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// Fußballfans

Als Griechenland gegen Deutschland leider verloren hat, entspann sich auf dem Fratzenbuch zwischen den beiden geschätzen Bloggerkolleginnen Kathrin, Sylvie und mir eine längere Diskussion, wozu die EM überhaupt gut sei. Eine These meinerseits war:
 

“Anhand der Dezibel bei einem Ereignis der Kategorie “panem et circenses” lassen sich hervorragend die Bevölkerungsanteile in einer Großstadt ermitteln.”

 
Diese beiden eben erwähnten Damen baten mich ím Laufe dieser Diskussion um einen ausführlichen Bericht. Diesem Wunsch komme ich nun – da seit eben die EM für Deutschland Gott sei gedankt, gelobt, gebaßgeigt und getrommelt endlich (aber viel zu spät) vorbei ist – gerne nach.
 
Diese Studie ist selbstverständlich hochwissenschaftlich und deshalb beschreibe ich zunächst den
 

Versuchsaufbau

 
Die langjährigen Blogleser wissen bereits, daß das Fernsehprogramm meinen Intellekt beleidigt und ich deshalb vor über 10 Jahren, als ich in einem Bahnhof wohnte, mein Glotz-O-Phonium aus dem Fenster in einen vorbeifahrenden Güterzug, der erhebliche Mengen an Elektroschrott geladen hatte, warf (und ja: ich habe das Fenster vorher geöffnet!). Eine Neuanschaffung eines Volksverdummungsapparates war seit dieser lebensqualitätsverbessernden Entscheidung nie geplant auch für die Zukunft sind diesbezüglich keine Investitionen vorgesehen. Diese Primär-Informationsquelle fällt bei mir also völlig aus.
 
Hier galt es also zu improvisieren – was man als Musiker ja generell können sollte.
 
Als Informationsquelle diente also Twitter, Facebook, ein Spielplan aus dem Internet sowie ein Gerät zur Schalldruckmessung.
Mithilfe dieses Gerätes läßt sich über nachfolgende Formel die Anzahl, Ethanolpegel, Agressionspotential und Freudentaumel der jeweiligen Fußballfans berechnen.
 
Es gilt:
Formel zur Ermittlung der Bevölkerungsanteile anhand von Fußballfans
 
Der Faktor Aj setzt sich zusammen aus:
 
(Höhe des Rolltores/ Anzahl der fliegenden Bierflaschen x Steigungswinkel der Flaggen) + n (Freeclimber auf dem Rolltor)
 
Mithilfe dieser komplexen Berechnungen, die über Excel unter massiver Verwendung von diversen VBA-Scripten ausgewertet wurden sowie subjektiver Beobachtungen unter Einbeziehung der modernen Psychologie lassen sich nun folgende Aussagen über die Nationalitäten der Fußballfans treffen:
 

Die Holländer

 
Keine aussagekräftige Bewertung möglich mangels statistisch relevanter Daten.
 

Die Schweden

 
Keine Auffälligkeiten. Die wenigen ansässigen Schweden haben sich einfach mit der gegnerischen Mannschaft gefreut und sich die Stimmung nicht verderben lassen.
 

Die Russen

 
Keine Auffälligkeiten. Unbestätigten Gerüchten zufolge waren die Russen so sternhagelvoll, daß ein Autokorso bereits vor der Garagenausfahrt gescheitert ist. Verletzte gab es angeblich keine.
 

Die Franzosen

 
Kein statistisch relevanter Bevölkerungsanteil vorhanden. Allerdings hört man es auch nicht, wenn ein Baguette auf dem Gehweg zerschellt…
 

Die Polen

 
Keine Auffälligkeiten.
 

Die Italiener

 
Es gibt hier in der Stadt auffällig viele, wie ich heute feststellen durfte. Allerdings nahmen die Italiener Rücksicht auf die arbeitende Bevölkerung, fuhren nur ein paarmal hupend ums Quadrat und feierten dann im famillären Kreis weiter. Trotzdem: keine bedeutenden Auffälligkeiten. Nach 30 Minuten war der Spuk vorbei.
 

Die Griechen

 
Trotz gegenteiliger Medienschelte alles andere als faul. Die Griechen hatten alle am nächsten Tag zu tun und bei den gewonnenen Spielen war der Spuk schnell vorbei. Die in Deutschland wohnenden Griechen gehen offenbar früh ins Bett, um sich am nächsten Tag ihr täglich Brot zu verdienen. Schade ist nur, daß mein favorisierter griechischer Koch sich die Medienhetze etwas zu sehr zu Herzen nahm und selbst beim Salzen des Gyros Überstunden machte…
 

Die Deutschen

 
Kommen wir nun zur unangehmsten Sorte Fußballfans: die Deutschen. Nichts gegen die Deutschen, aber hier in Deutschland gibt es zu WM bzw. EM-Zeiten einfach zu viele “Schland-Fans”. Lärmend und gröhlend ziehen sie nach einem gewonnenen Fußballspiel durch die Straßen. Die wenig fotogene Fahne wird ausgiebigst zur visuellen Umweltverschmutzung geschwenkt. (Ich habe nix gegen eine Deutschlandfahne – aber die Farbkombination sieht einfach nur Scheiße ausund wirkt sich auch störend auf meine Fotos aus. Ich habe noch nie eine Frau gesehen, die sich freiwillig außerhalb der Fußballsaison so anziehen würde. Und der holden Weiblichkeit wird ja regelmäßig Treffsicherheit in der Klamotten- und Farbwahl unterstellt…)
 
Die Blödheit der männlichen Artgenossen ist ebenfalls kaum zu überbieten: ja, bei mir im Proberaum gibt es Bier; ja, bei mir im Proberaum fliegt auch mal die Kuh und das merkt man daran, daß die Musik etwas lauter ist. Und nein, ein geschlossenes Rolltor, über das man rüberklettern kann, bedeutet nicht, daß das hier eine Kneipe ist, in der man weiterfeiern kann. Nein, nur weil ich hier ein Mikrofon rumstehen habe, werde ich nicht Eure bescheuerten Fangesänge aufnehmem. Ja, ihr geht jetzt den gleichen Weg zurück, den hierhergekommen seit. Ach? Das Rolltor ist zu? Auch schon gemerkt? Das ist plötzlich ein Problem?
 
Ich freue mich echt, daß Deutschland verloren hat. Und vor dem Schlafzimmerfenster diesen bekackten deutschen Fußballfans werde ich irgendwann mal mein Schlagzeug aufbauen und mir die Seele aus dem Leib trommeln.
 

Fazit

 
Fußball wäre ja ganz schön, wenn die Deutschen nicht wären.
 

Panem et circenses

 
Das ist übrigens auch noch passiert: die deutsche Regierung hat diese Zeit des besoffenen Freudentaumels (wieder) einmal genutzt, um dem eigenen Volk ganz bewußt (?) zu schaden. Ich habe mich noch nicht ganz eingelesen (geht ja auch schlecht, wenn die gleichgeschaltete Presse nur über Fußball berichtet), aber was da geplant ist, gefällt mir ganz und gar nicht

Ich verstehe noch nicht alles (kann das überhaupt noch irgendwer?) aber wenn ich mir überlege, daß ich in meinem privaten Umfeld mein sauerverdientes Geld jemanden geben soll muß, der völlige Immunität (sprich: Narrenfreiheit) besitzt, dann bekomme ich Kopfschmerzen…

1 Kommentar

  • Kathrin sagte am 14. Juli 2012 um 08:25 Uhr:

    Leider bin ich erst jetzt so wirklich dazu gekommen deinen Artikel zu lesen. Und was soll ich sagen: ich bin doch schon etwas überrascht. Gut, wäre ich ein aufmerksamer Fußballfan, dann hätte ich es mir denken können das die deutschen da die schlimmsten sind, aber nein… irgendwie hab ich wohl doch was anderes erwartet.

    Aber ich bin stolz auf dich. Hast du es doch tatsächlich gemacht :D

    broken-spirits: nun, ganz repräsentativ ist dieses Ergebnis nun auch nicht. Ich habe das eben nur vom heimischen Sessel aus beobachtet. Für diese Region stimmt es allerdings. ;-)