// Prophetisch?
Selten war eine CD-Produktion so chaotisch und hat sich immer wieder um Monate verzögert. Seit 2009 bastel ich nun an dem nächsten Album “Vie Noir” herum.
Normalerweise brauche ich für ein Album mit ca. 10-15 Songs etwa ein Jahr. Macht einen Schnitt von etwas mehr als einem Song pro Monat, was für mich als Einzelkämpfer gar nicht mal schlecht ist. Schließlich mache ich das meiste selber. Nur in wenigen Ausnahmen frage ich einen Instrumentalisten um eine Gastrolle. Einzig der Gesang kommt immer von wechselnden Gastmusikern.
Vom ersten Entwurf auf dem Notenblatt bis hin zu den einzelnen Spuren und dem abschließenden Endmix entsteht ein Song während langer Abende und noch längerer Nächte am Wochenende in Eigenregie. Zeitraubende Diskussionen mit Bandkollegen über einige wenige Takte oder den Sinn oder Unsinn eines Breaks nach der dritten Strophe fallen komplett weg und ich gebe mir mein eigenes Tempo vor. So war es bisher. Das ermöglichte es mir zum Beispiel, innerhalb von einem halben Jahr “Urban Jungle” komplett fertigzustellen – inklusive der Fotos und des Booklets. “Sad Songs Of Happiness” und “Art / The Facts” waren ebenfalls innerhalb eines Jahres komplett fertig.
Für das aktuelle Album war war der Titel etwas zu prophetisch: “Vie Noir”…
Ursprünglich angelehnt an das Buch-Genre “Roman Noir”, die ich sehr gerne lese, durfte das Album durchaus etwas düsterer werden. Tja, und das wurde das ganze Projekt “Broken Spirits” dann auch:
Kurz vor Abschluß des groben Konzeptes ging alles buchstäblich den Bach runter: der Wasserrohrbruch spülte im wahrsten Sinne des Wortes alles weg.
Den neuen Proberaum konnte ich gerade so wieder aufbauen und einen zweiten Anlauf starten, um “Vie Noir” zu einem würdigen Abschluß zu bringen. Damit habe ich eigentlich das komplette Jahr 2010 verbracht.
Ein Unglück kommt aber selten alleine und 2011 war überschattet von Zeitarbeit und Nebenjobs. Für die Musik blieb kaum Zeit, wenn man mal von einigen Fingerübungen absieht, damit ich wenigstens einigermaßen auf den Instrumenten fit zu bleibe. Eigentlich hätte ich mir im Nachhinein betrachtet die Miete für den Proberaum auch sparen können.
Auch 2011 ist nun rum und so wie es aussieht beginnt das Jahr 2012 hervorragend. Es ist jetzt höchste Zeit, “Vie Noir” endlich abzuschließen. Viel kann ja nicht mehr schiefgehen, oder?
Und vielleicht war das Chaos und das Pech der letzten zwei Jahre (insbesondere des Letzten) auch zu etwas gut?
Schließlich heißt es im Wikipedia-Artikel zu “Roman Noir” unter dem Abschnitt “Politisierung der Gattung: protest writing”:
“Es entsteht ab den späten 1970ern eine Variante dieses Roman noir, die gelegentlich auch als néo-polar oder nouveau polar bezeichnet wird. Diese Variante ist stärker politisch, insofern sie noch stärker als der ursprüngliche Roman noir historische Ungerechtigkeiten oder politische Überzeugungen zu den Motiven von Verbrechen werden lässt.”
Zu den historischen Ungerechtigkeiten dürfte man die Zeitarbeit durchaus zählen dürfen, oder? Auch sonst liefert dieses und das vergangene Jahrzehnt einiges an Material zu diesem Thema, das man in ein Konzeptalbum gießen könnte. Vielleicht mußte ich erst am Rande des Abgrunds bzw. des finanziellen Ruins stehen, um dieses Album fertigstellen zu können?
Fakt ist jedoch, daß wohl sämtliche bisherigen Ideen und angefangenen Songs unvollendet bleiben werden – ich habe schlicht keine Ahnung mehr, wo ich einzelne Dateien abgespeichert habe, was ich ausdrücken wollte, was ich für die nächste Spur geplant habe usw.
Nach fast zwei Jahren ist es einfacher, bei Null anzufangen (und gleichzeitig ist das auch eine Investition in die Zukunft: vielleicht komme ich irgendwann in die Verlegenheit, ein “Best Of Broken Spirits” – Album herauszubringen. Material für die Bonustracks in der Kategorie “Bisher unveröffentlichte Songs” habe ich jetzt zur Genüge – das reicht sogar für zwei “Best Of”).
Einzig der Song “Ad Acta” ist von der allerersten Version fertig – der bleibt also auch.
Und auch dieser Songtitel ist schon wieder fast prophetisch: Ad Acta – da packe ich jetzt auch die letzten zwei Jahre hin – zu den Akten. Gleichzeitig ist dieser Instrumentalsong noch sehr ruhig – was sehr wahrscheinlich bei den nun noch zu schreibenden Songs eher fehlen wird. Als Opener für “Vie Noir” eignet er sich wahrscheinlich gut, gerade wegen des stilistischen Bruchs: ein letzter Song aus vergangenen Tagen.
Auf ein Neues.
Im Proberaum notiert am 07.02.2012 um 8:04 am, mit " Broken Spirits - CD's und Alben" getaggt und bisher 35 mal gelesen
(c) by Broken Spirits

Februar 7th, 2012 um 08:19
Manchmal isses gar nicht falsch, wieder bei null anzufangen. Machen wir momentan auch, nachdem wir alle unsere spärlich gesäten 2010/11er Produktionen nach und nach im Netz veröffentlicht haben, damit sich die Leute überhaupt an uns erinnern…
Falls es Dich beruhigt… “Grounded” hat uns insgesamt über 5 Jahre gekostet, und war von etlichen Katastrophen begleitet. Zurückblickend ist es ein Wunder, dass wir das durchgezogen haben…
LG
Stephan
broken-spirits: 5 Jahre… na, da hoffe ich, daß das bei mir nicht so lange dauert. Andererseits ist es keine Seltenheit, daß der kreative Schaffensprozeß sich zieht wie der berühmte Kaugummmi: mir ist der Autor entfallen, aber ein Satz (!) von “Last Exit” soll mal 25 Jahre gedauert haben. Das war glaube ich auch das einzige Buch, das der Autor geschrieben hat
Mal schauen, was das Jahr jetzt bringt. Ich hoffe, ich kann das Tempo wieder etwas anziehen
Februar 7th, 2012 um 11:33
25 Jahre für einen Satz?! Alles klar, ich werde sofort und uneigenschränkt jedweden Druck von mir nehmen, was die Fertigstellung gewisser Werke anbelangt…
Danke und Dir viel Inspiration
broken-spirits: entweder hat mein Blog den Kommentar gefressen oder Du hast vergessen, in das Kommentarfeld reinzuschreiben…?
…
[Edit: ok, ersteres. Sry!]
[Edit2: reineditiert aus Mail…
Druck bringt sowieso herzlich wenig. Sowas muß fließen. Allerdings hilft es immer, konzentriert dran zu arbeiten. Also kein Druck, aber eben Disziplin. Nicht ablenken lassen usw. Und durchaus auch ein Ziel setzen a la “in drei Stunden ist die Gitarrensour fertig” – wenns dann 3 Tage dauert, ist es ja auch ok
Februar 7th, 2012 um 11:46
… irgendwie seh ich meinen Kommentar nicht mehr, nachdem ich einen Tippfehler korrigiert habe. Geht das nur mir so, oder ist er tatsächlich fort?
broken-spirits: er scheint tatsächlich fort zu sein. Heute abend schaue ich mal, was die Mails sagen. Mit etwas Glück ist er dort “gesichert”… Merkwürdig, das mit dem Tipfehler. Ich glaube, ich muß da mal ein Plug-in tauschen – das jetzige geht mir schon seit einiger Zeit auf den Sack und jetzt ist das Maß voll mit dem Scheißding.
Februar 7th, 2012 um 12:10
Alles klar, dann wart ich erstmal ab…
- Nich ärgern, nur wundern…
broken-spirits: mich wundert gar nix mehr – bleibt also nur noch ärgern
Februar 7th, 2012 um 15:05
Zwei Jahre ist auch ein recht lange Zeit. Mir geht das mit manchen Dingen ja nach zwei Monaten schon so.
broken-spirits: brauche ich mir also noch keine Sorgen um meine Gehirnkapazitäten machen?
Erschwerend kam ja noch dazu, daß ich echt keinen Kopf für die Musik hatte (bzw. im ersten Jahr kein Equipment). Das macht es ja auch nicht gerade einfacher, wenigstens mal ne halbe Stunde weiterzumachen