In Zeiten von DSDS & Co. bekommt der gemeine Fernsehzuschauer ein phantastisch glitzerndes Bild der Musikerwelt vorgestellt. Da werden knackige Mädels in einer Limousine bis zum roten Teppich gefahren, wo sie unter Blitzlichtgewitter zur Bühen schreiten dürfen, wo sie dann rhythmisch mit dem Arsch wackeln dürfen.
Die Szene, in der die gleichen Mädels in einer runtergekommenen Seitengasse um die Ecke in die Limousine einsteigen “dürfen”, wird dem Fernsehpublikum vorenthalten.
Wie sieht denn nun der Alltag eines Musikers wirklich aus?
Meist beginnt (und endet trotz kleinerer Erfolge auch genau dort) in einem Proberaum. Diese sind meist versifft (das hängt zu einem Großteil auch von der jeweiligen Band ab).
Eines gemeinsam haben diese Proberäume aber ohne Ausnahme: als Wohnraum eignen sie sich aus verschiedenen Gründen nicht.
Das beginnt zum Beispiel schon mit den sanitären Einrichtungen. Eine Toilette ist zwar in mehr oder weniger akzeptablen Zustand immer vorhanden, eine Küche, in der man sich mal einen Kaffee kochen kann hingegen nie. (es mag Ausnahmen geben, aber ich kenne keine).
Trotzdem ist Kaffee für unseren Menschenschlag eine Art Lebenselexier: wenn die nächtliche Jamsession mal länger dauert oder wenn zuviel Alkohol geflossen ist (letzteres ist übrigens ein weitverbreiteter Irrtum – Koffein macht nur kurzzeitig munter damit der Ethanol daraufhin mit umso mehr Macht zuschlagen kann. Das ist so eine Art Pyrrhussieg, den die Gehirnfunktionen nur verlieren können – frei nach dem Motto: “Noch so ein Sieg und wir sind verloren”.)
Wie dem auch sei: Eine Kaffeemaschine gehört also zur Grundausstattung eines Proberaumes. Dazu gehören natürlich auch Kaffeetassen. Ausrangierte (Porzellan) Blumenvasen erfüllen diesen Zweck notfalls aber auch. Die sind auch oftmals größer – ein bedeutender Pluspunkt!
Nun müssen sollten diese Trinkgefäße aber hin und wieder auch gespült werden. Das geht allerdings schlecht, wenn die dazu nötigen sanitären Einrichtungen eigentlich nicht da sind. Fließend Wasser gibt es – im ungünstigsten Fall – an den Wänden, aber das ist ein anderes Thema…
Als Musiker kann man sich im Zweifelsfall auf die alten Chinesen berufen:
Der Geist eines Tees wohnt in der Kanne.
In einem findet dann auch schon mal notgedrungen der Transfer statt: schließlich ist Koffein und Tein rein chemisch betrachtet exakt das gleiche Molekül.
Von der Kanne zur Tasse ist es ja auch nicht besonders weit (auf das Material bezogen) und aus praktischen Gründen kann man die Kanne auch gleich weglassen und das Kaffeepulver direkt in die Tasse schütten . Kaffeekannen im Proberaum sind also völlig überbewertet – diese werden eh regelmäßig vergessen und deshalb ist es gut möglich, daß einem Musiker bei Betreten des Proberaumes ein grün bepelzter Kaffeefilter freudig entgegenhüpft. Ein Anblick, auf den auch diejenigen Musiker verzichten können, die eher hart im Nehmen sind.
Es liegt also dank der 5000 Jahre alten Weisheiten der Chinesen in der Natur der Sache, daß alle Tassen im Proberaumschrank mehr oder weniger “geistreich” sind. Um derartige Ausreden ist man als kreativer Musiker zum Glück nie verlegen und so wurde seit Beginn der Rockmusik das Wort “geistreich” ein Euphemismus für “schmutzig” – nicht wenige Hoteliers hassen uns Musiker seitdem dafür und suchen ihre Freunde stattdessen lieber in der Fast-Drei-Prozent-Partei.
Ein ganz grober Fehler:
…denn alleine die Ausgaben für Spülmittel überschreiten doch nachweislich bei weitem die Ausgaben für die gelegentliche Renovierung eines verwüsteten Hotelzimmers. Oder glaubt ihr etwa allen Ernstes, daß dieses aalglatte Weichei namens Schwesterwelle (sowie seine sauberen Parteifreunde) aus dieser Tasse des Grauens trinken würden?

Klick auf das Bild zeigt das Grauen…!
Never ever. Eher machen diese traurigen Figuren doch den Möllemann und beißen bei einem letzten verzweifelten Versuch, in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit zu gelangen, publikumswirksam ins Gras (frei nach Hagen Rether, Harvard-Zitierweise).
Wir Musiker…
…sind da doch vergleichsweise pflegeleicht: Eine gut bestückte Minibar im Fünf-Sterne-Hotelzimmer reicht uns vollkommen. Und wenn die Preise für diverse Spirituosen auch noch im erträglichen Rahmen liegen, fliegt auch kein Fernseher aus dem Fenster, die Zimmermädchen werden in Ruhe gelassen und wegen einer ungespülten Kaffeetasse wird nicht der Aufstand geprobt – sofern diese Kaffeetasse einen ordentlichen Kaffee und keine schwarzbraun gefärbte Plörre enthält. Eigentlich ganz einfach, oder? Dafür braucht es nicht einmal eine Lobby.
P.S.: Inspiriert wurde dieser Blogeintrag von dem Chaosweib ihrer Tassenparade, an der ich ausdrücklich nicht teilnehme. Schließlich ist es ganz schön lästig, ständig irgendwelche Tassen vom Proberaum in die Wohnung und wieder zurück zu karren. Außerdem habe ich schon lange nicht mehr alle Tassen im Schrank, aber das brauche ich Euch nicht mehr extra zu sagen, oder? 