// Gastbeitrag von Feechen: Macht der Gewohnheit
oder: Mein Mann, der glückliche Einbrecher
Von Feechen
Die Macht der Gewohnheit ist ein seltsames Ding: Tausendmal nimmt man sich vor, beim nächsten Mal aber auch wirklich alles anders zu machen – etwa bei Kummer nicht zur Schokolade zu greifen, ganz bestimmt ab morgen weniger zu rauchen, den Alkoholkonsum einzuschränken, sich viel gesünder und bewusster zu ernähren, endlich mal Omas letzte Büchergeschenke zu lesen statt abends vor dümmlichen Telenovelas zu hocken oder morgens der Abwehrkräfte zuliebe wenigstens kurz kalt zu duschen.
Silvester ist immer wieder eine sehr fruchtbare Zeit für solche komischen Ideen, denen leider und doch glücklicherweise meistens auch nur ein kurzes Leben beschieden ist.
Im vollen Bewusstsein sämtlicher bislang total gescheiterter ähnlicher Vorhaben wollte ich in diesem Jahr ein wenig anti sein und bewusst darauf verzichten, mir auch nur die kleinste Änderung vorzunehmen. Allein dieser sich durch die Hintertür hereingeschlichene und stark verkleidete Vorsatz ward bereits gebrochen, da war das Jahr noch keine Stunde alt.
Was war passiert?
Ein Zusammenprall verschiedener Gewohnheiten und Annahmen.
Wo zum Beispiel hat das Schlüsselbund daheim seinen Platz? Ich lege ihn zusammen mit Handschuhen auf das kleine (Koch-)Bücherregal im Flur, meine Oma hängt ihn vorschriftsmäßig an das Schlüsselbrett hinter der Tür, eine Freundin pfeffert ihn gekonnt auf den Küchentisch und wieder andere stecken ihn von innen an die Tür. Mindestens von zweierlei Sicherheitsgedanken bewegt – der Schlüssel ist greifbar aber versorgt und man kann die Tür sicherheitshalber von innen verschließen. Nach dem Genuss von „bowling for columbine” wurde meine Ablehnung des einen noch erhärtet und für den zweiten gibt es ja das gewohnte Bücherregal.
Alles ganz undramatisch.
Interessant wird es erst, wenn Gewohnheiten in eine fremde Umgebung getragen werden: beispielsweise in einen Nichtraucherhaushalt, wo man sich mit einem Schlüssel bewaffnet zum Rauchen auf den Hinterhof verziehen muss, und wo Hausdame im Vertrauen, dass ihr Schlüssel auf dem Bücherregal liegt und der Hausherr den seinigen mitnimmt, die Wohnungstür hinter sich zuzieht.
Kurzzeitig wirklich unschön wird es, wenn noch mehr blöde Zufälle zusammentreffen. Etwa wenn sich eine angeregte Diskussion sich wegen eines Rauchers auf den Hof verlagert, der sich für den Schlüssel zuständig fühlende Diskutant zu der „ich stecke den Schlüssel von innen ins Schloss”-Fraktion gehört und sich dies in der Silvesternacht zu einem Zeitpunkt der kalten und nassen Füße, Jahreswechsel bedingter Trunkenheit und aufkommender Müdigkeit herausstellt.
Und der aktuelle Vorsatz für 2010?
Ich nehme künftig immer – auch bei Spaziergängen mit der besseren Hälfte – meinen eigenen Schlüssel mit oder lade ich nur noch Nichtraucher ein??? *grübel*
Auf die Idee, bei uns einen Schlüssel von innen ins Schloss stecken zu wollen, kommt jedenfalls dank broken keiner mehr so schnell – jedenfalls nicht solange das Isolierband den Kronkorken an strategisch wichtiger Stelle hält!
Kleiner Nachtrag von mir: Solche Ideen mit dem Kronkorken kommen nicht von ungefähr – ich persönlich finde Kronkorken wesentlich praktischer, wenn sie von der Bierflasche unten sind – und das nicht nur wegen der eigentlichen Funktion als Verschluß des Gerstensaftes. Generell lassen sich die Teile vielseitig verwenden, als Unterlegscheiben, als Füllmaterial für Trommeln, zum Einklemmen von Metallschienen (die Zähne wirken wie “Spikes”) und nun eben auch als Schloßverschluß…
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Im Proberaum notiert am 03.01.2010 um 4:10 pm und in der Ablage Off Topic abgeheftet.
(c) by Broken Spirits













