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Lebenszeichen aus dem Proberaum

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Unter dem Schlagwort “Proberaum” ist alles zu finden, was im weitesten Sinne mit dem Proberaum zu tun hat: Nachbarn kommen darin ebenso vor, wie Vermieter oder Gastmusiker. Kurz: das alltägliche Leben im Proberaum.




 

// Closed



Closed

Hinter dieser verschlossenen Türe befindet sich eine schöne Proberaumerweiterung. Derzeit ist mir dieser Traum allerdings verwehrt – trotzdem ist das eine schöne Selbstmotivation. Die Aussichten sind derzeit nämlich – egal, wie ich es drehe und wende – extremst düster…

 





Im Proberaum notiert am 22.07.2011 um 2:00 am und in der Ablage abgeheftet.
(c) by Broken Spirits



 

// Die Tasse des Grauens



 
In Zeiten von DSDS & Co. bekommt der gemeine Fernsehzuschauer ein phantastisch glitzerndes Bild der Musikerwelt vorgestellt. Da werden knackige Mädels in einer Limousine bis zum roten Teppich gefahren, wo sie unter Blitzlichtgewitter zur Bühen schreiten dürfen, wo sie dann rhythmisch mit dem Arsch wackeln dürfen.
 
Die Szene, in der die gleichen Mädels in einer runtergekommenen Seitengasse um die Ecke in die Limousine einsteigen “dürfen”, wird dem Fernsehpublikum vorenthalten.
 

Wie sieht denn nun der Alltag eines Musikers wirklich aus?

 
Meist beginnt (und endet trotz kleinerer Erfolge auch genau dort) in einem Proberaum. Diese sind meist versifft (das hängt zu einem Großteil auch von der jeweiligen Band ab).
 
Eines gemeinsam haben diese Proberäume aber ohne Ausnahme: als Wohnraum eignen sie sich aus verschiedenen Gründen nicht.
 
Das beginnt zum Beispiel schon mit den sanitären Einrichtungen. Eine Toilette ist zwar in mehr oder weniger akzeptablen Zustand immer vorhanden, eine Küche, in der man sich mal einen Kaffee kochen kann hingegen nie. (es mag Ausnahmen geben, aber ich kenne keine).
 
Trotzdem ist Kaffee für unseren Menschenschlag eine Art Lebenselexier: wenn die nächtliche Jamsession mal länger dauert oder wenn zuviel Alkohol geflossen ist (letzteres ist übrigens ein weitverbreiteter Irrtum – Koffein macht nur kurzzeitig munter damit der Ethanol daraufhin mit umso mehr Macht zuschlagen kann. Das ist so eine Art Pyrrhussieg, den die Gehirnfunktionen nur verlieren können – frei nach dem Motto: “Noch so ein Sieg und wir sind verloren”.)
 
Wie dem auch sei: Eine Kaffeemaschine gehört also zur Grundausstattung eines Proberaumes. Dazu gehören natürlich auch Kaffeetassen. Ausrangierte (Porzellan) Blumenvasen erfüllen diesen Zweck notfalls aber auch. Die sind auch oftmals größer – ein bedeutender Pluspunkt!
 
Nun müssen sollten diese Trinkgefäße aber hin und wieder auch gespült werden. Das geht allerdings schlecht, wenn die dazu nötigen sanitären Einrichtungen eigentlich nicht da sind. Fließend Wasser gibt es – im ungünstigsten Fall – an den Wänden, aber das ist ein anderes Thema…
 

Als Musiker kann man sich im Zweifelsfall auf die alten Chinesen berufen:

Der Geist eines Tees wohnt in der Kanne.
 
In einem findet dann auch schon mal notgedrungen der Transfer statt: schließlich ist Koffein und Tein rein chemisch betrachtet exakt das gleiche Molekül.
 
Von der Kanne zur Tasse ist es ja auch nicht besonders weit (auf das Material bezogen) und aus praktischen Gründen kann man die Kanne auch gleich weglassen und das Kaffeepulver direkt in die Tasse schütten . Kaffeekannen im Proberaum sind also völlig überbewertet – diese werden eh regelmäßig vergessen und deshalb ist es gut möglich, daß einem Musiker bei Betreten des Proberaumes ein grün bepelzter Kaffeefilter freudig entgegenhüpft. Ein Anblick, auf den auch diejenigen Musiker verzichten können, die eher hart im Nehmen sind.
 
Es liegt also dank der 5000 Jahre alten Weisheiten der Chinesen in der Natur der Sache, daß alle Tassen im Proberaumschrank mehr oder weniger “geistreich” sind. Um derartige Ausreden ist man als kreativer Musiker zum Glück nie verlegen und so wurde seit Beginn der Rockmusik das Wort “geistreich” ein Euphemismus für “schmutzig” – nicht wenige Hoteliers hassen uns Musiker seitdem dafür und suchen ihre Freunde stattdessen lieber in der Fast-Drei-Prozent-Partei.
 

Ein ganz grober Fehler:

…denn alleine die Ausgaben für Spülmittel überschreiten doch nachweislich bei weitem die Ausgaben für die gelegentliche Renovierung eines verwüsteten Hotelzimmers. Oder glaubt ihr etwa allen Ernstes, daß dieses aalglatte Weichei namens Schwesterwelle (sowie seine sauberen Parteifreunde) aus dieser Tasse des Grauens trinken würden?
 
Geistreiche Kaffeetasse
 
Klick auf das Bild zeigt das Grauen…!
 
Never ever. Eher machen diese traurigen Figuren doch den Möllemann und beißen bei einem letzten verzweifelten Versuch, in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit zu gelangen, publikumswirksam ins Gras (frei nach Hagen Rether, Harvard-Zitierweise).
 

Wir Musiker…

…sind da doch vergleichsweise pflegeleicht: Eine gut bestückte Minibar im Fünf-Sterne-Hotelzimmer reicht uns vollkommen. Und wenn die Preise für diverse Spirituosen auch noch im erträglichen Rahmen liegen, fliegt auch kein Fernseher aus dem Fenster, die Zimmermädchen werden in Ruhe gelassen und wegen einer ungespülten Kaffeetasse wird nicht der Aufstand geprobt – sofern diese Kaffeetasse einen ordentlichen Kaffee und keine schwarzbraun gefärbte Plörre enthält. Eigentlich ganz einfach, oder? Dafür braucht es nicht einmal eine Lobby.
 
P.S.: Inspiriert wurde dieser Blogeintrag von dem Chaosweib ihrer Tassenparade, an der ich ausdrücklich nicht teilnehme. Schließlich ist es ganz schön lästig, ständig irgendwelche Tassen vom Proberaum in die Wohnung und wieder zurück zu karren. Außerdem habe ich schon lange nicht mehr alle Tassen im Schrank, aber das brauche ich Euch nicht mehr extra zu sagen, oder? :mrgreen:
 
 





Im Proberaum notiert am 13.07.2011 um 10:07 am und in der Ablage , abgeheftet.
(c) by Broken Spirits



 

// Zaungast



Gerade eben wollte ich Bier wegtragen. Dazu muß ich ja einmal quer über den Hof – die Toilette ist in einem anderen Gebäudetrakt. Als ich zur Tür raus bin, sah ich aus dem Augenwinkel einen Schatten davonhuschen.

Diese Gestalt vermied auffällig auffallend das fahl-gelbe Licht der Natriumdampflampen. Eine gespenstische Szene, wenn man mutterseelenalleine irgendwo in einem Industriegebiet auf einem Hof steht.

Nur das Scharren von Füßen war zu hören, aber auch das ließ sich nicht genau orten. Ein scharrendes Geräusch hier, ein leises Scheppern irgendwo anders. Die Echos der alten Fabrikhallen lassen es einfach nicht zu, verstohlene Eindringlinge in der Dunkelheit aufgrund der Geräusche zu orten.

Ich reagiere äußerst allergisch, wenn sich irgendwelche unbekannten Gestalten in der Nähe meines Heiligtums rumtreiben. Und diese heiligen Hallen verteidige ich mit Zähnen und Klauen. Bis zur letzten Bierflasche!

Die eignen sich nämlich sowohl als Wurfgeschoß als auch im Nahkampf als Hieb- oder Stichwaffe. Für letzteres muß man nur mal eben den Boden der Bierflasche abschlagen und schon hat man ein wirkungsvolles Hilfsmittel zur Selbstverteidigung. Eilig trank ich die letzten Schlucke Bier. Erstens wäre alles andere Verschwendung und zweitens macht das ja auch mutig.

Ich wechselte den Standort – wer flüchten will kann dies nur Richtung Hofeinfahrt tun. Und diese liegt im gelblichen Halbschatten. Ich muß also nur möglichst geräuschlos hinterherschleichen.

Hinter einem Mauervorsprung bestätigt mir ein Blick auf mein Handy, was ich geahnt habe: der Akku ist leer. Ich habe mal wieder vergessen, das Scheiß-Ding aufzuladen. Hätte mir aber aller Wahrscheinlichkeit sowieso nichts genutzt: die Pozilei macht mittlerweile einen großen Bogen um dieses Stadtviertel. Wenn wider Erwarten doch mal eine Streife hier durchfährt, wird bestenfalls ein Fenster einen Spalt runtergkurbelt, um mit der pösen Welt
zu kommunizieren.

Lauschen.

Weiterschleichen.

Meinerseits Deckung im Schatten suchend.

Am Hoftor angekommen sehe ich gerade noch, wie der Fuchs vor mir flüchtet. Als er die Straße überquert, bin ich wieder einmal schon etwas erschüttert, wie ausgemergelt das Vieh mittlerweile ist. Am Schwanz kein einziges Haar mehr, und im gelben Licht auf der Straße sieht man deutlich die Rippen. Mit grüngelb leuchtenden Augen wirft er mir einen letzten panischen Blick zu und verschwindet im Unterholz auf der anderen Straßenseite.

Ich werde mich wohl beeilen müssen, wenn ich den Fuchs nochmal für das Blog fotografieren möchte.

Jeder Zaungast, der hier raublauscht, wird von mir nämlich gnadenlos an den Blogpranger gestellt. ;-)





Im Proberaum notiert am 01.07.2011 um 1:48 am und in der Ablage abgeheftet.
(c) by Broken Spirits



 

// Horrornachzahlung



*hmpf*

200 Euro Nachzahlung für Strom.
 
Ok, daran bin ich zugegebenermaßen nicht ganz unschuldig – da ich derzeit wenig Musik mache wegen zuvieler Nebenjobs, die ich nur habe, um den Proberaum zu halten (von nutzen rede ich gerade gar nicht) und deshalb die monatlichen Abschläge etwas reduziert habe. Und dabei habe ich mich offenbar etwas verschätzt. Trotzdem kommt mir das gerade gar nicht recht :-(
 
Soviel zu dem Thema “Musik-machen-kostet-ja-nix-mehr-seit-man-mp3s-überall-im-Netz-runterladen-kann-und-somit-die-CD-Produktion-wegfällt”.
 
Irgendwann… kommen wieder bessere Zeiten. Hoffe ich.
 
 





Im Proberaum notiert am 03.06.2011 um 9:48 pm und in der Ablage abgeheftet.
(c) by Broken Spirits



 

// Mein Proberaum wird von Fans belagert



Eines vorneweg: Nein, ich habe nicht den ultimativen Nummer-Eins-Hit geschrieben, der alles, was DSDS, ESC, Dieter Bohlen und Co. jemals hervorgebracht haben, in den Schatten stellt.
Das schaffe ich zwar jedesmal locker selbst im volltrunkenen Zustand mit links, sobald ich nur ein Instrument in die Hand nehme, aber leider bemerkt das niemand.

Trotzdem gelang es mir, mit einer bedeutenden Belanglosigkeit, die niemals in einem renommierten Musiklexikon angemessen erwähnt werden wird, tausende und abertausende von Fans anzulocken: ich habe ganz einfach nach Einbruch der Dunkelheit das Licht eingeschaltet.

Eines meiner Groupies hat das unter dem Siegel der Verschwiegenheit der besten Freundin erzählt, diese hatte nichts Besseres zu tun, als diese weltbewegende Neuigkeit der Nachbarin zu erzählen, und die wiederum hat es in der Dönerbude von um die Eck’ jedem erzählt, der es hören wollte oder auch nicht. Innerhalb von zwei Stunden wußte es die ganze Stadt. Ein Aufschrei ging durch die lokalen Massenmedien und seitdem wird mir buchstäblich die Bude eingerannt.

Das Schicksal schlägt also mal wieder mit aller Härte zu:

Broken Spirits wird von Fans belagert

Immerhin: die Spinnen schieben gerade hektisch lärmend Überstunden und das, was von meinen fleischfressenden Pflanzen noch übrig ist, bereitet sich rülpsend auf den Verdauungsschlaf vor.

Kann mir mal bitte wer erklären, wie ich unter diesen Vorraussetzungen noch Musik machen soll?!

Eines beruhigt mich aber trotz dieser eher unschönen Zustände ungemein: die Vorstellung, daß jedes dieser Fliegetiere ein hysterisch kreischendes Teenie-Mädchen sein könnte, das laut Pappschild-Aussage ein Kind von mir will.
Es hat zugegebenermaßen schon Vorteile, daß niemand bemerkt, daß ich – sobald ich nur ein Instrument in die Hand nehme – alles in den Schatten stellen kann, was Bohlen, Raab und der ESC jemals an Eintagsfliegen hervorgebracht haben.





Im Proberaum notiert am 13.05.2011 um 2:19 am und in der Ablage abgeheftet.
(c) by Broken Spirits



 

// Proberaum Art 3



Mal seit langem wieder etwas Zeit für die Musik gehabt genommen :-)





Im Proberaum notiert am 10.04.2011 um 11:02 am und in der Ablage abgeheftet.
(c) by Broken Spirits



 

// Zeitreise



Broken Spirits: Mixtape, Kassette

Ein Schubladenfund. Ein kleines Wunder, wie diese Kassette sowohl den Wasserrohrbruch als auch den Umzug nahezu unbeschadet überlebt hat. Von dem ganzen übrigen chronischen Chaos, das hier zeitweise im Proberaum herrscht(e), will ich mal gar nicht anfangen zu reden.

Dieses Ding ist deutlich über 10 Jahre alt – und darauf sind die ersten Songs, die ich alleine schrieb. Schon damals mit gelegentlichen Einsatz von Gastmusikern, denen man an der Spielweise anhört, daß sie nicht glaubten, daß aus dem Projekt “Broken Spirits” jemals etwas längerfristiges wird.

Dies mag durchaus auch daran liegen, daß ich damals ziemlich “kaputt” war – eigentlich hat mir niemand ein Durchhaltevermögen, wie es in den folgenden Jahren nötig war, zugetraut (ich mir selber übrigens auch nicht).
Zu dem Zeitpunkt dieser Aufnahmen standen mir die richtig harten Zeiten erst noch bevor.

Was mich heute beim Hören dieser Kassette überrascht hat, ist die Tatsache, daß vieles, was ich heute mache, schon damals zumindest ansatzweise da war.
Zwar ausgesprochen unausgereift und rudimentär, teilweise reichlich ziellos und man merkt, daß ich überhaupt keine Ahnung hatte, wie man gewisse Instrumente spielt oder wie man überhaupt mit der einfachen und wenigen “Studio”-Technik, die mir damals zur Verfügung stand, umgeht.

Der Grundstein war aber gelegt.

Nachtrag: Auf einen Hinweis von Andi_Berlin gibt es hier noch die Erklärungen zur Musikkassette auf Wikipedia für die jüngeren Leser.





Im Proberaum notiert am 27.03.2011 um 2:13 am und in der Ablage abgeheftet.
(c) by Broken Spirits