Was hat das schon wieder mit Musik zu tun? Nun, bei Ruediger bin ich auf ein Stöckchen von Julia aufmerksam geworden.
Das ist doch eine gute Gelegenheit, um mal wieder einen Einblick hinter die Kulissen zu gewähren und dabei meine geballte Rechenpower vorzustellen. “Geballte Rechenpower” ist durchaus ironisch zu verstehen, denn es sind auch einige Fossilien dabei und das zeigt auch, daß es nicht unbedingt die neueste Technik sein muß, um kreativ zu arbeiten
R2D2
Da hätten wir also meinen ersten Rechner, auf den Namen R2D2 getauft, den ich damals von einer Polizeiband geschenkt bekommen habe. Die hatten mir Nicht-Kiffer kein auf der Straße beschlagnahmtes Gras andrehen können, sie wollten mir aber trotzdem was Gutes tun (wahrscheinlich eine Art “Schweigegeld”) und so bekam ich meinen ersten Rechner für den Proberaum. Zuvor hatte ich mit geliehen Mini-Disc-Recording-Equipment über Mehrspurminidisc (diese Technik war von der Videofilmerei geklaut) gearbeitet und man konnte sage und schreibe 8 Minuten mehrspurig aufnehmen. Dieser Rechner, der da plötzlich im Proberaum stand, stellte also eine drastische Verbesserung da und Harddiscrecording war der letzte Schrei.
Bestückt ist er heute noch mit der Soundblaster AWE32, läuft absturzfrei (!!) seit fast 10 Jahren unter Win98SE, hat einen PentiumI mit 200 MHz, 64 MB RAM und zahlreiche Laufwerke (SCSI und IDE kombiniert, voll bestückt macht das also 11 Laufwerke + 2 Floppys. Der Speicherplatz ist aber nicht so dolle: schlappe 20 GB kommen über die 9 Festplatten zusammen. Nicht berauschend, aber es reicht. Heute hängt da mein Uralt-Sampler dran, der die Sounds aus der Wavetable der AWE32 zieht. Völlig veraltet – ich weiß. Aber ich mag diese Vintage-Sounds. Und gegen die AWE32 kann man auch heute nicht viel sagen: das Grundrauschen war damals schon extrem leise – für damals sensationelle 1500 DM konnte man sowas auch erwarten ![]()
Nach einigen Jahren habe ich R2D2 in ein solides Servergehäuse umgetopft. Das Ding wiegt nun über 30 Kilo und wird mit schöner Regelmäßigkeit mit einer Klimaanlage verwechselt. Angeblich soll das Gehäuse feuerfest sein – überprüft habe ich das noch nicht. Ich weiß aber mittlerweile, daß das Ding absolut wasserdicht ist. Die ganzen Innereien dieses Computers waren nach dem Wasserrohrbruch staubtrocken.
Der Rechner lebt also noch, wird von mir gehegt und gepflegt und ist nicht nur als Zeitgeber, der die restlichen Rechner synchronisiert, aus meinem System nicht mehr wegzudenken.
HAL
Der geringe Speicherplatz wurde mit der Zeit aber ein Problem und die Kiste ist schon eine recht lahme Gurke: eine CD brennen dauert mit einem 4fach-Brenner doch recht lange. Also kam nur zum CD Brennen und als zusätzlicher Speicherplatz HAL ins Spiel. Ebenfalls ein Windows98SE-Rechner und immerhin schon ein Pentium II mit zwei 20 GB Festplatten. Den Arbeitspeicher habe ich nach recht kurzer Zeit auf 128 MB erweitert. Auch dieser Rechner ist heute noch gelegentlich im Einsatz.
Die Herkunft des Namens HAL brauche ich wohl nicht groß erklären, aber ist Euch aufgefallen, daß da IBM rauskommt, wenn man jeden Buchstaben in HAL um eins erhöht? Das war eine leise Kritik damals gegen die “übermächtigen” Computer, die uns alle beherrschen und versklaven werden…
Marvin und NOVAC
Die technische Entwicklung machte auch vor der Musik nicht halt (naja, besser ausgedrückt: ich wollte nicht länger hinterherhinken, habe mich also freiwillig selber dem Technikwahn unterworfen) und so mußte ein neueres Betriebssystem her. Win XP gab es zwar schon, aber das konnte ich mir nicht leisten. Blieb also nur ein Win2000-tauglicher Rechner. Davon bekam ich durch Zufall fast zeitgleich zwei Stück: Marvin und NOVAC habe ich die beiden genannt und Win2000 installiert. Marvin ist der depressive Roboter aus “Per Anhalter durch die Galaxie” – das schwarze Gehäuse ließ einfach keinen anderen Namen zu ![]()
NOVAC steht für “Nuclear Operateted Variable Automatic Computer”. Dieser Name stammt ebenfalls aus einem Science Fiction, dessen Name mir aber entfallen ist (ich habe diesen Film auch nie gesehen). Beide Rechner haben einen 450 MHz Pentium II Prozessor und 256 MB RAM. Ursprünglich waren beide für den Einsatz von VST-Plug-Ins gedacht, erwiesen sich aber recht schnell als zu langsam. Heute teilen sie das Schicksal mit HAL, also Arbeiten, die mal zwischendurch erledigt werden können aber nicht meine Hauptrechner belasten sollen (z.B. eine CD brennen, oder einen Mixdown durchführen), spielten dann aber später nochmal bei meinem Musikvideo eine tragende Rolle: Viele Szenen habe ich auf den beiden Kisten vorbereitet – dazu zählten Kleinigkeiten wie Farbänderungen und Timinganpassungen – also alles, was nebenher über Nacht gerendert werden kann.
C3-PO
Das eigentliche Arbeitstier ist hier im Proberaum C3-PO – mittlerweile eigentlich auch veraltet, aber mit einem AMD Sempron 2400+ – Prozessor und 750 MB RAM durchaus brauchbar. Hier habe ich auch mal etwas mehr in eine Soundkarte investiert. Diese ganzen VST-Dinger laufen einfach nicht mit Billig-Soundkarten.
Auch dieser Rechner bekam Win2000 spendiert.
FUCKUP
Ins Internet gehe ich mit FUCKUP – benamst wurde dieser Rechner nach “Die Illuminati” und steht für “First Universal Cybernetic-Kinetic-Ultramicro-Programmer”. Dies ist ein WinXP Rechner, ausnahmsweise mit einer neueren Grafikkarte ausgestattet, die Soundkarte ist Onboard (jupp, anwesende Musiker: erschlagt mich), und die CPU ist ein Pentium4-Prozessor mit 1,5 GHz. Noch (da werde ich wohl demnächst etwas umbauen) ist er mir 1 GB RAM bestückt.
Der restliche Kruscht
Ihr seht also: ich bin – zumindest was die Rechnernamen betrifft – ein kleiner SF-Fan und was das Equipment betrifft: Vintage. Das hat sich bewährt.
Dementsprechend sind die ganzen Kisten auch eigenhändig zusammengebaut: mal war in einem Proberaum Hardware zu verschenken, mal gab es be eBay etwas günstig, mal waren zwei komplette Bürorechner übrig, aus denen ich einen musiktauglichen Rechner gebaut habe und manchmal habe ich für Einzelteile richtig viel Geld ausgegeben (meist RAM und Soundkarten).
Die Rechner selber sind mittlerweile ohne Ausnahme veraltet, alle erfüllen aber trotzdem ihren Zweck oder lassen sich notfalls aufrüsten und ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren: in die Saiten oder Tasten hauen. Und genau darauf kommt es mir an.
Über die Jahre hat sich herauskristallisiert, daß WIN98SE (Betonung liegt auf SE – WIN98 ist ne Katastrophe) das stabilste Betriebssystem von Microsoft ist: Mit diesen Rechnern habe ich über Jahre hinweg nie Probleme gehabt. Von W2K und WinXP kann ich das leider nicht gerade behaupten….
Generell setze ich aber einen Rechner auf, installiere alle Software, die ich brauche, räume auf (also defragmentieren usw.), optimiere am BIOS, und dann bleibt das so – von gelegentlichen Defragmentierungen und Löschen von TEMP-Dateien abgesehen. Pro Computer stecken da im Schnitt ca. 1-2 Wochen Feierabendarbeit drin (wobei ich da manchmal auch anderes zu tun habe).
Updates (auch Sicherheitsupdates) interessieren mich wenig: Die Rechner, die ich zum Musikmachen brauche, haben keinen Internetzugang. Daran wird sich auch nichts ändern: zuviel Arbeit steckt in jedem Song, als das ich das Risiko von Schadsoftware eingehen würde (das gilt auch für den Einsatz von Wechseldatenträgern – prinzipiell ein NoGo und Wechseldatenträger kommen nur in Ausnahmefällen, wenn es wirklich gar nicht anders geht, zum Einsatz.)
Ohne zahlreiches externes Equipment (Mischpulte, Effekte, Synthesizer), das mit den Rechnern kommuniziert, würde hier aber gar nichts laufen. Mittlerweile ist da auch noch ein 486er im Spiel, über den ich ein Gitarreneffektgerät ansteuere. Für sowas braucht es nicht viel Rechenleistung, DOS schafft das locker von der Diskette und jeder moderne Rechner wäre damit unterfordert (und sowas ist schließlich rausgeschmissenes Geld).
Im übrigen wäre es auf keinem der Rechner möglich, ein neueres Computerspiel zu spielen: in den meisten Rechnern habe ich noch PCI-Grafikkarten verbaut. Diese sind völlig ausreichend, um die Amplituden meiner Wave-Dateien oder ein paar Schieberegler darzustellen. Mehr brauche ich hier nicht. Allerdings sind fast alle Grafikkarten Dual-Head-Grafikkarten: die Musikbearbeitungssoftware beansprucht recht viel Platz, wenn man virtuelle Synthesizer, virtuelle Mischpulte und Arrangierfenster im Auge behalten möchte…
Das Stöckchen darf nun mitnehmen wer mag – ich schmeiß die Dinger grundsätzlich nicht anderen Leuten an den Kopf. Es darf ja ohne Zwang jeder bloggen, was er mag.
