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Lebenszeichen aus dem Proberaum

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// Die Macht der Musik



Kennt Ihr das? Ihr hört einen Song und Ihr verbindet damit eine Situation aus Eurem Leben.

Welcher Song ist das?
Welche Erinnerungen werden in Euch zum Leben erweckt?
Ist das die Musik, die Ihr mögt, oder sind da Stilistiken dabei, die Ihr normalerweise nicht freiwillig hören würdet?

Letzteres trifft auf mich zu: mit Rap oder deutschsprachiger Musik kann ich relativ wenig anfangen. Ich will damit nicht sagen, daß diese Art von Musik “schlecht” sei – mir fehlt einfach der Bezug und ich halte diese Art von Musik für “nichtssagend”. Ich kann mit dieser Stilistik einfach “nichts anfangen”.

Es gibt aber dennoch einen Song, auf den diese beiden Kriterien zutreffen (deutschsprachiger Rap) und trotzdem – oder gerade deshalb? – verbinde ich damit eine Anekdote aus meinem Leben.

*Popcorn rumreich*

Wie schwer es ist, eine funktioniernde Band zusammenzustellen, habe ich hier des öfteren berichtet.
Mit dem “Gastmusikerprinzp” mache ich es mir ja vergleichsweise einfach – man trifft sich für zwei oder drei Songs, es gab im Vorfeld Absprachen und der jeweilige Gastmusiker akzeptiert diese und ist somit mit dabei. Oder auch nicht.

Schwieriger wird es, wenn man langfristig planen will: viele Dinge sind zu berückichtigen, das Privatleben spielt eine nicht unwesentliche Rolle, musikalisch muß es passen usw. usf.

So ist es natürlich erfreulich, wenn man eine Schlagzeugerin kennenlernt, die nicht nur gut aussieht, sondern darüberhinaus auch noch über den entsprechenden Bekanntenkreis verfügt.

Kurz: eine Traumfrau, die nicht nur am Schlagzeug überzeugt hat.

Darüberhinaus hat sie innerhalb von wenigen Tagen eine komplette Band zusammengestellt.

Die erste Probe fand statt, bis auf eine Ausnahme (der Bassist) waren nur Leute dabei, die ich bereits kannte.
Die Probe lief perfekt und auch wenn wir – mit Ausnahme der Schlagzeugerin – nicht das perfekte Equipment hatten und alle bestenfalls fortgeschrittene Anfänger waren, so machte es sehr viel Spaß, einfach mal nur Krach zu machen und rumzuimprovisieren.

Ein gelunger Abend – ohne Zweifel.

Die zweite Bandprobe eine Woche später verlief etwas anders.

Die Schlagzeugrin hatte kurzfristig angekündigt, daß sie sich verspäten wird. Wir Jungs haben uns aber trotzdem pünktlich getroffen und erstmal ein Bier getrunken. Schnell kamen wir auf die üblichen postpubertären Themen zu sprechen: da taten sich in Bezug auf die Schlagzeugerin Abgründe auf.

Irgendjemand kramte dann eine Kassette hervor und spielte diese ab.

In genau diesem Moment kam sie herein. Natürlich hat sie die Situation sofort richtig interpretiert – dies war deutlich an ihrer Mimik zu erkennen: freudiges Hallo, erstauntes Schweigen, Begreifen, Panik, gespielte Gelassenheit. Und das alles nahezu gleichzeitig.

Es war eine regnerische Nacht: die Bandprobe war gelaufen, wir bauten ihr Schlagzeug ab und trugen es raus in den Regen auf den Parkplatz. Ohne Schlageuger probt es sich natürlich schlecht, deshalb war in Ermangelung eines Drumcomputers die Probe gestrichen.

Ich kann heute nicht mehr sagen, wie sie aussah… meine letzte Erinnerung an sie ist die durch den Regen verschwommene Spiegelung auf dem nassen Asphalt und ihr Schlagzeug.

Wir Jungs kannten uns ja bereits einige Jahre und in dieser Zeit entstand eine Männerfreundschaft, die keine Frau zu untergraben vermag.
Folglich war an diesem Abend ein kollektives und ausgiebiges Besäufnis angesagt.
Den Bassisten hat es offenbar am härtesten getroffen (im Nachhinein war er der Einzige, der sie immerhin zweimal traf): jedesmal, wenn er eine Gruppe von Frauen sah, erzählte er, wie wir gleichzeitig Single wurden. Die Erfolgschancen gingen gegen null und führten in einem Fall zu Hausverbot 8-)
Ich habe auch heute noch Kontakt mit den Jungs – und wir jammen auch heute noch.

Manchmal schwelgen wir in Erinnerungen und manchmal hören wir die Musik, die wir damals mochten. Wenn wir “Die da” von den Fantastischen 4 hören, erinnern wir uns auch an sie – unsere Bandmatratze.

Wir trinken dann schweigend einen Schluck Bier und wissen, daß wir uns alle die gleiche Frage stellen:

Hat das Schlagzeug damals diese regnerische Nacht unbeschadet überstanden?


Im Proberaum notiert am 24.10.2009 um 4:35 pm von Broken Spirits und mit getaggt.
(c) by Broken Spirits






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