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// Spießig?!

Über das verlängerte Wochenende eine größere Radtour (Fotos dazu gibt es übrigens auf meinem Fotoblog gemacht und bei dieser Gelegenheit einen ehemaligen Bandkollegen spontan besucht. Mit dem habe ich vor 5 – 10 Jahren fast jede freie Minute im Proberaum oder auf dem Fahrradsattel verbracht und die Mengen Bier, die wir zusammen schon abgepumpt haben, passen auf keine Kuhhaut.
 
Den Kerl wiederzusehen war ungefähr das gleiche Gefühl, wie ein uraltes, ausgelatsches Paar arschbequeme Turnschuhe anzuziehen: auch wenn wir uns heute leider nur noch selten sehen, so war es doch so, als ob wir uns das letzte Mal gerade erst gestern auf ein Bier getroffen hätten und das Gespräch vom Vortag einfach nur fortsetzen.
 
Eines ist aber anders geworden: der Kerl ist bürgerlich geworden. Könnte daran liegen, daß er zwischenzeitlich Familienvater geworden ist.
 
Früher war es so, daß wir einfach in die Wohnung reingelatscht sind, uns irgendwo auf einen freien Platz hingeflätzt haben und alle relevanten Möglichkeiten der Freizeitgestaltung (sei es eine spontane Jamsession oder eine Radtour oder…) gemütlich ausdiskutiert haben.
 
Heute war dies anders: an der Wohnungstür wurde mir ein Paar blau-rot-karierte Hausschuhe überreicht mit der Bitte, diese doch anstatt meiner outdoor-tauglichen Straßentreter in der Wohnung zu tragen.
 
WTF?!
 
Mein Gesichtsausdruck spiegelte offenbar auch sehr deutlich dieses “WTF?!” wider – denn es folgte ein längerer Vortrag über die Vorteile von Hausschuhen und den damit vermiedenen Dreck in der Wohnung.
 
Dieser Vortrag endete mit dem Satz: “Ab einem gewissen Alter wird einem klar, daß sich die Anschaffung von manchen Dingen einfach lohnt. Wenn man zum Beispiel jeden Tag frühstückt – was Du ja nicht machst – dann lohnt sich die Anschaffung von einem Teller, einer Tasse und Besteck.”
 
Seitdem grübele ich darüber, ob ich überhaupt einen Teller oder gar Besteck habe und was es über meine Lebensweise aussagt, wenn ich mir gerade überlege, die zwölfte E-Gitarre zu kaufen…?
 
Beruhigend fand ich es dann doch, daß er mit den Hausschuhen im Garten rumgelaufen ist (ich habe die karierten Hausschuhe an der Terassentür abgestellt und bin barfuß im Garten rumgelaufen. Man beachte: ich respektiere die Wünsche zur Dreckvermeidung in der Wohnung meines Gastgebers und sammel stattdessen die Erde des Gartens in den Hausschuhen) und als ich auf dem gemauerten Grill (noch so ein WTF-Moment: früher reichte uns einfach ein Holzhaufen am Flußufer) ein paar vertrocknete Würste – die nebenbei erwähnt aufgrund ihres Alters aussahen wie Syphilis im Endstadium – vom Vorjahr fand, war die Welt wieder irgendwie in Ordnung. Hat der Kerl doch nicht alle schlechten Angewohnheiten verlernt.

1 Kommentar

  • Bluhnah sagte am 9. Juni 2012 um 02:28 Uhr:

    …also mir spiesserin isses auch lieber, wenn niemand mit straßenschuhen in der bude rumläuft…
    über die syphillis-wurst könnt ich mich kaputtlachen :-)))

    broken-spirits: ich laufe dann doch lieber barfuß rum ;-) Was allerdings auch nichts bringt, weil irgendwann muß man doch mal raus – und damit wird der gewünschte Effekt dann irgendwie außer Kraft gesetzt ;-)