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// Songwriting

Blogleserin Axy fragte in einem ihrer letzten Kommentare zum Thema Songwriting:

Sag mal… wie sieht so ein Entwurf von dir eigentlich aus? Also notierst du da die Noten und schreibst Text drunter oder wie läuft das?

Nun, viele Wege führen nach Rom und so kann das sehr unterschiedlich aussehen:

Die Trial and Error Methode

Häufig schreibe ich im Proberaum und entwickle eine Melodie an einem Instrument meiner Wahl – meist ist das Gitarre oder Keyboard, aber auch das “Schlagzeug” wird manchmal hierfür eingesetzt: die ganzen Fässer, Bierdosen und Metallrohre sind ja Idiophone und somit ist auch auf diesem selbstgebastelten Schlagzeug ein (einfaches) Melodiespiel möglich.

Meist habe ich dann recht bald eine grobe Vorstellung von dem neuen Song, oft geht es aber auch nach dem “Trial-and-Error-Prinzip” weiter.
Diese Ideen werden aufgenommen und am Computer zusammengebastelt. Manche Stellen sind gelungen, an anderen Stellen ist ein Verspieler drin oder einfach unpassend; diese Stellen werden neu eingespielt und ersetzen dann die fehlerhafte Stelle in der ersten Spur.

Kopflastig: die Entstehung eines Songs im Kopf

Die zweite – ebenfalls gerne verwendete Variante – ist die “kopfigere”: große Teile des neuen Songs entstehen auf dem Papier. Das hat den Vorteil, daß ich den Proberaum quasi “mitnehemen” kann: mehr als ein Stift und ein Papier brauche ich nicht, und so kann es sein, daß man mich im Bus, im Wald oder in einer Kneipe Songs schreiben sieht. In Kneipen ziehe ich mich dafür auch mal gerne mal aufs Klo zurück, da werde ich nicht angequatscht gestört.

Ich bin allerdings noch nicht so fit, daß auf diese Art spielfertige Songs entstehen: eigentlich immer ist noch einiges an Nachbesserungen während der Aufnahme nötig. Aber um ein grobes Grundkonzept zu entwickeln, taugt diese Variante allemal.

So sieht das dann aus:

Dieses Fragment war für “Arabien Piece” auf dem Album “The Silence between Us” (2001); ganz normal in einem Notenblock geschrieben, wahrscheinlich zuhause oder im Proberaum:

notenblatt

Die Kneipenvariante: Den Text a.D. 2002 am Tresen begonnen, von ein paar angetrunkenen Frauen gestört worden, die Melodie dann auf dem Klo geschrieben ;-)
Daraus wurde 6 Jahre später “One Reason” aus dem Album “Art : The Facts” (2008).

one reason

7 Kommentare

  • Wortman sagte am 14. November 2009 um 14:39 Uhr:

    Ich lese da immer “Alben”… Du hast ganze Alben raus gebracht Broken? Als normale Verkaufsalben oder abseits der Gema?

    broken-spirits: ich habe keinen Plattenvertrag, also abseits der GEMA und nicht im Laden erhältlich ;-)
    Wenn ich genug Songs zusammenhabe (ca. 10-15), packe ich die auf eine CD, bastel (oder lasse basteln) ein Plattencover dazu.
    Eine Übersicht findest Du hier.

  • Die Prinzessin! sagte am 14. November 2009 um 17:30 Uhr:

    Wow, geniale Einblicke und toll beschrieben!

    broken-spirits: thx :-)

  • Wortman sagte am 14. November 2009 um 18:29 Uhr:

    Zuerst abseits der Gema. Ist immer besser. Habe ich damals auch gemacht – als Produzent. Allerdings überwarf sich die Gruppe nach kurzer Zeit und das ganze Projekt ging dann letztendlich baden.

    Als “Newcomer” kann man seine Sachen besser verbreiten, wenn man nicht an den Richtlinien der Gema klebt. Sollte mal etwas Erfolg haben, dann kommt die Gemameldung. ;)

    broken-spirits: die GEMA könnte ich mir auch gar nicht leisten: für jeden Domain (also broken-spirits.com, broken-spirits.de dieses Blog, MySpace usw. dürfte ich erst mal 74 € / Jahr abdrücken (sofern GEMApflichtige Musik überhaupt zugelassen ist, diese Accounts könnte ich dann dicht machen).
    Du kannst dir ja selber ausrechnen, was bei der Aufzählung oben zusammenkommt. Was ich davon wiederkriege, wenn die GEMA am Jahresende ihre Ausschüttung auszahlt, kannste an den Händen von Mickey Maus abzählen (in Cent ausgedrückt).
    Für mich ist die GEMA mal völlig uninteressant und genau wie die MI hat dieser Verein die technische Entwicklung erfolgreich verschlafen.
    Von Geld verdienen mit der Musik kann man echt nur träumen. Da fahre ich wohl zig mal besser, wenn ich hier auf dem Blog irgendwann einen PayPal-Button draufklebe oder ein Spendenkonto einrichte. Von einem freiwillig gezahlten Euro bleibt da mehr für mich übrig, als wen ich mich von Plattenfirma
    und GEMA bezahlen lasse… ;-)

  • Heike sagte am 14. November 2009 um 20:02 Uhr:

    Warum nicht auf Klopapiert komponieren? John Lennon soll auch auf Servietten getextet haben …

    broken-spirits: Servietten habe ich auch noch irgendwo rumfliegen. Genauso wie eine Bäckertüte, die Ränder der Tageszeitung, usw. usf. … Hauptsache, man kann drauf schreiben ;-)

  • Axy sagte am 15. November 2009 um 13:16 Uhr:

    Das Klopapier hab ich hier auch, nur bei mir steht nichts drauf :-D Bei dem Material sollte man aber lieber nicht in den Regen kommen, sonst ist die Komposition futsch…

    Sieht auch echt komplex aus – dass das wirklich alles im Kopf geht finde ich krass. Wann hast du mit der Musik angefangen, wie gelernt?

    P.s.: Danke für die Aufklärung :-)

    broken-spirits: gern geschehen :-)
    So komplex ist das gar nicht, man hat ja schließlich nur acht Töne zur Auswahl und da passt auch nicht jeder zu jedem.
    Im Endeffekt ist das nix weiter als das, was Du irgendwann mal in der Schule gelernt hast – oder haben solltest; ich fand Musikuntericht damals ziemlich doof ;-)
    Dieses Wissem war dann vor 11 Jahren, als ich anfing, auch recht lückenhaft. Ich konnte also ziemlich viele Bücher wälzen ;-)

  • Wortman sagte am 15. November 2009 um 14:25 Uhr:

    Warum PayPal-Button zur Spende?
    Wenn du die Musik komponierst, bastelst du Maxi-CDs mit 3-4 Stücken und verkaufst sie regulär über den Button ;)

    broken-spirits: das ist alles auch ne rechtliche Frage, wo ich sehr unsicher bin. Ein regulärer “Verkauf” ist da wohl was ganz anderes als dieses Spendensystem. Nunja, ich weiß noch nicht, wie (und ob) ich das durchführe. “Vie Noir” läuft jedenfalls noch wie gehabt – kostenlos einige Tage zum Download und danach auf der Hauptseite einige Songs zur Auswahl dauerhaft zum DL.

  • Wortman sagte am 15. November 2009 um 17:05 Uhr:

    Ok, der Trick mit der Spende funktioniert natürlich immer ;)

    broken-spirits: eben :-P
    Nunja, derzeit ist das eh Zukunftsmusik. Aber auch über die Spende sollte ich mich in einer ruhigen Minute noch belesen….