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// #racialprofiling (Teil 2)

Nachts um kurz vor drei im Proberaum… ich habe meine Gitarre mal eben weggestellt, um ein Bier aufzumachen. Lecker. Leider wurde der Biergenuß durch eine merkwürdige Geräuschkulisse unterbrochen. Ein Blick aus dem Fenster schaffte Klarheit:
• Ein Nachbar (ebenfalls Musiker, weiß, männlich, ca. 30 – 35 Jahre alt) wollte das Rolltor öffnen. Genau in diesem Moment hielt eine Polizeistreife.
• Dieses Zusammentreffen zufälliger Art führte zu einer Personenkontrolle
• außer weiß und männlich ist der betreffende Nachbar auch noch eine Koksnase.

Koksnasen und andere Nasen gibt es hier viele. Eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge (und dort gibt es viele Flüchtlinge aus den Maghreb-Staaten) ist fünf bis zehn Gehminunten entfernt. Flüchtlinge gibt es hier in der Gegend also ebenfalls mehr als genug.

Übrigens: well done, ich wäre reingekommen, nachdem ich den Ausweis vorgezeigt hätte. Mein Nachbar wurde in Handschellen abgeführt. Der hatte wohl was dabei, was er besser nicht hätte dabei haben sollen. Drogendealer (i.d.R. schwarz, männlich) haben wir hier übrigens auch mehr als ausreichend. Da gibt es eine einschlägige Kneipe 200 Meter die Straße runter.

Die Preisfrage: Warum wird jetzt also ausgerechnet mein Nachbar (männlich, weiß, heterosexuell) anlaßlos kontrolliert und nicht die Drogendealer (männlich, schwarz, heterosexuell)? Letztere rennen hier nämlich auch die ganze Nacht über rum…. allerdings nicht unmittelbar vor dem Rolltor, jedoch in der gleichen Straße. Deshalb ist es mir derzeit leider nicht möglich, abzuschätzen, wie das Verhältnis schwarz/weiß aussieht. Eine Feldstudie wäre aber sicher interessant – trotzdem denke ich, daß diese „Momentaufnahme“ in Bezug auf die aktuelle Diskussion nicht ganz uninteressant ist.

Nichtsdestotrotz: mein Nachbar (weiß, männlich, heterosexuell und der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Drogen dabei hatte) wurde erwischt: Langjährige Blogleser kennen meine Meinung zu Drogen (insbesondere den „harten Drogen“) und können sich meine Gedanken zu dieser Festnahme wahrscheinlich gut vorstellen – darum geht es mir gerade jedoch ausdrücklich nicht!

Entscheidender finde ich folgendes:
Ich kann mit diesem örtlichen Hintergrundwissen/ Kenntnis des örtlichen Umfelds eine anlaßlose, rassistische Personenkontrolle absolut nicht entdecken!

Ich persönlich habe da ja eine andere These (die nichts mit Rassismus zu tun hat, sondern vielmehr mit dem Ort ):

In diesem Zeitungsartikel wird beschrieben, daß eine dunkelhäutige US-Amerikanerin in neun Monaten 23 mal von der Polizei kontrolliert wurde.

Im Mittel macht das 4,7mal 2,6mal / Monat (einfacher Dreisatz: 9/23*12 23/9 – Korrektur: so einfach ab einer gewissen Uhrzeit dann wohl doch nicht :rolleyes: )
Kommt für mich hin, eine ähnliche Anzahl an Personenkontrollen würde ich plus/minus auch angeben. (Korrektur: sogar eindeutig Plus mache ich da). Im vergangenen Dezember hatte ich diesen Spaß vier mal…
Wie gesagt: Hauptbahnhof einer größeren Stadt + Proberaum in einer miesen Gegend. Die Nachbarn tragen da nicht unbedingt zu einer Verbesserung bei…

Via Horst bin ich auf folgendes Video gestoßen (das Video ist schon etwas älter – vom 20-Feb-2014, also eindeutig VOR dem Silvester-Desaster in Köln).

Bemerkenswert finde ich, daß der Schwarze am Bahnhof gefilmt wird, die Weißen hingegen in einem Park (?). Desweiteren stößt es mir bitter auf, daß ich (mit Ausnahme des ersten „Interviews“) die Frage nicht höre.
Es gibt eine völlig konträre Antwort, wenn ich frage, ob jemand „schon mal von der Polizei kontrolliert wurde“ oder ob jemand „schon mal von der Polizei hier kontrolliert wurde“. Bezüglich meiner These, daß Kontrollen durchaus auch ortsabhängig sein könnten, ist dieser kleine aber feine Unterschied nicht ganz unwesentlich.

Meine persönliche Beobachtung ist: ich bin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und der Proberaum befindet sich in einer „problematischen“ Gegend. Ich werde regelmäßig von der Polizei kontrolliert. Allerdings bevorzugt an eben diesen beiden Orten. Die durchschnittliche Anzahl deckt sich in etwa ist sogar höher mit Anzahl der Kontrollen, die Schwarze laut (mehr oder weniger) aktuellen Medienberichten erfahren (dürfen).

Racial Profiling? Kann ich beim besten Willen nicht bestätigen….

3 Kommentare

  • thymi sagte am 7. Januar 2017 um 11:05 Uhr:

    Hallo Martin, der Dreisatz stimmt nicht.
    Es muß heißen 23/9 x12. Pro Jahr, also etwas mehr als zweimal im Monat.
    Oder etwas weniger als dreimal.
    Ich liege mit Halsweh im Bett, aber das lag mir doch am Herzen…

    broken-spirits: *seufz* Danke, ich sollte ab ner gewissen Uhrzeit nicht mehr bloggen – bzw. nicht mehr rechnen. Der Fehler ist mir jetzt gewissermaßen etwas peinlich 😛
    Solange es die Faktenlage nicht verschlechtert, kann ich damit leben. Ich komme damit dann sogar tatsächlich auf mehr Personenkontrollen. Aber ich treibe mich ja auch an „finsteren“ Orten rum…

    Gute Besserung!

  • thymi sagte am 7. Januar 2017 um 12:19 Uhr:

    Wie schön, daß Du auch nicht perfekt bist!
    Aber Dein Deutsch ist es, und das genieße ich sehr!
    Thymi

    broken spirits: nobody is perfect. Ob mein Deutsch (insbesondere die Rächtschraipunk) gestern nacht (oder besser heute morgen) perfekt war, wage ich an dieser Stelle ebenfalls zu bezweifeln 😉 Wenn nicht, ist es mir jetzt auch wurscht – ich brauche ’nen Kaffee. Dringend. Das wurde sehr spät gestern…. und ich merke: ich werde zu alt für so einen Scheiß 😛

  • thymi sagte am 7. Januar 2017 um 12:59 Uhr:

    Entschuldige die Korrekturen, die ich verursacht habe!
    Wenn ich krank bin, schlafe ich nachts wenig.
    Und immer Krimis lesen, ist so anstrengend.
    Da rechne ich lieber

    broken-spirits: kein Problem – das ist ja sogar gut 😉 Da man ja mit solchen „kritischen“ Aussagen wie „racialprofiling kann ich nicht bestätigen“ auch gerne in die rechte Ecke gestellt wird, wäre es wohl Wasser auf den Mühlen der SJW, wenn der Fehler dringeblieben wäre. Das reicht ja mittlerweile für „Hatespeech“. Die SJW hätten (sofern es denen aufgefallen wäre) in so einem Fall wahrscheinlich nix gesagt – dafür auf Twitter und Co. umso mehr abgelästert. Das funzt jetzt eher weniger – daher: Merci :-)
    (Mir ist der Lapsus trotzdem ziemlich peinlich – aber egal, nachts um drei haut sowas dann halt auch mal daneben 😛 Shit happens!)