broken-spirit.de

Lebenszeichen aus dem Proberaum

Broken Spirits | Journey Broken Spirits | The silence Between Us Broken Spirits | Dark City Broken Spirits | Urban Jungle Broken Spirits | Sad Songs Of Happieness Broken Spirits | Art The Facts

// As Slow As Possible



Lange hielt ich es für eine Urbane Legende, die in Musikerkreisen ihre Runde macht. Nun habe ich den Link gefunden zu dem längstem Orgelstück der Welt.

Komponiert wurde «Organ 2/ASLSP» im Jahre 1985 von John Cage, einem Schüler von Arnold Schönberg (dem “Erfinder” der Zwölftontechnik). ASLSP steht für “as slow as possible”, und diese Tempoangabe wird in der Burchardi-Kirche in Halberstadt wörtlich genommen: 639 Jahre vergehen, bis der letzte Ton verklungen ist.

In Halberstadt wurde 1361 (vom Jahr 2000 aus gerechnet vor 639 Jahren) die erste Blockwerkorgel von Nicolaus Faber fertiggestellt. 2639 soll dort dann ein weiteres bedeutendes musikalisches Ereignis stattfinden: das Ende dieses Werkes.

Die Berechnung zur Tondauer scheint recht kompliziert gewesen zu sein:

Um einen kurzen Begriff von den Schwierigkeiten einer genauen Berechnung zu geben, hilft folgende Vorstellung: Die Originalpartitur (8 Teile und 1 Wiederholung) aneinandergeklebt ist ca. 4,07 m lang. Die Uraufführung von Gerd Zacher, dem das Stück auch gewidmet ist, hat 1987 in Metz ca. 29 Minuten gedauert. Hochgerechnet auf 639 Jahre, wäre die Partitur etwa 47.135,5 km lang (das entspricht ungefähr einem Maßstab von 1:11,5 Mio.) D.h. 1 Monat (bei 639 Jahren) entspricht etwas mehr als 0,2 Sekunden (bei 29 Minuten). Hier spielt also schon die Messgenauigkeit und die Zeichnungsgenauigkeit der Monatsstriche auf der Partitur im Verhältnis zur Zeichnungsgenauigkeit der Noten eine Rolle.
Quelle: http://www.dieterbuehrig.de/11-6.htm

Die Dimensionen dieses Projektes werden einem bewußt, wenn man erfährt, daß die Aufführung derzeit ca. 11 Monate zu schnell sei und die Abweichung zwischen dem 13. und 14. Klangwechsel ausgeglichen sein solle: zwischen 2013 und 2020.

Die Orgel wird während dem Spielen aufgebaut – zur Zeit sind nur die Orgelpfeifen vorhanden, die benötigt werden.
Überflüssig zu erwähnen, daß bei einem Klangwechsel, bei dem publikumswirksam die nächste Pfeife eingesetzt wird, neben zahlreichen musikbegeisterten Touristen Presse und Fernsehen anwesend sind.

Der nächste Klangwechsel findet übrigens am 5. Juli 2010 statt – an diesem Tag werden die Töne d‘ und e“ ergänzt.

Links:
http://www.john-cage.halberstadt.de
http://www.codexflores.ch
http://www.dieterbuehrig.de/11-6.htm
Fotostrecke der FAZ

Youtube:
24.02.2007
04.07.2008
05.05.2009

Detailaufnahmen 1
Detailaufnahmen 2

Klangwechsel (5.7.2008)

Als ich mir die Videos anschaute, drängte sich mir unweigerlich die Frage auf, wie das die Anwohner in unmittelbarer Nachbarschaft aushalten…?!


„Die Musik, mit der ich mich beschäftige, muss nicht unbedingt Musik genannt werden. In ihr gibt es nichts, woran man sich erinnern soll. Keine Themen, nur Aktivität von Ton und Stille.“ (John Cage)


Im Proberaum notiert am 31.05.2009 um 12:42 am von Broken Spirits und mit getaggt.
(c) by Broken Spirits






Bisher kein Gequassel im Proberaum

  1. GravatarDie Prinzessin! 61 Kommentare

    Also mal ehrlich, es ist nicht annähernd so spannend wie es hier klingt.

    Die Töne werden so leise gespielt, dass sie außerhalb der Kirche kaum zu hören sind. Also Anwohner haben ihre Ruhe. Und auch sonst ist es, wie du schon schreibst, nur mal interessant, wenn ein Klangwechsel stattfindet, ca. 1x im Jahr. Naja, wer bitte braucht denn sowas??? *schulternzuck*

  2. Gravatarfeechen 63 Kommentare

    Ich find die ganze Angelegenheit irgendwie großartig. Sicherlich in der Realität nicht sonderlich aufregend oder spannend … aber der Hintergrund … ist einfach groß! Ich meine, da beginnt man ein Projekt, das erst sehr lange nach dem Tod der Initiatoren, deren Kinder und Kindeskinder beendet sein wird … wahnsinn, oder?

  3. Gravatarbrokenspirits 27 Kommentare

    @prinzessin: ok, das mit der Lautstärke ist nun auch geklärt, danke für die Info :-) Auf den youTube-Videos hört sich das dann offenbar viel lauter an, als es in der Realität ist.

    @feechen: genau das macht dieses Projekt in meinen Augen so interessant. Diese verrückte Welt, in der wir hier leben, wäre sicher einiges ärmer, wenn es keine Leute gäbe, die solch ein Unterfangen einfach mal beginnen.

    “Wunderliches Wort” von Rilke habe ich übrigens erhalten. Es passt in der Tat. Danke Dir :-)

Im Proberaum mitquasseln:



(Links zu kommerziellen Seiten werden u.U. durch einen Link auf meine Blogroll ersetzt!
Nach 14 Tagen wird das Feld "Webseite" automatisch ausgeblendet.)


 

Weitersagen:


 
Auf dem Fratzenbuch empfehlen
0
Tweet this
0
Google +1
0



Ähnliche Artikel:


Heute vor einem Jahr: