In meinen Statistiken erscheint als Suchbegriff mit schöner Regelmäßigkeit der Bergriff “Musikbearbeitungssoftware” – in allen möglichen Schreibvarianten.
Ich nehme dies mal zum Anlaß, hier einen kurzen Überblick über einige ausgewählte Softwares zu schreiben, die auch bei mir zum Einsatz kamen oder kommen. Zunächst werde ich mich auf kostenlose Software beschränken, bzw. Shareware. Damit ist dieser Artikel wohl am ehesten interessant für Leute, die “mal” etwas aufnehmen wollen – sei es ein Podcast, ein Hörspiel, usw. Zwei kostenlose Musikbearbeitungsprogramme werde ich heute vorstellen:
Der “Klassiker”: Audacity
Klassiker ist natürlich Audacity.
Nach dem kostenlosen Download hat man eine sehr solide Software in den Händen, die (für den Anfang) fast keine Wünsche offenläßt:
An Effekten sind alle dabei, die mittlerweile zum Standard gehören: Hall, Echo, Flanger, Phaser, Wahwah, usw.
Zur Nachbearbeitung stehen Normalisieren, Equalizer, Rauschunterdrückung, Limiter und Compressoren zur Verfügung.
Fade In bzw. Fade Out fehlt auch nicht, obwohl diese Funktion sehr einfach gehalten ist: die Lautstärke wird linear angehoben bzw. abgesenkt. Mir persönlich klingt das immer etwas zu steril, deshalb bevorzuge ich Kurven.
Von solchen Spielereien wie TimeStretch oder Rückwärts abspielen, rede ich mal nicht: diese Funktionen sind recht schlecht, meist enthält das Endergebniss gerade bei größeren Abschnitten und / oder exzessiven Einsatz sehr viele Knackser (derart rechenintensive Operationen kann man aber auch kaum fehlerfrei von kostenloser Musikbearbeituungssoftware erwarten)
Da dies aber im “Hausgebrauch” selten verwendete Funktionen sind, kann man getrost darüber hinwegsehen.
Technische Daten (Version 1.2.6):
Betriebssystem: fast alle (Windows 98 – Vista, Mac OS X, Linux)
Systemvorraussetzungen: Minimum: 64 MB RAM, Prozessor: 300 MHz
Nicht vergessen: der Lame-Encoder
Um mit Audacity MP3s exportieren zu können, muß ggf. der Lame Encoder (lame_enc.dll) zusätzlich heruntergeladen werden.
Der Lame-Enocder kann an einem beliebigen Ort abgespeichert werden (zweckmäßigerweise im gleichen Ordner wie Audacity) – sobald man das erste Mal versucht, mit Audacity eine MP3 zu exportieren, fragt diese Musikbearbeitungssoftware nach dem Speicherort des Lame-Encoders.
Shareware: Goldwave
Ein guter Vertreter aus den Reihen der Shareware ist Goldwave.
Goldwave kommt mit allen gängigen Audiodateien klar, und bietet deutlich mehr Effekte als Audacity – vor allem auch wesentlich individueller einsetzbar und wird daher auch von mir immer wieder gerne verwendet – unter anderem weil die Rauschunterdrückung (Noisegate) sehr gut ist.
Allerdings muß man schon etwas Hintergrundwissen mitbringen. Es ist aber recht leicht, sich einzuarbeiten: einige Effekt-Presets stehen schon “werkseitig” zur Verfügung und laden zum Herumexperimentieren ein; eigene Effekteinstellungen lassen sich abspeichern.
Einziger geringer “Nachteil” an der zeitlich unbefristet nutzbaren Testversion ist die Beschränkung auf 150 Arbeitsschritte. Danach kann man noch alles abspeichern, das Programm schließen und die nächsten 150 Arbeitsschritte durchführen. Bei einem Preis von 45-50 US-$ läßt sich dieser Nachteil aber recht leicht beheben.
Bei meiner etwas älteren Version ist dies ganz witzig gemacht: jeder Arbeitsschritt “kostet” einen Cent, wenn in der Statusleiste 1.50 Dollar erreicht sind, wird man aufgefordert, die Datei abzuspeichern und das Programm zu schließen
Technische Daten: (Version 5.5)
Betriebssystem: Win2000/XP/Vista
Systemvoraussetzungen: Minimum: 256 MB RAM, Prozessor: 700 MHz, DirectX 8.1
Diese zwei Softwares sollen für den Anfang reichen, ich werde das im Laufe der Zeit noch erweiteren. Sofern Interesse besteht, gehe ich auch gerne in die Tiefe (Arbeiten mit Effekten, den korrekten Aufnahmeeinstellungen, Hardware usw.) in Form eines kleinen, mehrteiligen Workshops.
Ist die neueste Version zwingend nötig?
Eine Erfahrung noch, die ich im Laufe der Zeit gemacht habe: es ist völliger Blödsinn, immer die neueste Version zu installieren. Die Erweiterung des Funktionsumfangs ist bei kostenloser Musikbearbeitungssoftware meist gering. Schwerpunkt der Neuerungen ist meistens ein verbesserter Algorithmus der Effekte. Ob diese Effekte nun benötigt werden (und vor allem die Verbesserungen), muß jeder für sich entscheiden. Der Nachteil der Updates: Oft genug geht bei der Installation etwas an den Soundeinstellungen schief und die Zeit, die man mit der Rekonfiguartion braucht, steht (meist) in keinem Verhältnis zu dem Nutzen, den die Neuerungen bringen. Ich habe mir hier einen identischen Computer aufgebaut, auf dem ich Updates testen kann. So komme ich recht schnell etwaigen Problemen auf die Spur.
Was tun, wenn kostenlose Musikbearbitungssoftware die Audioeinstellungen zerschossen hat?
Wenn nach dem Update die Audioeinstellungen nicht mehr wie gewohnt funktionieren hilft ein kleiner Trick, der mir bis win2000 oft geholfen hat: einfach den Windowsinternen Audiorecorder starten (lacht nicht!) – wenn an den Einstellungen etwas verpfuscht ist, meckert der. Ein Klick auf “OK” behebt oft (leider nicht immer) das Problem. Schaden tut es nix, wenn man Glück hat, geht es, andernfalls darf man sowieso suchen…
Über den zweithäufigsten Suchbegriff (“Selbstbefriedigung” bzw. “Selbstbefriedigung wie geht das”) werde ich mich hier nicht auslassen. Bei diesen Fragen hilft dem Verzweifelten bestimmt Dr. Sommer….