschoben, da es noch nicht viel zum Sichern gab. Nun, so ist es jetzt eben.

Auch wenn ich die ganzen Blödeleien am Getränkeautomaten im alten Proberaum etwas vermisse, so ist es hier doch ein paar Klassen besser. Um die Probezeiten der Nachbarn brauche ich mir keine Gedanken mehr zu machen und kann mich hier nach Herzenslust austoben. Dabei störe ich noch nicht mal andere. Das ist alles in allem schon eine sehr große Verbesserung.

Und so kann ich diesem verrückten Jahr doch noch etwas Positives abgewinnen. Wenn mir das jemand vor einem halben Jahr gesagt hätte, hätte ich die betreffende Person in die Klappsmühle einweisen lassen… ;-)



// Der Alltag hat mich wieder

Dienstag, November 30th, 2010

Wieder zwei Schritte weiter zur Normalität:

  • Ich habe endlich einen Toilettenschlüssel. Besser ausgedrückt: ich kann den Kloschlüssel jetzt nutzen. Genau 10 Minuten vor Abfahrt in den Urlaub habe ich den Erhalt per Unterschrift quitiert und mir damit das Nutzungsrecht nach Zahlungszusicherung von 15 €/Monat der Toilette gesichert. Wie einer meiner autobastelnden Kollegen bemerkte: die Räume hier sind wie VW. Standardausführung recht billig, alle Extras kosten extra.

    Die ganze Zeit über durfte ich freundlicherweise das Klo meiner Stammtanke nutzen, nach Ladenschluß durfte der nahegelegene Bahnsteig – ach, lassen wir das… ;-)
    Es nervte schon irgendwie und die 15 € sind nicht die Welt und machen die Arbeit hier erheblich angenehmer.

  • Die geänderten Wetterbedingungen warfen auch ein geringfüg kleines neues Problem auf: Schnee klebt an den Schuhen und wird somit im Proberaum großflächig verteilt. Das sieht nicht schön aus und wirkt sich bei der durch den Ex-Vermieter verursachten Vorgeschichte ggf. auch negativ auf das zwischenmenschliche Verhältnis zum neuen Vermieter aus. Ein Vorwurf war ja das Chaos in meinem alten Proberaum…

    Andererseits gibt man für manche Sachen wie einen Teppich für den Proberaum einfach kein Geld aus (der Teppich ist sowieso bald biergetränkt, dafür wird spätestens der ein oder andere Gastmusiker sorgen) und so kam der Teppich auf dem Sperrmüll um die Ecke gerade recht. Die Füße lassen sich nun abtreten (jedenfalls im hinteren Teil des Proberaums) und der Boden ist somit in Zukunft um einiges sauberer.
    Für den vorderen Teil fehlt noch eine Lösung, aber der Sperrmüll wird auch hier helfen. Geduld lautet die Devise ;-)

  • Teppichboden im Proberaum

    Wer sich gerade fragt, warum ich hier immer wieder und wieder darüber schreibe, daß der neue Proberaum immer mehr wird, wie er sein soll: die Entwicklung zum benötigten kreativen Chaos braucht seine Zeit. Nichts geht von heute auf morgen und bis ich hier wieder richtig aktiv werde, werden noch ein paar Tage vergehen. Die Technik funktioniert mittlerweile astrein, der Tag an dem ich mich hier heimisch fühle und mal richtig die Sau rauslassen kann, wird aber noch etwas auf sich warten lassen. Dazu gehören auch so banale Sachen wie ein Teppich.

    Oder wie schon The Dude in seiner unendlichen Weisheit geahnt hat:

    Dieser Scheiß-Teppich macht diesen beschissenen Scheiß-Raum erst richtig scheißgemütlich!



    // Fix und fertig

    Montag, Juli 26th, 2010

    Nur noch die Spuren der Baustelle sind zu beseitigen… etwas aufräumen, durchfegen und Werkzeug zurückgeben, in einem Fall gestalltet sich das schwierig, da der Verleiher nicht erreichbar ist – das Hausverbot im alten Proberaum steht dabei ganz ordentlich im Weg.
    Prinzipiell könnte ich da zwar einfach reinlatschen und einen Zettel an die Tür hängen – was zum einen den Effekt hätte, daß exakt zwei Minuten später mein Telefon klingelt, da der alte Vermieter in seiner Freizeit nichts besseres zu tun hat, als in seiner Wohnung in $Ortschaft_40_km_entfernt vor der Überwachungsanlage zu sitzen und den Parkplatz zu beobachten. Auf dieses Telefonat habe ich ehrlich gesagt keine Lust. Zum anderen wäre das auch nur Wasser auf den Mühlen dieser alten Petze. Darauf habe ich noch weniger Böcke.

    Am Samstag wurden meine Bastelaktivitäten nur kurzzeitig durch den Hausmeister unterbrochen, der mal in einer Arbeitspause kurz Klavier spielen wollte. Also kurz meine Rechner hochgefahren, Keyboards angeschmissen und er konnte loslegen. Nun – das kann er ziemlich verdammt gut. Wenn es zeitlich hinhaut, gibt das bestimmt eine Jamsession und/oder einen neuen Gastmusiker :-)

    Auch die Autowerkstatt war am Sonntag für einen Lacher gut. Die Aktion von denen war filmreif: ein Auto fällt während der Fahrt auf dem Hof komplett auseinander… :shock: Irgendwie haben sie es trotz gebrochener Vorderachse geschafft, die Einfahrt zu treffen. Danach sind sie mit einer Schubkarre über den Hof und haben alle möglichen Einzelteile eingesammelt – Radkappen, den Auspuff, die Beifahrertür, einige Teile von was weiß ich woher… wie gesagt: sowas gibt es eigentlich nur im Film :mrgreen:

    Fotos vom Proberaum gibt es in zwei bis drei Wochen – die neue Kamera ist bestellt (hier im knapp 400 000 Seelenkaff gibt es tatsächlich nur einen (!!!) Fachhandel für Fotografie – wenn man von “Geiz ist geil, ich bin doch nicht blöd” – Märkten absieht, wo ich ja nach hervorragender *hust* Beratung definitiv nicht mein Geld hintragen wollte.
    Wenn dann bei Erhalt der Kamera auch mein Internetzugang funktioniert, steht den bereits mehrfach gewünschten Fotos aus dem Proberaum nichts mehr im Wege ;-)



    // Google Waves

    Samstag, November 28th, 2009

    Bei Google Waves treibe ich nun auch mein Unwesen (danke für die Einladung, Sarah :-) )
    Und ich kann – wenn ich das richtig lese – auch acht Leute einladen.
    Wer eine mag, möge sich in den Kommentaren melden.

    Drei Einladungen möchte ich aber an Musiker, die selber Songs schreiben, vergeben. Vielleicht läßt sich dieses Google Waves als eine Art virtueller Proberaum nutzen?

    Bisher lief das bei mir immer so ab, daß ich meine Sachen auf einen Server hochgeladen habe, die Gastmusiker haben sich das runtergeladen, ihren Teil eingespielt – tja, und dann wurde es chaotisch: Ich gebe ungern die Verbindungsdaten zum Server raus, bei einigen wenigen habe ich das mal mit mehr, mal mit weniger Bauchschmerzen gemacht.
    Einige wenige male konnte ich die Audio-Spuren von deren Server runterladen und für eine E-Mail sind Audiospuren einfach zu groß (Postfachbegrenzungen usw.) Es blieb also nur der gute alte Postweg :-)

    Vielleicht geht das jetzt alles einfacher…. mal schauen.
    Was bei diesem Versuch herauskommt, weiß ich nicht.

    Ich könnte mir da durchaus einige Kompatibilätsprobleme wegen Software usw. vorstellen – deshalb auch dieses neue Projekt.
    Für die Arbeiten an “Vie Noir” mache ich vorerst alles wie gehabt – auch wenn das eine (bewährte) Krücke ist ;-)

    PS: stilistisch bin ich relativ flexibel – HüpfHopf muß es aber nicht gerade sein…



    // Die Macht der Musik

    Samstag, Oktober 24th, 2009

    Kennt Ihr das? Ihr hört einen Song und Ihr verbindet damit eine Situation aus Eurem Leben.

    Welcher Song ist das?
    Welche Erinnerungen werden in Euch zum Leben erweckt?
    Ist das die Musik, die Ihr mögt, oder sind da Stilistiken dabei, die Ihr normalerweise nicht freiwillig hören würdet?

    Letzteres trifft auf mich zu: mit Rap oder deutschsprachiger Musik kann ich relativ wenig anfangen. Ich will damit nicht sagen, daß diese Art von Musik “schlecht” sei – mir fehlt einfach der Bezug und ich halte diese Art von Musik für “nichtssagend”. Ich kann mit dieser Stilistik einfach “nichts anfangen”.

    Es gibt aber dennoch einen Song, auf den diese beiden Kriterien zutreffen (deutschsprachiger Rap) und trotzdem – oder gerade deshalb? – verbinde ich damit eine Anekdote aus meinem Leben.

    *Popcorn rumreich*

    Wie schwer es ist, eine funktioniernde Band zusammenzustellen, habe ich hier des öfteren berichtet.
    Mit dem “Gastmusikerprinzp” mache ich es mir ja vergleichsweise einfach – man trifft sich für zwei oder drei Songs, es gab im Vorfeld Absprachen und der jeweilige Gastmusiker akzeptiert diese und ist somit mit dabei. Oder auch nicht.

    Schwieriger wird es, wenn man langfristig planen will: viele Dinge sind zu berückichtigen, das Privatleben spielt eine nicht unwesentliche Rolle, musikalisch muß es passen usw. usf.

    So ist es natürlich erfreulich, wenn man eine Schlagzeugerin kennenlernt, die nicht nur gut aussieht, sondern darüberhinaus auch noch über den entsprechenden Bekanntenkreis verfügt.

    Kurz: eine Traumfrau, die nicht nur am Schlagzeug überzeugt hat.

    Darüberhinaus hat sie innerhalb von wenigen Tagen eine komplette Band zusammengestellt.

    Die erste Probe fand statt, bis auf eine Ausnahme (der Bassist) waren nur Leute dabei, die ich bereits kannte.
    Die Probe lief perfekt und auch wenn wir – mit Ausnahme der Schlagzeugerin – nicht das perfekte Equipment hatten und alle bestenfalls fortgeschrittene Anfänger waren, so machte es sehr viel Spaß, einfach mal nur Krach zu machen und rumzuimprovisieren.

    Ein gelunger Abend – ohne Zweifel.

    Die zweite Bandprobe eine Woche später verlief etwas anders.

    Die Schlagzeugrin hatte kurzfristig angekündigt, daß sie sich verspäten wird. Wir Jungs haben uns aber trotzdem pünktlich getroffen und erstmal ein Bier getrunken. Schnell kamen wir auf die üblichen postpubertären Themen zu sprechen: da taten sich in Bezug auf die Schlagzeugerin Abgründe auf.

    Irgendjemand kramte dann eine Kassette hervor und spielte diese ab.

    In genau diesem Moment kam sie herein. Natürlich hat sie die Situation sofort richtig interpretiert – dies war deutlich an ihrer Mimik zu erkennen: freudiges Hallo, erstauntes Schweigen, Begreifen, Panik, gespielte Gelassenheit. Und das alles nahezu gleichzeitig.

    Es war eine regnerische Nacht: die Bandprobe war gelaufen, wir bauten ihr Schlagzeug ab und trugen es raus in den Regen auf den Parkplatz. Ohne Schlageuger probt es sich natürlich schlecht, deshalb war in Ermangelung eines Drumcomputers die Probe gestrichen.

    Ich kann heute nicht mehr sagen, wie sie aussah… meine letzte Erinnerung an sie ist die durch den Regen verschwommene Spiegelung auf dem nassen Asphalt und ihr Schlagzeug.

    Wir Jungs kannten uns ja bereits einige Jahre und in dieser Zeit entstand eine Männerfreundschaft, die keine Frau zu untergraben vermag.
    Folglich war an diesem Abend ein kollektives und ausgiebiges Besäufnis angesagt.
    Den Bassisten hat es offenbar am härtesten getroffen (im Nachhinein war er der Einzige, der sie immerhin zweimal traf): jedesmal, wenn er eine Gruppe von Frauen sah, erzählte er, wie wir gleichzeitig Single wurden. Die Erfolgschancen gingen gegen null und führten in einem Fall zu Hausverbot 8-)
    Ich habe auch heute noch Kontakt mit den Jungs – und wir jammen auch heute noch.

    Manchmal schwelgen wir in Erinnerungen und manchmal hören wir die Musik, die wir damals mochten. Wenn wir “Die da” von den Fantastischen 4 hören, erinnern wir uns auch an sie – unsere Bandmatratze.

    Wir trinken dann schweigend einen Schluck Bier und wissen, daß wir uns alle die gleiche Frage stellen:

    Hat das Schlagzeug damals diese regnerische Nacht unbeschadet überstanden?



    // Von der ersten Idee zum fertigen Song

    Sonntag, Oktober 11th, 2009

    Bonafilia schrieb in ihrem Blogeintrag “noch son Spruch

    Aller Anfang ist schwer! – Na dann fangen wir eben mit dem Ende an!

    Auf meinem Kommentar, daß ich ihrem Gedankengang nicht so ganz folgen könne (und dabei bezog ich mich auf das Songwriting, bei dem ich das für unmöglich halte, am Ende anzufangen) antwortete sie:


    …aber du kannst dir den Song doch abgemischt vorstellen, ihn in deinen Träumen dir anhören und mit der Vision im Kopf anfangen zu komponieren….hmmm…geht das nicht gerade beim Song schreiben / komponieren genau so?

    Autsch. Nein… oder besser: jein.
    Keine Ahnung. :mrgreen:

    Am Anfang habe ich eine Idee, eine Melodie oder einen Rhythmus. Das lässt sich auch noch recht einfach umsetzen.

    Diese Idee kann auf verschiedene Arten entstehen, da ist alles dabei: angefangen vom Rumklimpern auf der Gitarre, beim Zähneputzen (da entstehen aber eher Rhythmen – das bietet sich einfach an ;-) ) oder einer dieser nervigen Klingeltöne, die ich in der Straßenbahn höre ertragen muß, inspiriert mich. Auch das kam schon vor.

    Das war die Inspiration, nun beginnt die Transpiration:

    • Welcher Schlagzeugrhythmus paßt zum Gitarrenrhythmus?
    • Bass und Schlagzeug sollten eine Einheit bilden, wie bringe ich den Bass harmonisch mit der Gitarre und rhythmisch mit dem Schlagzeug unter einen Hut?
    • Beim Keyboard habe ich meist etwas mehr Freiheit: Flächen oder einzelne Töne? Flächen (auch Klangteppich genannt) sollten in erster Linie die Gitarre und/ oder den Gesang unterstützen, einzelne Töne sollten zusätzlich zum Rhythmus, der vom Schlagzeug, dem Bass und der Rhythmusgitarre vorgegeben wird, passen.
    • die Percussion: muß zum Schlagzeug passen
    • wenn das alles fertig ist, kommt der ggf. der Gesang dazu. Hier sollte der Text zu der Songstruktur passen.
    • dann kann noch eine Leadgitarre dazu – damit ist nicht zwingend ein Gitarrensolo gemeint, das können auch einzelne Töne sein, die den Gesang und/ oder die Melodielinie des Keyboardparts unterstützen.

    Wo ich anfange, ist mir meist weitgehenst egal – viele Wege führen nach Rom.
    Wichtig ist es, stets im Hinterkopf zu behalten, daß alles miteinander verzahnt ist und miteinander Wechselwirkungen eingeht. Es ist kein Problem, mit einer Instrumentalspur nahezu den kompletten Charakter eines Songs zu ändern.

    Was zu der ersten Idee dazukommt, unterliegt in erster Linie den Gesetzmäßigkeiten der Harmonielehre. Freiheiten hat man im Endeffekt nur in der Wahl des Arrangements und der Songstruktur – da habe ich meist (und insofern hat Bonafilia irgendwo doch recht) zumindest eine Grundidee.

    Am ehesten läßt sich das vielleicht mit dem Hausbau vergleichen: man hat ein Fundament und Gemäuer (den Rhythmus und eine Akkordfolge) der Rest ist Tapete (das eigentliche Arrangement). Je nach Anordnung der Fenster sehen manche Tapeten eben auch besch…eiden aus ;-)

    Interessant wird die ganze Angelegenheit bei den experimentellen Sachen. In diesen Fällen kann alles Mögliche passieren: manche Klangexperimente lassen sich nur schwer kontrollieren.
    Im einfachsten Fall ist dies mein Schlagzeug meine Blechbüchsensammlung, die – je nach Wahl der “Sticks”, Anschlagstärke und weiteren Faktoren – während dem Spiel durch plastische Verformung den Klang ändert: ein normales Schlagzeugfell verformt sich zunächst mal nicht, meine Blechbüchsen haben recht schnell Dellen, was sich natürlich auf den Klang auswirkt.

    Oder mein Yoktomusic-Projekt: hier war die erste Idee, mit möglichst einfachen elektronischen Mitteln eine Melodie zu erzeugen. Der Rest ergab sich dann. Die Details zu diesem immer noch nicht abgeschlossenen Klangexperiment gibt es hier.

    Oft genug kommen auch noch Ideen während des Einspielens oder Abmischens. Manche Songs schreien geradezu nach Details und Verzierungen. Ich brauchte für acht Takte der Klavier- und Streicherspuren für “My Truth” länger, als für das komplette Arrangements des Songs.

    Es ist auch egal, wie ich vorgehe: einen Song für “The Silence Between Us” schrieb ich in einer Kneipe komplett fertig arrangiert auf eine Serviette und spielte diesen im Proberaum “vom Blatt”.
    Die Vorgehensweise war dennoch exakt die gleiche: ich hatte eine Idee und bastelte den restlichen Klimbim außenrum. Wozu gibt es Harmonielehre?