Ein bißchen ist das ja wie “Back To The Roots” – schließlich war das meine erste digitale Aufnahmemöglichkeit überhaupt. Damals vor ca. 8 Jahren ein Riesenfortschritt. Unsere junge Band hatte sich von AAA über ADD (die Anschaffung der ersten “DAW”) zu DDD vorgearbeitet. Wahnsinn.
Den Minidisc-Player wollte ich trotzdem nicht verschrotten – der war einfach praktisch: klein und handlich und eigentlich immer dabei. Damit hatten wir unsere (bzw. wenig später ich alleine nachdem das vorletzte Bandmitglied aus beruflichen Gründen wegzog) Soundcollagen aufgenommen.
Keine Ahnung, wieviele Nächte wir uns an finsteren Orten rumgetrieben haben, um alle möglichen Geräusche aufzunehmen.
Der letzte gemeinsame Song ist übrigens auch im Player oben rechts: “Men At Work” – ein Sammelsurium aus Hafengeräuschen und fast wäre mein Bandkollege damals nicht weggezogen sondern beerdigt worden. Bei dem Versuch, den LKW, der am Anfang zu hören ist, aufzunehmen, wäre er fast von ebendiesem überrollt worden.
Es ist eben keine sonderlich gute Idee, über eine Leitplanke zu hechten und ein paar Meter vor dem LKW zu landen. Und ja – wir waren sternhagelvoll: es war schließlich unsere letzte Bandprobe. Ab diesem Zeitpunkt war “Broken Spirits” mein Soloprojekt.

Mit der Zeit erweiterte ich den Proberaum zu einer Art Tonstudio und die Zeit der Soundcollagen war irgendwann endgültig vorbei, als ich mich auf den Minidiscplayer setzte. Ich bin zwar nicht sonderlich schwer, mein Körpergewicht hat aber trotzdem ausgereicht, um das Teil in die ewigen Jagdgründe zu schicken.
Die Anschaffungen für das Tonstudio waren mir damals wichtiger, als die Soundcollagen und so gab es von mir lange nichts Neues aus diesem Bereich der Musik.
Das wird nun wieder anders – isch freu misch ![]()
Artikel, die mit ‘Klangexperiment’ getaggt sind.
// Endlich wieder mobil unterwegs
Sonntag, Mai 29th, 2011// Katzen mögen Sekunden
Dienstag, Mai 10th, 2011Zu meiner Katzenbespaßung gehört einmal die Woche ein kleiner Ausflug. Besonders mein Großer mag diese sonntäglichen Aktionen. Der Weg von der Wohnung zum Proberaum ist zwar immer ein Drama, der -sofern es jemand mitbekommen würde- sofort den Tierschutzbund auf den Plan rufen würde. Mittlerweile klappt aber auch das ganz gut – der Trick ist eigentlich ebenso einfach wie genial: Katzenkorb ist für den Kater wohl ein Synonym für Tierarzt und somit verhasst.
Mittlerweile habe ich den Einweg-Katzenkorb eingeführt: nach jedem Gang zum Tierarzt wird der Katzenkorb gegen einen neuen eingetauscht (anderer Katzenbesitzer haben dieses Problem “zum Glück” auch.)
Wenn ich den Kater aber unter mein T-Shirt stopfe, heißt das Kuscheln und das ist für das zartbesaitete Katzengemüt in Ordnung. Jedenfalls fast in Ordnung. Zu protestieren gibt es immer noch genug und jedes vorbeifahrende Auto führt dazu, daß mein Verdauungstrakt mit Krallengewalt stimuliert wird. Sonntags ist aber recht wenig Verkehr und dann gibt es noch Schleichwege. Das geht also recht gut.
Im Proberaum blüht das Katzenvieh regelrecht auf: Alles muß erstmal genauestens inspiziert werden, sämtliche Duftmarken wollen erneuert werden usw. Das ist natürlich anstrengend und so folgt erstmal ein ausgiebiges Nickerchen in der Base-Drum.
Und dann wird gnadenlos die Aufmerksamkeit gefordert: “Miau” heißt der Befehl und nicht das Haustier rennt, sondern das Herrchen (also ich).
Inspiriert von Nora, über die ich hier vor einiger Zeit schonmal berichtete, versuche ich nun, meinem Kater das Keyboardspielen beizubringen. Damit verbinde ich quasi das Praktische mit dem Nützlichen.
Mittlerweile klappt das sogar erstaunlich gut. Als besonders hilfreich erwiesen sich diverse Leckerli, die ich auf der Klaviatur verstreut habe. Die haben zwar meinen Spielfluß gestört, aber seitdem wundert sich der Kater nicht mehr über die komischen Geräusche, die beim Fressen entstehen.
Die “Akkorde” sind zwar (noch?) etwas gewöhnungsbedürftig, was in erster Linie wohl daran liegt, daß eine Katze nicht so gut die Finger spreizen kann. Mit einer Pfote werden dann eben gerne Sekunden gespielt:

Das ganze führt dazu, daß diese Katzenmusik sehr jazzig klingt (und damit will ich auf gar keinen Fall den Jazz als Katzenmusik herabwürdigen!)
Dem ganzen kann man als Menschenkind, das erst nach der Schulzeit den Quintenzirkel gezwungenermaßen zu schätzen lernte, gut entgegensteuern. Sekunden kommen in nicht wenigen Jazzakkorden vor und somit lassen sich da zu zweit auch einige recht wohlklingende Sachen fabrizieren. Grundvoraussetzung hierfür ist aber, daß ich rechtzeitig “erahne”, was der Kater vorhat.
Trotz dieser ersten Erfolge fällt noch sehr viel in den Bereich der Aleatorik. Die Kommunikation zwischen dem Kater und mir funktioniert eben noch nicht so gut, daß komplexe Songstrukturen möglich sind.
Immerhin: zu zweit Klavierspielen macht dem Kerlchen richtig viel Spaß und mittlerweile hält er auch schon eine halbe Stunde am Stück durch.

Irgendwann sind wir vielleicht auch soweit, daß wir das alles mal aufnehmen können…
// Zeitreise
Sonntag, März 27th, 2011Ein Schubladenfund. Ein kleines Wunder, wie diese Kassette sowohl den Wasserrohrbruch als auch den Umzug nahezu unbeschadet überlebt hat. Von dem ganzen übrigen chronischen Chaos, das hier zeitweise im Proberaum herrscht(e), will ich mal gar nicht anfangen zu reden.
Dieses Ding ist deutlich über 10 Jahre alt – und darauf sind die ersten Songs, die ich alleine schrieb. Schon damals mit gelegentlichen Einsatz von Gastmusikern, denen man an der Spielweise anhört, daß sie nicht glaubten, daß aus dem Projekt “Broken Spirits” jemals etwas längerfristiges wird.
Dies mag durchaus auch daran liegen, daß ich damals ziemlich “kaputt” war – eigentlich hat mir niemand ein Durchhaltevermögen, wie es in den folgenden Jahren nötig war, zugetraut (ich mir selber übrigens auch nicht).
Zu dem Zeitpunkt dieser Aufnahmen standen mir die richtig harten Zeiten erst noch bevor.
Was mich heute beim Hören dieser Kassette überrascht hat, ist die Tatsache, daß vieles, was ich heute mache, schon damals zumindest ansatzweise da war.
Zwar ausgesprochen unausgereift und rudimentär, teilweise reichlich ziellos und man merkt, daß ich überhaupt keine Ahnung hatte, wie man gewisse Instrumente spielt oder wie man überhaupt mit der einfachen und wenigen “Studio”-Technik, die mir damals zur Verfügung stand, umgeht.
Der Grundstein war aber gelegt.
Nachtrag: Auf einen Hinweis von Andi_Berlin gibt es hier noch die Erklärungen zur Musikkassette auf Wikipedia für die jüngeren Leser.
// Blogparade: The Sound Of The Blog-O-Sphere
Samstag, April 17th, 2010Dies hier ist also meine erste Blogparade und die Idee dazu entstand vorgestern abend während einer Unterhaltung mit @ChiefJudy auf Twitter.
Diese hatte nämlich von einem schrägen Zweiklang ihres Geschirrspülers und ihrer Waschmaschine getwittert.
Sowas ist für mich als Klangbastler ein gefundenes Fressen
Hier die Aufgaben für die Blogparade “The Sound Of The Blog-O-Sphere”:
1) Nehmt mit irgendeinem Aufnahmegerät einen kurzen Klang (max 20 sec) Eures Alltages auf. Das Aufnahmegerät kann ein Diktiergerät, ein Handy, ein Laptop oder was auch immer sein. Hauptsache, das Teil hat ein Mikrophon. Die Qualität ist erstmal zweitrangig, ich kann viel verbessern und falls nicht: so klingt die Blog-O-Sphere eben
Was Ihr aufnehmt, ist egal. Dies kann ein Gespräch im Bus, Vogelgezwitscher, ein Preßlufthammer, eine befahrene Straße usw. sein.
Wichtig: Wegen urheberrechtlichen Gründen darf keine Musik im Hintergrund laufen!
2) Schreibt einen Artikel darüber, wo und bei welcher Gelegenheit dieses Geräusch aufgenommen habt und verlinkt hierher. (Trackback oder Kommentar)
Falls ihr einen Server oder Webspace habt, könnt ihr Eure Aufnahme auch in den Artikel einfügen. Falls diese Möglichkeit nicht besteht, könnt ihr mir den Klang per Mail schicken.
3) Alle Klänge, die hier bis 30. April Null Uhr eingehen, werde ich zu einem Song zusammenbasteln und hier im Blog unter einer CC veröffenttlichen.
Noch ein paar musikalische Hintergründe: was dann entsteht, ist eine sogenannte “Soundcollage”, bei der die einzelnen Klänge in einen neuen Kontext gebracht werden.
Diese Idee ist nicht ganz neu, seit den 60iger Jahren wurde schon oft damit herumexperimentiert.
Damals wurden Tonbänder zerschnitten und die einzelnen Schnipsel neu zusammengeklebt. Heute geht das natürlich wesentlich einfacher – die Klangschnipsel werden am Rechner zusammengebastelt oder auf ein Keyboard gelegt.
// Aus Scheiße Musik machen (Teil2)
Dienstag, Januar 19th, 2010Heute gibt es den “richtigen” Schrott auf die Ohren. Im ersten Teil waren die ganzen Instrumente zu einer Art Schlagzeug zusammengefaßt, heute geht es um meine Einzelteile, die möglichst dekorativ und großflächig im Proberaum verstaut sind (der Vermieter regt ich jedesmal drüber auf
).
Auch diese Percussion-Instrumente sind zum großen Teil “normalen” Instrumenten nachempfunden: die Vorbilder sind diesmal aber häufig bei indigenen Völkern zu suchen.
[1] Die Stampfröhren
Für das Stampfrohr verwende ich ein SurePEX Rohr. Etwas problematisch bei den Teilen ist die Stimmung, die sich über Material, Länge und Durchmesser definiert. Mit dem Trial & Error-Verfahren habe ich Millimeterweise kürzergefeilt, bis der Zielton so einigermaßen erreicht war. Das Fine-Tuning erfolgt derzeit mit einem Pitchshifter.
[Vielleicht liest hier ja ein Mathematiker mit, der mir die Fourieranalyse in eine Exceltabelle reinpfriemeln kann, so daß als Ergebnis die Länge für die einzelnen Frequenzen in Hertz ausgespuckt wird?]
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[2] Röhrenglocken
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Für die Röhrenglocken darf so gut wie jedes Metallrohr herhalten. Staubsaugerrohre sind genauso dabei wie Gerüststangen oder Wasserleitungen. Jedes Metall klingt anders, nur Kupferrohre sind ungeeignet, da diese komischerweise nicht klingen – wobei sich das ändern soll, nachdem diese erhitzt werden. Bisher habe ich das aber noch nicht ausprobiert….

Eine nette Spielerei sind hier die künstlichen Knotenpunkte (Flageoletton). Ich halte die Röhre dabei zwischen zwei Fingern und schlage diese dann an. Für die nachfolgende Aufnahme habe ich immer das gleiche Metallrohr verwendet und an drei verschiedenen Stellen gehalten (1/5, 1/3, 1/2 der Gesamtlänge)
Dies ist eher eine Spielerei und weniger für die Praxis geeignet: die Obertöne sind doch recht leise und vergleichsweise schwierig aufzunehmen. Diese Aufnahme ist auch etwas verrauschter als die übrigen. Um die Klänge auf einen Synthesizer zu legen taugt es aber allemal…
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[3] Gong
Auch hier habe ich recht viele verschiedene Ausführungen:
[3.1] Bleche
Am liebsten verwende ich ein quadratisches Blech, das ich mit einem weichen Klöppel anschlage:
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[3.2] Keine Ahnung, was das ursprünglich war
Etwas schlecht für den Teppichboden ist dieses Teil. Den besten Klang erziele ich, wenn ich es aus geringer Höhe auf den Boden fallen lasse und anschließend freischwingend ausklingen lasse.
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[3.3] Tankdeckel
Noch ein schweres Kaliber: irgendein Deckel von einem Tank (?), aus Gußeisen und recht unhandlich. Leider etwas zu schwer für den dauerhaften Einsatz von freischwingende Töne. Ich verwende das Ding daher auch recht selten, den besten Klang bekomme ich mit einem handelsüblichen Gummihammer.
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[4] kleine Klangröhren
Ähnlich wie die Röhrenglocken, die Länge liegt jedoch im Zentimeterbereich. Dementsprechend hoch klingen sie auch:
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[5] Metallstäbe
Diverse massive Metallstäbe mit unterschiedlichen Querschnitten und Längen. In der Audiodatei habe ich sie in der Reihenfolge auf dem Foto von links nach rechts angeschlagen:
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// Aus Scheiße Musik machen – Teil1
Donnerstag, Januar 7th, 2010Vielleicht erinnert Ihr Euch ja noch an diesen Blogeintrag. Dieser Kollege bezog sich bei seiner Aussage eindeutig auf mein Schlagzeug.
Nachdem sich laut dieser Umfrage 73 % meiner Blogleser (Schweizer-Zählung) für die Schlagzeugsounds interessieren, komme ich heute diesem Wunsch nach.
Zuvor aber noch einige Anmerkungen:
Der Begriff “Schlagzeug” trifft nur insofern zu, weil ich hier “Zeugs” rumstehen habe, auf das ich drauf”schlage”.
Jeder Schlagzeuger wird jedoch mit meiner Schießbude klarkommen, dennoch ist es kein “klassisches” Schlagzeug. Jeder Eimer, jede Tonne oder jedes Metallteil hat die Funktion eines bestimmten Schlagzeugteils. Eine HiHat wird bei mir nie so klingen, wie man es normalerweise von einer HiHat erwarten würde. Trotzdem wird jeder diesen Klang als HiHat wahrnehmen.
Denkt Euch also im folgenden Begriffe wie Tom, Hihat, Snare usw. immer in Anführungszeichen – diese Begriffe dienen nur dem Verständnis; die Wahrnehmung ist im Klanggefüge eine ganz andere, als dies hier im Einzelbeispiel rüberkommt.
Trotzdem habe ich mich beim Bau und der Entwicklung meiner Schießbude bemüht, möglichst nahe an ein Originalschlagzeug heranzukommen.
Aufgrund des Umfangs habe ich diesen Eintrag zweigeteilt. Heute geht es ausschließlich um das “klassische” Schlaginstrumentarium. Im zweiten Teil werde ich etwas über meine Percussions schreiben – wobei die Grenzen hier durchaus fließend sind.
Sämtliche in diesem Blogeintrag veröffentlichten Klänge unterliegen den Common Rights: BY-NC-ND
[1] Die Bassdrum oder Kickdrum
[1.1] Bassdrum mit Doppelfußmaschine

Ich verwende hierfür ein 120 – Liter – Faß mit Standarddeckel und Spannring. Die Abnahme erfolgt über einen alten Tieftöner (rechtes Bild), den ich mithilfe des Spannringes befestige. Das Gewicht des Tieftöners wird durch ein ca. 1 m langes Stück Straßenbahngleis getragen. Schon dieser erste Teil ist also eine recht massive Sache ![]()
Trocken (also ohne Verstärkung) ähnelt der Klang dieses Fasses eher einer Conga, erst durch den Tieftöner und einem Equalizer bekomme ich den Klang, der einer gewöhnlichen Bassdrum entspricht.
Dämmaterial (alte Handtücher) ist wie bei einer normalen Bassdrum ebenfalls nötig – auch wenn der Effekt beträchtlich geringer ist, als bei einer normalen Bassdrum. Aber auch hier mußte ich die klassische Vorgehensweise (Handtücher-reinschmeißen-und-fertig) abändern, da ein Knäuel Geschirrhandtücher den Klang beeinflußt hätte: Ein Tieftöner ist eben doch etwas anderes als ein normales Bassdrum-Mikrophon, nur durch die Membrangröße bedingt.
Auch wenn man meinen sollte, daß das Material des Fasses (PE-HD) nicht nachgibt, wenn ich das Fass mit der Doppelfußmaschine bearbeite, so ist doch ein kleines Loch im Faß notwendig für den Druckausgleich. Bei meinen ersten Versuchen ist mir die Membran des Tieftöners gerissen – diesen Schaden konnte ich aber mit etwas Silikonpaste beheben…
Der erste Teil der Aufnahme ist die trockene Bassdrum, der zweite Teil ist über den Tieftöner abgenommen:
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[1.2] Bassdrum, mit Sticks gespielt
Als zweite “Bassdrum” dient ein 10-Liter-Kanister – ebenfalls aus PE-HD. Ursprünglich sollte dieser eine ganz andere Funktion einnehmen, durch den tiefen Natursound blieb mir aber nichts anderes übrig, als ihn für eine Bassdrum zu verwenden. Meist spiele ich ihn mit einem ehemaligen Stuhlbein – das ergibt einen recht tiefen, wuchtigen Klang:
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[2] Die Hihat
Die Hihat war lange Zeit mein Sorgenkind, es hat lange gedauert, bis ich einen halbwegs brauchbaren Sound gefunden habe.
Der erste Versuch, der optisch noch am ehesten einer normalen Hihat ähnelt, war ein richtiger Griff ins Klo. Scheppernd und klappernd kam sie daher und klang nach allem möglichen – nur nicht nach einer Hihat.
Verwendet hatte ich eine ausrangierte Fußmaschine und zwei Lüfterdeckel eines Kühlers von Daimler. Ob diese Deckel ihren Dienst in einem Motor zuverlässig verrichten, kann ich nicht beurteilen. Als Hihat sind die Dinger jedenfalls nicht zu gebrauchen. Für diesen Blogeintrag habe ich dieses Konstrukt nochmal nachgebaut:
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Zum Erfolg führte letztenendes der oben erwähnte Grundgedanke (der übrigens nicht von mir ist, sondern von einem befreundeten Percussionisten):
jeder Hörer interpretiert einen bestimmten Klang entsprechend seinen Hörgewohnheiten.
Diese Erkenntnis gab mir dann die nötige Freiheit, an diese Problematik ganz anders heranzugehen. Ziel war dennoch (oder gerade deshalb) einen möglichst ähnlichen Klang zu finden.
Nach vielen Fehlversuchen (u.a. alte gerissene Becken von befreundeten Schlagzeugern, Kuchenbleche und vieles mehr) fand ich dann den geeigneten Gegenstand: Stoßdämpfer!

Ursprünglich wollte ich diese ausschließlich für die Becken verwenden – und als solche werden sie auch heute noch verwendet. Mit zunehmender Anzahl (ich habe vier Stück) bekamen die Stoßdämpfer dann diese Doppelfunktion.
Der Nachteil dieser Hihat ist, daß ich zwei Stoßdämpfer brauche, um den Hihatklang imitieren zu können: Einen mit Dämmaterial für die geschlossene Hihat und einen freischwingenden Stoßdämpfer für die offene Hihat. Dies gibt mir aber widerum etwas mehr Fußfreiheit für die Double-Bassdrum…
Die ersten 4 Klänge sind die ungedämpften Stoßdämpfer für die “offene” Hihat oder Becken, der fünfte für die “geschlossene” HiHat:
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[3] Die Snare

Auch für die Snare habe ich wieder etwas Auswahl – abhängig von Material und Experimentierstadium:
[3.1] Blech aus dem Baumarkt
(Im Foto oben links im Bild)
Der eigentliche Verwendungszweck ist eine Halterung für Regipsplatten – ich verwende dieses Teil für einen recht “scharfen” Snaresound. Bei einem normalen Schlagzeug wäre dies also die Snare mit einem straff gespannten Snareteppich.
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[3.2] Keksdose
(Im Foto oben rechts im Bild)
Dieser Vorrat läßt sich recht leicht beschaffen: eine ganz normale Keksdose, die (nachdem der ursprüngliche Inhalt verspeist wurde) mit Schrauben und Nägeln wieder aufgefüllt wird. Der Klang – nun, es scheppert ein wenig ![]()
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[4] Hängetoms

Die Beschaffung dieser Blechdosen macht am meisten Spaß – ist es doch immer mit einem feucht-fröhlichen Abend mit Freunden verbunden.
Die Wahl des Bieres hängt aber nicht nur von der Qualität des Bieres ab, sondern auch von der Qualität des Behälters. Die klanglich besten Fünf-Liter-Dosen kommen eindeutig von zwei kleinen örtlichen Brauereien und werden (soweit mir bekannt) auch nur in der zugehörigen Kneipe verkauft.
Wenn ich mal groß berühmt bin, hätte ich gerne einen Endorsement-Vertrag… ![]()
Der Klang erinnert eher an eine Rototom als an eine normale Hängetom – so ganz trifft es das aber auch nicht. Es ist eben eine Bierdose:
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[5] Die Standtoms

Kommen wir zum letzten Teil des eigentlichen Schlagzeugs: als Standtoms dienen Magnesiumsulfat-Fässer aus Valonne. Diese grünen Blechfässer sind klanglich äußerst vielseitig, weshalb ich hier auch drei Stück im Einsatz habe: eines richtig rum, eines mit dem Boden nach oben und eines mit Kronkorken gefüllt.
Da ich eine meiner beiden Bassdrums händig spiele, bekam eine dieser Tonnen eine Fußmaschine spendiert und dient dann als Snare. Den fließenden Wechsel von Bassdrum (Fuß)/ Snare (Hand) zu Bassdrum (Hand)/ Snare (Fuß) bekomme ich aber ums Verrecken nicht hin ![]()
Aber wozu gibt es Computer?
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[6] Zusatzmaterial
In der Anfangsphase suchte ich noch nach einigen brauchbaren Becken, die ich dann in den Stoßdämpfern fand (siehe oben). Die ganzen unbrauchbaren Versuche sind teilweise noch in meiner Schießbude integriert – wenn auch nicht als Becken. Klanglich bringt es auch nicht viel Neues, spieltechnisch ist es ganz praktisch, einige Klänge doppelt zu haben. Auf Klangbeispiele habe ich deshalb verzichtet.
Auch von einem normalen Schlagzeug sind zwei Chinabecken aus meinem Equipment nicht mehr wegzudenken.
[7] Ende des ersten Teils
Ich werde oft gefragt, ob es nicht einfacher wäre, ein richtiges Schlagzeug zu verwenden. Ich verbringe ja auch nicht gerade wenig Zeit damit, dieses Schlagzeug zu bauen, weiterzuentwickeln oder zu verbessern. Mit Sicherheit ist dies eine meiner ewigen Modelleisenbahnen und wird wohl nie fertig. Die wesentlichsten Änderungen in den letzten Monaten bestanden hauptsächlich in der Verbesserung der Ergonomie und den Befestigungsmethoden der einzelnen Bestandteile: diese sollen einerseits stabil sein, andererseits verändert eine Schraube auch wieder den Klang, bzw. ist eine Verschraubung im Falle der Bierdosen gar nicht möglich, ohne den Boden zu entfernen (was durch die Entfernung des Resonanz”fells” zu einer beträchtlichen Klangänderung führt) – ein perfektes Optimum habe ich bisher noch nicht bei allen Bestandteilen gefunden…
Was dennoch für dieses Konstrukt spricht: es hat einen ganz eigenen Sound. Irgendwo ist es zwar ein Schlagzeug, irgendwo aber wieder nicht. Mit der Zeit wurde dieses Schlagzeug zu einem wesentlichen Bestandteil “meines” Sounds, den sonst keiner hat.
Dazu kommt noch die Klangvielfalt, die deutlich über ein normales Schlagzeug hinausgeht: Melodiespiel ist zum Beispiel möglich – was auch schon zu einer Zweckentfremdung führte: die Bierdosen lassen sich mit entsprechender Nachbearbeitung (insbesondere Halleffekte) auch als Tubullar Bells verwenden.
Ein Austausch gegen ein normales Schlagzeug kommt für mich derzeit überhaupt nicht in Frage – und ein zusätzliches Schlagzeug fällt aus Platzgründen weg.
Ich werde mich also auch in Zukunft weiter durch die Musik scheppern ![]()
Der zweite Teil folgt bei Interesse die nächsten Tage oder Wochen, ich habe derzeit noch nicht einmal damit angefangen. Es würde in diesem Teil um die beweglichen Teile gehen, die ich seltener verwende. Da ist teilweise auch recht schweres Gerät dabei (Gußeisen usw.) sowie diverse Metallröhren, mit denen man auch recht vielseitig arbeiten kann.
Auch wenn dieser Artikel deutliche Überlänge hat (er dürfte mit 1467 Worten der bisher längste Blogeintrag sein), hoffe ich, daß dieser Einblick hinter die Kulissen für Euch interessant war ![]()
An dieser Stelle sei noch Cassy Bouffier für ihre Hilfe beim Korrekturlesen gedankt ![]()
Den zweiten Teil gibt es hier.
// Bildungslücke
Mittwoch, Dezember 23rd, 2009Als ich gestern abend mit den Schlagzeugfotos bzw. -klängen anfangen wollte, fielen mir die Innereien einer meiner größeren Tonnen ins Auge.
Damit das Teil so richtig schön scheppert, ist es zu zwei Dritteln mit Kronkorken gefüllt (ich erhielt einen großen Teil aus einer Sammlung – erstaunlich, was manche Leute alles sammeln
)
Ein genauerer Blick auf die Dinger eröffnete mir die Vielfalt des Bieres… einige dieser Sorten habe ich noch nie gesehen, kenne sie nur den Namen nach oder kann mir bestenfalls denken, wo sie herkommen (man kommt ja viel rum, nech?) Getrunken habe ich die wenigsten – wenn man von den “üblichen Verdächtigen” absieht, die ich in mühevoller Kleinarbeit beigesteuert habe.
Das Faß ist übrigens recht groß, da gingen ursprünglich mal 50 kg Magnesiumsulfat rein. Wenn ich die Bierdeckel alle selberbeigeschafft hätte, wäre wohl meine Leber geplatzt….
Einzelne Kronkorken:






