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// Falsch verkabelt??

Über die Probleme mit der nahegelegenen Disco habe ich hier schon oft berichtet. Ein Dauerbrenner ist die Parkplatzsituation: es gibt hier für eine Disco in dieser Größe einfach zu wenig Parkplätze. Das bedeutet in der Praxis, daß die Hofeinfahrt regelmäßig zugeparkt wird. Ein Schild mit dem Text “Ausfahrt Tag und Nacht freihalten” nutzt da wenig. Es gibt einfach zu viele Analphabeten. Auf ausdrücklichen Wunsch einiger Nachbarn hat mein Vermieter nun ein paar Meter auf der Straße “gekauft”, damit dort rechts und links der Einfahrt die weiße Zackenlinie auf der Straße aufgemalt wird.
 
Wußte ich übrigens auch nicht, daß man diese Zacken kaufen kann. Das zeigt aber auch, daß man diese Zacken besonders ernst nehmen sollte, wenn sie vor einer Einfahrt aufgemalt sind. Wer gibt schon Geld für unwichtige Dinge aus?
 
Blöderweise hat den Discobesuchern aber auch niemand beigebracht, was diese Zacken denn bedeuten. Schließlich werden die ignoriert und die Discobesucher freuen sich über den vermeintlichen Parkplatz.
 
Was dazu geführt hat, daß mein Flohmarkkt-Nachbar mich ab und an darum bittet, darauf zu achten, daß niemand dort parkt. Er kommt häufig in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit seinem Lieferwagen und lädt sein Gerümpel ein, um das am darauffolgenden Sonntag auf einem Flohmarkt zu verkaufen. Zu dieser Hauptdiscobesuchszeit werden also die Vorbereitungen getroffen, damit das Geschäft am Sonntag läuft. Der Kerl lebt davon und jeder Falschparker ist quasi eine Störung im “Betriebsablauf”.
 
Wenn ich weiß, wann mein Nachbar kommt, um seine Flohmarktartikel einzuladen, ist es für mich kein Problem, die Einfahrt etwas im Auge zu behalten. Für mich läuft das unter dem Begriff Nachbarschaftshilfe und der Flohmarktdealer sponsort im Gegenzug ab und an auch den Proberaum.
 
Die Einfahrt sehe ich von meinem Fenster aus und bei den derzeitigen Temperaturen wird es im Proberaum auch mal etwas zu warm und ich trinke mein Bier im Hof (oder verlagere meine Fingerübungen auf der Gitarre gleich dorthin – dazu brauche ich ja keinen Verstärker).
 
Es hat auch nicht lange gedauert, bis zur fraglichen Zeit jemand direkt vor der Einfahrt geparkt hat. Ich bin dann also mal zur Hofeinfahrt hingelatscht und habe freundlich die Discobesucherin darauf hingewiesen, daß sie in unmittelbarer Nähe einer Einfahrt und noch dazu im Parkverbot parkt.
 
Das war so eine Tussy mit Haaren auf den Zähnen… die hat gleich angefangen, lautstark rumzukeifen, mir alle möglichen Beleidigungen an den Kopf zu schmeißen und meinte abschließend noch, daß ich mit so einer blöden Anmache durch ein Hoftor nie eine Freundin finden werde. Mit quietschenden Reifen fuhr sie davon – nicht ohne mir noch den Mittelfinger zu zeigen.
 
Wenn ich nichts gesagt hätte, wären genau zwei Dinge passiert:
1) Das Auto der Discobesucherin wäre abgeschleppt worden und 2) hätte ich keinen Stoff für einen eher nachdenklichen Blogeintrag. Mehr nicht.
 
Ich rege mich über so etwas nicht auf. Aber bemerkenswert ist das schon und diese Reaktion fällt mir in den unterschiedlichsten Lebensbereichen mittlerweile verstärkt auf: es gibt immer mehr Leute, die sich ganz offensichtlich falsch verhalten, das auch wissen und trotzdem die Tatsachen völlig verdrehen, und dem Geschädigten die Schuld an der ganzen Misere geben bzw. als Arschloch darstellen.
 
Merkwürdigerweise fällt in solchen Hasstiraden sehr oft das Wort “Kulanz” (im konkreten Fall: “das Tor ist so breit und Samstag Nacht braucht den Platz doch keiner”) und auch das Wort “Toleranz” fällt häufig. Kulanz und Toleranz sind im konkreten Beispiel dem Flohmarktdealer aber völlig zurecht scheißegal, wenn er durch Falschparker in seiner Arbeit behindert wird. Aber das übersteigt wohl den Horizont dieser unterbelichteten Dicobesucherin…
 
Keine Ahnung, warum sich diese Denke immer weiter verbreitet. Gab es einen Preissturz bei den Anwälten? Kann man Tips zum erfolgreichen Fehlverhalten irgendwo im Internet nachlesen? Was ist so schwer daran, mal einfach zu sagen “Ups, sorry. Mein Fehler.”?
 

3 Kommentare

  • Gucky sagte am 19. August 2012 um 04:08 Uhr:

    Ein Problem ist aber auch, dass die meisten gutbesuchten Discos nicht genug Parkplätze haben !
    So so wird überall in der Umgebung geparkt wo noch ein kleines Plätzchen ist.

    broken-spirits: kann man machen, ja. Allerdings sollte man sich dann aber auch nicht wundern, wenn das Auto dann fort ist. Die Autobastler überlegen sich manchmal in der Wartezeit, bis sie endlich eine Probefahrt machen können, etwas rabiatere Möglichkeiten – die haben aber auch das nötige Werkzeug :-P

  • Sascha sagte am 19. August 2012 um 12:21 Uhr:

    Ein Schild mit dem Text “Ausfahrt Tag und Nacht freihalten” nutzt da wenig.

    Solche Schilder bringen in der Tat wenig. Bessere Wirkung könnte da hingegen ein Schild entfalten, welches ich neulich mal auf Facebook gesehen habe. Der Aufdruck hieß sinngemäß:

    “Parken verboten. Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge werden von uns kostengünstig in den Innenhof transportiert, in seine Einzelteile zerlegt und auf ebay.pl versteigert!”

    Das fällt auf jeden Fall auf ;)

    broken-spirits: wie im Kommentar von Gucky schon geschrieben: die Autobastler hatten schon ähnlich kreative Ideen. Aber das als Schild? Ich werde es mal dem Vermieter vorschlagen – ich finde das hat was.

    (Und die Connections zur Schrottverwerterszene haben wir hier ja. Vielleicht kriege ich bei dieser Gelegenheit auch eine Motorhaube, um diese in mein Schlagzeug als Gong einzubauen :mrgreen:)

  • Horst Schulte sagte am 19. August 2012 um 18:44 Uhr:

    Erinnert mich an den Spruch mit dem Feuerlöscher… Was nützt der ganze Mist, wenn du nicht zu Hause bist. So ist das mit den Zacken. Davon hatte ich bisher auch noch nie was gehört. Toleranz ist heute etwas, was man von anderen erwartet, von sich selbst fordert man diese nicht. Sie ist sogar ein bisschen in Verruf geraten. Man will ja nicht als politisch korrekt missverstanden werden. Lieber immer schon die Wahrheit sagen. Die eigene, versteht sich. Aber Ärger mit Parkplätzen ist ja auch nichts Neues. Ich habe schon erlebt, wie sich Leute deshalb echt geprügelt haben. Und da war es nicht einmal so hieß wie im Moment. Da sind die Leute ja besonders gereizt, finde ich.

    broken-spirits: In der Tat, Parkplätze sind ein Reizthema. Wobei ich das auch recht interessant finde: meine Wohnungsvermieterin wollte einmal eine Kneipe aufmachen. Sie hat es nicht genehmigt bekommen wegen fehlender Parkplätze. Wieso das bei dem Laden jetzt kein Problem ist, weiß der Himmel. Die beiden Kneipen wären sage und schreibe 40 Meter Luftlinie auseinander gewesen (und ja: in der gleichen Straße).
    Prügeleien sind hier zwar ebenfalls an der Tagesordnung – allerdings sind einige schon einen Schritt weiter: ohne Messer geht da nix mehr…