(c) by Broken Spirits

// Und das mir….. :-(

Wie jeder bitterarme Musiker gehe ich ja einer ganz profanen Tätigkeit nach, um mir meine Brötchen den Proberaum zu finanzieren. Vor ein paar Tagen war es Softwarevalidierung und hierzu mußten einige Berechnungen mit einem Referenzsystem (vulgo: Taschenrechner) überprüft werden. Diese Überprüfung muß auch nach allen Regeln der Kunst dokumentiert werden (Merksatz: „Was nicht dokumentiert ist, wurde nicht gemacht.“ – Na, wer errät, in welcher Branche ich tätig bin?).
Hierzu gibt es für diesen Taschenrechner einen Infrarot-Drucker. Praktisch, denn dann braucht man das, was in den Taschenrechner eingetippt wird, nicht handschriftlich aufschreiben.

Diese ganze Validierung war – milde ausgedrückt – reichlich hektisch. Ich habe ja oft gar merkwürdige Kollegen. Diesmal jedoch war es etwas anders – die Kollegin, mit der ich diesmal zu tun hatte, fällt eindeutig nicht in diese Kategorie.

Aber auch hier kann was schiefgehen…

Die Kollegin tippt also fleißig Zahlen in den Taschenrechner und stutzt. Probiert es nochmal. Schüttelt den Kopf. Probiert es wieder. Grübelt.

Kollegin: Du, hier stimmt was nicht….
Ich: Schrecke hoch, da ich meinerseits in Testfälle vertieft war und außerdem war ich auch der Entwickler. So ein Satz löst bei mir Angstschweiß aus.) Hä?!?!?
Kollegin: ich gebe hier 47,06 ein und der Taschenrechner druckt nur 47,0.
Ich: Na, das ist ja gott-sei-gelobt-gebassgeigt-und-getrommelt nicht mein Problem Zeig mal her.
Kollegin:Da, guck!

Sie tippt wieder 47,06 und druckt. Auf dem Zettel steht ganz eindeutig 47,0. Tja, zugegebenermaßen ziemlich doof aber wenigstens nicht meine Software…. 😛
Ich probiere es selber. Aber auch wenn es „de Babba“ (also ich *hüstel*) macht, passiert genau das gleiche: der blöde Infrarot-Drucker eines namhaften Herstellers mit zwei Buchstaben unterschlägt die Sechs. Das funktioniert auch mit Eingaben wie 57, 23 (dann fehlt die 3) oder 12,34 (dann fehlt die 4). Absolut reproduzierbar, und sowohl meine Kollegin als auch ich kommen unabhängig voneinander zu dem gleichen Testergebnis.

Also wird jetzt eifrig die Bedienungsanleitung studiert. Wir haben eine auf Spanisch (wie passend), Englisch, Italienisch, irgendwas kyrillisches und ganz unten im Rucksack auch eine auf Deutsch.
Diese liest sich meine Kollegin also durch und ich gehe den anderen Weg: ich drücke solange Knöpfe, bis es klappt. Als Software-Entwickler und -Tester in Personalunion findet man den Fehler ja auch durch Beobachten und Nachdenken und ein brauchbares Testdesign (Der Taschenrechner piepste dabei wie bekloppt.) Oder man findet den Fehler, indem man die Bedienungsanleitung liest und seine eigenen Handlungen hinterfragt. Viele Wege führen bekanntlich nach Rom.

Ich mache es kurz: wir waren beide erfolglos und aufgrund des Zeitdrucks beschlossen wir, den Fehler nicht weiter zu suchen – schließlich soll die Software getestet werden und nicht dieser dämliche Taschenrechnerdrucker!

Die Software-Tests werden also nach guter alter Großvätersitte beendet und ordentlich per Hand dokumentiert. Ein Blatt Papier und ein Kugelschreiber ist hier das Mittel der Wahl.
Es sind zwar saumäßig blöde Berechnungen (Standardabweichung über 16 Werte) und die Schreibarbeit ist dementsprechend nicht wenig – aber immerhin noch überschaubar.

Es ist ohne Zweifel von Vorteil, daß meine Kollegin diese Tests durchführt und dokumentiert – deren Handschrift ist im Gegensatz zu meiner Keilschrift auf Papier wenigstens noch lesbar.

Die Tests haben dann auch geklappt (im Großen und Ganzen jedenfalls) und nach einigen Überstunden waren wir mit unserem Arbeitspensum fertig. Nur noch die Doku fertig, zusammenpacken und ab nach Hause! Das haben wir uns redlichst verdient 😉

Am nächsten Tag berichtete ich meinem Scheffe und erwähnte auch den defekten Drucker.
Scheffe versprach, sich persönlich darum zu kümmern, und ging auch tatsächlich höchstpersönlich in die Abteilung, die sich um solche Probleme kümmert (japp, wir haben sowas).

Kurz nach der Mittagspause kam er zu mir:

Scheffe: Blablabla (anderes Thema, das hier nichts zu Sache tut) – Ach übrigens: der Taschenrechnerdrucker geht wieder.
Ich: Das ist ja toll! Woran lag es denn?
Scheffe: (breit grinsend) Die Batterien waren leer.
Ich: * Kopf => Tisch*

1 Kommentar

  • AndiBerlin sagte am 18. Februar 2017 um 07:46 Uhr:

    „was nicht dokumentiert wurde, wurde nicht gemacht.“ eindeutig Medizintechnik. Ich kenne das (leider) zur genüge.

    broken-spirits: 100 Punkte 😉