Unten rechts auf dem Foto sieht man, wie wieder einmal der berüchtigte Kabelsalat die Proberaum-Herrschaft zu übernehmen versucht.
Vor einigen Tagen war der noch nicht da
Unter dem Schlagwort “Proberaum” ist alles zu finden, was im weitesten Sinne mit dem Proberaum zu tun hat: Nachbarn kommen darin ebenso vor, wie Vermieter oder Gastmusiker. Kurz: das alltägliche Leben im Proberaum.
Unten rechts auf dem Foto sieht man, wie wieder einmal der berüchtigte Kabelsalat die Proberaum-Herrschaft zu übernehmen versucht.
Vor einigen Tagen war der noch nicht da
Regelmäßiger Stuhlgang ist manchmal notwendig: Bei dem Wasserrohrbruch hat damals auch meine Sängerinnenbewerbungscouch das Zeitliche gesegnet und seitdem sah es im neuen Proberaum mit den Sitzgelegenheiten eher etwas besch…eiden aus.
Ich hatte zwar einen uralten Reserve-Schlagzeughocker, der aufgrund des Alters mittlerweile über die Wupper gesprungen ist. Und einen unbequemen Klappstuhl.
So richtig bequem war das also nie, um damit längere Zeit am Computer zu arbeiten. Gerade die Bequemlichkeit ist aber beim Abmischen wichtig. Jedenfalls ab einem gewissen Alter. Nicht selten habe ich am Morgen nach einem Abmischmarathon die Rückenschmerzen vor den alkoholbedingten Kopfschmerzen gespürt.
Damit ist es jetzt vorbei: um die Ecke war Sperrmüll und somit klassischer Proberaum-Einrichtungstag. Ein Proberaum, dessen Möbel nicht vom Sperrmüll kommen, hat die Bezeichnung “Proberaum” schließlich nicht verdient.
Dreimal mußte ich laufen, um die Stühle in den Proberaum zu tragen. Ein paar Updates aus dem alten Proberaum bekam ich bei dieser Gelegenheit ebenfalls: ein paar ehemalige Nachbarn brauchten einem neuen Tisch.
So ein Stuhlgang kann eben manchmal auch eine gesellige Angelegenheit sein
Bloggen läuft bei mir eher nebenher. Wenn es zuviel im Proberaum zu tun gibt, fällt die Bloggerei auch mal aus.
Heute war wieder so ein Tag: ich bin als Gastmusiker in einer anderen Band tätig. Die Klänge des heutigen Abends werden also nicht unter dem Namen “Broken Spirits” das Licht der Welt erblicken.
Aber was für ein Song: ich habe in die Vorab-Demos reingehört und wie nicht anders zu erwarten: Wahnsinn!
Jetzt fliegt hier natürlich wieder die Kuh. Meine Arbeiten an “Vie Noir” stagnieren ja derzeit auf hohem Niveau. Da kommt ein wenig Input von außen genau richtig.
Zwei-drei Gitarrenriffs, die ich mir für diese Band ausgedacht habe, haben nicht so gut gepaßt, wie erwartet, waren aber gleichzeitig gut genug, um sie zu konservieren für spätere eigene Songs. An Erfahrungen nimmt man als Gastmusiker immer einiges mit.
Die nächste Woche wird wieder stressig, deshalb habe ich heute versucht, soweit wie möglich einen Gitarrenpart auszuarbeiten. Natürlich nur die Rohform – zu diesem Zeitpunkt des Songwritings ändert sich meistens noch so einiges (ich habe alleine heute zwei Versionen von diesem Song erhalten).
Das Studiogemurmel am Ende einer Roh-Aufnahme ist 300 km weiter weg übrigens inhaltlich genau das gleiche wie bei mir im heimischen Proberaum. Dieses Wissen ist irgendwie beruhigend.
Heute abend habe ich ausnahmsweise mal auf einige selbstauferlegte Benimmregeln im Tonstudio verzichtet. Zum Beispiel diese hier – eigentlich ein absolutes No Go im Proberaum, wie jeder erahnen kann, der schon mal seinen Kaffee aus einer Tastatur trinken mußte:

Ich gespannt wie ein Flitzebogen, was aus diesem Projekt wird. Ich hatte ja schon lange nix “fremdes” mehr. Ich hoffe ja, daß meine Klampferei gut ankommt bei denen ![]()
Und nein: ich verrate nicht, wer hier mit wem und warum. Das ist erstens nicht mein Job (ich bin der Gastmusiker) und zweitens (viel wichtiger): so was soll man nicht verschreien

Hinter dieser verschlossenen Türe befindet sich eine schöne Proberaumerweiterung. Derzeit ist mir dieser Traum allerdings verwehrt – trotzdem ist das eine schöne Selbstmotivation. Die Aussichten sind derzeit nämlich – egal, wie ich es drehe und wende – extremst düster…
In Zeiten von DSDS & Co. bekommt der gemeine Fernsehzuschauer ein phantastisch glitzerndes Bild der Musikerwelt vorgestellt. Da werden knackige Mädels in einer Limousine bis zum roten Teppich gefahren, wo sie unter Blitzlichtgewitter zur Bühen schreiten dürfen, wo sie dann rhythmisch mit dem Arsch wackeln dürfen.
Die Szene, in der die gleichen Mädels in einer runtergekommenen Seitengasse um die Ecke in die Limousine einsteigen “dürfen”, wird dem Fernsehpublikum vorenthalten.
Wie sieht denn nun der Alltag eines Musikers wirklich aus?
Meist beginnt (und endet trotz kleinerer Erfolge auch genau dort) in einem Proberaum. Diese sind meist versifft (das hängt zu einem Großteil auch von der jeweiligen Band ab).
Eines gemeinsam haben diese Proberäume aber ohne Ausnahme: als Wohnraum eignen sie sich aus verschiedenen Gründen nicht.
Das beginnt zum Beispiel schon mit den sanitären Einrichtungen. Eine Toilette ist zwar in mehr oder weniger akzeptablen Zustand immer vorhanden, eine Küche, in der man sich mal einen Kaffee kochen kann hingegen nie. (es mag Ausnahmen geben, aber ich kenne keine).
Trotzdem ist Kaffee für unseren Menschenschlag eine Art Lebenselexier: wenn die nächtliche Jamsession mal länger dauert oder wenn zuviel Alkohol geflossen ist (letzteres ist übrigens ein weitverbreiteter Irrtum – Koffein macht nur kurzzeitig munter damit der Ethanol daraufhin mit umso mehr Macht zuschlagen kann. Das ist so eine Art Pyrrhussieg, den die Gehirnfunktionen nur verlieren können – frei nach dem Motto: “Noch so ein Sieg und wir sind verloren”.)
Wie dem auch sei: Eine Kaffeemaschine gehört also zur Grundausstattung eines Proberaumes. Dazu gehören natürlich auch Kaffeetassen. Ausrangierte (Porzellan) Blumenvasen erfüllen diesen Zweck notfalls aber auch. Die sind auch oftmals größer – ein bedeutender Pluspunkt!
Nun müssen sollten diese Trinkgefäße aber hin und wieder auch gespült werden. Das geht allerdings schlecht, wenn die dazu nötigen sanitären Einrichtungen eigentlich nicht da sind. Fließend Wasser gibt es – im ungünstigsten Fall – an den Wänden, aber das ist ein anderes Thema…
Als Musiker kann man sich im Zweifelsfall auf die alten Chinesen berufen:
Der Geist eines Tees wohnt in der Kanne.
In einem Proberaum findet dann auch schon mal notgedrungen der Transfer statt: schließlich ist Koffein und Tein rein chemisch betrachtet exakt das gleiche Molekül.
Von der Kanne zur Tasse ist es ja auch nicht besonders weit (auf das Material bezogen) und aus praktischen Gründen kann man die Kanne auch gleich weglassen und das Kaffeepulver direkt in die Tasse schütten . Kaffeekannen im Proberaum sind also völlig überbewertet – diese werden eh regelmäßig vergessen und deshalb ist es gut möglich, daß einem Musiker bei Betreten des Proberaumes ein grün bepelzter Kaffeefilter freudig entgegenhüpft. Ein Anblick, auf den auch diejenigen Musiker verzichten können, die eher hart im Nehmen sind.
Es liegt also dank der 5000 Jahre alten Weisheiten der Chinesen in der Natur der Sache, daß alle Tassen im Proberaumschrank mehr oder weniger “geistreich” sind. Um derartige Ausreden ist man als kreativer Musiker zum Glück nie verlegen und so wurde seit Beginn der Rockmusik das Wort “geistreich” ein Euphemismus für “schmutzig” – nicht wenige Hoteliers hassen uns Musiker seitdem dafür und suchen ihre Freunde stattdessen lieber in der Fast-Drei-Prozent-Partei.
Ein ganz grober Fehler: denn alleine die Ausgaben für Spülmittel überschreiten doch nachweislich bei weitem die Ausgaben für die gelegentliche Renovierung eines verwüsteten Hotelzimmers. Oder glaubt ihr etwa allen Ernstes, daß dieses aalglatte Weichei namens Schwesterwelle (sowie seine sauberen Parteifreunde) aus dieser Tasse des Grauens trinken würden?

Never ever. Eher machen diese traurigen Figuren doch den Möllemann und beißen bei einem letzten verzweifelten Versuch, in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit zu gelangen, publikumswirksam ins Gras (frei nach Hagen Rether, Harvard-Zitierweise).
Wir Musiker sind da doch vergleichsweise pflegeleicht: Eine gut bestückte Minibar im Fünf-Sterne-Hotelzimmer reicht uns vollkommen. Und wenn die Preise für diverse Spirituosen auch noch im erträglichen Rahmen liegen, fliegt auch kein Fernseher aus dem Fenster, die Zimmermädchen werden in Ruhe gelassen und wegen einer ungespülten Kaffeetasse wird nicht der Aufstand geprobt – sofern diese Kaffeetasse einen ordentlichen Kaffee und keine schwarzbraun gefärbte Plörre enthält. Eigentlich ganz einfach, oder? Dafür braucht es nicht einmal eine Lobby.
P.S.: Inspiriert wurde dieser Blogeintrag von dem Chaosweib ihrer Tassenparade, an der ich ausdrücklich nicht teilnehme. Schließlich ist es ganz schön lästig, ständig irgendwelche Tassen vom Proberaum in die Wohnung und wieder zurück zu karren. Außerdem habe ich schon lange nicht mehr alle Tassen im Schrank, aber das brauche ich Euch nicht mehr extra zu sagen, oder?
Gerade eben wollte ich Bier wegtragen. Dazu muß ich ja einmal quer über den Hof – die Toilette ist in einem anderen Gebäudetrakt. Als ich zur Tür raus bin, sah ich aus dem Augenwinkel einen Schatten davonhuschen.
Diese Gestalt vermied auffällig auffallend das fahl-gelbe Licht der Natriumdampflampen. Eine gespenstische Szene, wenn man mutterseelenalleine irgendwo in einem Industriegebiet auf einem Hof steht.
Nur das Scharren von Füßen war zu hören, aber auch das ließ sich nicht genau orten. Ein scharrendes Geräusch hier, ein leises Scheppern irgendwo anders. Die Echos der alten Fabrikhallen lassen es einfach nicht zu, verstohlene Eindringlinge in der Dunkelheit aufgrund der Geräusche zu orten.
Ich reagiere äußerst allergisch, wenn sich irgendwelche unbekannten Gestalten in der Nähe meines Heiligtums rumtreiben. Und diese heiligen Hallen verteidige ich mit Zähnen und Klauen. Bis zur letzten Bierflasche!
Die eignen sich nämlich sowohl als Wurfgeschoß als auch im Nahkampf als Hieb- oder Stichwaffe. Für letzteres muß man nur mal eben den Boden der Bierflasche abschlagen und schon hat man ein wirkungsvolles Hilfsmittel zur Selbstverteidigung. Eilig trank ich die letzten Schlucke Bier. Erstens wäre alles andere Verschwendung und zweitens macht das ja auch mutig.
Ich wechselte den Standort – wer flüchten will kann dies nur Richtung Hofeinfahrt tun. Und diese liegt im gelblichen Halbschatten. Ich muß also nur möglichst geräuschlos hinterherschleichen.
Hinter einem Mauervorsprung bestätigt mir ein Blick auf mein Handy, was ich geahnt habe: der Akku ist leer. Ich habe mal wieder vergessen, das Scheiß-Ding aufzuladen. Hätte mir aber aller Wahrscheinlichkeit sowieso nichts genutzt: die Pozilei macht mittlerweile einen großen Bogen um dieses Stadtviertel. Wenn wider Erwarten doch mal eine Streife hier durchfährt, wird bestenfalls ein Fenster einen Spalt runtergkurbelt, um mit der pösen Welt
zu kommunizieren.
Lauschen.
Weiterschleichen.
Meinerseits Deckung im Schatten suchend.
Am Hoftor angekommen sehe ich gerade noch, wie der Fuchs vor mir flüchtet. Als er die Straße überquert, bin ich wieder einmal schon etwas erschüttert, wie ausgemergelt das Vieh mittlerweile ist. Am Schwanz kein einziges Haar mehr, und im gelben Licht auf der Straße sieht man deutlich die Rippen. Mit grüngelb leuchtenden Augen wirft er mir einen letzten panischen Blick zu und verschwindet im Unterholz auf der anderen Straßenseite.
Ich werde mich wohl beeilen müssen, wenn ich den Fuchs nochmal für das Blog fotografieren möchte.
Jeder Zaungast, der hier raublauscht, wird von mir nämlich gnadenlos an den Blogpranger gestellt.