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// Divide et impera

Ich bin auf einen etwas älteren Webmaster-Friday aufmerksam geworden. Ich verfolge das ja nicht direkt (solche Blogger-vernetzen-sich-Aktionen finde ich eher doof)- aber dieses Thema fand ich doch interessant genug, um mal (verspätet) meine 5 Cent loszuwerden:

Spaltet das Internet die Gesellschaft?

Kurz und knapp: Ja.
Es wird in dem einleitenden Text des Webmaster-Friday auf Donald Trump verwiesen, dessen Wahl angeblich völlig überraschend war. Dieser Aussage stimme ich schon mal nicht zu. Dieses Wahlergebnis war nicht überraschend, es war logisch.

Begründung

Zunächst möchte ich vorausschicken, daß ich G.W. Bush schon für eine Katastrophe gehalten habe. Wir (also die Menschheit) haben den irgendwie überlebt und D. Trump ist nun wohl sowas wie der „God-Mode“. Der Schwierigkeitsgrad steigt.
Das Wahlergebnis war m.E. nicht überraschend: Als Hauptursache sehe ich die „political correctness“. Diese verbietet es mittlerweile, die Meinung zu sagen. Besser: wenn man die eigene Meinung sagt, muß man eben auch mit den entsprechenden Konsequenzen rechnen.
Dank der sogenannten „Social Justice Warrior“ können diese Konsequenzen sich durchaus auch im Privatleben bemerkbar machen. Im Extremfall kann dies zu einer Selbstzensur führen. Man sagt also beispielsweise etwas anderes, als man tatsächlich denkt. Das Wahlergebnis in den USA ist somit eigentlich keine Überraschung: Es hat sich schlichtweg keiner getraut, zu verraten, wo das Kreuzchen nun gemacht wird (das muß man in einer funktionierenden Demokratie auch nicht!). Ursache dürfte ziemlich eindeutig die Moralkeule sein, die im Internet schnell ausgepackt wird.

Mittlerweile nicht nur: die Filterbubble soll sich ja mittlerweile auch auf das Privatleben auswirken. Frei nach dem Motto: Falsche Meinung im Internet? Wir kennen uns auch im RL? – Tschüß! Mit Dir will ich nix zu tun haben (weder im Internet noch im RL).

Die Blockierfunktion auf Facebook/Twitter und Co. sowie die Rufnummernsperre des heimischen Telefons erledigen dann den Rest.

Damals ™ war das anders

In meiner Jugend (also „damals“) haben wir Meinungsverschiedenheiten noch gemütlich bei einem Bier/Kaffee o.ä. ausdiskutiert. Das „Damals“ ist aus heutiger Sicht eher so „1990“ (ich erwähne das für die zeitliche Einordnung).
Ich sehe da schon einen signifikanten Unterschied zu den Diskussionen, die es zu politisch mehr oder weniger relevanten Themen gibt. (Zur Verdeutlichung: der #Aufschrei gehört nicht zu den relevanten Themen – das ist ein Beispiel für den Furunkel am Arsch von irgendwelchen Barbie-Püppchen.). Es war anders – ohne Wertung. Wir konnten uns bei solchen Diskussionen zuhören, widersprechen – es blieb trotzdem immer halbwegs sachlich. Irgendwelche *ism-Vorwürfe gab es nicht. Diese ganzen „ism“ waren noch nicht mal erfunden. Wenn irgendwas nicht korrekt verstanden wurde, wurde nachgehakt. So einfach war das. Da hat es keinen #Aufkreisch gebraucht. In der Regel waren die potentiellen Mißverständnisse schnell geklärt. Ganz ohne Shitstorm und Hate Speech.

Hate Speech ist ein schönes Stichwort: Das ist m.E. Definitionssache. Es gibt da eine „wundervolle“ Seite, auf der dieses sogenannte Hate Speech gesammelt wird (hatespeech.org – ich verlinke den Mimosendreck nicht: Copy&Paste hilft). Ich finde: Jeder Blogger hat schon mal Kommentare gelesen, in denen

a) Der Tod des Bloggers/ dessen Angehörigen/ dessen Haustier / etc. gewünscht wird
b) Die Kernaussage aus dem Wort „PIIIIIIMMMMMMMMEEEELLLLLLLLLLL!“ bestand
c) $Kritik

Das Beispiel b) kann ich ignorieren. Sowas auf einer Webseite zu sammeln – nun, das fällt für mich in die gleiche Kategorie wie der Kommentar selbst: Kleinkinder.

Das Beispiel a) – nun ja…. Da steht man drüber. „Erwachsenwerden“ ist das Zauberwort (das gilt sowohl für den Sender als auch Empfänger;-) )

Das Beispiel c) ist interessant: das war nämlich auch (aber nicht nur) durchaus sachlich vorgetragene Kritik – keine Beschimpfungen, keine Beleidigungen sondern einfach (mehr oder weniger) valide Argumente. Ich sage bewusst nichts über die Qualität der Argumente. Das ist in einem Land, das Meinungsfreiheit im Grundgesetz verankert hat, nämlich völlig wurscht: Jeder darf seine Meinung entsprechend seiner geistigen Fähigkeiten frei formulieren! Es gibt hier in Deutschland das Recht, seine Meinung in Wort und Text zu äußern – es gibt jedoch keine Pflicht, eine intelligente Meinung zu haben.

Und genau da spaltet das Internet die Gesellschaft.

Die Social Justice Warrior tragen dazu m.E. maßgeblich bei und fördern diese Spaltung. Diese SJW-Gruppierung ist (noch?) eine kleine, lautstarke Minderheit (die durchaus auch mal in der Lage ist, den GRIMME-Preis abzustauben. Und Einfluß auf die Gesetzgebung hat. Und…. Und… und…. ).

Es geht hier nicht mehr um WAHR oder FALSCH – es geht um eine (politisch korrekte) Einheitsmeinung. Was WAHR ist, entscheidet – ja genau wer? „Das Internet?“ Wer ist das?

Das Internet könnte ein besserer Ort sein: Ohne Rassismus/Homophobie/Misogynie und andere *ism-Vorfürfe. Und wann wer warum beleidigt sein könnte, könnte auch mal ohne pawlow’schen Beißreflex durchdacht werden.

1 Kommentar

  • Miki sagte am 4. Januar 2017 um 12:58 Uhr:

    Ja.
    Vollste Zustimmung.
    Es ist sogar so, dass ich meine Accounts mit Klarnamen nicht mehr bediene.
    Aber es ist eine viel tiefere Ebene, doch trotzdem gleich: „Waaaas, du guckst dasunddas im TV??? Dich kenne ich nicht mehr!!“
    Bild mit Futter: „Waaas, du isst Tier!? Mörder! Dich kenne ich nicht mehr!“
    Und bei relevanten Äußerungen zum Weltgeschehen geht es richtig ab. Aber eben keine Diskussion, sondern gleich Parolen.
    Und schon isses geschehen: dazu äußere ich mich nicht mehr. Und wenn viele/alle schweigen, ist ja auch niemandem geholfen…. :-(

    broken-spirits: das mit dem Futterbild kenne ich noch nicht…. das könnte aber auch daran liegen, daß ich den Teller immer leer gegessen habe, bevor ich ans Fotografieren denke. Ich eigne mich echt nicht zum Foodblogger 😉 Ansonsten paßt das Beispiel ja auch zu den SJW und Moralaposteln. Die scheinen in allen Bereichen ein Talent dafür zu haben, Andersdenkenden die eigene Intoleranz vorzuleben 😉