(c) by Broken Spirits

// Das gefällt mir ja gar nicht….

Diese Mail kam eben von meinem Proberaum-Vermieter:

danke nochmal für den „Nachteinsatz“, wahrscheinlich wurde so ein Diebstahl verhindert.

Am letzten Wochenende stand hier plötzlich mitten in der Nacht eine Tür sperrangelweit offen, ich werde da wohl jemanden verscheucht haben, als ich über den Hof zum Klo geschlurft bin….

// Zweigstelle

Mein Stammpizzalieferservice hat nach nunmehr vierzehn Jahren gemerkt, daß er mir andauernd Pizza liefert, obwohl ich die Mindestbestellmenge nie erreiche. Nach vierzehn Jahren hat der Fuzzi nun also die Geschäftsbeziehungen beendet.
 
Im Proberaum äußerst unschön. Es war also höchste Zeit, einen adäquaten Ersatz zu finden. Schwierig war es auch, denn der Proberaum ist am A*sch der Welt und die meisten Mindestbestellwerte erreiche ich so gut wie nie, wenn ich hier alleine abrocke.
 
Nach aufwendigen Recherchen habe ich dann einen Ersatz gefunden. Ich habe mich für diese Recherchen einfach mal eine Weile an das Hoftor gestellt und geguckt, welche Pizzadealer das Nachbargelände beliefern. Dort rennen ja genügend Musiker rum, die exakt die gleichen Fraßmuster hinterlassen, wie meine Wenigkeit.
 
Nach gerade mal 15 Minuten hatte ich einige Telefonnummern zusammen.
Die zweite war dann ein Volltreffer: Ersatz war gefunden!
 
Nun geht in einem modernen Pizzalieferservice nichts ohne modernste Technik. Sprich: als erstes mußten in der Pizzadealersoftware jede Menge Felder ausgefüllt werden. Darunter auch der Firmenname. War bei mir aber kein Problem, denn die Putzfirma nebenan bestellt bei denen auch, und schlau wie diese Software ist, hat dieses hochwertige Stück Technik mich gleich als Mitarbeiter der Putzfirma erkannt. Ich hoffe jetzt nur, daß die Software das nicht dem Finanzamt verrät, denn in diesem Fall könnte es merkwürdige Fragen bezüglich Schwarzarbeit geben.
 
Die Pizza wurde auch recht zügig geliefert und der Pizzamensch stand plötzlich mitten im Proberaum. Ich gebe zu: nach einer Putzfirma sieht das wirklich nicht aus (ich könnte aber mal eine brauchen – aber das ist ein anderes Thema):
 
Zweigstelle
 
Es kam dann auch gleich die Frage, die einfach kommen mußte: “Was ist das hier?”
Immer die gleichen Antworten geben, wird auch langweilig und so behauptete ich, daß dies hier eine Zweigstelle der NSA sei. Und er habe nichts gesehen, weil sonst… Ich ließ den Satz unvollendet im Raum stehen.
 
Offenbar habe ich das überzeugend rübergebracht: Der Pizzamensch hatte es plötzlich sehr eilig zu gehen :mrgreen:

// Demoralisierend….?

Bei dieser Scheißhitze macht das Musikmachen derzeit nicht wirklich Spaß. Eigentlich läßt sich der Proberaum z.Zt. nur in den ganz frühen Morgenstunden nutzen.
 
Also genau zu der Zeit, wenn Otto Normalverbraucher anfängt zu arbeiten und Otto Künstler eine Ode auf den Schlaf der Gerechten schnarcht. Für mich alte Nachteule doof, denn das heißt früh aufstehen. Also so richtig früh. Spätestens um 5 Uhr, dann zwei/drei Stunden trommeln (geht mit Sehschlitzen nur schlecht, da die Deckel des Schlagzeugs um die Uhrzeit ausgesprochen unscharf sind), oder etwas Gitarre spielen (geht noch schlechter, da die dünnen Saiten aufgrund ebendieser Sehschlitze so unscharf sind, daß sie unsichtbar sind und “blind” spielen geht auch nicht, da Matsch im Hirnkasten.)
 
Egal, irgendwann trudeln die ersten Handwerker hier ein (das Gebäude, in dem der Proberaum ist, wird immer noch renoviert) und alle blicken neidvoll auf meinen drölfzigsten Morgenkaffee.
Jeden Morgen fallen Sprüche wie “Du hast’s gut”, “ich beneide Dich”, “so ein Leben möchte ich auch haben” usw. usf. Mein Anblick mit der Tasse Kaffee wirkt auf die Jungs wohl leicht demoralisierend.
 
Wenn ich am Wochenende ausschlafe und dem Vorurteil entspreche, daß Musiker grundsätzlich bis 16:00 Uhr schlafen, um danach die Nacht zum Tage zu machen, verabschieden sich die Handwerker mit genau den gleichen Sprüchen. Mein Anblick mit der Pulle Bier wirkt auf die Jungs wohl leicht demoralisierend.
 
Egal, wie man’s macht: als Musiker macht man wirklich nichts verkehrt. Genial, oder? :mrgreen:
 
Trotzdem könnte es langsam wieder kälter werden – ich will mal wieder so richtig abrocken…. und zwar abends und ohne den Zeitdruck, irgendwann am Arbeitsplatz aufschlagen zu müssen… Das darf ich aber keinem erzählen, da mir diese Luxusprobleme keiner glauben wird. Gnaa.

// Wenn die Katze aus dem Haus ist, usw….

Da ist man mal vier Wochen im wohlverdienten Urlaub, und wenn man dann wieder zurückkommt ist innerhalb von Sekunden die wohlverdiente Erholung buchstäblich am Arsch… :-(
 
Während meiner Abwesenheit mutierte mein Proberaum zu einer Baustelle, ein Riesenloch in der Decke und den ganzen Dreck am Boden und die zusammengeschobenen Sachen mochte ich gar nicht mehr fotografieren…
 
Proberaum
 
Ich kann ja quasi noch von Glück reden, daß ich überhaupt noch Licht habe…
 
Die ganze letzte Woche also den Feierabend mit Putzen verbracht (bzw. Urlaubsfotos bearbeiten). Ich hätte mich ja lieber um meine Blogparade gekümmert und wäre durch die Gegend gezogen und hätte die fehlenden Geräusche aufgenommen. Drei sind ein bißchen wenig… falls noch jemand Interesse hat…? Ich fürchte, ich bin etwas in Verzug ;-)
 
Wenigstens habe ich nicht nur mein Equipment abgestaubt, sondern bei einem Nachbarn noch ein antik aussehendes Möbelstück. Da habe ich jetzt einen Platz, um mal ein Instrument abzulegen, während ich an den Computerreglern rumschraube. Und: das hat doch was, oder? Oder????
 
Proberaum

// Was interessiert mich der Ex-Clubvorstand eines 2000 Jahre alten Fischervereins?

Wir Musiker sind (vielleicht mit Ausnahme von Xavier Naidoo) schon ein gottloses Volk. Anders läßt sich der Krach, der gestern Nacht sowohl bei mir als auch im Nachbargebäude als auch in dem Nachbarproberaum hier nicht erklären.
 
Zumindest für die Tontechnikerfraktion hat das Feierverbot am Karfreitag auch etwas positives: einen ehemaligen Nachbarn traf ich gestern und der hat sein erstes freies Wochenende dazu genutzt, sein Equipment mal wieder auf Vordermann zu bringen.
 
Wie machen das eigentlich die Musiker in Bayern und Thüringen? Dort gilt ein “allgemeines Musikverbot”. Eigentlich ja eine gute Gelegenheit, das zu machen, was das ganze Jahr über aus Zeitgründen nicht geht: den Proberaum aufräumen. Nicht umsonst gibt es das geflügelte Wort: “Einmal im Jahr wird der Proberaum aufgeräumt.” Noch so ein Feiertag mehr – vorzugsweise in der zweiten Jahreshälfte – und schlagartig wären alle Proberäume etwas ordentlicher :mrgreen:
 
Die Kirche darf übrigens Anzeige erstatten, wenn das Feierverbot am Karfreitag nicht eingehalten wird. Eine Ordnungsstrafe bis 10000 Euro ist möglich.
 
Zum Glück gibt es hier im Industriegebiet keine Kirche. Die hätten sonst hier und auf dem Nachbargelände mal locker zusammengenommen 200.000 Euro einsacken können.
 
Falls nächstes Jahr hier irgendso ein dahergelaufener Pfaffe auftaucht und in den Proberäumen missionieren will (wäre ja aus kirchlicher Sicht eine gute Idee), dann fliegt der hochkant raus. Soweit kommt’s noch, daß ich mir hier wegen eines 2000 Jahre alten Fischereivereins verbieten lasse, am Karfreitag die Kuh fliegen zu lassen…

// Greenbox

Manchmal ist man echt betriebsblind. Da habe ich es jetzt tatsächlich geschafft, mich drei Beiträge lang über dieses kotzgrüne Grün an der Wand des potentiellen Nachfolgeproberaumes aufzuregen.
 
Dabei reicht ein kleiner Schritt zur Seite, um nicht mehr auf dem Schlauch zu stehen. Ein winzig kleiner Input von einem Außenstehenden, der nicht von dieser geballten Ladung Giftgrün erschlagen wurde.
 
Dieses Giftgrün hat tatsächlich einen unschätzbaren Vorteil. Den brauche ich zwar selten – allerdings spart das richtig viel Geld. Der Preis für eine Greenbox, in die man zu mehreren mitsamt Instrumenten und Bewegungsspielraum reinpaßt, liegt nämlich bei ca. 240 Euro /Tag. Soviel kostet mein Proberaum im Monat.
 
Ein Musikvideo habe ich ja bereits gedreht (zu sehen hier) und wir hätten damals dringend eine Greenbox gebraucht. Konnte ich mir aber nicht leisten (auch mit Hilfe der finanziellen Unterstützung von Freunden nicht).
 
Eine Szene drehen kann nämlich ganz schön Zeit fressen. Vor allem dann, wenn man Low Budget arbeitet. Wenn ich mir das Video heute ansehe, kann ich immer noch nicht glauben, daß dieses Musikvideo locker einen Tausender (€) verschlungen hat. Klar, daß die Greenbox dem Rotstift zum Opfer fiel. Das ursprüngliche Drehbuch ebenfalls. Das war im Budget einfach nicht mehr drin.
 
Schaut Euch einmal die Szene ab 1:07 an. Dieser Übergang von Asphalt zur Wiese. Das wäre wesentlich besser (und einfacher) mit einer Greenbox zu lösen gewesen. Da hätte einfach eine Überblendung von dem Schotterweg zur Wiese gereicht, dann meine Kackstelzen in einer Greenbox filmen und das am Rechner zusammenmontieren.
 
Unsere Vorgehensweise war damals wesentlich komplexer. Versucht einmal, zwei Locations zu finden, die sich für so einen Übergang eignen. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Irgendetwas steht immer im Weg rum, daß bei der zweiten Szene stört – sei es ein Busch oder ein Strommast. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir dafür gesucht haben. Dann muß das ganze ja auch noch vom Bewegungsablauf stimmen. Das sieht man in dem Video nicht, aber da wo ich die Füße aufsetzen “durfte”, lag ein kleiner Stock. Erschwerend kam hinzu, daß nicht nur die Füße in beiden Szenen synchron laufen mußten, sondern auch der Gitarrenkoffer.
 
Als es endlich eine Aufnahme gab, in der alles gepaßt hatte, konnten wir diese nicht verwenden, da nach drölfzig Takes das Gras plattgetrampelt war. Wie einfach wäre das mit einer Greenbox gewesen!
 
Nun, die bekomme ich ja jetzt gratis dazu :mrgreen:
 
Danke an Sascha für diesen wertvollen Hinweis!
 
Arbeiten möchte ich in so einem giftgrünen Umfeld natürlich nicht dauerhaft – aber da kann ich mir ja eine Gardinenstange mit Vorhängen vor die Wand hängen ;-) Aber das Grün bleibt erhalten – und vielleicht gibt es ja wieder ein Musikvideo. Ich hätte da einige Ideen (schon seit geraumer Zeit) aber abgeschreckt hat mich die Umsetzung ohne diese Greenbox bzw. die Kosten, um eine solche anzumieten.
 
 

// Schönfärberei

Manchmal hilft es ja, wenn man sich vor schwierigen Entscheidungen eine Pro/Contra-Liste macht. Here we go:
 

Der derzeitige Proberaum

 

Pro:

  • die Wände sind nicht giftgrün gestrichen.
  • zwei Räume: ein Regieraum, ein Aufnahmeraum
  • ich kann recht leicht raus in den Hof ein Bierchen im freien Zischen. Da ebenerdig kann ich meinen Sessel rausrollern. Im Sommer einfach nur herrlich!
  • große Fenster, ich kann – obwohl ich im Proberaum bin – quasi im Freien Musik machen
  •  

    Contra

  • das Gemäuer ist uralt. Wenn man einen Nagel in die Wand schlägt, kommt die halbe Wand entgegen
  • Extremst staubig – da das Gemäuer uralt ist. Zerfällt sozusagen von alleine.
  • In der Zwischendecke hausen unzählige Spinnen, die mir den Raum dekorieren
  • die nahegelegenen Discobesucher halten das hier regelmäßig für eine Kneipe
  • das Klo ist ewig weit weg
  •  

    Der neue Proberaum:

     

    Pro

  • frisch renoviert, trocken und stabile Bausubstanz
  • vermutlich kein Ungeziefer
  • etwas abgelegener, was im Sommer wegen der Discobesucher von nicht zu unterschätzenden Vorteil ist.
  • ein Raum – das widerspricht zwar einem Vorteil, den der derzeitige Proberaum hat – aber so ganz das gelbe vom Ei ist die Raumteilung auch nicht: die Keyboards bräuchte ich am Computer und da habe ich derzeit keinen Platz. Das kann also auch vorteilhaft sein. Ambivalent.
  • eigene Toilette (sofern mir nicht mitten im Raum eine Kloschüssel installiert wird) [Note to myself: bei Gelegenheit erfragen!]
  •  

    Contra

  • Der Raum ist giftgrün gestrichen
  • Das schnelle Bierchen auf dem Hof dauert etwas länger…
  • Der Raum ist in einem ekelhaften grün gestrichen
  • Das Grün ist wirklich scheußlich!
  • Kleine Fenster. Aber immerhin gibt es welche…
  • Erwähnte ich schon, daß die Wandfarbe eine Katastrophe ist?
  • Die grüne Wandfarbe gefällt mir nicht.
  • Das eklige Grün an der Wand ist scheiße
  • Das kotzgrüne Grün an der Wand ist wirklich scheiße.
  •  

    Zusammenfassung:

    Zu allen Vor- und Nachteilen dürfte mir die Tage noch einiges einfallen. Das war nur spontan.
     
    Und…. hm, so schlimm wird es wohl doch nicht… bis auf diese eklige grüne Farbe an der Wand. Aber dieses Manko läßt sich ja irgendwie beheben. Einige Anregungen kamen ja von Euch in den Kommentaren. Danke an dieser Stelle dafür :-)
    Der Begriff “Schönfärben” wird also demnächst eine völlig neue Bedeutung erhalten… :mrgreen:
     
    Was generell nervt, ist die Tatsache, daß ich wieder umziehen darf. Ich kann mich nur zu gut an das letzte Verlegen von fast einem halben Kilometer Kabel erinnern. Das ist ja auch erst zwei Jahre her. *narf*
     
    Dieses Problem werde ich aber so oder so haben. Ich werde hier wegen Eigenbedarf rausmüssen. Ob ich hier bleibe, oder woanders hingehe – das ändert nichts an der Tatsache, daß alle Kabel mit müssen. Ächz!
     
    Einen Vorteil habe ich: ich kann hier selber ausziehen, das heißt, ich kann den Umzug auch etwas geordneter organisieren, als damals in diesem Chaos nach dem Wasserrohrbruch. Zumal ich ja noch sehr viel Zeit habe und diesen Umzug gemütlich angehen kann. Die Schäden aufgrund des Umzuges dürften sich ebenfalls in Grenzen halten, da mir mein Ex-Vermieter dabei ja nicht “hilft”.
     
    Wenn ich hierbleibe, weiß ich wenigstens, wie der Vermieter so unterwegs ist. Das funzt ja alles ganz gut.
    In diesem Punkt kann ich wirklich nicht klagen. Zumindest solange der Vermieter sich nicht in den Farben anzieht, in der die Wände des neuen Proberaums gestrichen sind ;-)
     
    PS: erwähnte ich schon, daß mir dieses Giftgrün überhaupt nicht gefällt?
     
    PPS: Falls die Kloschüssel doch mitten im Raum installiert wird, baue ich das Schlagzeug außenherum – dann brauche ich keinen Schlagzeughocker.