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Lebenszeichen aus dem Proberaum

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// Wie überall



Nachdem ich hier über einen Hüpfhopser geschrieben habe (die nächste Story ist übrigens schon in der Blog-Pipeline), fielen in den Kommentaren Bemerkungen wie “die Musikerszene scheint einem ja einiges abzuverlangen” oder “man könnte den Eindruck gewinnen, Musiker seien alle Schnorrer” (ok, das war jetzt frei zitiert – ihr habt es schöner gesagt ;-) )

Dem ist definitiv nicht so.

Ich habe hier sehr, sehr viele gute Erfahrungen mit meinen Nachbarn gemacht. Der Prozentsatz liegt sogar bei weit über 90 %.

Wann immer es ein technisches Problem gibt, wann immer ich mal Hilfe brauche, wenn ich auf einem Instrument nicht weiterkomme – es ist immer jemand da, den ich fragen kann.

Umgekehrt läuft es natürlich genauso: nicht selten hänge ich in Nachbarproberäumen rum und bewege mcih dort in irgendwelchen PAL-Feldern.

Unseren Spaß haben wir dabei eigentlich immer.

Unter uns Musikern gilt wie überall: eine Hand wäscht die andere. Und genau wie überall gibt es aber Kollegen, mit denen man weniger gut klar kommt – oder eben besonders gut.

Allerdings gibt es (genau wie in der Mietskaserne, am Arbeitsplatz, im Sportverein usw.) immer diese Ausreißer. Also die Leute, die sich einen Dreck um die Bedüfnisse der Mitmenschen scheren, einfach nur stänkern wollen oder die Kinderstube mit Siebenmeilenstiefeln durchrannt haben und es nie besser gelernt haben.

Ein weiterer Kommentar in einem der letzten Einträge lautete “ich stelle mir vor, wie der Hüpfhopser zum Vermieter sagt, verzichte doch auf Deinen Urlaub, dann hast Du die Miete wieder raus”.

So realitätsfern ist das gar nicht mal, den genau die Leute machen genau das. Ein Spruch in dieser Form ist von jemand anderem wirklich genauso gefallen.

Vielleicht sind diese Leute merkbefreit…

Es ist aber auch klar, daß diese Leute recht schnell unten durch sind – nicht nur unter uns Musikern – das spricht sich das sogar recht schnell rum, wir sind eben Tratschbacken.
Die natürliche Auslese findet eben spätestens dann statt, wenn der Vermieter so einen Spruch vor die Füße gerotzt kriegt.

Nicht nur deshalb ist das ganze Leben hier doch recht streßfrei und mittlerweile würde mir auch echt etwas fehlen, wenn ich nicht mehr hier rein könnte.
Hier bin ich mittlerweile zuhause.

Ich mag diese Kakophonie aus Jazz, Pop, Country und Metall wenn ich hier reinkomme und ich mag die Gespräche und Blödeleien am Getränkeautomaten.

Und ich mag diese Stille, die hier nach 23:00 Uhr eintritt, also die Zeit, in der ich hier machen kann, was ich will.

Und ganz ehrlich: den zwei Arschkrampen der letzten Tage kann man doch wirklich nicht einen gewissen Unterhaltungwert absprechen, wenn man bedenkt, daß es mit knapp 300 Musikern, die hier ihrem Hobby oder Beruf nachgehen, überhaupt keine Aufreger gibt und ein völlig normales Miteinander herrscht, oder?
Diesen Mini-Prozentsatz wird man an anderen Orten, an denen soviele Menschen zusammenkommen, wohl lange (und manchmal auch vergeblich) suchen.

Übrigens: die Wetten, wie lange die zwei hier bleiben, laufen schon :mrgreen:
Ich gebe denen drei bis vier Monate… ein Kasten Bier (wird von den Verlieren gemeinsam gezahlt ) ist der Wetteinsatz – und wenn es so läuft, wie in der Vergangenheit, überlebt der Kasten Bier den Abend nicht – der wird nämlich von allen gemeinsam geleert. Und wenn noch jemand dazukommt – why not?

(Notiz an mich selbst: ich muß mal vorschlagen, daß wir den Wetteinsatz auf drei Kästen Bier erhöhen. Dann brauchen wir uns die Bierflaschen nicht teilen und können ganz standesgemäß aus der Flasche trinken anstatt eines Plastikbechers…. ;-) )


Im Proberaum notiert am 20.04.2010 um 11:02 pm von Broken Spirits und mit getaggt.
(c) by Broken Spirits






Bisher kein Gequassel im Proberaum

  1. GravatarCassy 73 Kommentare

    300 Musiker? Wow! Wenn du erzählst, wie familiär das bei euch läuft, dann hatte ich mir das viel kleiner vorgestellt. Da kann man die zwei wirklich vergessen. ;-)
    Bei so vielen Leuten ist ein Kasten Bier wirklich eher der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Auch wenn bestimmt nicht alle da sind oder sich beteiligen.

    broken-spirits: 300 Musiker ist mal grob geschätzt (bei durchschnittlich 4-5 Leuten pro Band, viele sind mehr und dann halt noch die Einzelkämpfer wie meine Wenigkeit). Der Kasten Bier reicht dann eigentlich gerade so für die Leute, mit denen ich als rumhänge. Grüppchenbildung ergibt sich von alleine, die Hiphopper unter sich, die Metaller und Rocker unter sich usw… Wobei die Grenzen fließend sind ;-)

  2. GravatarAxy 245 Kommentare

    Ui, ich werde zitiert :-D

    Wenn du sagst “mittlerweile”… Gab es ne längere Eingewöhnungsphase oder hast du dich von Anfang an wohlgefühlt?

    P.s.: Tolle Wette – gibt keinen Verlierer

    broken-spirits: es gab keine längere Eingewöhnungsphase. Es war von Anfang an ne coole Sache. Allerdings gab es zwischendurch immer wieder Phasen, in denen ich weg wollte. Der ganze Proberaumkomplex wurde mit der Zeit immer größer und vergrößert sich jetzt nochmal. Dadurch wurde alles viel “anonymer”. Eine zweite Phase war die, als “meine” Kollegen alle gegangen sind. Ich bin hier mittlerweile dienstältester Musiker. So Phasen gab es also immer wieder mal ;-)

Im Proberaum mitquasseln:



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