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Lebenszeichen aus dem Proberaum

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Artikel, die mit ‘Alltag’ getaggt sind.







// Manche Dinge möchte ich nicht wissen

Dienstag, August 2nd, 2011

Gerade entdeckt auf dem Weg zum Klo:

hier an diesem kasten hat keiner was zu suchen

Nein, ich möchte es wirklich nicht wissen, was da passiert ist. Aber ich habe eine Erklärung für den ein oder anderen unerklärlichen Stromausfall in meinem Proberaum.

Wobei ich jetzt meinen Nachbarn keine böswillige Absicht unterstellen möchte: wahrscheinlich haben die nur einfach die eigene Sicherung gesucht und dabei meine erwischt.

Meine langjährige Erfahrung in einem Chaotenhaufen wie diesem läßt nur diesen Schluß zu. Wobei manche Scherze… nun wirklich soooo einen Bart haben und trotzdem gerne bis zum Erbrechen wiederholt werden.

Aber gleich viermal den gleichen Zettel auf wenigen Quadratmetern aufgehängt?! Weia… :shock:



// Und wieder eine Musikerin dahingerafft

Samstag, Juli 23rd, 2011

Auch wenn es sich hart anhört: “Selber schuld” kann ich da nur zum Tod von Amy Winehouse sagen.
Leider passiert das noch viel öfter im Kleinen und von der Öffentlichkeit vollkommen unbemerkt.

Ich weiß nicht, wie viele Kollegen, die allesamt begnadete Musiker waren, ich schon abstürzen sah. Immer waren Drogen im Spiel. Ich habe keine Ahnung, wie die Jungs und Mädels darauf gekommen sind, daß man unter Drogeneinfluß besser Musik machen kann, als ohne das Zeugs.

Ich hatte das einmal im Selbstversuch ausprobiert und ich habe nie einen größeren Scheißdreck zusammengespielt als unter Drogeneinfluß. Für dieses Experiment braucht man nicht einmal hochwertiges Equipment.

Tatsache ist jedoch, daß von den ganzen Drogisten heute keiner mehr Musik macht. Die Clique, in der ich mich bevorzugt aufgehalten habe, wurde zwar von denen immer belächelt, aber diese Witze wurden nur einige wenige Jahre gerissen.

Die Zeit war unbarmherzig auf unserer Seite. Den körperlichen und seelischen Verfall konnte ich in zu vielen Fällen beobachten. Im Endstadium gipfelte das in der totalen Unfähigkeit dieser ehemals begnadeten Musiker, das jeweilige Instrument auch nur ansatzweise zu beherrschen oder den Text und/oder den jeweiligen Instrumentalpart zu behalten, geschweige denn einen vernünftigen Auftritt hinzubekommen.

Danach wurde es still um die Kollegen…

 



// Closed

Freitag, Juli 22nd, 2011

Closed

Hinter dieser verschlossenen Türe befindet sich eine schöne Proberaumerweiterung. Derzeit ist mir dieser Traum allerdings verwehrt – trotzdem ist das eine schöne Selbstmotivation. Die Aussichten sind derzeit nämlich – egal, wie ich es drehe und wende – extremst düster…

 



// Magische Anziehungskraft

Freitag, Juli 15th, 2011

Für manche Probleme besitze ich offenbar eine magische Anziehungskraft, und einer dieser Problemfälle fällt ganz eindeutig in die Kategorie “Rolltor”.

Ich möchte nicht wissen, wie oft ich im alten Proberaum auf dem Parkplatz stand und das Gelände nicht verlassen konnte, weil bei dem elektrischen Rolltor wieder einmal die Sicherung rausgeflogen ist.

Allerdings konnte ich mit der Situation damals relativ entspannt umgehen, denn es ging ja nur darum, das Gelände zu verlassen. Mit einer Kletteraktion war das Problem meist erledigt.

Anders ist das aber im neuen Proberaum. Hier gibt es kein elektrisches Rolltor an der Hofeinfahrt, bei dem die Sicherung rausfliegen könnte. Dafür gibt es aber an anderer strategisch wichtiger Stelle ein Rolltor mit einem Vorhängeschloß. Und das klemmt.

Und warum ist das jetzt unentspannter als im alten Proberaum?

Nun, hinter diesem Rolltor befindet sich die Toilette….

Ich kaufe mir jetzt für den Notfall einen Gülle-Eimer *narf*

 



// Die Tasse des Grauens

Mittwoch, Juli 13th, 2011

In Zeiten von DSDS & Co. bekommt der gemeine Fernsehzuschauer ein phantastisch glitzerndes Bild der Musikerwelt vorgestellt. Da werden knackige Mädels in einer Limousine bis zum roten Teppich gefahren, wo sie unter Blitzlichtgewitter zur Bühen schreiten dürfen, wo sie dann rhythmisch mit dem Arsch wackeln dürfen.

Die Szene, in der die gleichen Mädels in einer runtergekommenen Seitengasse um die Ecke in die Limousine einsteigen “dürfen”, wird dem Fernsehpublikum vorenthalten.

Wie sieht denn nun der Alltag eines Musikers wirklich aus?

Meist beginnt (und endet trotz kleinerer Erfolge auch genau dort) in einem Proberaum. Diese sind meist versifft (das hängt zu einem Großteil auch von der jeweiligen Band ab).

Eines gemeinsam haben diese Proberäume aber ohne Ausnahme: als Wohnraum eignen sie sich aus verschiedenen Gründen nicht.

Das beginnt zum Beispiel schon mit den sanitären Einrichtungen. Eine Toilette ist zwar in mehr oder weniger akzeptablen Zustand immer vorhanden, eine Küche, in der man sich mal einen Kaffee kochen kann hingegen nie. (es mag Ausnahmen geben, aber ich kenne keine).

Trotzdem ist Kaffee für unseren Menschenschlag eine Art Lebenselexier: wenn die nächtliche Jamsession mal länger dauert oder wenn zuviel Alkohol geflossen ist (letzteres ist übrigens ein weitverbreiteter Irrtum – Koffein macht nur kurzzeitig munter damit der Ethanol daraufhin mit umso mehr Macht zuschlagen kann. Das ist so eine Art Pyrrhussieg, den die Gehirnfunktionen nur verlieren können – frei nach dem Motto: “Noch so ein Sieg und wir sind verloren”.)

Wie dem auch sei: Eine Kaffeemaschine gehört also zur Grundausstattung eines Proberaumes. Dazu gehören natürlich auch Kaffeetassen. Ausrangierte (Porzellan) Blumenvasen erfüllen diesen Zweck notfalls aber auch. Die sind auch oftmals größer – ein bedeutender Pluspunkt!

Nun müssen sollten diese Trinkgefäße aber hin und wieder auch gespült werden. Das geht allerdings schlecht, wenn die dazu nötigen sanitären Einrichtungen eigentlich nicht da sind. Fließend Wasser gibt es – im ungünstigsten Fall – an den Wänden, aber das ist ein anderes Thema…

Als Musiker kann man sich im Zweifelsfall auf die alten Chinesen berufen:

Der Geist eines Tees wohnt in der Kanne.

In einem Proberaum findet dann auch schon mal notgedrungen der Transfer statt: schließlich ist Koffein und Tein rein chemisch betrachtet exakt das gleiche Molekül.

Von der Kanne zur Tasse ist es ja auch nicht besonders weit (auf das Material bezogen) und aus praktischen Gründen kann man die Kanne auch gleich weglassen und das Kaffeepulver direkt in die Tasse schütten . Kaffeekannen im Proberaum sind also völlig überbewertet – diese werden eh regelmäßig vergessen und deshalb ist es gut möglich, daß einem Musiker bei Betreten des Proberaumes ein grün bepelzter Kaffeefilter freudig entgegenhüpft. Ein Anblick, auf den auch diejenigen Musiker verzichten können, die eher hart im Nehmen sind.

Es liegt also dank der 5000 Jahre alten Weisheiten der Chinesen in der Natur der Sache, daß alle Tassen im Proberaumschrank mehr oder weniger “geistreich” sind. Um derartige Ausreden ist man als kreativer Musiker zum Glück nie verlegen und so wurde seit Beginn der Rockmusik das Wort “geistreich” ein Euphemismus für “schmutzig” – nicht wenige Hoteliers hassen uns Musiker seitdem dafür und suchen ihre Freunde stattdessen lieber in der Fast-Drei-Prozent-Partei.

Ein ganz grober Fehler: denn alleine die Ausgaben für Spülmittel überschreiten doch nachweislich bei weitem die Ausgaben für die gelegentliche Renovierung eines verwüsteten Hotelzimmers. Oder glaubt ihr etwa allen Ernstes, daß dieses aalglatte Weichei namens Schwesterwelle (sowie seine sauberen Parteifreunde) aus dieser Tasse des Grauens trinken würden?

Geistreiche Kaffeetasse

Never ever. Eher machen diese traurigen Figuren doch den Möllemann und beißen bei einem letzten verzweifelten Versuch, in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit zu gelangen, publikumswirksam ins Gras (frei nach Hagen Rether, Harvard-Zitierweise).

Wir Musiker sind da doch vergleichsweise pflegeleicht: Eine gut bestückte Minibar im Fünf-Sterne-Hotelzimmer reicht uns vollkommen. Und wenn die Preise für diverse Spirituosen auch noch im erträglichen Rahmen liegen, fliegt auch kein Fernseher aus dem Fenster, die Zimmermädchen werden in Ruhe gelassen und wegen einer ungespülten Kaffeetasse wird nicht der Aufstand geprobt – sofern diese Kaffeetasse einen ordentlichen Kaffee und keine schwarzbraun gefärbte Plörre enthält. Eigentlich ganz einfach, oder? Dafür braucht es nicht einmal eine Lobby.

P.S.: Inspiriert wurde dieser Blogeintrag von dem Chaosweib ihrer Tassenparade, an der ich ausdrücklich nicht teilnehme. Schließlich ist es ganz schön lästig, ständig irgendwelche Tassen vom Proberaum in die Wohnung und wieder zurück zu karren. Außerdem habe ich schon lange nicht mehr alle Tassen im Schrank, aber das brauche ich Euch nicht mehr extra zu sagen, oder? :mrgreen:

 



// Tag der offenen Tür?!

Sonntag, Juli 3rd, 2011

Manchmal nerven mich meine Nachbarn.

Da sitze ich also gemütlich im Proberaum, trinke einen Kaffee und bastel an meinem Hauptrechenr rum, der letzte Nacht über die Wupper gesprungen ist. Die Grafikkarte ist verreckt und nun habe ich kein Bild mehr. So arbeitet es sich natürlich schlecht an dem Arrangement des neuen Songs.

Oft habe ich in solchen Momenten die Tür offen und irgendwie meint da Hinz und Kunz, daß man sich hier anschleichen kann und einen Blick riskieren kann. Wenn ich das bemerke und mich umdrehe, rennen die gleich wieder fort. Manchmal wird dabei irgendwas unverständliches gemurmelt.

Tür zu lassen hilft übrigens auch nicht: dann wird eben zum Fenster reingelinst. Ich habe zwar einen Rollo davor, aber der ist ca. 5 cm zu kurz. Unter den größten Verrenkungen, daß man das Knacken der morschen Knochen sogar im Proberaum hört, wird dann geguckt, was ich hier drinnen so treibe.

Komischerweise sind das immer Frauen. Blöde Klatschweiber.

Langsam nervt’s einfach nur noch :-/

(Und nein, das sind keine Groupies. Gegen die hätte ich nichts. Hier gucken überwiegend dicke alte Schachteln rein, bei denen der Gärprozeß schon vor ein paar Jahren begonnen hat.)



// Zaungast

Freitag, Juli 1st, 2011

Gerade eben wollte ich Bier wegtragen. Dazu muß ich ja einmal quer über den Hof – die Toilette ist in einem anderen Gebäudetrakt. Als ich zur Tür raus bin, sah ich aus dem Augenwinkel einen Schatten davonhuschen.

Diese Gestalt vermied auffällig auffallend das fahl-gelbe Licht der Natriumdampflampen. Eine gespenstische Szene, wenn man mutterseelenalleine irgendwo in einem Industriegebiet auf einem Hof steht.

Nur das Scharren von Füßen war zu hören, aber auch das ließ sich nicht genau orten. Ein scharrendes Geräusch hier, ein leises Scheppern irgendwo anders. Die Echos der alten Fabrikhallen lassen es einfach nicht zu, verstohlene Eindringlinge in der Dunkelheit aufgrund der Geräusche zu orten.

Ich reagiere äußerst allergisch, wenn sich irgendwelche unbekannten Gestalten in der Nähe meines Heiligtums rumtreiben. Und diese heiligen Hallen verteidige ich mit Zähnen und Klauen. Bis zur letzten Bierflasche!

Die eignen sich nämlich sowohl als Wurfgeschoß als auch im Nahkampf als Hieb- oder Stichwaffe. Für letzteres muß man nur mal eben den Boden der Bierflasche abschlagen und schon hat man ein wirkungsvolles Hilfsmittel zur Selbstverteidigung. Eilig trank ich die letzten Schlucke Bier. Erstens wäre alles andere Verschwendung und zweitens macht das ja auch mutig.

Ich wechselte den Standort – wer flüchten will kann dies nur Richtung Hofeinfahrt tun. Und diese liegt im gelblichen Halbschatten. Ich muß also nur möglichst geräuschlos hinterherschleichen.

Hinter einem Mauervorsprung bestätigt mir ein Blick auf mein Handy, was ich geahnt habe: der Akku ist leer. Ich habe mal wieder vergessen, das Scheiß-Ding aufzuladen. Hätte mir aber aller Wahrscheinlichkeit sowieso nichts genutzt: die Pozilei macht mittlerweile einen großen Bogen um dieses Stadtviertel. Wenn wider Erwarten doch mal eine Streife hier durchfährt, wird bestenfalls ein Fenster einen Spalt runtergkurbelt, um mit der pösen Welt
zu kommunizieren.

Lauschen.

Weiterschleichen.

Meinerseits Deckung im Schatten suchend.

Am Hoftor angekommen sehe ich gerade noch, wie der Fuchs vor mir flüchtet. Als er die Straße überquert, bin ich wieder einmal schon etwas erschüttert, wie ausgemergelt das Vieh mittlerweile ist. Am Schwanz kein einziges Haar mehr, und im gelben Licht auf der Straße sieht man deutlich die Rippen. Mit grüngelb leuchtenden Augen wirft er mir einen letzten panischen Blick zu und verschwindet im Unterholz auf der anderen Straßenseite.

Ich werde mich wohl beeilen müssen, wenn ich den Fuchs nochmal für das Blog fotografieren möchte.

Jeder Zaungast, der hier raublauscht, wird von mir nämlich gnadenlos an den Blogpranger gestellt. ;-)